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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-11 · Heft 15 (11.4.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Knabenschule mit ihrem. . Schulhofe zur Verfügung v— Die Interpön Verhandlungen nahmen am Sonntagnachmittag ihren Anfang.. Die : jüdische Gemeinde hatte bereitwilligst ihrßn Plenarsaal zur Verfügung : gestellt. Die Verhandlungen wurden von Herrn Rechtsanwalt.Dr.!-. Sally Hirsch geleitet. Fast sämtliche Verbandsvereine hatten von -/ ihrem Delegationsrecht Gebrauch gemacht. Etwa 70 Delegierte waren anwesend. Nach, der Begrüßung des Vorsitzenden nahm Herr Rechtsanwalt Di/ Hantke das Wort, um den Turntäg im'Namen der Zionistischen 'Vereinigung für Deutschland zu begrüßen. In der Generatdiskussion wurde unter anderem „Die Stellung der Lurnerschast zu den anderen jüdischen Organisationen" einer eingehenden Besprechung unterzogen. Für den Abend hatte der Berliner Turn--., verein Var Kochba die Gäste zu seinem Purimball eingeladen. Die . Verhandlungen am Montag vormittag waren in erster Linie den Statutenberatungen Vorbehalten. Als Vorort des Kreises wurde Berlin sestgelegt. ’ Aus Antrag des Bar Kochba wurde eine Kreisvorturnerschast geschaffen und die bisherigen Funktionen des Kreisturnwarts unter einen Turn- und Sportwnrt verteilt. Zum Kreisvorsitzenden wurde Herr Dr. Sally Hirsch gewählt. Weiter setzt sich der Vorstand aus den folgenden Mitgliedern zusammen: Fritz A bra h a m, Fräulein ' Lene Cohn, Richard Bi all er, Dr. Fischer., Julius Hirsch und Arno Wagner. Mit Dankesworten an den Vorsitzenden schloß die inhaltsreiche Tagung. Am Abend nach dem Schauturnen kamen die in Berlin noch anwesenden Delegierten noch einmal zusammen, um das Referat des Verbandssportwarts über die „Einführung des Sports in den jüdischen Turnvereinen" entgegenzunehmen. Der Turntäg hatte alle Teilnehmer in der Gewißheit bestärkt, daß sich die Jüdische Turnerschaft durch die Kreiseinteilung eine nützliche und arbeitsfähige Institution geschaffen hat. Das jüdische Hallenturnen und Sportfest/für welches die städtische Zentralturnhalle in der Prinzenstraße, die größ-te Berlins, zur Verfügung stand, vereinigte über 600 jüdische Turner, Turnerinnen und Sportsleute.- Alle Teile des vielseitigen Uebungsbetriebes,! wie er in den Vereinen des Deutschen Kreises gepflegt wird, kamen'zur'Geltung und legten für die vor- , züglichen Leistungen der jüdischen Turnerschaft ein glänzendes Zeugnis ab. ' ' v B. Graudenz, 4. April. Zu einem wahren Kiddusch haschem gestaltete sich die hiesige Jahrhundertfeier der Erhebung Preußens. Der k Magistrat war, nachdem' verschiedene eingesandte Festspiele für ungef eignet befunden waren, an unseren Rabbiner, Herrn Dr. Loevy, , mit der Bitte herangetreten, ein vaterländisches Schauspiel eigens zu diesem Zwecke zu schreiben. Herr Dr. Loevy, welcher unter dem Schriftstellernauieu Fritz Werner die deutsche Literatur schon mehrfach, beson- ' ders ans patriotischem'Gebiete, bereichert hat — sein vaterländisches Festspiel „Zwei Jahrhunderte unter : dem schwarzen Adler" wurde im Januar 3903 in nrehr als 200 preußischen Schulen mit großein Beifall ausgeführt und fand auch durch ein Schreiben aus dem Kabinett. Sr. Maj. Anerkennung — entledigte sich nun seiner Ausgabe in so meisterhafter Weise, daß sein neugeschafsenes Schauspiel ,„S5o n O st - 1 f ii ii ko m nt t bei: Frei h e i t Morgenrot" nicht weniger als sechsmal in einer Woche vor jedesmal ausverkauftem, 3500 Menschen fassendem Hause ausgesührt werden mußte und die erste Auf- ' sage in wenigen Tagen vergriffen war. Bald mußte eine zweite Auflage besorgt werden, da die Nachfrage nach Exemplaren ungeheuer groß war^ Auch hat die Königliche Staatsregierung, darauf aufmerksam geworden, 600 Exemplare zur Verteilung angekauft. Die ganze Woche hindurch stand die ganze Stadt, Militär und Bürgerschaft, hoch und . niedrig, alt und jung, unter dem fesselnden Eindruck dieses ergreifenden Stückes, das, trotzdem es erst sehr spät erschien, schon in der Festwoche des März in zehn Städten mit flammender Begeisterung ausgenommen wurde und sich voraussichtlich auch weiterhin die Bühnen erobern wird. Bei der ersten Ausführung in Graudenz am 30. März, welcher , die Spitzen der Zivil-und Militärbehörden sowie die höheren Bevölkeruugsschichten beiwohnten, wurde Herr Dr. Loevy unter brausendem Beifall auf die Bühne geholt und erhielt durch den Bürgermeister im Namen der Stadt unter herzlichen Dankesw orten einen Lorbeerkranz. Bei der an diese Aufführung sich anschließenden Nachfeier, welche der Magistrat für den Ehrennusschuß und die aus den ersten Bürger- und Militärkreisen stammendeu Darsteller veranstaltete, und an welcher auch Herr und Frau Rabbiner Dr. Loevy teilnahmen, sprachen der Bürgermeister sowie auch der Kommandant von Graudenz, Generalleutnant Exzellenz Mathy, Herrn Dr. Loevy nochmals ihre wärmste . Anerkennung aus. Dieser Vorgang ist um: so bemerkenswerter, als Graudenz mitJeknM 48 000 Einwohnern eine der stärksten Garnisonen besitzt und: in' einein seinerzeit.durch den Antisemitismus (Könitz) stark verseuchten Bezirks liegt. Das Schauspiel „Vön Ostland kommt : der Freiheit Morgenrot" .ist im Verlage des „Geselligen" erschienen und für 60 Pfennig portofrei von dort'zu beziehen. IV. Posett, 4. April. Der Verein Anschei-Chessed Hielt seine diesjährige ordentliche Generalversammlung-im Repräsentantensitzungszimmer der israelitischen Gemeinde ab. Der Vorsitzende Herr Max Ehr enw erth begrüßte die-Erschienenen und gedachte in warmen Worten der im Berichtsjahre verstorbenen Vereinsmitglieder. Die Versammelten' ehrten das Andenkön des Verstorbenen durch Er- : heben von den Sitzen. Laut Feststellung des Geschäftsberichts zählt der Verein, welcher am 38. November 3846 gegründet worden ist, 273 Mitglieder. Die Einnahmen des Vereins waren: Bestand am 3. Januar 3933 2826.36 Mark, Beiträge 1979.35 Mark usw., zusammen 7976.27 Mark, Nach Abzug der Gesamtausgaben mit 8695.01 Mark verblieb ein Bestand von 2281.26 Mcn'k. "Zu Mitgliedern des Vorstandes wurden gewählt die Herren Samuel Goldschmidt, Ludwig Grün, Nathan Markus, Louis Meyer, Hugo Spanier und Alfons Kurz; in-die Rechnungsprüfungskommission die Herren Philipp, Rosenthal, Warczawski, Michael'Flätau und Hermann Wollheim. — Der Israelitische Verein „Frauenhilse" hat im. Berichtsjahre durch das erfolgte Hinscheiden des hochgeschätzten langjährigen Vorstandsmitgliedes Frau Johanna Kuczhnski geb. Krombach einen schweren Verlust erlitten. Mit großer Umsicht und Fürsorge hat sie sich jedes Armen und Kranken angenommen und jede Sorge mit ihnen geteilt. Ihrem edlen Wirken wird der Verein ein bleibendes Gedenken bewahren. Ebenfalls in tiefe Trauer hat der'Tod der Mitbegründerin und hochgeehrten Vorsitzenden Frau Rabbiner Dr. Ernestine Ferlchenfeld den Verein gebracht. Zwei Jahrzehnte waltete diese edle, durch Herzensgute und vornehme Gesinnung ausgezeichnete Frau mit unversiegbarer Liebe, Milde und Freudigkeit ihres Amtes, den Armen und Kranken Trost und Hilfe zu bringen; ihre persönliche. Liebenswürdigkeit wird jedem, der das Glück hatte, sie näher zu kennen, .unvergessen bleiben. : Die Einnahmen des Vereins waren: Mitgliederbeiträge 2708:30 Mark; Spenden von 3 bis 300 Mark — 1970.25 Mark; Ertrag aus Sammelbüchsen 678.40 Mark usw., zusammen 6643.23 Mark. Dem Vorstande gehören an:'Frau Amalie Vehr, Frau Rösa Brodniß, Frau Lea Calvary, Frau Helene Cvbliner, Frau Auguste Czapski, Frau Flora Ephraim, Frau Rabbiner Dr. Pleßner, Frau Sanitätsrat Dr. Popper und Frau Jenny Strang. 2/D Zerkokr, 4. April Am 24. v. M. war es der hiesigen jüdischen Gemeinde vergönnt, ein Doppeljubiläum seltener Art zu begehen. Es galt der Feier des 300jährigen Bestehens der C.hewra-Kadischa und . des 50jährigen Bestehens der nach dem großen Brande neuerbauten Synagoge. Von fern und nah ströniten Gäste und frühere Gemeindemitglieder dem Heiinatsstädtchen zu, um. an dieser seltenen Feier teilzimehmen. Nach dem Frühgottesdienst und Friedhofsbesuch begann um 33 Uhr vormittags die eigentliche Feier in der im Hellen Lichterglanz und Festschmuck prangenden Synagoge. Herr Kantor Abramowitz leitete die Andacht, die unter. Mitwirkung eines Chors wahrhaft erhebend war. Herr Rabbiner Dr. Königsberg er aus Berlin, welcher gern dem Rufe seiner ihm ergebenen alten 'Gemeinde gefolgt war, hielt die Festpredigt. Nach der Andacht fand ein Festdiner im Brinnschen Hotel statt. Im Verlauf desselben hielt unser langjähriger, beliebter Vorsteher, Herr Herrmann Scheps, die Begrüßungsrede an die Gäste, feierte die Verdienste des Herrn Rabbiner Dr. Königsberger um unser Gemeindewesen und ernannte ihn zum Ehrenmitglied der hiesigen Gemeinde. Am Abend fand eine Theatervorstellung mit darauffolgendem Ball statt. Zur Aufführung gelangte das biblische Drama „Ruth" von Dr. Königsberger. Autor und Darsteller wurden unter anhaltendem Beifall mehrere Male hervorgerusen. Das herrlich verlaufene Fest wird allen Teilnehmern in dauernder Erinnerung bleiben. --- Aus Anlaß dieses Doppeljubiläums ist ein Fonds gegründet worden, dessen Zinsen für die Erhaltung der Gemeindeinstitutionen verwendet werden sollen und dem bereits zahlreiche Beiträge Zugeflossen sind. ££•>' (Meckl.), 5. April. Am 3. d. M. wurde unser ältestes und angesehenstes Gemeindemitglied zu Grabe getragen, Herr Rentier Albert Elk an. Derselbe hatte über 60 Jahre dem Vorstande der hiesigen Gemeinde angehört, bis er am Ende des verflossenen Jahres wegen seines hohen Alters,, fast 88jährig, dieses Amt nie) erlegte. Als Vorstandsmitglied der hiesigen städtischen

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