Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1913)
- Date
- 1913-04-25
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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195 Anzahl Invaliden speisen ließ. Dem Ausschuß ging dafür folgendes- Dankschreiben zu: „{£§ ist zu unserer Kenntniß gekommen, aus welche höchst würdige Weise Eine Wohll. Gesellschaft der Freunde Veranlassung genommen hat, das Krönungs- und Friedensfest am 18. d. Mts. durch Bewirthung und Beschenkung von 40 Invaliden, welche die hiesige Commune unterstützt, feierlich zu begehen. Wir ergreifen diese Gelegenheit mit Vergnügen, Einer W. Ges. d. Fr. für diesen neuen Beweis Ihres hochherzigen vaterländischen Sinnes, Namens der Invaliden, welche sich des'denkwürdigen Tages aus eine so ausgezeichnete Weise haben erfreuen können, unseren innigsten Dank zu bezeugen, und bitten wir, die Versicherung unserer vollkommensten Achtung hiermit anzn- - nehmen.. Berlin, den 21. Januar 1816. Commission zur Unterstützung der invaliden Freiwilligen und Landwehrmänner. Metzing. v. Rentzell." So hat denn die Gesellschaft der Freunde an den geschichtlichen Ereignissen in einer Weise Anteil genommen, deren sich ihre heutigen Mitglieder mit Genugtung erinnern dürfen. * Aus Ungarn wird uns nachstehende Korrespondenz zur Verfügung gestellt: Die israelitischen Gemeindedistriktspräsidenten hielten ihre ordentliche Versammlung ab, in welcher sie über die öffentlichen Angelegenheiten der.Konfession berieten und die für die kirchlichen Zwecke von der Legislative votierten Dotationen verteilten. Nach der Sitzung begaben sich sämtliche Teilnehmer zum Kultus- und Unterrichtsminister Bela v. Jankovich, an den Moriz Mezei die folgende Ansprache richtete: Der Kongreß der Distriktspräsidenten als Landesvertretung des auf kongressistischer Basis stehenden Teiles der ungarländischen Judenschaft — sagte Redner — hat mit Freude die Gelegenheit ergriffen, vor Ew. Exzellenz der tiefempfundenen Hochachtung und jenem Vertrauen Ausdruck zu geben, mit welchem wir von Ew. Exzellenz die Abstellung der unhaltbaren Lage unserer Konfession und die Schaffung unserer Autonomie erwarten, nach welcher wir uns seit nunmehr vier Jahrzehnten sehnen. Vierundeinhalb Jahrzehnte sind vergangen, seitdem die ungarlündische Judenschaft ihren einzigen Landeskongreß abgehalten und den Versuch gemacht hat, ihre autonome Organisation zu schaffen. Unsere damals geschaffenen Normen sind zum größten Teile veraltet und auch seither wurde uns nie Gelegenheit geboten, die erforderlichen Aenderungen an denselben vorzunehmen. Dankbar erkennen wir an, daß in dem der Leitung Ew. Exzellenz unterstehenden Ministerium in letzterer Zeit unsere in den Kreis der Administration fallenden Angelegenheiten mit Gerechtigkeit und Wohlwollen erledigt werden. Nichtsdestoweniger ist es aber zweifellos, daß wir ohne gesetzliche Sicherung unserer Autonomie nicht jene Rechtsgleichheit genießen, auf welche wir als rezipierte Konfession rechtlichen Anspruch haben und daß wir in unserem konfessionellen Leben nicht jener Unterstützung teilhaftig werden, welche der ungarische Staat den übrigen rezipierten Konfessionen in so reichem Maße zuteil werden läßt. Exzellenz! Es ist Tatsache, daß die Rezeption der israelitischen Konfession derzeit nur im Gesetzbuche existiert, im Praktischen Leben aber nicht. Wir sind jedoch nicht vor Ew. Exzellenz erschienen, um hier unsere diesbezüglichen Gravamina und Bitten zu unterbreiten. Das'werden wir zu einem anderen, gelegenen Zeitpunkte ausführlich und mit der erforderlichen Gründlichkeit tun. Jetzt wollen wir nur unserer Freude Ausdruck geben darüber, daß wir Ew. Exzellenz an der Spitze dieses Ministeriums sehen. Exzellenz! Unsere Konfession leidet seit Jahrhunderten unter der Wucht der auf ihr lastenden Vorurteile. Um so mehr erfüllt es uns mit dem Gefühle der Dankbarkeit, wenn wir nunmehr die oberste Leitung der Angelegenheiten in der Hand eines Mannes sehen, an. den diese Vorurteile nicht heranreichen und von dem wir wissen, daß er auch uns gegenüber jenes Wohlwollen und jene Gerechtigkeitsliebe an den Tag legen wird, mit welchen er die Angelegenheiten der übrigen, rezipierten Konfessionen leitet und erledigt. (Begeisterte Eljenrufe). Der Minister, der die Deputation auf das freundlichste empfing, drückte seinen Dank dafür aus, daß die Führer der religiösen und kulturellen Bewegungen der Juden des ganzen Landes bei ihm erschienen sind. Während seiner Amtstätigkeit werde er stets dahin streben, daß die Rechtsgleichheit der Konfessionen auf allen Gebieten zur Geltung gelange, denn vor ihm gibt es nichts Heiligeres, als daß der Staat den verschiedenen Kirchen ihren gleichen Pflichten entsprechend, gleiche Rechte gebe. Er ersucht die Erschienenen, ihm ihre konkreten Vorschläge zukommen zu lassen, damit er ehestens in die Lage komme, sich mit diesen Angelegenheiten eingehend zu beschäftigen, die Konfession befriedigende Verfügungen zu treffen und die der Ordnung und der Kultur dienenden Bestrebungen der Konfession zu fördern. Bisher kannte er nur im allgemeinen die Verhältnisie der jüdischen Konfession, doch wird er bestrebt sein, sich mit denselben eingehender zu befassen und dadurch das in seine Person und seine Tätigkeit gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Die Rede des Ministers wurde von den Erschienenen mit enthusiastischen Eljenrufen ausgenommen. Sodann wurden die Mitglieder der Deputation dem Minister vorgestellt, mit denen er eine lebhafte Konservation führte. * Bei Gelegenheit der Ansprüche Rumäniens auf Gebietserweiterung war von liberalen Blättern Rumänien an seine Pflicht gemahnt worden, den Juden «die Gleichstellung zu gewähren. Gegen die krasse Beleuchtung der .Lage der Juden in jenem Staate verbreitet nun die rumänische Regierung nachstehendes: „Ein Jude, der rumänischer Staatsbürger ist, genießt alle Rechte wie die anderen Bürger. Man kann von Rumänien aber nicht verlangen, jedem beliebigen Juden, der nach Rumänien kommt, das Bürgerrecht zu verleihen. Das Bürgerrecht in Rumänien zu erwerben, ist schwer für einen Ausländer jeglicher Konfession. Es ist unwahr, daß ein Jude nicht Professor werden kann. Beweis: Universität Jassy (Poru und Sanieliwicz, allerdings getaufte Juden). „Ein Jude kann nicht Ylpotheker werden." Auch diese Behauptung ist unwahr. Beweis: Apotheker Rotbart in Jassy u. a. Die größte wissentliche Entstellung ist aber die, daß Juden keine Aerzte werden können: Die meisten Aerzte in Rumänien sind Juden. Es ist unwahr, daß das Studium erschwert wird. Kein Ausländer kann ländlicher Grundbesitzer sein; warum Ausnahmen machen für Ausländer jüdischen Glaubens? Der größte Teil der Industrie ist in jüdischen Händen^ (Zuckerfabrik Chitilia, Druckereien in Jassy, Craiova, Fabriken in Gälatz), der Getreideexport, überhaupt der Handel in Rumänien, ist in jüdischen Händen. Ist dem „Berliner Tageblatt" bekannt, daß der Major Brociner ein Jude ist? Wenn die Juden in Rumänien wie „Sklaven gehalten werden", warum ist die Zahl der Inden in Rumänien seit 1877 von rund 20 000 auf nahezu 600 000 gewachsen? Vor allen Dingen sollte das „Tageblatt" nicht vergessen, daß die Judenfrage in Rumänien eine innere politische ist, wie die Polenfrage in Deutschland." - Die in dieser Berichtigung erwähnten Tatsachen mögen richtig sein; falsch aber ist der Schlußpassus. Die Judenfrage in Rumänien ist keine innere politische, sondern die Negierung hat in dem Berliner Vertrag die Verpflichtung übernommen, die Juden gleichzuftellen. ■ * Die „N. I. K." schreibt: , Zum Gesandten des Königreichs Italien in Kopenhagen wurde vor kurzem Conte di Carubio, ein Jude, ernannt. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bekleidete bereits ein anderer Jude, Jsak ArtoM, das gleiche hohe Amt. In einer Unterredung mit einer führenden Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde Roms sprach König Victor Emanuel seine Genugtuung darüber aus, daß er einen jüdischen Diplomaten auf einen so hohen Posten berufen konnte. Seit langem sei er überzeugt, daß die Juden gerade für den diplomatischen Dienst hervorragend befähigt sind, und er habe wiederholt beabsichtigt, Juden zu Gesandten und Botschaftern an fremden Höfen zu ernennen, doch zeigten sich die betreffenden Negierungen, darunter auch die eines als entschieden liberal geltenden Staates, abgeneigt, einen jüdischen Gesandten zu akzeptieren. Bloß der König von Dänemark habe der Ernennung eines Juden als. Gesandten an seinem Hof bereitwillig zugeftimmt. Demselben Blatt entnehmen wir folgende Korrespondenz aus Kiew: