Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Safed 2× ep/1046078
- Beirut 1× ep/1047833
- Hebron 1× ep/1047559
- Kaunas 1× ep/1000678
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Mark, bis z-um Schluß des Jahres 1912.- Dazu treten für das B.alkanhilfswerk bis Mitte Llpril 1913' noch rund 225 000: Mark.-- Der -Vorsitzende gibt einen kurzen Üeberblick über die Tätigkeit des Hilssvereins in Galizien, Rumänien, Bulgarien, der europäischen und asiatischen/Türkei. In den europäischen Ländern ist die Subventionierung von kulturellen Instituten in dem - bisherigen Nahmen fortgesetzt worden. Die wirtschaftlichen Verhältnissein- Galizien haben sich in dem abgelausenen Jahr noch verschlechtert. Der-Verein „Selbsthilfe" in Galizien (Samopoc), durch den ein Regenerationswerk von der Judenheit in Galizien unter Mitwirkung der berufenen Humanitären Gesellschaften des Auslands, auch des Hilssvereins, in die Wege geleitet werden sollte, ist infolge der großen Schwierigkeiten des Zusammenschlusses verschiedenartiger jüdischer Elemente . in Galizien und Hemmungen politischer und wirtschaftlicher Natur' noch nicht in Aktion getreten. Das Hauptschülwerk des Hilfsvereins . besteht in Palästina und Syrien, und zwar in-.,Jerusalem, Jaffa, Haifa, Safed, Beirut, Liberias, Hebron, Rechowoth. (Kolonie), Katrah (Kolonie). In systematischer Weise ist dort das "eigene Schul-, . werk des Hilfsvereins 'ausgebaut. Kindergärten bilden das Fundament, wodurch das Niveau der Schulen erhöht, werden -konnte. Elementarschulen und gehobene Schulen, Talmud-Thoraschulen, Mittelschule, Handelsrealschule schließen sich an. Den Abschluß bilden höhere Ausbildungsanstalten, das Lehrerseminar in Jerusalem,- das auch in Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kolonien landwirtschaftlichen Unterricht, und ferner auch Händsertigkeitsunterricht bietet, Kindergärtnerinnenkursus (die ersten Absolventinnen wurden April 1912 entlassen), Rabbinerkursus. Im April 1912 ist . eine neue,. Knabenschule in Safed eröffnetworden. Das Schulwerk nimmt die beste Entwicklung. Ein Hindernis für die weitere-Entfaltung der einzelnen Anstalten, namentlich in Jerusalem, bietet Raummangel. Binnen kurzem sollen .mehrere Institute zunächst in Jerusalem, ferner das Mädchenheim, in einer Kolonie ein eigenes Heim erhalten, was gerade im Orient besonders wichtig ist. Die Krönung des Schulwesens in - Palästina bietet das auf Initiative des/Hilfsvereins der Deutschen Juden in Haifa errichtete „Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina". Das Technikum, das einem besonderen Kuratorium untersteht, in. dem der Hilssverein entspre- , chend vertreten ist, soll bereits im April 1914 eröffnet werden. Die Mittelschule des Technikums, die-inzwischen vom .Hilfsverein ge- . leitet wird, ist bereits im Rohbau vollendet, das Technikum selbst ist bis . zum Zweiten - Stock fertig und. wird binnen kurzem unter . Dach kommen. Gelernte Arbeiter- und Ingenieure, die in dem jü- . difchen.. Institut für technische : Erziehung .in Palästina - ausgebildet werden sollen, sind in der,.Türkei sehr-gesucht und werden hoch be- * zahlt, da das Land sich der Kulturentwicklung immer mehr erschließt. Redner macht die interessante Mitteilung, daß gerade jetzt eine für Palästina sehr wichtige Bereinigung von drei sanitären Instituten . zu einem Gesundheitsamt erfolgt fei, das auch die Bekämpfung der in Städten wie auch, in Kolonien weit verbreiteten Malaria zum Zielehat-." - Düs Schulwerk,- am dem der Hilfsverein jetzt beteiligt -ist, das etwa 7000 Zöglinge in . sich schließt, ..besteht unter anderem aus 14 Kindergärten, 10 - Knabenschulen, 3 Mädchenschulen- 7 gemischten Schulen (darunter 2 .Kolonieschuley), 1 Mittelschule, 1 Handelsrealt . schule, 1 Handwerkerschule, 2 Fortbildungsschulen, 1 Rabbinerkursus, 1 Lehrerseminar, 1 Kindergärtnerinnenkurfüs,« 2. Mädchenheimen. . 'Nahezu 30 Anstalten, wovon der größere. Teil unter eigener Regie des Hilfsvereins sieht, sind in Palästina und Syrien. Die Aufwendungen für das Schulwerk betrugen 280 000 Mark. — Fürsorge f ü r d ie E m t g r a n t e n: Das Hauptkontingent - für ' die Auswanderung stellt Rußland. Im verflossenen Jahre ist die'Lage der Juden,, was man kaum noch für möglich gehalten hätte, noch schlechter geworden. Die Ausweisungen nehmen immer größere Di- , mensionen an. Ausweisungen großen Stils' haben im Südosten Rußlands wieder stattgefunden. Zahlreiche - Juden werden dort aus (ihren ' Wohnsitzen, sowohl aus Städten wie, Dörfern/ vertrieben.' Sehr' rigorose Ausweisungen finden ferner, in wem Gonvernement Kiew und Jekaterinoslmv -statt. - .Auch den/ Kausleuten, erster Gilde' droht die Ausweisung aus Kiew. Einegroße- Maste' der Kre)v er Juden, .die -Pharmazeuten, verfielen gleichfalls dem Schicksal, der Ausweisung.. Ta'nsende wurden aus den i - Dorfgemeinden im Gouvernement Wolhynien, Cherson, Mohilew, - . G.rodno,'. Kowno,. Taurien und Poltalva verjagt. - .Städte werden'/.willkürljch/m'Wrser'verwandelt' respektive''nicht mehr^zum Ansiedlungs- - rayon gerechnet, z/Ä. Nikolajew, wodurch allein 10 000 Juden ihres > .184 —- bisherigen Wohnrechtes' verlustig gingen. Die"Moskauer, Odessaer und Libauer - Börse -sogar protestierten, weil der Volkswirtschaft in - .Rußland durch das Vorgehen gegen dieJuden tiefe Wunden geschlagen werden, .gegen die jüdenfeinhliche Politik und Verwaltungspraxis, , die als ein Attentat aus die Lebenskraft des Landes bezeichnet wurde. Die Proteste hatten freilich keinen Erfolg. Auch auf dem Gebiete des Unterrichtswesens sind weitere..schwerwiegende-Einschränkungen eingetreten. Neben den gesetzlichen.Bedrückungen geht seit Jahren ein von den Behörden und der Geistlichkeit inszenierter oder wenigstens wirtschaftlicher Kampf gegen die Juden einher. Ganz außerordent- . lichen Umfang hat in letzter Zeit dieser Boykott in Polen angenom- . men.- Der Kampf wird von der Bevölkerung fanatisch geführt. Zahllose Existenzen unter den Juden, von denen ein Drittel ganz Rußlands, etwa zwei Millionen in Polen wohnen, sind in schwerste Bedrängnis gebracht oder-ruiniert, und es ist auch zü vielen Ausschreitungen gegen die Juden gekommen. Die A u swand e r n n g ist bei diesen Verhältnissen die einzige Möglichkeit der Erlösung aus den: düsteren russischen Elend. Glücklicherweise wurde die Gefahr der Erschwerung, der Einwanderung in das Haupteinwanderungsland, die .Vereinigten Staaten, die besonders die Juden auf das schwerste ' getroffen hätte, durch das Eingreifen des Präsidenten Taft abgewandt. Der Hilfsverein lieh den unterdrückten russischen Juden wiederum seine. Beihilfe, und vielen Auswanderern, die sich den Verfolgern ent- -ziehen und eine neue Heimat' aufsuchen, wurde auf ihrem langen Wege durchgreifende .Fürsorge seitens der Auswandererorganisation des Hilssvereins zuteil., Den gewaltigen Auswandererstrorn zu regulieren, mußte die Auswandererorganisation des Hilfsvereins an der Ost- und Westgrenze, an den Knotenpunkten Deutschlands, in den Hafenstädten unvermindert ausrecht erhalten werden. Unsere gesamten .Komitees hatten 17 762 Personen abzufertigen. Auch für die Rückwanderer und . die Wanderarmen in Deutschland hat der Hilssverein mitgesorgt. Die Ausgaben für das russische Hilsswerk und' die Auswanderung betrugen rund 215 000 Mark. Die Jewish Colonisation Association Jteüettc in dankenswerter Weise wieder 85 000 Mark bei. Die Gesamtausgaben des Hilssvereins vom Jahre 1912 bis zur Generalversammlung beliefen sichaus fast eine Million Mark. Redner hebt hervor, daß der Hilssverein zur Durchführung seiner großen Aufgaben ' dringend weiterer Mittel bedürfe, — Hierauf berichtete Dr. PaulRathan, der zweite Vorsitzende des Vereins,über das Hilfswerk aus dem Bal- .' fern. Der Redner gehörte, wie unseren Lesern aus früheren Berichten bekannt ist, mit Dr. Adler aus London und Dr. Kahn-Berlin einer Delegation an, die mitten im Winter die von dem Kriege betroffenen ' Länder, bereiste/ um ihren Glaubensgenossen Hilfe zu bringen.. Die Delegierten fanden sowohl bei der serbischen wie bei der bulgarischen Regierung freundlichste Ausnahme. Sie wurden auch von dem bulgarischen Königspaare., empfangen und trafen hier das vollste Verständnis für' ihre humanitäre Sendung. Der Ministerpräsident Geschow und der Generalgouverneur in Mazedonien Wulkow versprachen, sich der Juden anzunehmen und für eine gerechte und humane Behandlung Sorge zu tragen. Bezüglich der Judengemeindeu in Silistria, das an Rumänien fallen soll, erhielten sie die Zusage, daß sie dafür sorgen würden, den dortigen Juden auch bei einem Uebergang der Stadt in rumänischem Besitz die volle staatliche Gleichberechtigung 31t erhalten. . Große Ausgaben harrten der Delegierten in Saloniki, in Adrianopel und in Konstantinopel. In Saloniki und Konstanti- - nopel waren Massen von jüdischen Flüchtlingen, die bei Ausbruch des Krieges geflohen und während, der ganzen Dauer zu beherbergen und zn verpflegen waren. - Herr . Dr. Nathan verliest ein am Tage der Generalversammlung eingetrossenes Telegramm aus Adrianopel, wonach dort die Verteilung großer Mengen Lebensmittel .stattgefunden habe, und ferner einen Auszug aus Berichten der beiden Krankenschwestern, aus denen.hervorgeht, wie verängstigt die Zivilbevölkerung noch nach den schrecklichen ausgestandenen - Qualen der langen Belagerung ist, so daß sie , sich noch nicht aus, den Häusern.-herauswagt, wie furchtbar die Entbehrungen sie mitgenom- ' men haben, und welcher Fürsorge die Ausgehungerten und dadurch : schwach Md hinfällig Gewordenen bedürfen. Bisher sind über ' Mll000.'Frank für das Hilsswerk ausgegeven. Die bis jetzt geleistete ' - Hilfe ist. aber nicht endgültig. Die unmittelbare Hilfeleistung kann noch nicht eingestellt-werden, und die Wiederausrichtung der Existenzen ' stellt noch die größten Ausgaben. Auch in dieser Richtung hat die Kommission schon vvvgesorgt, namentlich ist die Errichtung kcrssen.siür diese. Zwecke ms Auge gefaßt,. und es steht zu hoffen, daß