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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-11 · Heft 15 (11.4.1913) · p. Seite 180

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 aus allen Teilen des Reiches hier zusammenströmen, um teils in den staatlichen und sönftigKl' öffentlichen Bildungsanstalten (Universität, Technische Hochschule, Lelft-> anstalt, Handelshochschule usw.) ihre wissenschaftliche Bitdüng zu erhalten, teils Um in den Großbetrieben des' Handels¬ und Gewerbes sich schulen zu lassen und Anstellung zu finden. Ein ... großer Teil dieser jüdischen Jugend stammt aus Familien, in denen die jüdische Tradition lebendig ist, und läuft, Den Einfluß der Familie entbehrend, Gefahr, der nivellie.renden Ein - Wirkung der Großstadt zu erliegen und dem Judentum verlorenzu gehen. Ganz besonders leidet der traditionell erzogene junge Jude — Student wie Kaufmann — unter der. Schwierigkeit, sich rituell zu beköstigen. Hohe Preise und ungünstige Lage der vorhandenen Reftaurationsbetriebe, insbesondere der Mangel an Räumen, in denen er außerhalb der M a h l z e i t e n die Mittagspause oder den freien Abend verbringen kann, lassen ihn das Bedürftnis nach e i n e m Heim tief empfinden, das ihm rituelle gute Kost zu mäßigem Preise und angenehme Lese- und Unterhalt u n g s r ä u me bietet. Der Verein „Jüdisches Studenten- und Jugendheim" in Charlottenburg hat diesem Bedürfnis durch Errichtung eines Heims in der Knesebeckstraße Rechnung tragen wollen; der regelmäßige und zahlreiche Besuch während der anderthalbjährigen Dauer des Heims hat gezeigt, daß. die Bedürfnisfrage ohne! Zweifel zu bejahen ist. Leider gestatten es die Mittel des Vereins nicht, das Heim in eigener Rechnung sortznführen, wenn nicht die Mitgliederzahl sich erheblich vergrößert. Es wäre aber ein tief zu beklagender Verlust, wenn das Heim, für welches das Bedürfnis unleugbar vorhanden ist, endgültig aufgelöst werden müßte. Was in Städten wie Königsberg und Wien möglich ist, muß in Berlin, der größten jüdischen Zentrale Deutschlands, gleichfalls erreichbar sein. Daß es bisher nicht der Fall war, liegt zu einem großen Teil daran, daß die Studenten- und junge Kaufmannschaft, die doch am meisten an dem Unternehmen interessiert ist, nicht zur aktiven Mitarbeit herangezogen worden ist. Daher haben die Unterzeichneten Korporationen nach Bekanntwerden der gegenwärtigen Verhältnisse mit Genehmigung des Vorstandes einen Ausschuß gebildet in der Absicht, die großen jüdischen Organisationen um Subventionen anzugehen, besonders aber durch Werbung zahlreicher neuer Mitglied e r eine sichere Basis für die weitere- Existenz und Entwickelung des^ Heims zu schaffen. Wir wenden uns daher an alle, die Jnteresie für die jüdische Jugend und besonders die Eltern, deren Söhne und Töchter in Berlin studieren, mit der Bitte, dem Verein als Mitglieder beizutreten oder durch einmalige Beiträge die Existenz des Vereins zu fördern. Da wir auf ganz neutraler Basis arbeiten wollen, bietet sich jedem Juden, welcher 8t i ch t u n g er auch a n g e h ö r e, Gelegenheit, an der Erhaltung einer durchaus notwendigen jüdisch-sozialen Institution mitzuwirken. Verein jüdischer Studenten. I. A.: Fritz Apt, Kand. d. h. Lehramts. Verbindung i m K. Z. V. H a s m o n a e a. I. A.: Ernst Heppner, cand. med. Jüdischer I u g e n 'd b u n d, Berli n. I. A.: Edmund L e v y. Postsendungen jeder Art bitten wir an Herrn eanä. meä. E r n st Heppner, Charlottenburg 4, Wielandstraße .10, zu senden. Adresse für Geldsendungen Dresdner Bank, Berlin, Depositenkasse A, Kurfürstendamm 181, Konto Ernst Heppner (Jüd. Sind. u. Jugendheim), Mindestbeitrag 5 Mark. *: Zionismus un d D ent schtu m. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat in seiner Generalversammlung vom 30. März 1913 eine Resolution gefaßt, die den Versuch macht, die „deutsche Gesinnung" der Zionisten zu verdächtigen, um so den Ausschluß der deutschen Zionisten aus dem Zentralverein zu begründen. Die zionistische Organisation ist seit dem Jahre 1897 in Deutschland tätig. Von diesem Zeitpunkt an hat sie jederzeit das gleiche Programm vertreten. Trotzdem hat der Zentralverein stets öffentlich erklärt, daß ihm zionistische Mitglieder ebenso willkommen seien. wie andere und hat die Mitarbeit der Zionisten ausdrücklich erbeten. Wenn also der ZAftralverein es jetzt für erforderlich hält, sein Verhalten 'zm ändern^ so können dieser Taktik nur agitatorische Erwägungen zugrunde liegen. Der Zcntralvcrein ficht, daß die zionistische'Ideenwelt die wertvollsten Mreise des deutschen Judentums, insbesondere die Jugend, ergreift, daß die zionistische. Organisation dauernd an Mitgliedern wächst und daß das neue jüdische Leben in Palästina den Beweis für die Lebenskraft des nationalen Judentums erbracht hat. Inhaltlich haben wir zu d6L Resolution folgendes zu erklären: 1. Der jüdische Nationalismus beruht auf der unbestrittenen Tatsache der gemeinsamen Abstammung aller Juden und. ihrer gemeinsamen Ueberlieserungen. Die Ableugnung des nationalen Charakters dieser Ueberlreferuingen und di^ Unterdrückung des jüdifchnationalcn Bewußtseins bedeutet einen Bruch mit der historischen Kontinuität des Judentums und muß daher — allen, gekünstelten Konstruktionen zum Trotz — zu seiner allmählichen Auflösung führen. 2. In dieser Erkenntnis halten wir es für unsere Pflicht als Juden, für die nationale Zukunft des. jüdischen Volkes zu arbeiten. Dieses Bestreben, das in einem großzügigen Kolonisationswerk int Palästina, der historischen Heimat und dem Lande der Zukunft unseres Volkes, feinen Ausdruck findet, dient zugleich der wirtschaftlichen und sozialen Hebung des jüdischen Volkes, dessen überwiegende Mehrheit in Osteuropa unter entwürdigenden und unerträglichen Verhältnissen zu leben gezwungen ist. 3. Diese jüdischnationale Gesinnung und Betätigung berührt in keiner Weise die Interessen des deutschen Reiches, noch steht sie mit unserer aufrichtigen staatsbürgerlichen Gesinnung und Betätigung im öffentlichen Leben Deutschlands in Widerspruch. Wenn der Zmtralverein deutscher Staatsbürger, jüdischen Glaubens einen solchen Widerspruch zu konstruieren sucht, so liegt darin eine Verkennung des nationalen Charakters des Judentums und der historisch gegebenen Beziehung des Judentums zum Deutschtum. Unsere staatsbürgerliche Auffassung schließt nicht nur die formale Erfüllung unserer Pflichten, sondern eine auf der Erkenntnis von der sittlichen Bedetttung des Staates beruhende Treue und Hingabe ein, die aber niemals zur Aufhebung des auf viertausendjähriger Geschichte beruhenden nationalen Zusammenhanges führen kann, der uns mit allen Juden verbindet. Wir weisen daher den vom Zentralverein unternommenen Versuch, unsere staatsbürgerliche Zuverlässigkeit vor der Oeffentlichkeit zu verdächtigen, und unsere tätige Anteilnahme an dem öffentlichen Leben Deutschlands mit den Konsequenzen für unvereinbar zu erklären, die wir aus unserer Zugehörigkeit zur jüdischen Nation zu ziehen haben, auf das entschiedenste zurück. 4. Unsere Ideen haben infolge der Offenheit und Entschiedenheit, mit der wir die Judensrage zu behandeln gewohnt sind, seit langem die Sympathie hervorragender Männer auch außerhalb des Judentums gesundem. Die Größe der Aufgabe, die wir uns gesetzt haben, hat uns die Achtung und Zustimmung weiter Kreise verschafft. Wenn nun gerade von jüdischer Seite Widerspruch gegen den Zionismus erfolgt, so wird durch solchen Widerspruch weder ein deutsches, noch ein jüdisches Interesse, sondern nur die in Westeuropa immer weiter fortschreitende innere und äußere Auflösung des Judentums gefördert. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Rechtsanwalt Dr. Hantke, Vorsitzonder. #• Berichtigung zu dem Artikel des Herrn S. Ochser Jahrgang 68 Nr. 43. 1. Ragusa liegt nicht in Kroatien, sondern in Dalmatien. 2. Die von Ochser erzählte Geschichte trug sich nicht im Jahre 1844, sondern im Jahre 1623 zu. .3. Das dort erwähnte Büchlein von 1663 ist nicht von Salomon David Tolentino herausgegeben, der erst am Ende des 18. Jahrhunderts lebte, sondern von Rabbi R. Aron ha-Cohen, der ebenso wie sein Vater in die Angelegenheit; verwickelt und einige Tage eingesperrt war. 4. Abraham Tolentino, der Herausgeber der zweiten Auflage unseres Büchleins, ist der Vater, nicht der Großvater von. Salomon David Tolentino. Ch. Meißner, Sarajewo, Bosnien. , ms.

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