Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 „Brüder — — denn das sind wir ja von dieser Stunde an -Brüder und Freie, nun seid ihr glücklich, und ihr könnt euch heute, einen glücklichen Tag machen. Ich aber muß weiter eilen, um die frohe Botschaft im ganzen Bezirk so schnell als möglich bekanntzugeben. Zum Zeichen unserer Verbrüderung aber will ich mit euch ein Glas Wodki trinken. . Bestellt eurem Gutsherrn einen schönen Gruß von mir, da ich leider keine Zeit habe, ihn zu besuchen. Wenn meine Equipage hier später durchkommr, dann saget meinem Leibkosak, daß er mich aus dem Wege nach Minsk treffen wird." Er trank das große Glas, das der Wirt ihm voller Unterwürfigkeit gebracht hatte, mit einem Zuge leer, und trat -dann zu Baum, der die Pferde schon wieder angespannt hatte. (Schluß folgt.) Literarische Mitteilungen. ='Transactions vk the Jewish historical Society of England. Vol. VI. 1008—1910. Ballantine, Hanson Sc Co. Edinbourgh 8c London. 1912. Ein wirklich achtungsgebietender, schön gedruckter, auch mit vielen trefflichen Kunstbeilagen bereicherter Band voll solider Arbeit. Der vorliegende Band ist dem Andenken des verstorbenen Oberrabbiners H. A. Adler gewidmet. Das stattliche Werk von 318 Seiten enthält 18 gediegene Beiträge, die meist von englischen Forschern herrühren, aber auch unser Felix Liebermann hat einen Beitrag „König Alfred und das mosaische Gesetz" beigesteuert. Es ist natürlich nicht möglich, in dieser allgemeinen Zeitschrift alle, zum Teil recht speziellen Arbeiten zu erwähnen, noch, weniger sie einzeln zu besprechen. Von allgemeinerem Interesse ist die Zusammenstellung „Das Jubiläum der politischen Emanzipation", Reden und Ansprachen, die bei einem im Jahre 1908 stattgehabten Diner gehalten, Briefe des englischen Premierministers und mehrerer englischer Diplomaten, die bei dieser Gelegenheit vorgelesen wurden. Es handelt sich um das fünfzigjährige Jubiläum der vollen Emanzipation. Einer der Minister schreibt: „Jedes Jahr hat neue Beispiele des Patriotismus, des Edelmuts und des öffentlichen Geistes der Gemeinschaft gegeben, die viel zu spät zum vollen Genuß der Bürgerrechte zugelassen ist." Mich haben speziell zwei Beiträge interessiert: Der eine, Anglo-judaica enthält die Beschreibung einer Sammlung von Pamphleten und Büchern, die sich auf das Interesse an hebräischen Studien und auf den Fortschritt der jüdischen Sache im christlichen England beziehen. Er enthält höchst merkwürdige Belehrungen über Schriften des 17. zum Teil auch des 18. Jahrhunderts, über die Duldung des Judentums, über die Versuche zur Bekehrung der Juden, aufschlußreiche Notizen über seltene Publikationen, von denen einzelne Gedanken wachrusen, die auch heute noch nicht überflüssig sind. Der andere ist betitelt: Satirische und politische Flugblätter über die jüdische Naturalisationsbill aus dem Jahre 1753, mit einem Verzeichnis der bei dieser Gelegenheit erschienenen Schriften (es sind nicht weniger als 83). Zum Teil sind die mitgeteilten Gedichte und Stellen sehr feindselig gegen die Juden. Der Aussatz ist besonders reich an bildlichen Beigaben. Die Illustrationen sind von allerhöchstem Interesse. Obgleich sie in eine längst vergangene Zeit führen, erscheinen einige geradezu modern; die eine „Die große Konferenz oder die Vorherrschaft der Juden" und die andere „Ansicht des neuen Jerusalem" könnten auch heute noch gemacht worden sein. — Der Band hat für uns etwas Beschämendes. Unsere Geschichte, die der Juden in Deutschland, ist gewiß ebenso reich wie die englische, aber besitzen wir eine Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, die ähnliche vortreffliche Publikationen ins Leben ruft. Die von dem D. I. G. B. vor Jahrzehnten eingesetzte Kommission, deren Wirksamkeit eine ganz auszeichnete war, ist längst entschlafen, und so viele Ausgaben, die der einzelne nicht erfüllen kann, harren vergeblich auf ihre Lösung. — Geistesbelden. (Führende Geister.) Eine Sammlung von Biographien. Herausgegeben von Ernst Hofmann. 62. Band. Wilhelm v. Humboldt von Otto Harnack. Berlin 1913. Ernst Hofmann u. Co. Da wir uns in dieser Rubrik aus solche literarische Erscheinungen beschränken, die jüdische Dinge behandeln, könnten wir uns durch Erwähnung dieses Buches leicht dem Vorwurf aussetzen, die selbst bestimmten Grenzen überschritten zu haben. Aber der Vorwurf ist ungerechtfertigt. Denn auch in diesem Buche wird von Wilhelm v. Humboldts Tätigkeit in der Angelegenheit der Judenemanzipation -- von dieser und Humboldts Stellung zum Judentum überhaupt ist in manchen Aussätzen dieser Blätter die Olefce gewesen — an einer Stelle kurz behandelt. Nachdem die berühmten Worte Humboldts angeführt werden, in benen. der Diplomat einer völligen- Gleichstellung der Juden mit den Christen das Wort redet, sagt der Verfasser: „Für die Annahme dieses edlen Ratschlages war der Preußische Staat damals noch nicht reif; er bleibt aber trotzdem ein Ruhmestitel des Urhebers für alle Zeiten (S. 113)." Und auch an einer anderen Stelle in der literarischen Uebersicht wird bei der Erwähnung von Humboldts Geschichte der Sprachwissenschaft folgendes gesagt (S. 273): „Ein lebendiges, Persönliches Interesse für die besondere Richtung dieser Forschung hat dagegen der Bahnbrecher der Völkerpsychologie, Steintbal, immer von neuem bewiesen und endlich in seiner erläuternden Arbeit »Die sprachphilosophischen Arbeiten Wilhelm v. Humboldts' 1884 zusammongefaßt." Diese beiden Stellen mögen hervorgehoben werden, umdie Berechtigung zu erweisen, daß ich an dieser Stelle von dem Buche rede. Ich darf aber hinzufügen, daß Harnacks Werk eine vortreffliche Lebensbeschreibung des großen Mannes ist, die seine Tätigkeit auf so vielen Gebieten, auf dem ästhetischen, besonders auf dem politischen, feinsinnig darstellt und von dem Wesen des Menschen eine sehr sympathische Schilderung gibt. L. G. * -- Max Ritter. Das Hohelied von Salomo. Ein Liebeslied in acht Gesängen in der ursprünglichen Fassung wiederhergestellt. Stuttgart, Druck und Verlag von Greiner & Pfeiffer. 3 Mark. Der Versuch soll durchaus ernst genommen werden. Was der Verfasser will, sagt er im Vorwort. Nach dem Resultate seiner Forschung nämlich ist das Hohelied weder ein Drama, wie Ewald und seine Anhänger annehmen, noch eine Reihe von Volks- oder Minneliedern, wie Herder, Wetzstein und Vesper gesunden zu haben glaubten, sondern eine zusammenhängende Liebesgeschichte in Form einer Erzählung, und zwar ist die Erzählerin die Braut des Königs selbst. Ueber eine solche Deutung mögen Bibelkundige das entscheidende Wort sprechen. Daß bei solcher Rekonstruktion viele.Gewaltsamkeiten unterlaufen, daß die Willkür des Herausgebers sehr frei schaltet, ist garnicht zu leugnen. Nimmt man aber die Hypothese — denn als etwas anderes wird man sie kaum gelten lassen dürfen — des Herausgebers an, so kann man nur sagen, daß die von ihm gegebene Uebersetzung, bei der er sich zumeist an den von Kautzsch gegebenen Text angeschlossen hat, mit Ausnahme weniger Fälle, in denen er die Uebersetzungen von Siegfried, Delitzsch' und Budde vorgezogen hat, sich gut lieft. Ohne daher eine bestimmte Stellung zu der Theorie des Verfassers zu nehmen, wird man an dem übrigens sehr hübsch ausgestatteten, freilich auch sehr teueren Büchlein — 56 kleine Seiten kosten 3 Mark — seine Freude haben. L. G. Mchrrrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums: Ludwig Philippson. 28. Dezember 1811— 28. Dezember 1911. Vortrag, gehalten in der Generalversammlung der Gesellschaft zu Berlin, am 3. Januar 1912 von Dr. I. Elbogen. Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock, G. m. b. H., 1912. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. 9. Jahrgang. Heft Nr. 4, April 1913. Archiv für jüdische Familiensorschung, Kunstgeschichte und Museumswesen. 1. Jahrgang. Nr. 2 und 3. Wien 1913. Deutsche Meisterprosa. Ein Lesebuch von Eduard Engel. Braunschweig und Berlin, Verlag von George Westermann. 1913. Rudolf Mosse. Von Ludwig Geiger. — Die Woche. — IJIlljUll.» Die Emilie-Nudolf-Mosse-Stistung in Berlin-Wilmersdors. Von Direktor Hein itz. — Die Israelitische Allianz zu Wien. Von A. K. — Ein neues Buch über die „Rassenmerkinale der Juden". Von Sigmund Feist. — Rabbiner Dr. Joseph Kodak s. A. Von Professor Dr. Majer Balaban. — Feuilleton: Ter General von Chammerow. Purimhumoreske von Sam. Gordon. .Frei übersetzt von M. Pulvermann. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Brandenburg a. H., Allenstein, Posen, Lobsens, Breslau, Neiße, Hannover, Petersburg, New York. — Von Nah und Fern.