Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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77. Jahrgang Nr. 15 ► Berlin, II. April 1913 Veilflge zur „Allgemeinen Leitung üeK Judentums. SorrrlpondeiMN und Ogchrichtrn. DeMschlwck. > L2 Berlin, 8. April/ Der Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes hat in seiner letzten Sitzung e i n st i m in i g — auch mit Einschluß seiner orthodoxen und zionistischen Mitglieder — den Beschluß gefaßt, die Angelegenheit der jüdischen Volksschule zunächst der sachverständigen Beratung des Verbandstages seiner Gemeindeverbände zu unterbreiten. Der Ausschuß steht nach wie vor auf'Äem Standpunkte, die jüdische Volksschule, in mittleren und kleinen Gemeinden zu erhalten und auszudehnen; in betreff der. jüdischen Elementarschulen in den Großgemeinden sind die Anschauungen geteilt. Es ist letzteres aber auch von keiner Bedeutung, da der Ausschuß auf die Lösung dieser Frage in den Großgemeinden nicht den mindesten Einfluß besitzt. L2 Berlin, 8. April. Der Verband jüdischer Frauen fü r Kul t u r a rb ei t i n P a l ä st i n a , dessen fünfter Iah resbericht eben erschienen ist, kann mit Befriedigung auf seine Tätigkeit im vergangenen Jahre zurücksehen. Die Institutionen, die von ihm ins Leben gerufen wurden, haben sich weiter gut entwickelt und weisen viele Fortschritte auf. In Jaffa werden zurzeit in der Schule 57 Mädchen beschäftigt gegen 40 im Vorjahre. Das Atelier in Jerusalem ist von 50 auf 150 Mädchen vergrößert. Das Atelier in Liberias beschäftigt in diesem Jahre 80 Mädchen gegen 30 im Vorjahre. Die feinsten Arbeiten kommen von dort. Neuerdings wird dort auch Nähunterricht erteilt. In Safet ist im Laufe dieses Jahres eine Nähschule für 75 Mädchen eröffnet. Da unter der Bevölkerung in Safet große Not herrscht, kann man annehmen, daß die Schule von großem Segen für die Stadt werden wird. Die Zahl der Heimarbeiterinnen, die bis jetzt aus den Schulen hervorgegangen ist, beläuft sich vorläufig auf 26, da , wegen der schlechten häuslichen Verhältnisse das Arbeiten zu Hause noch nicht überall möglich ist. Im ganzen beschäftigen die vom Verein cingeführte Spitzenindustrie und Näharbeit jetzt 383 Mädchen. Dazu kommen 16 Lehrerinnen, teils für Spitzen und Nähen, teils für Hebräisch und Turnen. Mit dem Dienstpersonal sind es rund 410 Personen, denen durch, den Verband eine Erwerbsquelle geschaffen worden ist. Auch der Verdienst der Mädchen hat sich gesteigert. Wenn eine mittlere Arbeiterin 25 bis 30 Frank monatlich verdient, so gibt es auch schon Mädchen, die bei feinerer Arbeit und Stücklohn imstande sind, bis zu 50 Frank zu verdienen. In den Schulen wird auf Ordnung und Sauberkeit gesehen. Die Räume sind hell und freundlich. Auch wird für ärztliche Untersuchung der Augen gesorgt, was speziell in Jerusalem, wo die ägyptische Angenkrankheit an der Tagesordnung ist, von besonderer Wichtigkeit ist. Die Nachfrage nach den Spitzen ist im Wachsen, so daß die Spitzen gut verkauft werden. Die vom Verbände in Kinereth bei Liberias begründete landwirtschaftliche Haushaltungsschule hat sich als sehr lebensfähig gezeigt. Seinen bescheidenen Mitteln entsprechend hat der Verband mit 6 Mädchen ängefangen. Der Versuch gelang ausgezeichnet, und zurzeit sind cs 14 Mädchen, die dort arbeiten. Die Mädchen erhalten praktischen und theoretischen Unterricht in Haushaltung und Gartenbau. Neuerdings sollen Milchwirtschaft und Geflügelzucht noch dazu kommen. Das Krankenhaus in Haifa, das vom Verbände subventioniert wird, hat sich während der kurzen Zeit seiner Existenz als ein wahrer Segen für die Gegend erwiesen. Die Hälfte der Kranken kommt aus den galiläischen Kolonien, die bis jetzt die Wohltat eines jüdischen Hospitals und eines jüdischen Arztes entbehren mußten. Auch das Jassaer Krankenhaus wurde vom Verbände subventioniert. An beiden Krankenhäusern bestehen Wöchnerinnenstuben, die -von - der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes erhalten werden. Die Zahl seiner Mitglieder ist in ständigem Steigen begriffen. Im Jahre 1911 betrugen die Mitgliederbeiträge etwa 10 000 Mark, im Jahre 1912 17 000 Mark. An Spitzen wurden im Jahre 1911 für 7459 Mark verkauft, im Jahre 1912 für 13 859 Mark. Es ist zu wünschen, daß dem Verbände sich möglichst viele jüdische Frauen anschließen, damit er durch Zuströmung immer reicherer Mittel seine so schön eingeleitete Tätigkeit in größerem Maßstabe ausüben kann.- Um der stets wachsenden Arbeit gerecht zu werden, hat der Verband vor kurzem eine eigene Geschästsstelle eröffnet, von wo aus sämtliche, schriftliche Arbeiten erledigt werden, und wo auchdie in seinen Ateliers allgefertigten Spitzen zu haben sind: — Die Geschäftsstelle befindet sich im Bureanhnus Börse, Berlind 2, Burgstraße 27, Bureau Nr. 11, und ist täglich voll 9 bis 1 und von - 3 bis 7 Uhr geöffnet, mit Ausnahme der Sonnabende und Feiertage. 2X2 Berlin, 8. April. Am 27. v. M. fanb die ordentliche Mitgliederversamlung des V e r e i n s d e r B e a m t e n d e r j ü d i s ch e n Gemeinde im zweiten Verwaltungsgebäude, Rosenstraße 2/4, statt. Wie aus den erstatteten Berichten hervorgeht, befindet sich der Vereinsowohl hinsichtlich der Anzahl seiner Mitglieder sowie bezüglich seilier finanziellen Verhältnisse in stetiger Fortentwicklmlg. Die Tätigkeit des Vereins zur Verbesserung der materiellen und sozialen Verhältnisse seiner Mitglieder war auch in dem abgelausenen Jahr von Erfolg begleitet. Der Revisionsbericht schloß mit dem Anträge auf Entlastung des Vorstandes, der einstimmig zum Beschlliß erhoben wurde. In den Vereinsvorstand wurden für das Wahljahr 1913/14 gewählt beziehungsweise wiedergewählt die Herren: 1. Nathan Cohn als Vorsitzender, 2. Willy Nosenthal als stellvertretender Vorsitzender, 3. Will). R a w a ck als Kassensührer, 4. Emil G o l d st e i n als Reildant, 5. Albert Schwarz als Schriftführer, 6. Joseph C a s p e r , 7. Arthur N a t a n s o h n als Beisitzer. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren B. Silberberg und P. Rubensohn. 2X2 Berlin, 8. April. Der durch seine zahlreichen Lieder bekannte Komponist James Roth stein, von dem auch unser Blatt vor Jahren einen kleinen Artikel: „Beethoven und die jüdische Volksmusik" brachte, befindet sich mit seiner Familie seit Jahren in den drückendsten Verhältnissen. Es ist nun eine Bewegung im Gange, diesen hochbetagten, echten Künstler für die nächste Zeit materiell einigermaßen sicherzustellen. Fürs erste haben sich ihm folgende hervorragende Kunstkräfte: Frau Ottilie Metzger- Lat t e r m a nn (Hamburg) und die Herren: Konzertsänger Leo G o l l a n i n, Kammersänger Alexander Heinemann, Cellovirtuose Joseph M alkin in uneigennütziger Weise für ein Konzert zur Verfügung gesteht, das am.Sonntmg den 13. April abends 8 Uhr im B c e t h o v e n s a a l stattsindet und außer ßicbcrn und Balladen von Schubert, Loewe und Brahms auch eine ganze Anzahl von Liedern (darunter die „Jüdischen Gesänge") und Cellostücken Rothsteins bringt. Wir machen unsere Leser nachdrücklich auf dieses Konzert aufmerksam, das nicht nur einem wahrhaft guten Zwecke dient, sondern auch einen äußerst genußreichen Abend verspricht. 2X2 Berlin, 4. April. Der e r st e T u r n t a g des Deutschen Kreises der I ü d i s ch e n T u r n e r s ch a f t wurde am Sonnabend den 22. März in Berlin mit einer Festsitzung eröffnet. Der schöne Saal des Logenhauses in der Kleiststraße bot für diese Veranstaltung den.rechten, feierlichen Rahmen. Die Vertreter zahlreicher befreundeter Organisationen waren erschienen, unter anderen die studentischen Korporationen in Wichs und mit ihren Fahnen. Der Vorsitzende des Kreises, Herr Burin, eröfsnete den Turntag mit einer Begrüßungsansprache. Daraus nahm Rechtsanwalt G r e i f e n h a g e n, der Vorsitzende der „Jüdischen Turnerschast", das Wort, um die Tagung im Namen des Ausschusses 31t begrüßen. Es folgte dann ein Referat Dr. Sandler über „Degeneration rmd Regeneration", das mit großem Beifall ausgenommen wurde. Sodann wurde der Saal geräumt und die Gäste nahmen alsdann an Tischen zu einem Festkommers Platz. Am folgenden Tage fanden sich die Vorturner um 8 Uhr morgens zur Vorturnerstunde zusammen. Die „Jüdische Turnerschaft" hat von jeher Wert daraus gelegt, den Besuchern ihrer Tagungen auch rein turnerische Anregungen und Belehrungen zu bieten und eine Aussprache unter den technischen Leitern der Vereine herbeizusühren. Diesmal wurde dieser Teil der Tagung besonders allsgebaut, indenr zur Vorturnerstunde eine Vorturnerinnenstunde und sportliche Leistungen hinzukamen. Für diese Zwecke stand die Turnhalle der jüdischen