Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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niedrigen Stande. Es ist wahr, daß dank den Schritten, welche in der richtigen Richtung von sehr vielen unserer Einwohner, die sich für die Erziehung der Kinder der ärmeren Klassen interessieren, getan wurden, ein sehr lobenswertes Resultat erreicht worden ist, aber nicht im Verhältnis zu dem allmählichen Anwachsen der jüdischen Bevölkerung von Schanghai. Was getan worden ist, obgleich aus einem sehr begrenzten Gebiet, ist wundervoll und beweist, was hätte getan werden können, wenn von seiten aller Beteiligten geeignete Schritte durch gemeinsames Handeln unternommen worden wären. Die bisherige Erziehung hat nur in Elementarklassen stattgefunden, was hauptsächlich dem Mangel an Geldunterstützung zuzuschreiben ist. Wenn den Bedürfnissen der Gemeinde durch ein religiöses Oberhaupt abgeholsen wird, würde er nicht allein das religiöse Haupt sein, sondern er würde auch die Ueberwachung der Erziehung der jüngeren Generation in die Hand nehmen. Die hauptsächlichsten Gegenstände, welche in der Schule gelehrt werden sollten, müßten sein: Hebräisch, Englisch, Deutsch und Chinesisch. Es ist auch offensichtlich, daß eine Zentralsynagoge, welche die ganze Gemeinde saßt, und eine Schule gegenwärtig sehr nötig sind. Um Ausgaben zu sparen, sollten beide vereinigt und unter eine Verwaltung gestellt werden. Große Sorgfalt sollte in der Auswahl der Lage darauf gelegt werden, daß es ein gesunder Platz ist, und es muß reichlich Vorsorge für einen Erholungsplatz für die Kinder getroffen werden. Im Zusammenhang damit könnte auch ein Haus für das religiöse .Haupt errichtet werden, um dieses in den Stand zu setzen, seine Funktionen zur allgemeinen Befriedigung auszuführen. Um diesen Plan auszusühren, glaubt man, daß eine Summe von nicht weniger als 105 000 Pfund Sterling zum Ankauf des Landes und für die Kosten der Gebäude geschafft werden muß. Nehmen wir an: 20 -im Lande zu 2000 Pfund Sterling — 40 000 Pfund Sterling; Kosten für den Bail der Synagoge und für die Einrichtung 30 000 Pfund Sterling; Kosten für den Bau der Schule und für die Einrichtung 20 000 Pfund Sterling; Kosten für einen Geistlichen und ein Oberhaupt 15 000 Pfund Sterling. Zusammen: 105 000 Pfund Sterling. Diese Berechnung sollte von allen früheren Bewohnern (welche hier ihr Glück machten) als von all den Bewohnern subskribiert werden, welche am Landbesitz oder an den allgemeinen Geschäften in Schanghai interessiert' sind. Die Unterhaltung von beidender Synagoge und der Schule zusammen, mit dem Gehalt für den Geistlichen, den Vorbeter und Schullehrer und anderer muß durch die Bewohner besorgt werden. Was einen Rabbiner betrifft,-muß man sich gegenwärtig halten, daß, um imstande zu sein, eine Persönlichkeit zu erhalten, die geeignet ist, ihre Pflicht befriedigend zu erfüllen, ein stattliches Gehalt angeboten werden muß: sagen wir: 800 Pfund Sterling pro Jahr. Ein geeigneter Vorbeter für die Synagoge, welcher in der Schule unterrichten muß, mag für 350 Pfund Sterling zu beschaffen sein. Ein Hilfslehrer, welcher auch als Sekretär für die Vereinigung dienen muß, kann sich später auch als notwendig Herausstellen. Wenn dieser Plan ausgeführt wird, werden alle gegenwärtigen Schwierigkeiten in bezug auf Schechitta, Eheschließungen, Ehescheidungen usw. usw. erledigt werden, und die Gemeinde würde eine Organisation haben, welche den einzelnen und alle über das Gute, das daraus entstehen könnte, stolz machen und die Einigkeit herbeiführen würde, die jede Handlung unserer Glaubensgenossen im fernen Osten charakterisieren würde. Wir bedauern, daß wir bis jetzt in allen Gemeindeangelegenheiten traurigerweise unzureichend gewesen sind; in der Tat, jede Gemeinde hat ihre eigene'Organisation, und es ist Zeit, für uns etwas zu unternehmen und nicht im Rückstände zu sein, und wir werden in Zukunft eine fähige und angesehene Repräsentation der Juden haben," Aus den Memoiren einrs Milchen Grohksukmanns. Von Dr. Adolph Kohut. (Nachdruck verboten.) ie Familie Baerwald gehört zu den verbreitetsten, aber auch zu den geachtetsten israelitischen - Familien in Deutschland. Einige Vertreter derselben haben auf ckmnmunalem, geschäftlichem, politischem, juridischem Gebiete usw. einen weit, über die Grenze ihrer betreffenden Vaterstadt hinausgehenden Ruf sich erworben. Der interessanteste und bedeutendste Repräsentant der Dynastie ist entschieden der jetzt 83 - jährige Stadtrat L e s s e r B a e r w a l d in N a k e l, der mit seiner Frau Pauline am 17. März dieses Jahres seine goldene Hochzeit unter lebhafter Teilnahme begangen hat. Lesser Baerwald hat seit mehr als 40 Jahren das Ehrenamt als Stadtverordneter seiner Geburtsstadt bekleidet und ist über ein Vierteljahrhundert Stadtverordnetenvorsteher der genannten Stadt. Auch ist er Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Nakel. Ferner bekleidet er seit Jahren das Amt eines Kreistags- und Provinziallandtagsabgeordneten. . Ein Großkaufmann, Großindustrieller und Fabrikant, hat er durch seine kommerzielle Tätigkeit sehr viel zum Ausblühen des Handels und der Industrie im Osten beigetragen. Auch auf dem Felde der Philanthropie war seine Wirksamkeit eine sehr segensreiche. In Anerkennung seiner großen Verdienste und Leistungen erteilte ihm die Stadt Rakel am 29. Dezember 1904 das Ehrenbürgerrecht. Anläßlich, seines 80. .Geburtstages wurde ihm eine Auszeichnung zuteil, deren''sich wohl nur wenige Israeliten je zu erfreuen hatten. . w ' Die Handelskammer für den Bezirk Bromberg hielt nämlich zu Ehren des Stadtrates Lesser Baerwald am 20. Oktober 1910 im Stadtverordnetensitzungssaal zu Rakel eine feierliche . Plenarsitzung ab. Nachdem ihn der Präsident der Kammer mit einer herzlichen längeren Ansprache erfreut hatte, überreichte er ihm namens der genannten Korporation eine künstlerisch ausgestattete Adresse. Der Jubilar — übrigens einer der liebenswürdigsten Männer, die ich je kennen gelernt habe — dankte innigst für diese Huldigung, seiner Freude darüber Ausdruck gebend, daß seine Herren Kollegen in Rakel erschienen feien, um ihm diesen großen und seltenen Beweis ihrer Wertschätzung zu geben. In den 65 Jahren — so führte er damals unter anderem aus —, die er nunmehr in Rakel als Kaufmann wirke, habe er Epochen des Auf-und Niederganges gesehen. Im Jahre 1825 kam sein Vater Lewin Baerwald nach Rakel; der nahm ihn am 23. Oktober 1845 als Fünfzehnjährigen in sein' Geschäft als Lehrling auf. Seitdem arbeitete er darin stets nach den Grundsätzen seines Vaters, früher mit ihm, dann sebbst Inhaber, jetzt,seitdem er vor zehn Jahren an seinem 70. Geburtstage seine beiden Söhne Sigismund- und Artur als Mitinhaber ausgenommen habe, mit diesen; er hoffe, daß seine Söhne dieselben Richtlinien befolgen werden. In Rakel sei er geborenhier habe er seine Erziehung und Ausbildung genossen. Vor etwa 46 oder 47 Jahren kam er als junger Stadtverordneter an diesen Ort. Aus tiefinnerstem Empfinden gebe er feiner großen. Dankbarkeit Ausdruck, daß ihn die Handelskammer hier im Stadt-