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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-11 · Heft 15 (11.4.1913) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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. jeine Vergleichung des altspanischen Stückes mit der Adlerschen Arbeit mit den Worten: „Das Stück liest sich wie ein Original, und es ist auch eigentlich ein Original; nur leise schimmern unter der kräftigen modernen Uebermalung die. verblichenen Pinselstriche früherer Jahrhunderte durch/' Als übersetzerische Arbeit ist noch die Auswahl der Gedichte' von Jaroslaw Vrchlicky (Reclams Universälbibliothek) zu nennen. Bit pngrikkr gegen dss Judentum. Von Sanitätsrat Dr. Sch erbel-Lisfa. - n jüdischen Kreisen nimmt man die Angriffe, die vom R Bunde der La n d wjrte jahraus, jahrein, und so auch bei der diesjährigen Bundesversammlung,, gegen das Judentum erhoben werden, als etwas Gewohntes, Unabänderliches hin. Und wenn Freiherr v. Wangenheim von dem verhängnisvollen, zersetzenden Einfluß des Judentums spricht-, oder wenn der Bundesvorsitzende Dr.- Roesicke zur Bekämpfung des fremden Geistes des Judentums, welcher der deutschen Auffassung widerstrebt, aufsordert, so wird in der Judenheit kaum ein Wort der Abwehr laut. .Dieses ruhige Gehenlassen, diese Unterschätzung der gegnerischen Angriffe ist ein schwerer Fehler, der sich bitter rächt.- Denn jene Anschuldigungen werden ohne die notwendige-Widerlegung in weite Kreise des Volkes hinausgetragen und erzeugen eine immer stärker werdende Verbitterung den Juden gegenüber. Man könnte die Gegner mit ihren eigenen Waffen schlagen. Denn wenn Dr. Roesicke sagt: „Es kommt nicht auf die Handlungen einzelner an, sondern auf den Geist der Gesamt- | heit", so möchte man ihm zurusen: Wo in aller Welt ist denn der „zersetzende Geist des Judentums/ vorhanden, oder was gibt es in seiner Lehre, das man als „verhängnisvoll" für Staat und Gesellschaft bezeichnen könnte? Oder wenn er den Satz spricht: „Der Patriotismus vor hundert Jahren, das ist der Patriotismus von heute", so können die'Juden mit Stolz feststellen, daß aus den Jahren 1813/1814 eine Zahl von 407* jüdischen Freiwilligen mit Namen bekannt ist und nicht .weniger clls 69 Juden in den Freiheitskriegen das Eiserne Kreuz erhalten haben. So haben die Juden auch in den Jahren 1866 und 1870/1871 ihren Patriotismus betätigt, und . wenn die Not ruft, werden sie in keiner Weise hinter den anderen Bürgern des Staates zurückstehen. Wie in den traurigsten Zeiten des Mittelalters, so macht man noch heute für wirkliche oder vermeintliche.Fehler einzelner die Gesamtjudenheit und — was noch viel schlimmer ist, weil dafür jede Begründung fehlt — das Judentum verantwortlich. Die deutsche Judenheit müßte sich mit Entschiedenheit dagegen wehren und die Verantwortung ablehnen für. Dinge, die nicht aus ihrem Geiste heraus geschehen- und mcht dem Wesen des Judentums entsprechen, das von. Menschen- und Friedensliebe erfüllt.ist, und dem jedes Element der Zersetzung fehlt. - , Wenn man den Dingen auf den Grund geht, wird man immer finden, daß es die S o z i a ldemokrati e ist, deren Entstehung und Betätigung man den Juden und Dem Judentum zur Last legt. Das ist gerade so, wie. wenn unsere Frommen den Engländern, grollen würden, weil per Begründer des Darwinismus ein — Engländer war. Was hat das Judentum mit der Sozialdemokratie zu tun? - Zu wiederholten Malen ist in jüdischen Blättern darauf hingewiesen worden, daß in den Gesetzbüchern des Judentums der Sozialismus verpönt worden ist, und daß sich-daraus, der Haß! und die Verachtung erklären lassen, womit man im Judentum einen „Am-ha'arez", d. h. einen Kommunisten 'angesehen hat. Die jüdische Religion begünstigt keinerlei Bestrebungen soziali- . stischer Natur, und die Grundsätze der Sozialdemokratie lassen sich als solche nicht aus das Judentum zurückführen.' Nun sind es allerdings einige Juden von hervorragendem Geiste gewesen, denen die Sozialdemokratie in Deutschland zum großen Teil die wissenschaftliche Begründung des svziali- ' stischen: Systems zu verdanken hat, 'teils durch Wort und Schrift (Lassalle, Marx, Moses Heß, Singer, Bernstein, Oppen- ~ heimer usw.), teils dadurch, daß sie ihre Poetische Muse, wenn ' auch nur vorübergehend, in den Dienst der sozialdemokratischen Sache gestellt haben (Heine,' Börne, Karl Beck u. a.). 'Die Gründe "hierfür liegen aber 'nicht im Judentum — mit dem jene Männer nur noch lose'oder gar keine Beziehungen ' mehr hatten' —,° oder vielleicht nur insofern, als das Juden- ' tum die Menschenliebe in reinster Form predigt und jene dem ' Judentum entsprossenen Männer von ' dem Streben beseelt waren, die Lage der unteren Volksklassen zu heben, um auch ' ihnen ein erträgliches Dasein, ein menschenwürdiges Los zu ' bereiten. Sie glaubten, daß es nicht länger angehe, vor dem sozialen Elend die Äugen zu verschließen und die Hände untätig im Schoße zu halten. Für das Judentum hat jederzeit der Spruch des Terenz gegolten: Hümani nihil a me alienüm puto (nichts, was menschlich, acht' ich mir als fremd). Die Sache der Elenden Und Gedrückten hat stets bei den Juden, die ja genug des Elends und des'Druckes an ihrem eigenen Leibe gespürt haben, warme'Fürsprecher und selbsttätige Freunde gefunden. 'Naturgemäß 'hat sich die helfende Fürsorge der Juden zunächst immer im. eigenen Lager geltendgemacht; aber niemals /gab es für sie ein Halt an den Grenzen desselben, und die weltumfassende Philanthropie Und Humanität,' wie sie in Moses Montefiore eine ihrer edelsten. Verkörperungen gesunden haben', durchdringen das ganze Judentum Und' bilden /eine der schönsten Seiten in dem allgemein jüdischen Charakter.- . - - Dieser Zug der Menschenliebe, des Mitleids mit dem Schicksal der „Enterbten" ist es wohl gewesen, der Lassalle, Marx und alle die anderen Männer zu Vorkämpfern der Sozialdemokratie gemacht hat, und der auch so viele mitfühlende liberale Juden dazu begeistert, sich der Sache der Bedrückten anzunehmen. Nur insoweit kann man das Judentum an sich mit den Dingen des politischen Lebens in Verbindung bringen, nur insoweit, als es gilt, das Problem der sozialen Frage nach den Grundsätzen edler Menschlichkeit zu lösen. Wenn es nur nach den Juden ginge, würde sicher der Frieden in der Welt nicht gestört werden; denn was der Frieden bedeutet, das haben sie zur Genüge in ihrem tausendjährigen Leidensgange kennen gelernt. Deshalb müssen auch alle Reden von einew Streben des Judentums nach Weltherrschaft u. dgl. mit allem Nachdruck als das hingestellt werden, was sie in Wirklichkeit sind, als Märchen und Hirngespinste. Es muß mit aller Entschiedenheit betont werden, daß nichts in dem jüdischen Wesen und der deutschen Eigenart vorhanden ist, was sie einander Hemd macht, ja, daß sie im Gegenteil einander aufs glücklichste ergänzen. Und endlich müssen alle Angriffe auf die deutschpatriotische Gesinnung, die Vaterlandsliebe und den Opfermut der deutschen Juden als grundlos mit Entrüstung zurückgewiesen werden. Denn stets wird auch für sie das Wort Karl Zieglers in entsprechender Form gelten: „Das Herz des deutschen Juden wird immer da sein, wo Deutschlands Fahnen wehen!" '!

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