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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-25 · Heft 17 (25.4.1913) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Gericht und nehme euch mir zum Volke, und ich will euer Gott sein" (Ex. 6, 6—7), , Nun soll es heißen: „Ich ziehe mich selbst heraus von den Lastarbeitern Aegyptens, und ich erlöse mich selbst." Mckg sein,, daß das für moderne Begriffe das Wertvollere ist, jedenfalls bleibt es ein Umsturz, wie ihn Israel in seiner dreitau- . sendjährigen Geschichte noch nicht erlebt hat. Als ich im verflossenen Jahre zum selben Passahanlaß auf diesen verhängnisvollen Umsturz kurz .hingewiesen habe, wurde mir in, einem längeren Schreiben nachgewiesen, wie auch der Zionismus sich ununterbrochen mit den religiösen. Fragen befasse. Gewiß tut er es. Wer sich eben mit dem Judentum, in welcher Form immer, beschäftigt, stößt immer wieder auf die Religion, ob er will'oder nicht. Aber Moses, der Stifter unserer Religion, hat Volk und Religion unlöslich verbunden, indem er die Religion zum Lebenszweck Israels gemacht hat, zum Grund und Ziel seines Daseins, und das war die Religion bis Heute geblieben; dem Zionismus ist die Religion nur Mittel zum Zweck, zur Isolierung der Judenheit unter den anderen Nationen, aber nicht. Lebensinhalt. Wir aber wollen von der Religion als dem Daseinszweck Israels nicht lassen. Wir. wollen der großen Idee Moses treu bleiben, solange wir sind. Ich stehe nicht an, ehrlich zu bekennen, daß ich die Neuerweckung des Stammesbewußtseins in Israel — man nennt es heute assimilatorisch: Nationalgefühl —als eine geschichtliche Notwendigkeit betrachte, als ein Zeichen dessen, daß Israel noch ein gesundes Ganzes ist. Der Liberalismus hat unsere Gesamtheit in Atome zu zersprengen gedroht, -sein Individualismus hat uns schier an den Rand des Abgrunds gebracht. Das erwachte Stammesgesühl war der Retter; die Krise, die gefährlichste, die uns bis auf den heutigen Tag ergriffen hat, ist vorüber. Nun heißt es, sich noch weiter auf sich selbst besinnen. Wir dürfen es zum nationalen Egoismus auch nicht kommen lassen, wir müssen die Fahne, die Moses aufgerollt hat, wieder hervorholen, unser LebenSelement sei nach wie vor die Religion. Sie sei unser Panier, unser großer Lebenszweck im Kreise, im Kranze der Nationen. Und die „Richtlinien" sind jenes Moment, das uns zeigt, daß Israel auch den nationalen Höhepunkt überschritten habe und zu-seinem wirklichen ewigen Lebensinhalt zurückkehre. O, lasset uns nur weiter schreiten und meinethalben auch streiten im Dienste der Religion. Wir werden uns schon finden. Das religiöse Leben der Menschheit beginnt neue Bahnen zu betreten. Lasset uns Pfadfinder sein, die wir einst gewesen sind, Pioniere neuer/Ideen, üeuer Gedanken, ein Segen der Menschheit. *•22® Die Woche. Berlin, den 21. April 1913. 3 nt preußi s ch e n Landtag führte der Abgeordnete Ablaß folgendes aus: In der- 'Kommission hat der, Kriegsminister mit dankenswerter Offenherzigkeit ausgesprochen, daß die Nichtbeförderung jüdischer Einjahrig-Freiwilliger auf-starke antisemitische Regungen, im Heere Zurückzuführen sei. Niemand wird behaupten wollen, daß der Jude an sich ein schlechter Soldat sei.- Viele Offiziere erkennen auch an, daß nur die Tatsache, daß . er ein Jude ist, ihn der Ehre, Reserveoffizier zu werden, verlustig gehen läßt. Das läßt sich mit dem Grundsätze: Gleiches Recht für alle! nicht.vereinigen. Sonst kann die Heeresverwaltung auf keinen gesunden Mann verzichten, aber der Jude darf nicht Reserveoffizier werden — es sei denn, daß er sich vorher taufen läßt. Das deutsche Offizierkorps ist doch nicht eine Missionstruppe gegen das Judentum. (Sehr gut! und Heiterkeit links.) Vor hundert Jahren haben noch zahlreiche Juden mit für die Freiheit des. Vaterlandes gekämpft und haben auch dem Offizierkorps angehört, ohne daß dadurch die Homogenität des Offizierkorps — wie sich der ' Herr Kriegsminister ausdrückte — gelitten hätte. Wir müssen endlich einmal hier zum Ziele kommen. M. -. Aus Po sen wirb uns geschrieben: Infolge Beschlusses der Repräsentantenversammlung der . jüdischen Gemeinde zu Posen vom 28. Januar 1913 hat der .Vorstand >der Posener Synagogengemeinde sich nochmals mit der Resolution der Frankfurter Shnagogengemeinde betreffend die Richtlinien der liberalen Rabbiner beschäftigt. Der Vorstand der Posener Synagogengemeinbe hat sich nunmehr in Übereinstimmung mit der Posener Repräsentantenversammlung sämtlichen vier Thesen der Frankfurter Resolution angeschlossen mit der Maßgabe, daß in These 3 anstatt „bedauern und mißbilligen" gesagt wird „bedauern".. . ■& Unter den Notizen über die B e t e i l i g u n g der Juden an denBesre iung skr i egen, die neuerdings mit Recht gesammelt werden, sind folgende hervorzuheben. In dem Jahresbericht der Gesellschaft der Freunde zu Berlin heißt es: Wir leben in einer Zeit patriotischer Erinnerungen. Vor hundert Jahren erhob sich Preußen zur Abschüttelung der Fremdherrschaft. Wer Waffen tragen konnte, eilte zu den Fahnen; wer daheim bleiben . mußte, trug sein Scherslein zur Bestreitung der Kosten bei. Es gab keinen Unterschied des Standes, des Ranges, des Glaubens; jedermann war bereit, für die Befreiung des Vaterlandes mit Gut und Blut einzutreten. In der Geschichte dieser Bewegung hat auch die Gesellschaft der Freunde ihren Platz. Eine Anzahl ihrer Mitglieder zog in den Krieg, unter ihnen die Freunde H. Flies, L. Epenstein, Meyer Löbel, C. N. Mendelssohn, der Sohn Moses Mendelssohns und Bruder des Julnlarstisters Joseph Mendelssohn. Flies und Löbel kehrten als Leutnants zurück, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, Mendelssohn ebenfalls als Leutnant, Epenstein durch das Militärehrenzeichen ausgezeichnet. Von bald, nach dem Kriege in die Gesellschaft eingetretenen Freunden seien genannt A/S. Benda, Ferd. Oppert, Jos. Henoch, P. M. Steinthal, C. Heymann. Sie und andere haben freudig ihre Pflicht erfüllt. Benda wurde Premierleutnant, Henoch Leutnant, Benda erhielt zugleich ebenso wie Oppert das Eiserne Kreuz. Ihrer aller sei heute in Anerkennung und Dankbarkeit gedacht. Unter den Geldspenden, die zur Bewaffnung freiwilliger Kriegeraufgebracht wurden, war die der Gesellschaft der Freunde eine der ersten und größten. Schon am 10. März 1813, ehe noch der „Aufruf an mein Volk" ergangen war, übersandte die Gesellschaft dem Polizeipräsidenten 863 Taler als Ergebnis einer Sammlung unter ihren Mitgliedern. Die Empfangsbestätigung hat folgenden Wortlaut: „Auf Einer Wohllöblichen Gesellschaft der Freunde gefälliges Schreiben v. 10. d. M. habe ich den in der Mitte der Ges. d. Fr. gesammelten Beitrag - zur Bewaffnung freiwilliger Vaterlandsvertheidiger von 863 Rthlr. 21 Gr. 6 Pf. Cour, erhalten und davon-sogleich 150 Rthlr. an den Major v. Petersdorff für das von ihm zu organisierende Freicorps übersandt, auch öffentliche Anzeige von diesem ansehnlichen patriotischen Geschenk und dessen Bestimmung in den hiesigen Zeitungen gemacht. Indem E. Wohll. Ges. d. Fr. hiervon benachrichtige, füge ich -die Äersicherung der dankbarsten Anerkennung und den Wunsch hinzu, daß ein so rühmliches Beispiel thätige Nacheiferung erwecken möge. Berlin, den 22. März 1813. Königl. Staatsrath und Polizei-Präsident von Berlin Le CoC|." Bei einer am 7. Juli 1814 veranstalteten Einzugsfeier fyciibete die Gesellschaft der Freunde wiederum erhebliche Summen zu patriotischen Zwecken. In der von dem Freunde Ludwig Lesser verfaßten Chronik zum fünfzigjährigen Jubiläum der Gesellschaft (1842) findet sich ferner aus dem Jahre 1815 folgende Mitteilung: „Am 27. dlpril. bewilligte ein größerer Ausschuß einem Freunde, der beim Wiederausbruch des Krieges gegen Napoleon als Freiwilliger in das preußische Heer einzutreten wünschte, auf dessen Gesuch 150 Rthlr. zu den Kosten seiner militärischen Equipierung." Endlich sei noch erwähnt, daß, als am 18. Januar 1810 ein "allgemeines Friedenssest gefeiert wurde, die Gesellschaft der Freunde eine

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