Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1913)
- Date
- 1913-05-02
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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s 216 red)t gut ausgestattet und mit 14 recht ansprechend ausgeführten Bildern geziert. Jedenfalls darf das Ganze als ein höchst wertvoller Beitrag zur Lokalgeschichte betrachtet werden. L. G. * Von Musikdirektor Aron Friedmann, Hauptkantor der jüdischen Gemeinde in Berlin sind soeben drei liturgische Gesänge für Kantor ruit Orgel- oder Harmonium- oder Klavierbegleitung im Selbstverläge erschienen. Dem Andenken seiner edlen, frommen Gattin gewidmet, durchzieht diese Klageweisen ein großer Schmerz, der in tiefergreifendeir Tönen aus gebeugtem Herzen quillt. Gleich im ersten Gesang: „Herr, was ist der Mensch", c-moll, malt nach einem stimmungsvollen Orgelvorspiel die Singstimme in edler, eindringlicher Melodik das Bild irdischer Vergänglichkeit mit der dramatischen Steigerung aus den Worten: „Kehret um, ihr Menschenkinder." Der Schmerz hat seinen Höhepunkt überschritten und der gottergebene Autor läßt in weichen, lyrischen Melismen sein Gottvertrauen, seine wiedergesundene Seelenruhe in tröstendem Dur ausklingen. Diesem, den Oratorienstil bevorzugenden Sang folgt mit stark chasonischern Einschlag die „Elegie aus Moses" aus g-moll, eine Komposition, die> den wundervollen hebräischen Text sinngemäß und dramatisch bewegt, trefflich musikalifch illustriert. Die rezitatorifche Ausdrucksweife, reich an Erfindung und geschmackvoller Allsgestaltung, sichert dieser Elegie bei entsprechender Wiedergabe tiefe und nachhaltige Wirkung. Auch die Lamentation des 16. Psalms, f-moll, mit ihrem eigenartigen, altertümlichen Tonfall, an das Sagen der Kinoß erinnernd, wird eines Wehmut und Ergriffenheit hervorrufenden Eindrucks nicht verfehlen. Was nun die Orgelbegleitung betrifft, so hätte sie wohl modulatorisch reicher ausgeführt und selbständiger gestaltet sein können. Allein, auch in der vom Komponisten gewählten Form darf die vorliegende Veröffentlichung, schon wegen iher vorzüglichen Verwendbarkeit bei Trauerseierlichkeiten, als eine empfehlenswerte Erscheinung auf dem Gebiete der Synagogen-Gesangsliteratur dankbar, begrüßt werden. E.Kirschner. M4S Mchrreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Year Book of the Central Conference of American Rabbis. Volume XXII. Edited by Samuel Schulman and Salomon Foster. 1912—5672. Containing the Proceedings of the Convention held in Baltimore, Maryland. April 12 to 17, 1912. Eine ungekannte Welt. Zweiter Band: Zwischen Rhein und Wolga. Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben von Jndäus. Verlag von Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. 5673. Preis 2.50 Mark und gebunden 3.50 Mark. Volksfchriften über die jüdische Religion, herausgegeben von Dr. I. Ziegler, Karlsbad. 1. Jahrgang. VII. Heft. Religion und Wissenschaft von Dr. Ignaz Ziegler-Karlsbad. Frankfurt a. M. I. Kaufsmann 1913. Beiträge zur Wissenschaft des Judentums von Dr. Simon Friedmann, Rabbiner der Synagogengemeinde Lublinitz, O.-Schles. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. 1913. . Die Sagen der Juden. Gesammelt und bearbeitet von Mich'a Joses bin Gorion. Von der Urzeit. 1913. ° Von der Urzeit. Jüdische Sagen und Mythen. Literarische Anstalt Rütten und Loening. Frankfurt am Main. Preis: geheftet 6 Mark, gebunden 7.50 und 10 Mark. Revue des Etudes Juives. Publication trimestrielle de la Society des Etudes juives. Tome LXV. No. 129. 1. Januar 1913. Vortrag über: Die jüdischen WohlfahrtseiurichtuNgen in Bonn. Am 24. Januar 1913 im Auditorium maximum gehalten von Rabbiner Dr. E. Kalischer. Bonn, 1913. Geschichte des Hauses Baerwald. Festschrift zur goldenen Hochzeit von Lesser und Pauline'Baerwald. Rakel, den 17. Mürz 1913. The Jewisli Quarterly Review. Edited by Cyrus Adler and S. Schechter. Vol. III. No. 3. January 1913. The legends oft the jews by Louis Ginzberg. Translated from the German Manuskript. IV. Bible Times ans Characters from Joshua to Esther. Philadelphia. The Jewish Publication Society of America. 1913. Zur Reform der Mittelschule. Gedanken und Vorschläge. Von A. Jarotzky. Reval 1913. Franz Kluge. Psychologie des jüdischem Geistes. Zur Völker- und Kulturpsychologie von S. M. Melamed. C. A. Schwelschke und Sohn. Berlin W. The Jewish Immigration Bulletin. Vol. III. No. 2. Feibruary Geisteshelden. (Führende Geister). Eine Sammlung von Biographien. Herausgegeben von Ernst Hofmann. 62. Band. Wilhelm v. Humboldt von Otto Harnack. Berlin 1913. Ernst Hofmann und Co. Familie Mehlmann. Roman eines Konvertiten. Von Friedrich Streißler Jena. H. Costenoble. 1913. Arthur Maher-Brandus. Das gelobte Land. Schauspiel in 4 Akten. „Die Bühne", Berliner Verlag 1913. Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben. Heft 2: Die Wanderbewegungen der Juden von Wlad. W. Kaplun-Kogan. Bonn 1913. A. Marcus und E. Webers Verlag. 4 Mark. ✓ Sermons et allocutions par J. H. Dreyfuss, Grand Rabbin de Paris. Deuxieme Serie. Paris. Librairie Durlacher. 1913. Börnes Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden. Herausgegeben von Ludwig Geiger in Verbindung mit I. Dresch, R. Fürst, E. Kalischer, A. Klaar, A. Stern >und L. Zeitlin. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin. Sechster Band. Briefe aus. Paris I. Herausgegeben von Alfred Stern. Siebenter Band. 'Briefe aus Paris II. Herausgegeben von Alfred Stern. Menzel, der 'Franzosensresser. Herausgegeben von Rudolf Fürst. Neunter Band. Briefe an Jeannette Wohl I. Herausgegeben von Ludwig Geiger. Sprechsgal. Nachdem die antisemitische deutsche Geschichte von „Einhart" (Dieterichsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig) drei Auslagen erlebt hat, fühlt sich der Verfasser verpflichtet, den Schleier der Pseudvnymität zu lüsten und im Vorwort zur vierten Auslage zu erklären: „Ich habe seinerzeit einen Decknamen gewählt, um zu erreichen, daß mein Buch nach feinem Wesen, seinen Absichten, seinem Inhalt beurteilt werde, nicht nach der Person des Verfassers." Der Verfasser ist Heinrich Claß in Mainz. Wenn ein Jude solche Manipulationen betätigt hätte, so würde ihn Herr Claß in seinem verblendeten Antisemitismus der Feigheit, des Mangels an Mut der Ueberzeugung, selbstischer Interessen geziehen haben, aber Herr Claß ist ein ehrenwerter Mann, erfüllt von Idealismus und objektivem Denken, 'das ihn allerdings bei Beurteilung' des Judentums völlig im Stiche läßt. Dr. S p a n i e r, Magdeburg. In Bezug auf die in der Nummer vom 4. April enthaltene Mitteilung über die Schrift des Spaniers Dr. Konstantin da Hortay Pardo, nach der Columbus aus jüdischer Familie von Pontevandra in Galizien abstammen soll, erlaube ich mir folgendes zu bemerken: Die Hypothese von seiner Abstammung von. Juden ist keine neue. Sie rst bereits vor zehn Jahren (Februar 1963) von Don Vicenta Parados in der Resista de Estramadura ausgestellt und von Boletin de la Real Academia de la Historia in Madrid nicht als Phantasiestück betrachtet worden. Ob dem Dr. Horta y Pardo die um zehn Jahre ältere Hypothese bekannt war und von ihm erwähnt wurde, ist aus dem oben erwähnten Artikel nicht zu-' ersehen, doch scheint wir die ältere Hypothese insofern wahrscheinlicher, als in ihr sogar die Familie der Neuchristen von dem Columbus abstammen soll, angegeben wird. Es soll die des Salomon Halewi aus Buvgos, als Christ Pablo da Santa Maria, fein, deren Glieder zu hohen geistlichen und weltlichen Aemtern gelangt sind. Des Columbus Mutter soll aus dieser Jnrnile stammen, sein Vater ein „alter Christ" aus Estranmdura gewesen sein. Der spanische Autor will eben aus Nationalstolz die italienische Abkunft des großen Entdeckers nicht zugeben, an der bewährte nichtspanisch'e Forscher festhalten. Es ist noch hervorzuheben, daß Columbus Mutter eine geborene Fontanarossa aus Genua war, und er selbst sich Colon Fonterosa nannte. Ich selbst betrachte seine jüdische Abstammung nicht für ganz unwahrscheinlich und, habe seinerzeit einen ausführlichen Artikel darüber in der Oesterreich'ischen Wochenschrift von Dr. Bloch vom 26. März 1909 veröffentlicht. Dr. M. Landau. siu*Mfcie