Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- Seite 185 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-..185bic Jewish Colonisation Association, öte fo segensreich in Osteuropa mit diesen Leihkassen gewirkt hat, ihre Hilfe auch bei den Balkqnländern und der -Türkei leiht. Eine andere große Aufgabe ist alsdann noch zu erfüllen. Die Juden des.Balkans in den bisher türkischen Landesteilen waren der mohammedanischen Bevölkerung gegenüber bei der mangelnden staatlichen Initiative und dem Fehlen eines europäischen kulturerfüllten Lebens ein intellektuell und kulturell höheres . Element. Die neuen Herren des Landes stehen dem europäischen Kulturideal viel näher, daher ist es erforderlich, daß die Juden des Balkans ihr äußerstes tun, um sich zu entwickeln und im wirtschaftlichen Wettbewerb nicht Zurückbleiben.- Nötig ist dazu insbesondere eine Ausgestaltung des Schulwesens und aus materiellem Gebiete die Begründung" von Leihkassen. Dazu bedarf es außerordentlich großer Mittel. Der Vortragende richtet auch seinerseits die Aufforderung an die Anwesenden, beizutragen, daß für die Juden des Balkans das Notwendige geschehen kann, um sie auf^einen höheren Kulturstand zu bringen.—Herr Stadtrat Gimkiewicz dankte dem Vorstand des Hilssvereins und der Balkankommission für ihre hervorragende Wirksamkeit für die Judenheit. Herr Direktor Ernst Simon, der Schatzmeister des Hilfsvereins, gibt den Bericht über die Kassensühru'ng und erteilt der Verwaltung Entlastung. Als Revisoren werden wiederum die Herren Kommerzienrat Sigmund Pinkus und Georg Tietz gewählt. Der Generalversammlung ging eine Sitzung des Zentralkomitees voraus, zu der zahlreiche Delegierte nicht nur aus Berlin, sondern aus allen Teilen des Reiches erschienen waren. In der Zentralkomiteesitzung wurden in das Zentralkomitee kooptiert die Herren Moritz Jacobsohn, Lüneburg, Georg Tietz, Berlin, Landrabbiner Dr. Hoffman, Emden. ■ »ÄM Wollen -um Streit Lentrolorrem—Lionismus. Von W. Bernau er. ie Resolution des Zentralvereins gegen den Zionismus vom 30. März hat in der jüdischen Oesfentlichkeit lebhafte Bewegung hervorgerufen, freudige Genugtuung bei der großen Mehrzahl der deutschen Juden, nur wenig gedämpft durch die Erwägung, daß man vielleicht noch eine bessere, weil schärfere. Form hätte finden können, energischen Protest bei den Zionisten. Von zionistischer Seite läßt sich in der „Welt", dem „Zentralorgan der zionistischen Bewegung", einer der tätigsten publizistischen Vorkämpfer des deutschen Zionismus vernehmen (R. L. Richard Lichtheim). Seine, gewissermaßen offiziösen, Altsführungen sind näherer Betrachtung wert. Einige seiner Thesen will der Verfasser, der übrigens persönlich der Leitung des Zentralvereins ganz fernsteht, kurz zu glossieren versuchen. . I. ■ ■' Lichtheim postuliert: „Es ist nicht Aufgabe des Zentralvereins, die'„Gesinnung" seiner Mitglieder zu kontrollieren; eine solche Forderung ist illiberal und ganz undurchführbar." Was ist denn nun der Zentralverein? Er ist keine Gemeinschaft, in die man hineingeboven worden ist, wie in den Staat oder die jüdische Religionsgemeinschaft. Von der man demnach vielleicht (viele tun es nicht, aber der liberalen Staatsauffasfung entspricht die Forderung) verlangen kann, daß sie die Sonne leuchten läßt über Gerechte und Ungerechte,, daß sie für ihre Glieder sorgt, ohne Rücksicht darauf, ob sie „staatserhaltend" sind oder nicht. Er ist eine Gemeinschaft von auf Grund gleicher Anschauungen zu gemeinsamem Zweck verbundenenPersouen. Eine derartige Gemeinschäft kann, welches auch ihre politische Stellungnahme sei, niemals darauf verzichten, durch Mehrheitsbeschluß festzustellen, welche Ideen, die etwa von Personen, die sich ihr angeschlofsen haben, vertreten 'werden, mit den durch Mehrheitsbeschluß festgestellten Gemeinschaftsanschauungen kollidieren, den verfolgten Zwecken zuwiiderlausen. Das ist keine Gesinnungsschnüffelei — keines Mitgliedes Anschauung wird gewogen und, wenn zu leicht befunden, durch Ausschluß geahndet — noch; illiberal, . sondern' ein notwendiger Akt der gedanklichen Umgrenzung und- Festigung der. Gemeinschaft. ,, - ........... ' II.. „ .... Lichtheim fährt fort: „Wäre, es aber den Herren. - vom Zentralverein mitihrer Gesinnungsprüfung ernst, so müßten sie zunächst erklären, was sie unter „deutscher Gesinnung" eigentlich verstehen." Es ist zuzugeben, daß. Deutsche Gesinnung" kein klar umrissener „Begriff" ist. Aber w^nn er. dies bemängelt, so vergißt er oder will vergessen, dgß dem Zionismus/ dessen begrifflicher Inhalt sich auf wenige. Sätze zurückführen läßt, nicht eine einheitliche Partei — das „Assimilantentum", sagt er — gegenübersteht, sondern eine Masse,'deren Stellungnahme in den Fragender.deutschen Politik eine ~ erfreulich!.— mannigfaltige ist. Zweierlei muß dem Zentralverein, wenn er seinen Satzungen und seinem Gedankeninhalt treu, bleiben will, genügen, zwei Postulate, die alle die-erfüllen.können,, die jener Resolution vom 30. März inhaltlich zustimmen, nicht aber. -der Zionismus. Einmal, daß .sie bereit sind, in der und. .für die Kulturgemeinschaft, in die sie gestellt sind, ihre Lebensarbeit zu verrichten, und zweitens, daß sie bereit und geeignet sind, die Gleichberechtigung ihrer.Glaubensgenossen in Staat und Gesellschaft dieser Kulturgemeinschaft erstreiten .zu . helfen. Zu fragen aber, etwa Warum der einzelne durch die. Arbeit in .der deutschen Kulturgemeiinschaft „deutsche Gesinnung". betätigt, ob er sich mit den andersgläubigen Deutschen ausschließlich oder in erster Reihe durch die Bande des Staates, der. Sprache, des gemeinsamen durch Jahrhunderte bewohnten. Landes,, der Geisteskultur usw. usw. verbunden fühlte und. danachdie „deutsche Gesinnung", die er vertritt, näher zu präzisieren, kann nicht Ausgabe des Zentralvereins sein. Und ebensowenig kann es seine Aufgabe feineine bestimmte 'Intensität dieser .Gesinnung zu verlangen: zu scheiden unter denen, die die. Aufgabe des Staates dieser Kulturgeineinschaft darin erblicken, die Interessen seiner Mitglieder coute que coute durchzusetzen: right or wrong my coimtry, und denen, die in der Gerechtigkeit, die üb er-den Völkern waltet,; dieser .Betätigung eine Grenze zu geben wünschen; zwischen denen, die in der Arbeit für diese Kulturgemeinschaft einen Selbstzweck erblicken, und denen, die der ganzen Menschheit und ihr zunächst im Rahmen der Kulturgemeinschaft, in die sie gestellt sind, dienen wollen usw. usw. Alle diese Differenzierungen vermeidet die Resolution des Zentralvereins durch ihre „verschwommene" Ausdrucksweise, die doch genügend deutlich angibt, was den Verein von der Anschauung scheidet, von der ' er sich scheiden will. " " ' ... ' ■ ’ ‘ III. ' - ' ' ■ . Der Zionist kann das Postulat nicht erfüllest daß er in und für die deutsche Kulturgemeinschaft seine Lebensarbeit verrichtet, — so war behauptet. Wer in den Banden des Blutes'das wichtigste Band sieht, das die Menschen verbindet, sie zu eintm Volke, einer Nation zusammenführt, der wird seine Lebensarbeit auch der Gemeinschaft der durch Blutsbande Verbundenen, jenem angeblichen „Volke" widmen.' Dementsprechend . hat der deutsche Zionismus erst kürzlich auf seinem Posener Delegiertentag beschlossen, jeder einzelne Zionist solle fick) so einrichten, daß er jederzeit in der Lage sei, ein. wertvoller Bürger eines .jüdischen Staates in Palästina.zu werden' (der Wortlaut liegt, mir nicht vor, der Sinn.war^ wie angegeben). Und wer in zionistischen Kreisen bekannt ist, der Werst daß gerade den ehrlichsten, überlegtesten und darum sympathischsten Zionisten jedes „diesseitige" Interesse fetjlt/ daß. sie' es', äb- - gestoßen haben, um sich ganz der', Ärheit -M.',das''-,jlrtzrfche Volk", für,Palästina zu widmen. Alle „diesseiligen" ' Bestrebungenfeien sie. allgemeiner Natur,. seien sie sogar' speziell