Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3229069-3229089--69426-3281727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
218 Zeitung" wurde am I.Juli 1964 durch Kauf übernommen. Unser Blatt (die „Allgemeine Zeitung des Judentums") ging.. im Februar 1890 durch den Kauf trt den Besitz der Firma über. Von wohltätigen Stiftungen seien die folgenden erwähnt: das in der Vaterstadt des Herrn Rudolf Mosse errichtete „Dr. - Mosse - Krankenhaus sowie das „Rudolf-Mosfe-Heim", bestimmt für gebrechliche erwerbsunfähige Personen beiderlei Geschlechts. Ferner die „Emilie-Rudolf-Mosse- Stiftung" in Berlin- Wilmersdorf , über welche ein besonderer Artikel folgt. Außerdem die im Dezember 1911 für die kaufmännischen Angestellten der Firma gegründeten Pensionskasse, durch die den invaliden Beamten sowie deren Hinterbliebenen eine sorgenfreie Zukunft gewährt wird. Ich darf diese kurze Skizze wohl mit dem Glückwunschschreiben schließen, daß ich dem Album zu Ehren des Jubilars beigesteuert habe. Es lautet: . Zu dem schönen Feste, das Sie, -hochgeehrter Herr, am 8. Mai begehen, erscheine auch ich gern als Glückwünschender. Der Gratulant, der vor Sie tritt, braucht indessen nicht zu wünschen, daß Ihnen Erfolg beschreden sein möge; er hat nur den gewaltigen Erfolg zu konstatieren, der Ihnen bisher zuteil ward, und zu erhoffen, daß Ihr Lebensabend dem Lebenstage gleiche. Und er darf sich mit Ihnen erfreuen, daß das Außerordentliche, was Sie erreicht haben. Ihnen nicht durch Zufall in den Schoß siel, sondern durch ernste, zielbewußte Arbeit. Er darf stolz aus Sie blicken, weil Sie den Erfolg nicht begehrten bloß um des Erfolges willen, sondern weil Sie arbeiteten im Dienste der Gerechtigkeit, Wahrheit und Freiheit. Weil Sie nicht sich dienten, sondern der Sache. Weil Sie strebten und wirkten, nicht um Ehren auf sich zu häufen, sondern ein aufrechter Mann waren und blieben, dem Mannesehre und Erfüllung der Pflicht stets das Höchste waren. In einem Alter, in dem so viele ihre Arbeit getan zu haben glauben, folgen Sie dem Dichterwort: „Noch ist es Tag, da rühre sich der Manü." Unsere Alten, denen Sie immer die edelste Pietät gezeigt haben — denn wirkliche Pietät äußert sich nicht in der Erhaltung .des Abgestorbenen, sondern in der Fruchtbarmachung des Ewigen und Lebendigen — haben den Siebziger — dem Zahlenwert des hebräischen Wortes: Wein entsprechend.— mit dem Wein verglichen. Sei es Ihnen vergönnt, ein edler Wein zu bleiben, kein Trank, der erhitzt, berauscht und erschlafft, sondern ein edles Naß, das erwärmt, kräftigt und belebt. Das sei mein Glückwunsch zum heutigen Tage. L u d w i g G e i g e r. Die Woche. Berlin, den 6. Mai 1913. re Weltlage bleibt nach wie vor höchst verworren, und dies bedeutet in diesem Falle: trüb und beängstigend. Skutari ist in den Händen der Montenegriner. Man muß sich vorsichtig ausdrücken; denn man kann kaum sagen: erobert. Alle die Zeitungsnachrichten vom heroischen Sturme und heldenmütiger Verteidigung, scheinen der Phantasie oder der bewußten Erfindung der Kämpfenden und der von ihnen beeinflußten Organe zu entstammen. Vielmehr ist die Uebergabe der Festung und Stadt ein wohlüberlegter Handel, bei dem man nur nicht recht weiß, ob und inwieweit die Türkei daran beteiligt ist. Das aber weiß man, daß der „Heros" Esfad Pascha-sich plötzlich zum Fürsten von Albanien ausgerufen hat — ob er das Fürsten- oder gar Königtum behalten wird, steht dahin — und daß Nikita von Montenegro in Skutari ist und zu bleiben gedenkt. Das hat er wenigstens den europäischen Mächten, die ihn wiederholt Rudolf Mosses Geburtshaus in Grätz. gm >v Wohnung Rudolf Mosses als Schulknabe. Wohnung des Dr. M. Mosse (Rudolf Mosses Vater).