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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-25 · Heft 17 (25.4.1913) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 ■ c} Steuer bei Geburthen, Hochzeiten und dem Antritte von Erbschaften'). Dem Ermessen „einer hohen Obrigkeit" sollte es anheimgestellt sein, eine oder mehrere dieser Maßnahmen zu wählen. Mit Rücksicht auf die Menge der jüdischen Bevölkerung dürfte eine Abgabe von 1 pro Mille, von den jüd. Erbschaften, 6 Reichsthaler von jeder Privatsynagoge, 1 Gulden-) von jedem Paradiesapfel hinlänglich sein. Damit kein Mißtrauen in die Redlichkeit der Absichten der Regierung aufkommen könne, solle den Contribuenten eine Einsicht in die Rechnungen der von ihnen aufgebrachten Beiträge zum Schulfond gestattet werden. „Beyspiele ähnlicher Art finden beh dem Landarmen Institut und der Feuer Societaets Eaße statt°). Nach der vorläufigen Beantwortung der in diesem Entwurf ausgestellten 4 Hauptfragen müßten die Kosten der Normalschule, der zu ihrer Anlegung passendste Ort und ihre innere Einrichtung genau bestimmt werden. „Dieses dürfte, wenn gegenwärtiges Project nicht ganz unter der Aufmerksamkeit einer hohen Regierung sein sollte, beh der Angabe der Detail §* 2 3 4) näher aus ein ander gesezt werden." Der General von Chammerow?) Purimhumoreske von Sam. Gord on. Frei übersetzt von M. Pulvermann. III. u glaubst es nicht?" rief er ungehalten. „Höre nur, was sie erst vorigen Winter angestellt. Der Nachtwächter, der zugleich Gemeindebote ist, sollte irgendeine Kundgebung in die Häuser tragen. In der Nacht aber war Schnee gefallen, ver das ganze Dorf so sauber und weiß eindeckte. Den Bauern schien es jammerschade, die weiche Decke durch den Nachtwächter zertrampeln zu lassen, daher stellten sie den Boten auf ein Brett und ließen ihn von Haus zu Haus tragen, bis die Botschaft ausgerichtet war, ohne daß der Nachtwäch¬ *) Eine solche Steuer bestand allerdings in Gnilizien als reine Finanzoperation und als Finanzspekulation habsüchtiger jüdischer Steuerpächter. cf. G. Wolf in Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland. III. S. 92. 2) Eine Echrogiinsteuer war 1744 unter Maria Theresia geplant, aber sofort wieder fallengelassen worden. cf. G. Wolf in Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland. III. S. 91. Der Schulklasse der Wilhelmsschüle war auch im Verlaus der ersten Jahre ihres Bestehens die Hälfte des Geldes (Abschosses) zugewiesen worden, das von außerhalb des Landes fallenden (aus 1 Reichstaler wurden 6 polnische Gulden gerechnet) Erbschaften abgezogen wurde. Monatsschrift XXXVII. S. 195. 3) Diese Angaben bieten keinen Reiften Anhalt zur Begrenzung des Datums der Denkschrift; denn in Ostpreußen existierten diese Institute schon längst, und die für das an Ostpreußen grenzende Neuostpreußen geplante gemeinsame städtische und ländliche Feuersozietät war 1806 noch nicht verwirklicht worden. Die Reglements für die Städte- bzw. die Landseuersozietät in Südpreußen, die am 21. April 1803 und am 9. Juni 1804 erlassen wurden, kommen nicht in Betracht, da unser Verfasser in Königsberg hauptsächlich mit dem Hinblick auf Neuostpreußen schreibt. Die Daten für die Reglements verdanke ich der Güte des Berliner Geheimen Staatsarchivs. 4) Eine solche zweite, dataillierte Denkschrift habe ich nicht gefunden. h Vgl. Nr. 13, S. 155 ff. Die Fortsetzung der Novelle von I. Weil kann erst nach Schluß dieser Skizze gebracht werden. D. Red. ter die weiche Decke zertrat. Aber das ist noch nicht alles. Was sie vor zwei Jahren angestellt, war wirklich zum Totlachen! So etwas, kann auch nur in Chammerow Passieren! Die Landstraße führt nämlich mitten durch ihr Dorf, und darum werden sie von allen Strolchen und Landstreichern mehr als jedes andere Dorf heimgesucht und belästigt. Um diesem Uebel abzuhelfen, kamen sie auf die einfältige Idee, das ganze Dorf in den nicht weit entfernten Wald hineinzuschieben. Schon am nächsten Sonntag gingen sie ans Werk, sie zogen die Röcke aus, streiften die Hemdsärmel auf, stemmten sich gegen das letzte Haus und fingen an mit aller Macht zu stoßen. Inzwischen fuhr eine Zigeunerkarawane vorüber, und da die Insassen einen Hausen Kleidungsstücke ohne Aussicht liegen sahen, waren diese bald im Wagen untergebracht, der ohne Aufenthalt sich schnell entfernte. Als die Chammerower Bauern nun etwa eine Stunde gestoßen hatten und im Schweiße ihres Angesichts sich abgemüht hatten, machten sie eine kleine Pause, um ein wenig auszuruhen. „Ha!" riefen sie voller Freude. „Bald ist es geschafft! ' Wir haben das Dorf schon eine ziemliche Strecke fortgestoßen, schon so weit, daß man die Sachen nicht mehr sehen kann!" — — — ' „Na, Bäumchen, nicht übertreiben," sagte Klotz, der trotz seines Kummers ein wenig lächeln mußte. „Das sind doch alles nur Flausen und faule Witze, die irgendein Spottvogel ersonnen, die man nun den Chammerowern in die Schuhe schieben will. Es wäre doch kaum denkbar, ja unnatürlich, daß noch solche beschränkte Menschen in einem Külturlande vorhanden sein sollten!" „Ich gebe dir meine Versicherung, daß alles buchstäblich wahr ist. Es ist ja auch gar kein Wunder, es ist nur die logische Folge ihres fanatischen Judenhasses. Sie lassen nämlich keinen Juden ins Dorf und dadurch bleibt ihnen Intelligenz und Lebenserfahrung gänzlich verschlossen, die die jüdischen Hausierer doch sonst in die Dörfer tragen und verbreiten. Du meinst, so etwas wäre in einem Kulturlande undenkbar. Rußland und Kulturland! Wie kannst du beides nur in einem Atemzuge nennen? Vergiß auch nicht, daß bei jeglichem Mangel an Verkehr, unter der Hetzpeitsche des Gutsinspektors, unter dem vertierenden Einfluß des Wodki, bei der systematifch betriebenen Verdummung durch den Popen, bei dem gänzlichen Mangel irgendeiner Schulbildung, ist es da wirklich zu verwundern, daß ihr Verstand absolut und vollständig unentwickelt geblieben, daß sie die Welt und ihre Vorgänge in einer wunderlichen Art auffassen, daß alles sich verkehrt und verzerrt in ihrem Gehirn abspiegelt?" „Warum sind sie denn eigentlich solche Judenfresser?" fragte Klotz, der über die Chammerower noch mehr erfahren wollte. „Die Juden pflegen doch sonst in Ruhe und Frieden mit den Bauern zu leben, sogar oft auch gute Freundschaften mit ihnen zu schließen!" r „Ja, Bruderherz, das ist eine eigenartige Geschichte, die allen ihren Dummheiten die Krone aufsetzt. Wer diese nicht mit erlebt hat, der würde sie wirklich nicht für möglich halten. Also höre. Durch einen Handwerksburschen mögen sie etwas von dem elektrischen Licht erfahren haben, das auch ohne Talg, und Tran leuchten und brennen kann. Das vermochten sie natürlich nicht zu begreifen und haben sich dieses in ihrem Dickschädel wahrscheinlich als eine Art Mond zusammengereimt, der doch auch ein weißes Licht ausstraht, ohne daß man ihn anzuzünden braucht. Ein durchtriebener Schalk, bei dem sie sich vielleicht weiter darüber erkundigt, erzählte ihnen noch, daß solche Lewonos wären und überall käuflich seien, und, daß jeder sich eine solche überall anbringen kann. Das ging den Chammerowern lange im Kopfe herum, bis sie sich entschlossen, für ihr Dorf einen solchen Mond anzuschaffen. Drei Bauern fuhren nach Nischni-Nowigrod zur Messe, wo man eine solche wohl am billigsten erstehen konnte. Wie bei allen * t. i t

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