Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 der Anstalt brachte am 39. August dem Kaiser ihre Huldigung dar, Lei der Uhland-Gedächtnisfeicr in der historischen Paulskirche war eine Schüterabordiumg anwesend. Ferner wurden der Geburtstag des Kaisers in üblicher Weise gefeiert, ebenso der hundertjährige Gedenktag der Stiftung des eisernen Kreuzes und der Geburtstag der Königin Luise. In der Zusammensetzung des Schulrates sind Veränderungen nicht borgekommen. Die Frequenz in der Realschule betrug am 1. Februar 1913 242, die der Vorschule 140, die Zahl der Schülerinnen des Lyzeums 449 und die der Vorschule des Lyzeums 235. Der Konfession nach waren in der Realschule auch 2 Schüler ebangelisch, einer katholisch, 2 Dissidenten, von den Schülern der Vorschule 2 evangelisch,. 16 von ihnen waren Ausländer. Auch das Lyzeum hatte je eine Schülerin, die nicht dem jüdischen Bekenntnis angehörte. F. Heidelberg, 18. April. Um das Gotteshaus dem großen Wachstum und der Bedeutsamkeit unserer Gemeinde entsprechend auzugestalten, wurden eine Vergrößerung und künstlerische Ausstattung der Synagoge unter Aufbringung bedeutender Kostenmittel geschaffen und am Sonntag den 13. April die Einweihung vollzogen durch eine glänzend verlaufene Festester, wobei ein Programm entwickelt wurde, das ans den rituellen Gebräuchen und künstlerischen Leistungen des Chores und des Kantors Herrn Krämer bestand. Den Glanzpunkt bildete aber eine großartig angelegte und bestens ausgeführte Predigt des Herrn Bezirksrabbiners Dr. P i n k u s, die sich von Stufe zu Stufe in Erhabenheit und Bedeutsamkeit steigerte, allen Lebensaltern und sozialen Schichten die Gottesnähe verspürende Wohltaten des Gotteshauses erörterte und zum Schluß in einer Apotheose der Brüderlichkeit ailf die Gesamtheit ausklang. — Die große Festesschar, insbesondere die Vertreter der Staats- und städtischen Behörden, die ohne offiziell ergangene Einladungen durch die Anwesenheit ihre Sympathie bekunden wollten, waren von der Feier und der Rede, die mit einem Gebete für Kaiser und Reich, Großherzog und Großherzogin, Stadt und Land und Gemeinde schloß, begeistert, und die Tagesblätter registrieren diese Stimmungen in anerkennender Weise. * GefterreichMnyarn. K. Wien, 18. April. Wie das tschechische Blatt „Czas" ans Kvlin meldet, sollte am letzten Sonntag eine Versammlung der Juden in Kvlin stattfinden, um die Angelegenheit des Selbstmordes des Dienstmädchens Marie Pawlik zu erörtern, deren Verschwinden zu Ritualgerüch'ten 'Veranlassung gegeben hatte. Gleichzeitig beriefen die tschechischen Christlichsozialen eine Versanunlung ein, um gegen die jüdischen Einwohner von Kolin zu demonstrieren. Beide Versammlungen wurden nun von der Behörde verboten. Darauf durchzogen an 500 tschechische christlichsoziale Frauen mit dem Pater Hrachowsky an der Spitze die Stadt und attackierten die Juden. Es kam zu Exzessen, denen das energische Einschreiten der Gendarmerie ein Ende machte. Nur mit großer Mühe gelang es der politischen und städtischen Behörde, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Der famose Pater Hrachowsky, der stark kompromittiert erscheint, sucht durch eine Iudenhetze sich zu rehabilitieren Die alte Taktik. — Graf Johann Z i ch y, ehemaliger Kultusminister, hat, bevor er sein Portefeuille niederlegte, in einer an das Direktorium der Israelitischen Landes- Lehrerpräparandte in Budapest gerichteten Zuschrift die Errichtung eines Internats für 60 Schüler genehmigt und zur Deckung der Kosten 24 600 Kronen ins Budget ausgenommen. Bemerkenswert und für die nnaarisch-jndischen Verhältnisse charakteristisch ist die Klausel in dem Beschlüsse des Ministers, wonach die Hälfte der zu unterstützenden Schüler -- respektive ihre Eltern — einer orthodoxen Gemeinde angeboren mus;.^ Der Minister stellte noch in Aussicht, der Präparandie ein neues, dem Zwecke entsprechendes Gebäude zu errichten, wo auch das Internat eine Unterkunft finden sollte. Derzeit ist die Präparandie im Gebände des Rabbinerseminars untergebracht. * Italien. z. Florenz, 18. April. Dieser Tage wurde in Turin zu Ehren des bekannten Philanthropen Giuseppe M o i s e T r e v e s anläßlich seiner Ernennung zum Offizier des italienischen Kronenordens ein glänzendes Bankett veranstaltet. Im Verlaufe desselben ergriff auch der Bürgermeister der Stadt Senator Graf Theophilo Rosfi das Wort zu einer größeren Rede. Er gab seiner. Freude Ausdruck, Gelegenheit zu finden, seine Anhänglichkeit und Hochachtung für das edle jüdische Volk bekunden zu können. Unter Hinweis auf die Feindseligkeiten, denen die Juden in manchem Ländern ausgesetzt sind, gab Senator Rosfi seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der Antisemitismus nicht vom Rassenhaß diktiert sei, sondern vom Neid, und zwar vom Neid wegen der Intelligenz, der Sceleugüte und des regsamen Fleißes der Juden. — Bei der jüngst in Ferrara stattgefundenen Sitzung des Exekutivkomitees des Verbandes der italienischen Judengemeinden wurde unter anderem beschlossen, in diesem Jahre,-und zwar spätestens im Monat Juli, einen Kongreß der italienischen Jndengemeinden nach Rom cinzuberufen. Wie bereits früher berichtet, hat das Exekutivkomitee eine im Auszuge bereits wiedergegebene Eingabe an den italienischen Minister des Aeußern in Angelegenheit der italienisch» Judengemeinden beschlossen. An diesem Kongresse werden zum erstenmal auch die Vertreter der Judenschaft von Tripolis imb der Cyrenaica teilnehmen. * Rußland. 22 Petersburg, 18. April. Der bekannte russische nationalistische Erzbischof Antonius von Wolhynien veröffentlicht im „Sewero-Sapadnh Golos" eine Zuschrift, in welcher er sich in scharfen Worten gegen das Nitnalmvrdmärchen wendet. Es heißt darin: „Die Feindseligkeit gegen die Juden nimmt wahnwitzige Formen an. Das Volk, das Christus vergessen hat, wälzt auf die Juden die schwere Beschuldigung des Nitnalmordes. Die Unwissenheit der Menschen geht so weit, daß sie sogar behaupten, in der Bibel werde der Gebrauch von Blut, für Osterbrot erwähnt. Die „jüdischen Blätter" lieben mich nicht, aber ich erkläre im Namen der Gerechtigkeit: Die Juden gebrauchen kein Menschenblut zu religiösen Zwecken, die Verleumder verstehen nicht, was in der Heiligen Schrift steht. Viele behaupten, es bestehe unter den Juden eine Sekte, welche Blut gebraucht. Ich erkläre, daß auch diese Behauptung unwahr ist. Es gibt jetzt selbst keine Heiden, die Blut gebrauchen. Auch der Knabenmord in Kiew ist nichts als ein gemeiner Mord." * Von Osh und jfern. — Die umfangreiche.Neuanlage des Krankenhauses der Berti n e r j ü d i s ch e n Gemeinde ans dem Gesundbrunnen, an der Exerzier-, Schul- und Reinickendorfer Straße, ist jetzt im Rohbau vollendet. — Am 28. d. M., dem siebenten Passahtage, begeht Herr Rabbiner Dr. Stier seinen 70. Geburtstag. — Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat haben erhalten die Sanitätsräte Dr. Julius Stern in Berlin-Charlottenbürg und Dr. Hermann K r o u in Berlin. Der Charakter als Sanitätsrat ist verliehen worden den Aerzten Dr. Max C o h n , Dr. Max S p a n - d o w , Dr. Martin M eher, Dr. Franz Weinstock, Dr. Karl Abel in Berlin, Dr. Selmar B o k o s z e r in Lichtenberg und Dr. Julius I a c o b y in Charlottenburg. — Am 13. Jjar wird Professor Dr. A. B e r l i n e r achtzig Jahre alt. Wie wir hören, werden die zahlreichen Körperschaften, die diesem wohl bekanntesten aller Zeitgenössischen jüdischen Gelehrten ihre Entstehung oder doch tatkräftige Mitwirkung verdanken, diesen Tag (20. Mai) festlich begehen. — Synagoge n e i nb rech e r suchten in der Nacht zum 17. d. M. das kleine Gotteshaus auf dem Grundstück Lessingstraße 19 heim. Sie erbeuteten eine zwölf Zentimeter lange silberne Hand und einen achtarmigen silbernen Leuchter. Auf dem Fuß des Leuchters steht in hebräischer und deutscher Sprache der Name „Heimann" eingraviert. Man nimmt an, daß es sich hier um dieselben Diebe handelt, die kürzlich die Synagoge des Luisenstädtischen Brüdervereins in der Dresdener Straße 127 heimsuchten. — Der Historiker und Nationalökvnom, Nniversitätsprosessor Dr. Jastrow in Berlin feierte am 17. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit. — Unter großer Beteiligung fand am 17. d. M. das Leichenbegängnis des Kgl. Kommerzienrats Ferdinand Neumann statt. Die vorangegangene Trauerfeier im Sterbehause wurde mit dem Gesang des Synagogenchors ans der Fasanenstraße: „Pilger auf Erden" eingeleitet, woraus Rabbiner Dr. Weiße die Gedächtnisrede hielt. Nach Beendigung der Feier wurde die Leiche nach dem jüdischen Friedhof in Weißensee übergeführt, wo die Beisetzung erfolgte. — Der Verein Jüdisches Altersheim in Bromberg hielt kürzlich seine erste Hauptversammlung ab. Es konnte über eine gedeihliche Entwicklung des Vereins und des im Oktober 1912 in Betrieb gesetzten Altersheims berichtet werden.