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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-25 · Heft 17 (25.4.1913) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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verordnetenfitzungssaale ehre, wo er mit Freude teilnahm an Arbeiten, die ihn erhoben und die er liebgewann. Die Erinnerung an den heutigen Tag werde ihn begleiten für den Rest seines Lebens. Gebe ihm Gott noch ein paar Jahre Lebens und Kraft, so werde er wie bisher an der Wirksamkeit der Handelskammer sein Teil beitragen, um sich dankbar für die ihm heute bewiesene außerordentliche Ehrung zu erweisen. Unter dem Titel „Geschichte des Hauses Baerwald" hat nun Lesser Baerwald anläßlich seiner schon erwähnten goldenen Hochzeit eine Festschrift handschriftlich drucken lassen, die nur seinen Familienmitgliedern und einigen wenigen intimen Freunden zugänglich ist. Ich hatte die Freude, Einblick in diese Jubiläumsschrift werfen zu können und glaube, durch meine Mitteilungen den weitesten Kreisen des Lesepublikums eine ebenso interessante wie lehrreiche Lektüre bieten zu können, denn der Verfasser beweist, daß er auch mit der Feder trefflich Bescheid weiß. Ist er auch erst im 83. Lebensjahre als Schriftsteller aufgetreten, so hat er doch durch seine einfache, schlichte Schilderung seines Lebens und seiner Familie gleichsam urkundlich aller Welt es zum Bewußtsein gebracht, daß er die Sprache zu meistern versteht. Der Verfasser erzählt unter anderem , daß sein Vater Lewin Baerwald , der Begründer des Stammhauses in Rakel, das jetzt zu den mächtigsten, einflußreichsten und blühendsten nicht nur in der genannten Stadt, sondern in der ganzen Provinz zählt, mit höchst bescheidenen Mitteln angefangen habe. Die Gattin Lewin Baerwalds, Frommet, habe ihrem Manne als Mitgift 500 Taler in die Ehe gebracht, welchen Betrag die Eltern der Genannten mühsam erspart hatten. Durch mustergültigen Fleiß und große Sparsamkeit erwarb sich das Ehepaar schon nach vierjähriger gemeinsamer Tätigkeit 6OO0 Taler und von Jahr zu Jahr stieg, das Vermögen. Im Oktober 1846 trat, wie schon erwähnt, Lesser Baerwald, 15 Jahre alt, nachdem er in der jüdischen Elementarschule zu Rakel unter Leitung seines Lehrers H. D. Golliner den Unterricht absolviert hatte, als Lehrling in das Geschäft seines Vaters.^ Seine Tätigkeit erstreckte sich auf das Hausgeschäft der Firma, nämlich auf Kolonial- und Eisenwaren. Auch fand er Beschäftigung im Kontor, Schließlich wurde er die sogenannte rechte Hand seines Vaters. Nachdem ihm schon gegen Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Prokura erteilt worden war, trat er in die Firma als stiller Teilhaber ein. Nun plaudert Lesser Baerwald wörtlich: „Im Jahre 1866, bei Ausbruch des österreichischen Krieges, trat an den Börsen eine gewaltige Krisis ein, die ein großes allgemeines Mißtrauen im Gefolge hatte. Schon nach einigen Monaten, im Herbste, hatten wir diese Krisis ohne wesentliche Schädigung überwunden. Nach dem Friedensschlüß trat eine sehr lebhafte Geschäftsbewegung, die eine große Konjunktur im Getreide- und Wollhandel zur Folge hatte, ein. Diese Lebhaftigkeit übertrug sich auch auf das Jahr 1867 und nahm, infolge der schlechten Ernte dieses Jahres, im Jahre 1868 ihren Fortgang. Beide Jahre wiesen in ihren Erträgnissen Rekordziffern auf." Die Firma Lesser Baerwald kaufte im Jahre 1869 riesige Wälder, so z. B. den Schübiner Wald, 8400 Morgen; zum allergrößten Teil Hochwald. ' Einige Jahre darauf wurden eine Mühle und Schneidemühle erbaut. Ferner kaufte die Firma verschiedene Rittergüter, auch erbaute sie auf- Prinzenhöhe bei Bromberg ein Kasernement mit Stallungen, Reitbahn und so weiter zur Unterbringung eines ganzen Reiterregiments gegen eine Mietsentschädigung von 63 000 Mark jährlich, die seitens des Kriegsministeriums bezahlt wurde. Die Geschäfte nahmen immer größere Dimensionen an, und der Umsatz bezifferte sich auf viele Millionen. Am 19. Oktober 1881 verstarb der Begründer der Firma und bisherige Leiter des Geschäftes, der verehrte und geliebte Vater von Lesser Baerwald, nach viertägiger, schmerzloser . Krankheit. An seinem Grabe sprach Hermann Baerwald, der Bruder Lessers, Direktor des Philanthropins in Frankfurt a. M., tiefempfundene Worte. - Lesser Baerwald ist der Typus des fleißigen, redlichen, zielbewußten Kaufmanns, des treuen Anhängers seines Glaubens, des Mannes, der den öffentlichen Angelegenheiten Teilnahme und Verständnis entgegenbringt, seiner weitverzweigten Familie innige und tatkräftige Förderung bezeugt, von ihr als wahrer Patriarch verehrt wird und bei allen Ehren, die ihm zuteil geworden sind — auch eine Straße Nakelswurde nach ihm b -e'n a n n t — sich seine Schlichtheit bewahrt hat. Möge ihm und seiner würdigen Gattin ein schöner Lebensabend beschieden sein! .' . Anterrichtskrsgen. (Ein neues Religionsbuch. Von H e rrn a n n V o g el st e i' n. (Schluß.) aßt man dies alles zusammen, so gelangt man auch für diesenZweig des Religionsunterrichts ebenso wie sürden biblischen, den geschichtlichen und den hebräischen Teil zu der Forderung eines Lesebuchs, das den Schüler mit einer Auswahl aus den besten Arbeiten auf religionswissenschaftlichem Gebiet Lesser und Kantine Baerwald..

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