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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-02 · Heft 18 (2.5.1913) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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213 Es kann eine nach jeder Richtung hin gedieg e n e A u s - b i l d u n g gewährleistet werden, und wir dürfen erwarten, daß unsere Glaubensgenossen, von dem hohen Wert unserer Bestrebungen überzeugt, dem Seminar ihre ungeteilte Sympathie eutgegenbringen. Mögen sie diese dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie die Einführung von Schulgärten und Handfertigkeit an den Schulen durch 'Bereitstellung der dafür nötigen, nicht großen Mittel, fördern und den Lehrern bei Urlaubsgesuchen zur Teilnahme an den Kursen bereitwilligst entgegenkommen. Die Arbeit des Seminars liegt im Interesse der jüdischen Jugend, sie dient der Hebung der sozialen Stellung der jüdischen Gemeinschaft und ist berufen, eine Regeneration schwindender und eine Erhaltung vorhandener Kräfte für die Zukunftsarbeit zu bewirken. Wir haben die. feste Ueberzeugung, daß die jüdischen Lehrer ihren so oft bewiesenen Idealismus auch in der eifrigen Förderung dieser sür die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft Deutschlands bedeutsamen Kulturarbeit bewähren, indem sie die Idee fördern, und wo Lust und Liebe und genügende Kraft vorhanden, sich aktiv an dem Werk beteiligen werden. Wie in seltenen Fällen begegnet sich hier das allgemeine Interesse mit dem Eigeninteresse des Lehrers. Die Bedeutung des Seminars erfährt ihre Würdigung durch einen Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten vom 26. November dieses Jahres (N..1II A. Nr. 1831,1). In diesem Erlaß macht der Herr Minister die königlichen Regierungen auf die von der Simonstiftung geschaffene Ausbildungsmöglichkeit aufmerksam und ersucht die königlichen Regierungen gleichzeitig um Meldungen christlicher Lehrer, die sich einer Ausbildung an dem von der Stiftung eingerichteten Seminar unterziehen wollen. Die Eröffnung des Seminars fand am 1. April 1913 mit einem ordentlichen Sommerhalbjahrskursus im Gartenbau statt. Dazu, sowie für den Winterhalbjahrskursus im Handfertigkeit werden noch Meldungen entgegengenommen. Auch finden einige junge Leute beiderlei.Geschlechts mit besserer Vorbildung als Volontäre Aufnahme zur Ausbildung in der Gartenbaukunst. fSSS Der Genera! von Chammerow. Purimhumoreske von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. IV. 3u diesem nun lenkten unsere Freunde' ihre Schritte. Auf dem ganzen Wege dorthin.drangen fröhliches Lachen und lustiges Johlen an ihr Ohr. Hier und da begegneten sie auch fremdartigen Erscheinungen: halbwüchsigen Jungen in Frauenkleidern und Schürzen, Mädchen in langen Kaftans und angesteckten „Peies", eine Maskerade des jüdischen Karnevals, der am Purim gefeiert wird. Baums Blicke folgten all diesen Gestalten mit neidischen Augen, und grimmig ballte er die Fäuste, wenn er das Lachen vernahm, mit dem die „Verstellten" überall empfangen wurden. . Klotz hingegen gab keinerlei Zeichen, daß er überhaupt höre und sehe. Als die gesprungene Türglocke inChaskels Warenhaus endlich ihr heiseres Gebimmel eingestellt, erschien der Besitzer, ein behagliches Lächeln auf den dicken Lippen, das aber bald verschwand, als er die Ankömmlinge erkannte. „Ich darf euch nichts geben", begrüßte er sie, fortwährend mit den Augen zwinkernd. „Rabbi Josfele hat es doch ausdrücklich verboten." „Wir wollen nichts geschenkt,, sondern etwas geborgt haben", beeilte sich Klotz zu sägen. „Ich borge mein Geld nur gegen Sachen." „Und wir wollen Sachen gegen Geld geborgt haben", war wieder Klotz' Gegenrede, während er protzig und prahlerisch mit dem geborgten Geld klimperte. Bei diesem Klang war Chaskel bald beschwichtigt, und mit freundlicher Stimme fragte er nach ihrem Begehr. „Wir wollen eine Generalsuniform, Orden, Säbel, einen Mantel, zwei Bärte und einen Postillionshut", sagte Klotz in einem Tone, als verlange er für einen Groschen Salz. Chaskel riß die Augen auf. „Eine-eine-Generals — —Das Wort blieb ihm vor Schreck im Halse stecken. Allerlei Sachen zu verborgen, war sür ihn ja etwas Alltägliches, zumal am Purim, wo sich jeder gern als Maske produzieren wollte. Doch eine-eine-Generalsuniform -Säbel-Orden, das hatte er nicht erwartet. Der Ruhm seines Warenhauses stand auf dem Spiel, und er war in großer Verlegenheit, was er tun sollte. Auch Baum wäre vor Schreck beinahe aus den Rücken gefallen. Ist denn Klotz meschugge geworden? Wenn es auch schon Purim war — welcher Jude wird sich als General, noch dazu mit einem Säbel verkleiden?! Baum h rtte geglaubt, daß sie bei Chaskel ein Fläschchen Schnaps und etwas Honigkuchen kaufen würden, um sich aus eigene Faust eine kleine Festlichkeit zu veranstalten. Aber solch ausgefallenen Sachen. Was hat er nur vor? Chaskel hatte sich inzwischen etwas gefaßt und sprach ausweichend: „Ich weiß zwar nicht, zu welchem Zwecke ihr die Sachen braucht, warum ihr gerade auf eine solche Verkleidung gekommen seid und auch, ob sie euch etwas nutzen wird. Man wird euch doch erkennen, und Rabbi Josseles Befehl gilt als heilig. Aber wenn die Sachen sich in meinem Magazin vorfinden sollten, dann will ich sie euch gegen ein Pfand von drei . Rubeln überlassen. In jedem Falle wasche ich meine Hände in Unschuld". Sie folgten ihm nach dem „Magazin", das aus einer Bodenkammer bestand, die mit tausenderlei Gerümpel vollgepsrost war. Sie fingen nun an, herumzustöbern und alles über den Haufen zu werfen, und siehe da-stand ihnen Mordechai und Esther zur Seite oder war Cheskel tatsächlich der Wundermann, der alles beschaffen konnte — — genug, die gewünschten Gegenstände fanden sich wirklich vor. „Was kann man denn bei mir nicht alles finden?" schmunzelte Chaskel, stolz sich in die Brust werfend. In seiner Herzenswonne lud er beide Kunden ein, trotz Rabbi Josseles Verbot, bei ihm einzutreten und etwas zu genießen. „Du bist ja ein guter Kerl, Chaskel, aber für deine Einladung müssen wir herzlich danken", lehnte Klotz ab. „Ich bin todmüde, und außerdem wollen wir dich zu keiner Sünde verleiten." „Ach ja", sprach Chaskel mit einem komischen Seufzer. Er war ein Junggeselle und hätte den heutigen Abend gern in Gesellschaft dieser beiden lustigen Kumpane verlebt. Es war bald zehn Uhr, als Klotz und Baum nach Hause kamen. „Wir wollen gleich schlafen gehen," flüsterte Klotz seinem Kameraden zu, „denn wir müssen zeitig auf den Beinen fein." Baum anwortete nicht; er war müde, so müde, daß er nickft einmal fragte, warum denn Klotz den Schlüssel zum Pferdestall, der immer unter Schajes Kopfkissen lag, zu sich steckte, oder warum er ihre beiden Strohsäcke vom anderen Ende des Heubodens bis zur Tür schleppte, oder-was mit dem Bündel Kleidungsstücke geschehen sollte, das sie von Chaskel entliehen und welches Klotz in den Gänsestall versteckte, wo Schajes Frau die Gänse zu stopfen pflegte.

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