Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Jahres hatte die Anstalt einen schweren Verlust zu verzeichnen. Es starb die Ehrendame Frau Emilie Aschheim. Seit dem Jahre 1902 hat sie als Ehrendame der Anstalt gewaltet und die Pflichten ihres Amtes mit Treue und Gewissenhaftigkeit wahrgenommen. >- L2 Krotoschin, 18. April. Unsere Gemeinde hat durch das plötzliche Hinscheiden ihres ersten Vorstehers Herrn Stadtrat Julius N e u m a r k einen schier unersetzlichen Verlust erlitten. Eine lange Reihe von Jahren hat der Verstorbene mit seltener Umsicht und ' einer unermüdlichen Schaffensfreudigkeit die Gemeinde geleitet und sich die Achtung und Liebe der ganzen Gemeinde in höchstem Maße erworben. Ganz besonders aber hat er durch den Einfluß, den er in seinen zahlreichen Ehrenämtern in Stadt und Kreis üben konnte, auch für die Interessen der hiesigen jüdischen Bevölkerung viel geleistet und in hohem Maße die Beziehungen zur nichtjüdischen Bürgerschaft und zu den Behörden gefördert. Von der hohen Achtung, deren sich der Verstorbene in allen Kreisen erfreute, legte auch das imposante Leichenbegängnis Zeugnis ab, an dem-neben einem selten zahlreichen Trauergefolge auch die Vertreter der städtischen Behörden, der Landrat sowie Vertreter der Handelskammern in Posen und vieler Vereine unp Korporationen teilnahmen. An der Bahre würdigte Herr Rabbiner D^. Gustav C o h n in einer tiefempfundenen Rede, die auf alle Anwesenden sichtbar einen starken Eindruck machte, die hervorragenden Verdienste dieses Mannes. In der in der ganzen Stadt herrschenden Erschütterung erkenne man einen deutlichen Beweis für die unvergänglichen Leistungen des Verstorbenen, dessen stark ausgeprägten Sinn für gemeinnütziges Wirken man nicht genug rühmen könne. Darum auch trauere mit den schwergeprüften Familienangehörigen die ganze Gemeinde und die Bürgerschaft, trauern alle, die,ihn kannten. — Sein Andenken fei gesegnet. y. Breslau, 18. April. Die „Israelitische Waisen- V e r p s l e g u n g s a n st a l t" veröffentlicht soeben ihren Bericht über die letzten drei Verwaltungsjahre 1910, 1911, 1912. Der Bericht Pro 1910 gedenkt zunächst des Im hohen Alter von 87 Jahren verblichenen langjährigen früheren Leiters Herrn Michaelis Silberstein. Am 31. Dezember 1910 genossen 26 Knaben und 24 Mädchen die Anstaltspflege. Von fünf in diesem Jahre entlassenen Knaben ergriffen drei dm kaufmännischen Beruf. - Wie in früheren Jahren wurde auch im Berichtsjahre einer Anzahl Zöglingen ein Sommerausenthalt in Kolberg, Norderney, Jastrzemb und in der Ferienkolonie des Frauenvereins der Lessingloge ermöglicht. Der Bericht verzeichnet des weiteren eine erfreulich reiche Liste von Spendern. Auch das Vermögen' der Anstalt wurde reichlich bedacht, aber trotzdem ist das Endergebnis als ein wenig befriedigendes anzusehen, da alle Ausgabeposten bis auf das Schulgeld gegenüber dem Voranschläge wesentlich erhöht sind. Das Gesamtvermögen der Anstalt belief sich außer dem schuldenfreien ..Grundstück am Ende 1910 auf 950 717.11 Mark. Die Ausgaben beliefen sich aus 44 756.10 Mark gegen 38 769.54 Mark im Jahre vorher. Ende 1911 betrug die Zahl der Zöglinge 32 Knaben und 24 Mädchen. Auch diesmal wurde einer Anzahl Zöglinge die Wohltat eines Ferienaufenthalts zuteil. Die Fonds der Anstalt beliefen sich Ende dieses Jahres auf 963 340.16 Mark. Die Ausgaben für die Zöglinge ermäßigten sich etwas und gingen auf 36 960.75 Mark zurück. Im Jahre 1912 endlich betrug die Anzahl der Zöglinge 32 Knaben und 25 Mädchen. Erwähnenswert ist, daß am Handfertigkeitsunterricht, der im Winter erteilt wurde, 12 Knaben teilnahmen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse 1912 sind leider ,recht unerfreuliche. Zwar weisen die Hauptkonten eine Vermögensvermehrung von 10 835.51 Mark auf, die regelmäßigen Einnahmen einschließlich aller Beiträge haben aber bei weitem nicht zur Deckung der Ausgaben gereicht, es mußten von den Geschenken in Höhe von 16 886 Mark leider 6050.49 Mark zur Deckung der Unkosten verwendet werden. . Auch hier lag die Ursache nicht in einer Verminderung der Einnahmen an sich,- sondern an einer Vermehrung der Ausgaben. Von Einfluß war auch die Herrichtung des Gartens, die annähernd 30OO Mark Ausgaben verursachte. Das Gefamtvermögen nähert sich jetzt der Million und beträgt 975 857.87 Mark. £2 Leipzig, 18. April. In der letzten Sitzung der G e m e i n d everordneten wurde beschlossen, die Eingabe, den nicht reichsdeutschen Gemeindemitgliedern das aktive Wahlrecht zu gewähren, auf sich beruhen zu lassen. Bei der Abstimmung fiel es besonders auf, daß gerade die naturalisierten Gemeindeverordneten die Petition nicht befürworteten. Da die nicht reichsdeutschen Juden in Leipzig 51000 Mark Kultussteuer, d. i. mehr als ein Drittel der Gesamtsteueremnahmen, aufbringen, haben, dieselben beschlossen, bei dem Ministerium vorstellig zu werden. Die Beschwerde soll, lute verlautet, seitens der orthodoxen Gemeindemitglieder eifrig unterstützt werden, weil für die religiösen Bedürfnisse derselben, im Gegensatz zu allen anderen Großgemeinden, in keiner Weise Sorge getragen wird. Durch diese Vorkommnisse werden in der hiesigen Religionsgemeinde leider tief einschneidende Spaltungen hervorgerufen, die sich leicht vermeiden ließen. — Neustadt (Pfalz), 18. April. Der israelitische Kreisasylverein hielt hier seine Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Dr. S. Reis aus Speyer wies in der Eröffnungsansprache darauf hin, daß die Schaffung eines israelitischen Altersheims das Gemeinschaftsgefühl unter den pfälzischen Israeliten bedeutend gestärkt habe. Aus dem Jahresbericht ist ^zu entnehmen,, daß der Bau am Fuße des Stadtparkes in Neustadt bereits im Rohbau fertiggestellt ist mtd den Betrag von 70 000 Mark erforderte. Bis jetzt liegen bereits Anmeldungen von IO bis 20 Insassen vor, und da der Bau für 26 Betten Platz hat, so kann man schon für die nächsten Jahre mit einem Erweiterungsbau rechnen. Zu diesem Zwecke soll bei der pfälzischen Versicherungsanstalt ein Anlehen von 80 000 Mark zu einem ermäßigten Zinsfuß ausgenommen werden, wozu die Versammlung ihre Zustimmung gibt. Dem Bericht des Schatzmeisters ist zu entnehmen, daß sich die Mitgliederbeiträge und Spenden im Berichtsjahre 1912 auf 39100 Mark belaufen. Das Vermögen beträgt 181825 Mark. Die Herren Leopold Hirschler in Frankfurt a. M. und Karl Frank in Pirmasens wurden in Anbetracht ihrer Verdienste um das Asyl zu Ehremnitgliedern ernannt. In Der Austalt wird eine jüdische Oberschwester als Verwalterin angestellt, welche der Verein jüdischer Krankenpflegerinnen stelleu wird. Das Amt eines Vorbeters soll ein Insasse der Anstalt übernehmen. , Y. Frankfurt, 18. April. Dem Osterprogramm 1913 des Phil a n t h r o p i n, Realschule und Lyzeum der israelitischen Gemeinde Frankfurt entnehmen wir, daß sich die Anstalt nach den von Herrn Direktor Dr. A d k e r gegebenen Schütnachrichten sich des immer wachsenden Vertrauens weiter Kreise erfreut. Von. Jahr zu Jahr steigert sich die Zahl von Anmeldungen, denen nur zu einem geringen Teil entsprochen werden kann. Wegen Uebersüllung mußte in der Realschule von jeder Uebernahme von Schülern anderer Schulen abgesehen' werden. Auch die unterste Klasse wurde gleich am ersten Anmeldungstage voll besetzt. Der Errichtung von Parallelklassen steht die Schulverwaltung ablehnend gegenüber, und zwar mit Recht wegen der dadurch bedingten beträchtlichen Erhöhung der 'Schulauswendungen sowie wegen der alsdann notwendigen Verlegung des Lyzeums. Der Lehrkörper der Anstalt erfuhr einige Veränderungen. Die Lehrerinnen Falk und H e h m a n n schieden durch Verheiratung aus, sie wurden vertreten durch Frau Selig und Fräulein R ö t h l e r, ferner die Turnlehrerinnen Fräulein H i s g e n, Urban und die Hilfslehrerin Fräulein Ast ruck. Die Besetzung der beiden vakanten Stellen übernehmen vonr neuen Schuljahre Fräulein Astruck und Fräulein Elise Block, bisher Hilfslehrerin der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Mit Ablauf des Schuljahres ist der Senior der Anstalt Herr Vorschullehrer Salomon Heimann, der länger als 40 Jahre seine Dienste dem Philanthropin gewidmet hat, aus dem Lehrerkollegium geschieden. Desgleichen scheidet der Turnlehrer Herr Niemeyer aus. Das Dezernat über die Anstalt hat der Provinzialschulrat Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Kaiser übernommen. Aus den Berichten ist ferner bemerkenswert, daß die vor einigen Jahren in der Schule eingeführten Elternabende auch im letzten Schuljahr unter zahlreicher Beteiligung der Angehörigen der Zöglinge wieder abgehalten wurden. Es fanden zwei Schlußprüfungen statt. Zu der ersten Prüfung hatte sich ein Schüler gemeldet, der die Prüfung bestand, der zweiten Prüfung unterzogen sich 28 Schüler, von denen 26 die Reise für die Obersekunda der Oberrealschule und damit die - Berechtigung zum,Einjahrig-Freiwilligen-Dienst erhielten. — Eine Reihe von Gedenktagen und Festen verzeichnet auch die Schulchronik des Jahres 1912. Eine erhebliche Erinnerungsfeier war dem hundertjährigen Geburtstage'des zweiten Direktors der Anstalt Dr. Sigismund Stern gewidmet. Ebenso eindrucksvoll gestaltete sich die Gedenkfeier zum zehnjährigen Todestage des Oberlehrers Dr. Hermann Dobriner, dessen Lebensbild der Freund des Heimgegangenen Oberlehrer Professor Dr. Kracauer den Schülern zeichnete. Schüler der höheren Klassen hatten.sich als Führer dem' Verkehrsausschuß des Schützenfestes zur Verfügung gestellt.. Eine große Zahl von Zöglingen