Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Atemzuge-^der guten Sache treu bleiben." Bei der Ergünzungswahl des Vorstandes wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt, und zwar Herr Professor Dr. M a y - b a u in, Herr Rabbiner Dr. Rosenthal und Frau Joseph Stern, Köln a. Rh., Herr Friedrich K a u f in a n n, Frankfurt a. M., und Herr Kommerzienrat Kirchdörfler, München. Neu hinzugewählt wurde Herr Oskar Tietz. Ebenso wurde Herr Bernhard Easparius neu als Kassenrevisor gewählt. Zinn Schlüsse sprach Herr Oskar Rathenau dem Vorstand im Nanien der Mitglieder seinen Dank für' die treue Arbeit aus. y. Berlin, 15. April. Dem soeben erschienenen Jahresbericht der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutsch- >lands Pro 1912 entnehmen wir, daß die bisherige finanzielle Entwickelung der Kasse sehr günstig gewesen ist. Das Vermögen hat sich um 83 653.45 Mark erhöht und betrug- Ultimo 1911 nach Abzug des Prämienreservefonds und des satzungsgemäß zu bildenden Sicherheitsfonds 354 799.73 Mark. Die Vermögenslage der Kasse hat sich somit ganz ungewöhnlich günstig entwickelt. Diese Entwickelung ist jedoch vorwiegend als günstiger Zufall zu betrachten. Es ist nämlich kein einziger Schadenfall eingetreten, obgleich man in den fünf Jahren bei zirka 120 einjährigen Beobachtungen auf ein bis zwei Schndenfälle rechnen konnte, und ebensogut hätten in den fünf Jahren auch vier Schadenfälle eintreten können, was einen um 100 000 Mark ungünstigeren Stand des Vermögens verursacht hätte. Wie zutreffend diese Darstellung ist, ergibt sich daraus, daß das neue Geschäftsjahr 1912 den plötzlichen Tod Zweier, noch in den besten Jahren stehender ordentlicher Mitglieder, der Herren Dr. Ackermann- Brandenburg und Dr. Kottek-Homburg brachte. Die Witwen derselben und die unmündigen Kinder des letzteren treten zum erstenmal in den Genuß der satzungsmäßigen Witwen- und Waisenrente. — Die Zahl der ordentlichen Mitglieder betrug Ende 1912 nur 20. — Sitzungen hielt das Kuratorium zwei in Berlin ab, in denen.unter anderem auch die Stellung der Kasse zum Reichsversicherungsgesetz für Angestellte zur Erörterung gelangte, eine Frage, die dann in der Mitgliederversammlung im Dezember vorigen Jahres in dem Sinne erledigt wurde, daß man beschloß, vom Ausbau der Kasse zur Ersatzkasse im Sinne des Gesetzes abzusehen und denjenigen Rabbinern, die, sei es durch Gehalthöhe, sei es durch Anstellungsverhältnis, von der Zwaugsversicherung befreit sind, den Anschluß an die Lehrerersatzkasse zu empfehlen. Die Jahresbeiträge der ordentlichen Mitglieder betrugen wiederum 6 Prozent des Amtsgehalts. Eintrittsgelder, Jahresbeiträge und Rückstände gingen 5379.55 Mark, von außerordentlichen Mitgliedern 270 Mark ein, von Gemeinden und Verbänden 1295 Mark; das bedeutet einen außerordentlich bedeutenden Rückgang gegen das Vorjahr. Ultimo 1912 hatte sich trotzdem das Vereinsvermögen um 11 780 Mark vermehrt und betrug 388128.65 Mark. — Das Gewinn- und Verlustkonto schließt mit 22 092.55 Mark ab. Berlin, 15. April. Der israelitische Frauenu n t erstützuugsv c r e i n E. V., Berlin, hielt am 9. d. M. die 30. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Aus dem gegebenen Geschäftsbericht ist hervorzuheben, daß trotz der großen wirtschaftlichen Krisen die zunehmende Zahl der Fülle befriedigt werden konnte, trotzdem die Fälle jetzt verinnerlicht und pflegerisch behandelt werden. — Anläßlich der Besuche der Aufsichtsdamen in den Wohnungen soll Wohnungspflege getrieben werden. Die Mitarbeit in den anderem großen Organisationen, wie dem Jüdischen Frauenbund, dem Verband für jüdische Wohltätigkeitspflege, sowie der hohe Zuschuß, die der Verein zu den Kosten der jüdischen Gemeindeschwestern beitrügt, ivird erwähnt. Aus der Notwendigkeit einer verstärkten Werbearbeit sind Mitgliederwerbekarten hervorgegangen, die die Bedeutung des Vereins für alleinstehende Frauen und Mädchen in Groß-Berlin hervorheben. — Die zu der Tagung des Jüdischen Frauenbundes nach Leipzig entsandten Delegierten des Vereins gaben einen äußerst interessanten Bericht über die Tagung, über die wir vor kurzem ausführlich berichteten. Y. Königsberg i. Pr., 11. April. Der soeben erschienene 46. Bericht über den Religionsunterricht der hiesigen Shnagogengemeinde bringt 'zwei hochinteressante. Abhandlungen zur Geschichte der Juden in Königsberg von Herrn Rabbiner Dr. Vogel stein, die außerordentlich interessante Daten enthalten, den Abdruck einer Notiz der „Vossischen Zeitung" vom 9. Dezember 1816 über die bekannte jüdische Freiheitskriegerin Luise Grafemus, die eigentlich Esther Manuel hieß, und die „Generalliste der Schntzjuden". Dieser Beitrag ist ein getreuer Abdruck eines im Archiv, der Königsberger Gemeinde befindlichen handschriftlichen. Verzeichnisses aus den letzten Regierungsjahren Friedrichs des Großen. Eine eingehende Bearbeitung dieser Liste hofft Herr Rabbiner Dr. Vogelstein an anderer Stelle geben zu können. Es werden in dieser Liste bis zum Jahre 1786 insgesamt die Namen'von 124 Schutzjuden ansgeführt. — Den Schulnachrichten ist zu entnehmen, daß die Anzahl der Klassen 39 betrug. Die Zahl der Schüler betrug zu Beginn des Schuljahres 1912 469, am 1. Februar 1913 475. Der Lehrkörper setzt sich zusammen aus Herrn Rabbiner Dr. Vögelst e i n, Rabbiner Dr. P e r l e s und den Lehrern Sandler, Wo l l h e i in, B a d r i a n und H o f f m a n n. Jugendgottesdienste wurden auch im letzten Jahre eine ganze Anzahl abgehalten, Vücherprämien wiederum verteilt, und im Winterhalbjahr für die Primaner und Obersekundaner alle drei bis vier Wochen Schülerabende veranstaltet. Für das neue Schuljahr sind mancherlei Veränderungen in Vorbereitung. Die Mädchenabteilung der Religionsschule wird nach der Königin-Luise-Schnle verlegt. Geplant ist ferner ein Ausbau der Unterrichtsorganisation, nämlich die Einrichtung einer Unterrichtsstation auf den Hufen und anderes mehr, auch eine Vergrößerung des Lehrerkollegiums. Dem Rechenschaftsbericht des Bekleidungsvereins für arme Zöglinge der Religionsschüfe entnehmen wir, daß sich die Einnahmen einschließlich des Kassenbestandes pro März 1912 in Höhe von 4528 Mark auf 5397 Mark beliefen. Die Ausgaben betrugen 328 Mark, so daß sich für März 1913 ein Bestand von 5069 Mark ergab. Die Anzahl der Mitglieder des Bekleidungsvereins beläuft sich auf 132. x. Lissa i. P., 11. April. Die Synagogengemeinde Sandberg, die in der Geschichte der Gemeinden der Provinz Posen keine unrühmliche Rolle spielt, und aus der so mancher treffliche Mann hervorgegangen ist, hat ihre Auflösung beschlossen. Die drei noch vorhandenen Mitglieder der Gemeinde Sandberg haben den Antrag gestellt, daß sie in die Synagogengemeinde Lissa ausgenommen werden. Dieser Antrag ist von den hiesigen Gemeindekörperschasten zum Beschluß erhoben worden, und die hiesige Gemeinde hat auch die Pflege des Friedhofs in Sandberg übernommen. „Fallen seh ich Zweig auf Zweige", heißt es in Grillparzers „Ahnfrau", und so gibt es noch andere schwache Gemeinden in der Provinz Posen, von denen man jetzt schon sagen kann: „Einst wird kommen der Tag . . .", wo ihnen ein gleiches Schicksal bevorstehen wird. Die Gründe sind immer dieselben: der politische und wirtschaftliche Kampf der Deutschen gegen die Polen, und der von letzteren verhängte Boykott, der sich meist in voller Schürfe besonders gegen die Inden richtet; das mangelnde religiöse Leben und das Fehlen geistiger Betätigung; vor allem aber der Zug zu den auswärts wohnenden Angehörigen und der Zug nach der Großstadt. 2XD Hirschberg, i. Schl., 11. April. Mit dem 1. d. M. trat der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Dr. Max B i r a m , in den Ruhestand, nachdem er 26 Jahre in unserer Stadt seines Amtes gewaltet hat. Schon bei den Schulschlußfeiern nahmen die Direktoren der hiesigen höheren Lehranstalten Gelegenheit, Dr. Biram mit -warmen anerkennenden Worten für sein segensreiches Wirken als jüdischer Religionslehrer zu danken; auch der Magistrat hat als Patron der städtischen Schulen ein in sehr ehrenden Worten gehaltenes Dankschreiben an ihn gerichtet. In seiner Gemeinde selbst veranstaltete zuerst der jüdische Wohltätigkeits- und Beerdigungs- Verein bei seinem Stiftungsfeste für sein Ehrenmitglied eine sehr schöne, erhebende Abschiedsfeier. An seinem letzten Amtstage versammelten sich der Vorstand, die Repräsentanten und eine große Anzahl Gemeindemitglieder mit ihrem Seelsorger zu einer Abschiedsfeier. M. Hamburg, 11. April. Herr William F r i e d m a n n, Seniorchef des Bankhauses Magnus & Friedmann, ist im besten Mannesaltcr ans dem Leben geschieden. Der Verblichene zählte zu den angesehnsten Mitgliedern der Gemeinde und war eine der Hauptstützen des Tempelverbandes. Die Bestattung fand vom Trauerhause, Mittelweg, aus statt; hier hatte sich eine außerordentlich große Anzahl von Leidtragenden eingefunden, außer den Predigern Dr. Leimd ö r f e r und Dr. Sonderling und Mitgliedern der Tempelgemeinde waren namentlich viele Vertreter aus der Handels- und Finanzwelt anwesend. Ferner waren die Vorstandsmitglieder der Gesellschaften, in deren Aufsichtsrat der Verstorbene tätig war, zur Trauerfeier erschienen. Der mit kostbaren Blumen und Kränzen voll-