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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-09 · Heft 19 (9.5.1913) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
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226 des Beth -tzamidrasch, wo er zusammen mit seinem Freund und nachmaligen Dajan Uri Wolf Salat eifrig dem Talmudstudium oblag. Nebenbei erteilte er in reichen Häusern Privatunterricht und fristete so sein Dasein, bis er mit gutem Erfolg' die Reifeprüfung machte.. An der Franzensuniversität in Lemberg studierte er Philosophie und Orientalia, welche von Zwei jüdischen Dozenten vorgetragen wurden. Einer dieser Dozenten war Ephraim Israel Blücher, nachmaliger Rabbiner in Oswiecim, und der andere war Dr. Igel, nachher Rabbiner in C z e r n o w i tz, der Uebersetzer von Luzzatos Moraltheologie. Schon während der Lemberger Universitätsjahre begann Kobak seinen „Jeschurun" herauszugeben. Sein offizieller Titel lautete „Jeschurun, Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums unter Mitwirkung namhafter Gelehrter, herausgegeben von I. Kobak. Hebräische und deutsche Abteilung." Die ersten zwei Jahrgänge erschienen in Lemberg 1856—1858 und enthielten wertvolle Aussätze aus der Feder des Herausgebers wie auch fast sämtlicher Hebraisten seiner Zeit. (Wiener, Kaiserling, Kassel, Dukes, Oppenhein usw.) Im Jahre 1859 sehen wir Kobak in Breslau, wo er seinen dritten Band Jeschurun ediert und im Jahre 1860 zum Doktor der Philosophie promoviert. Nach Erhalt eines ausgezeichneten Rabbinatszeugnisses von drei Rabbinern übernimmt er das Rabbinat und die Schulleitung in der kleinen galizischen Stadt Andrichau, wohin er seine junge Frau (Marie Adele Markus aus Lemberg) heimführte. Kurz währte das Familienglück des jungen Paares, denn am 5. Mai 1861 starb die junge Frau bei einer Geburt und hinterließ den Mann und das kleine Töchterlein in tiefer Trauer. Wie ein historisches Dokument mutet uns der Nekrolog der Frau Kobak an, der in Nr. 20 des 25. Jahrgangs dieser Zeitschrift (1861, Seite 290) abgedruckt ist, und der einen Markstein im Leben Kobaks bildet. Er verließ Andrichau und übernahm das Rabbinat in L i p t o - S t. - M i k l o s ch in Ungarn, von wo er im Jahre 1864 als Bezirksrabbiner nach Bamberg in Bayern berufen wurde. Hier wirkte er zum Wohle der Gemeinde durch 19 Jahre, hier gab er noch fünf Jahrgänge seines Jeschurun, vier Hefte seiner Ginse 9t i st a r o t h und eine populäre „Hebräische G r a m - m a t i k" heraus und trug viel zur Regelung des Kultus in der Gemeinde bei. Hier zeigten sich aber die ersten Spuren seines unglücklichen Ehelebens; die Zwistigkeiten zwischen seiner zweiten.Frau und der Heranwachsenden Tochter aus der ersten Ehe schlossen im Jahre 1883 fast mit einer Katastrophe, und Dr. Kobak mußte Bamberg verlassen und übernahm in seiner Vaterstadt Lemberg den Religionsunterricht in allen drei Obergymnasien wie auch das Seelsorgeramt in der Strafanstalt. Auch predigte er oftmals in Vertretung des Rabbiners Löwenstein und vertrat denselben bei Trauungen und anderen Kasualien. Er versah auch, als Vertreter, selbständig das Rabbineramt in Lemberg während der Vakanz nach dem Tode Löwensteins und vor dem Amtsantritt des jetzigen Rabbiners Dr. Caro (1889—1892). Er war aber schon ein gebrochener Mann, die starke Inanspruchnahme, die vielen Schulstunden einerseits und das zerrüttete Familienleben anderseits wirkten zerstörend auf den starken Mann. Bald verlor er seine staatliche Anstellung, und um einmal Ruhe zu finden, ging er als Privatlehrer nach Ungarn und von dort nach Innsbruck, wo er den Kindern der 28 hier ansässigen jüdischen Familien Religionsunterricht erteilte. Nach zwei Jahren kehrte er nach Lemberg zurück (1896), wo er den Abend seines Lebens verlebte. Der letzte Jahrgang seines Jeschurun erschien im Jahre 1878, seit der Zeit war Kobak für die deutsche Gelehrtenwelt tot; seine kurze, im Talpijoth 1895 erschienene Autobiographie ist in der weiten Welt unbeachtet geblieben, er selbst dachte stets an eine Sammelausgabe seiner Werke, an die Ausgabe von Memoiren aus seinem bewegten Leben; nichts hat er erfüllt, keine Freude an seinen Kindern und den Kindern seines Geistes erlebt. Verlassen und arm starb er im hohen Alter, von der Gelehrtenwelt vergessen und lange für tot gehalten. Seinen Schülern und Verehrern war er aber bis zur letzten Stunde ein treuer Berater, und in ihrer Mitte bleibt das Andenken dieses Lehrers in Israel für immer hoch und heilig. ggu|ji|eggg- IRH53 Der General von Lhammerow. Purimhumoreske von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. P u l v e r m a n n. V. der Schenke wurde haltgemacht, «und zwei Knechte eilten herbei, um bei dem Ausspannen behilflich zu sein. „Ihr Schassköpfe!" rief Baum ihnen flüsternd zu. „Was gafft ihr mich.und die Pferde an? Geht lieber hin, um dem Herrn General beizustehen. Der Herr General ist gerade in feiner Stimmung, und es kann euch leicht etwas passieren. Aus diesen holperigen, miserablen Wegen haben wir mit unserer Equipage Unglück gehabt und ein Rad gebrochen, so daß wir gezwungen sind, unsere Reise mit diesem elenden Leiterwagen fortzusetzen. Der Herr Exzellenz bringt sür die ganze Provinz wichtige Botschaften aus Petersburg. Er hat große Eile und ist darum über die Verzögerung wütend." Mit hündischer Unterwürfigkeit liefen die Knechte zu Klotz, der sie aber grimmig von sich wies, als seien sie nicht einmal würdig, seinen Mantel mit ihren unsauberen Händen zu berühren. Mit großer Umständlichkeit, dabei aber gräßlich fluchend, verließ er den Wagen, ohne die Umstehenden eines Blickes zu würdigen. „Warum ist denn der Wirt nicht hier, um den Abgesandten des Kaisers gebührend zu empfangen?" donnerte er mit seinerschönsten Baßstimme, während er sich zu seiner ganzen stattlichen Höhe aufrichtete. Majestätisch schritt er durch die Umstehenden, die scheu und zaghaft zurückwichen, nach der Schenkstube, wohin Baum in seiner Dienerrolle ihm geschäftig folgte. Erhitzt und aufgeregt kam ihm der Wirt entgegen. „Verzeihung, Exellenz, Hochwohlgeboren", winselte er demütig. „Ich mußte erst die Hunde an die Kette legen, die sich heute wie rasend gebärden, und ich ..." Mit einer herrischen Handbewegung schnitt ihm Klotz das Wort ab. „Ich habe keine Zeit, mich lange mit dir zu unterhalten. Laß durch den Ausrufer alle Einwohner Über zwanzig Jahre binnen einer halben-Stunde herbestellen, um eine kaiserliche Botschaft zu vernehmen. Wer nicht selbst kommen kann, muß einen Stellvertreter schicken, oder er wird es sein ganzes Leben büßen müssen! Hast bit mich verstanden? Marsch, fort!" Von der Strenge des Herrn Generals ganz verschüchtert, küßte der Wirt den Saum seines Mantels und entfernte sich eiligst, während die anderen von der dröhnenden Stimme, noch mehr aber von der glänzenden Uniform ganz ergriffen waren. Die Knechte hatten inzwischen ein mächtiges Feuer aus dem Herde entzündet, vor welchem Klotz in erhabener Größe einsam saß, während Baum sich bei den Muschiks aushielt, die sich verängstigt wie eine Schafherde zusammendrängten. Es dauerte keine halbe Stunde, da war auch schon die Schenkstube gedrängt voll. Es war ja ein Sonntag, und alle

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