Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-11 · Heft 15 (11.4.1913) · p. Seite 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229085--69354-3281651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

r174 - Ungerechtigkeit. Wir sind gegen Zuwendungen an die Kirchen, und.wir können es als keinen. Fortschritt bezeichnen, wenn nun auch für eine dritte Kultusges-ellschaft Gelder verlangt werden. Die Juden bringen Steuern aus/ sogar .sehr viel. Aber auch die Freidenker bringen Steuern auf: wo bleibt da Ihre ansgleichende Gerechtigkeit, Herr Cassel? Es ist mir Nicht im Traum eingefallen, das Judentum zu verletzen oder ihm die Gleichberechtigung abzustreiten. Erstreiten Sie sich die Gleichberechtigung', aber erkriechen Sie sie sich nich't! Ich habe in früherer Zeit.schon die Art, wie man die Juden bekämpft, als eine Schande bezeichnet. .An Herrn Cassel sehe ich die Folgen dieser Unterdrückung. . Vonreinem Staate, welcher mich und meine Glaubensgenossen .unseres Glaubens wegen als minderwertig ansieht, suche ich nicht Geldmittel zu kerhalten; da wäre ich zu stolz, einen solchen .Antrag zu stellen; oder wenn es mir ohne mein Zutun geboten würde, so würde, ich/das Geld nnt Entrüstung als' Almosen ablchnen. Die jüdischen Synagogen leiste:: Großes in der Unterstützung . ihrer armen Glaubens-. genossen; mögen die großen und reichen Gemeinden den ärmeren so viel abgeben, daß fie die Bettelei nicht brauchen! . . . Dom Kamps der Sozialdemokratie gegen den Antisemitismus verdanke ich einen ersten Erfolg; aber gegen das rückgratlose Judentum habe ich allerdings etwas, und ich werde es ehrlich bekämpfen. Am 4. April bemerkte der Abgeordnete L i e b k n e ch t fo lgend es: In der Aus.ländert'ra,ge an den preußischen Universitäten müssen sich 'die herrschenden Parteien. mit einem Streik ihrer eigenen Jugend befassen, und dieser 'Streik mag ihnen peinlich genug sein. Wäre der Ministererlaß ' von 1906 eindeutig gewesen, so wäre es. zu dem Halleschen Klinikerstreik nicht gekommen. Der Numerus elausus für Ausländer wäre nicht zu billigen. Die Zähl der Ausländer wird ja auch vielfach überschätzt. Die ganze Bewegung richtet sich gegen die russischen Juden, ist also eine reaktionär-antisemitische Bewegung, deren man sich zu schämen hat. Die russischen Studenten sind anläßlich des Klinikerstreiks von einem russischen Organ, das man allerdings in anständiger Gesellschaft kaum zu nennen' wagt, von der „Nossija", in' unflätiger Weise beschimpft worden. Demgegenüber haben die „Frankfurter Zeitung" und die „Bossische Zeitung" Enqueten unter den Universitäts- Professoren veranstaltet, und dabei hat sich ergeben, daß die Professoren den rusisischen Studenten das. denkbar beste Zeugnis 'ausgestellt haben. Die ruffischen '©tub-en-tHm wollen ja gar nicht milder.'behandelt werden als die Inländer, sie fordern nur Gerechtigkeit, und die muß ihnen werden. ' ...... Friedrich Kdlrr'' ch geboren 13. Februar 1857 in Arnschelberg (Böhmen').' Früh verwaist, absolvierte er unter den drückendsten Verhältnissen Gymnasium und Universität und wurde am 3.' November 1883 I Der deutsche Dichter jüdischen Glaubens, Friedrich Adler, -dessen Bild diese Nummer enthält, hatte die Güte, .mir über. -seinen''Arßeren Lebensgang folgende Notizen zu übermitteln, die ich gern veröffentliche. . (Näheres findet man in dem Hefte: Friedrich Adler, cherausgegeben vom Verein zur Verbreitung gemeinnütziger. . Kenntnisse, Prag.) Auch eine recht ausführliche Studie unseres' Mitarbeiters Viktor Klemperer in der Zeitschrift „Deutsche Arbeit". (Prag). gibt eine feinsinnige Würdigung des Dichters. L. G.! 'p'm'Doctor juris promoviert. Nach vollzogener Rechtspraxis eröffnete er 1891 seine Advokatenkanzlei, die er . ausgab, als er 1891 sein gegenwärtiges Amt als Sekretärdes Prager Handelsgremiums antrat. Von 1885 bis 1904 war er als Theater- und Kunstreferent bei den'Prager Blättern tätig. Im Jahre 1908 wurde er durch die Verleihung des Ritterkreuzes des ' Franz-Joses-Ordens ausgezeichnet.... - . . Seine ersten veröffentlichten Arbeiten waren die Uebersetzungen der ^Literarischen Fädeln" von Tomas de I r i a r t e (Reclams Universalbibliothek) und des „Studenten von Pa- , dua" von Arnolde Fusinato (Hendels Gesamtbibliothek). Das letztgenannte Heft bringt auch Proben der Gedichte von Erminia Fua-Fusinato, der hervorragenden Dichterin und. Pädagogin jüdischer Abstammung. In Zeitschriften und Anthologien (insbesondere im „Deutschen Dichterbuch aus Oesterreich" von K. E. Franzos , und „Moderne Dichtercharaktere" von Arent und Henckell) erschienen zahlreiche lyrische Gedichte Adlers, die meisten in der von Franzos herausgegebenen „Deutschen. Dichtung". Die erste Sammlung erschien 1893 im Verlage von F. Fontane u. Co., Berlin, unter dem Titel: „Gedicht e." Im Jahre 1899 folgten „Neue Gedichte" im Verlage von G. H. Meyer, Leipzig. Im. selben Jahre erschien das 'erste dramatische Werk von Adler, das dreiaktige Schauspiel „S p 0 r t" aus der Prager Bühne und wurde mit leb-- .haftem Beifall ausgenommen. Den größten Erfolg hatte das nach Calderon gearbeitete Lustspiel „Z w e i Eisen im Feuer", das über alle Bühnen ging und namentlich im Wiener' Hofburgtheater mit Josef Kainz als Don Diego die nachhaltigste Wirkung hervorries. Die Komödie „Don G il" nach den Motivendes Tirso de Molina erlebte die Uraufführung im Münchener Hostheater, - dem gleichfalls die meisten Theater nachsolgten. In Berlin wurde „Zwei Eisen im Feuer" im Königlichen Schauspielhaus, hernachim Schillertheater gegeben, wo auch „Don Gil" häufige Aufführungen erfuhr. Unter dem Gesamttitel „Freiheit" erschienen drei Einakter, das Versspiel „Freiheit", das Schauspiel ,-Der Prophet Elias" und das. Lustspiel >,Karneval". Das jüngste dramatische Werk ist das Schauspiel „Der' gläserne Magi st e r", das. bisher in Prag und Breslau mit starkem Erfolge zur Ausführung gelangt ist. Eine Reihe satirischer Sonette hat Adler unter dem Titel „Vom goldenen Kragen" veröffentlicht: sie wenden sich gegen Pose und Phrase auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Die dramatischen Arbeiten sind im Verlage von I. G. Cotta, Stuttgart, die Sonette, bei K. Bellmann, Prag, erschienen. Zu den Stücken nach spanischer Vorlage wäre noch zu bemerken, daß es sich um kerne Uebersetzungen, sondern um freie Umgestaltungen handelt, die einen neuen Dialog und eingreifenden Umbau der alten Werke bieten.. .Pros. August Sauer der „Zwei Eisen im Feuer" einen Essay gewidmet hat, schließt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.