Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Bevölkerung Schlesiens und besonders Breslaus, nachdem ihr 1812 die staatsbürgerlichen Rechte verliehen worden waren, regsten Anteil genommen. Als der „Aufruf an mein Volk" erschien, zogen zahlreiche jüdische Männer und Jünglinge, Handlungsdiener, Kaufleute, Gymnasiasten, Studenten, Aerzte in den Kampf. 37 der Mitkämpfer stammten aus Breslau. Von diesen fielen drei bereits in der Schlacht bei Großgör schen am 2. Mai 1813. Es waren dies Julius Burgheim, der Kaufmann Lazarus Zülchauer und der Sekondelieutenant Hilsbach. Dieser starb, als er bereits zweimal verwundet war und seine Leute zu erneutem Ansturm gegen den Feind führte, den Heldentod. Er liegt in Breslau auf den: alten jüdischen Friedhof an der Claasfenstraße, und eine schwer leserliche Grabschrift in hebräischen Versen rühmt den „Jüngling zarten Alters, reif an Einsicht, tapfer im Kriege, Führer im Königlich preußischen Heere", der „am 13. Jjar des Jahres 5573" den Heldentod fand. Noch ein anderer jüdischer Freiwilliger kämpfte als Offizier mit: Siegmund Pleßner aus Pleß, der nach dem Kriege Mathematiker an den Militärschulen in Erfurt war und als Hauptmann seinen Abschied nahm. Ferner zogen aus Schlesien zwei jüdische Aerzte freiwillig mit, Dr. Adolf Schlesinger und Dr. L n b a n d. Auch an materiellen Beisteuern ließen es die Juden nicht sch len; so verzeichnet die unter den Breslauer Magistratsakten befindliche Liste der 1813 gebrachten Opferspenden n. a. einen vom Breslauer „Bürgerverein altteftamentarischer Glaubensgenossen" aufgebrachten Beitrag von 5079 Talern „zur Verpflegung verwundeter Krieger", und auch in der Provinz betätigte sich >die Opferwilligkeit der jüdischen Bevölkerung. Die Synagogengemeinde wird, nun auf der Jahrhundertausstellung die noch vorhandenen Gedenktafeln der im Freiheitskriege gefallenen jüdischen Soldaten und (in der Abteilung „Friedhofskunst") Photographien der alten jüdischen Friedhöfe in Breslau und Dyhernfurth ausstellen. W. Stettin, 31. März. Mit dem heutigen Tage ist Herr Oberkantor S a r a s o h n nach einer fast vierzigjährigen hiesigen Amtstätigkeit in den Ruhestand getreten und siedelt nach Hamburg zu seinen Kindern und Geschwistern über. Die letzten Tage feines Hierseins lieferten ihm den beredtesten Beweis für die allgemeine Liebe und Verehrung, deren er sich hier erfreute. Seitens der Gemeindebehörden gab Justizrat Dr. Mann in tiefempfundenen Worten den Gefühlen Ausdruck, die das Scheiden ihres langjährigen Beamten bei allen wachruse. Der Frauenverein überreichte Herrn und Frau S ar as o h n mit sehr ehrenden Zeilen ein Angebinde. Den Abschluß der Kundgebungen aber bildete ein Abschichskommers, den der Israelitische Knabenverein zu Ehren feines Begründers und Kurators veranstaltete und zu dem sich außer den Vereinsangehörigen über- ' aus zahlreiche Mitglieder der Gemeinde eingefunden hatten. In Wort und Lied, in Rede und Schrift wurde Herr Sarasohn gefeiert, der nicht nur in Stettin, sondern in ganz Pommern der populärste jüdische Beamte war. Zum Andenken wurde ihm ein silberner Pokal überreicht. Am Schlüsse sprach Herr Sarasohn, geistesfrisch wie er ist, in herzlicher, von Rührung öfters unterbrochener Rede allen seinen innigen Dank aus und gelobte, wenn sein körperliches Befinden es zulasfe, zu den Stiftungsfesten des Vereins sich einfinden zu wollen. Mögen dem Scheidenden, der ja auch die Anerkennung feiner Kollegen in hohem Maße besitzt, noch viele Jahre ruhigen Lebensglückes beschieden sein! tva Leipzig, 28. März. Die Organisation der jüdischen Frauenvereine Deutschlands, der jüdische Frauenbund, E. V., hielt vom 18. bis 20. Mürz 1913 in Leipzig seine 4, Delegiertenversammlung ab, zu der 70 Delegierte erschienen waren. Die 1. Vorsitzende Bertha Pappenheim - Frankfurt a. M. eröfsnete die Tagung, begrüßte die Delegierten und die Abgesandten der Leipziger Organe der jüdischen Wohlfahrtspflege. Der Gemeindevorsteher Herr David Magnus hieß die Gäste willkommen, und die Seniorin der deutschen Frauenbewegung, Frau D r. Henriette Goldschmidt, die Begründerin der Leipziger Frauenhochschule, sprach in ergreifenden Worten: „Der Lebensinhalt eines Volkes ist die von ihm geschaffene Kultur. In Deutschland gibt es kein Gebiet — nicht nur materieller, sondern auch geistiger Art — auf dem das Judentum fehle. So seien auch die jüdischen Frauen eingetreten als Mitarbeiterinnen in die gemeinsame Arbeit der deutschen Frau. Der Genius des deutschen Volkes ist auch der unsrige, aber heilig sei und bleibe unsere Vergangenheit." Die Schriftführerin des Bundes Frau Henriette M a h- Berlin erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorgeht, daß zurzeit 160 Vereine und 10 Ortsgruppen dem Bunde angeschlosfen sind: eine Repräsentation von 32 000 jüdischen Frauen. Gemeinsam mit iden anderen Konfessionen ist ein Plakat mit Schutzadressen für allein- Prof. Dr. Soxhlet’s Mährzucker wird nach Angabe und unter Kontrolle des Herrn Geheimen Rates Prof. Dr. von Soxhlet hergestellt und hat sich seit Jahren vorzüglich bewährt nicht allein in der Säuglingsernährung für Säuglinge vom frühesten Lebensalter an, in den Fällen, in denen die natürliche Ernährung nicht durchführbar ist, sondern auch für ältere Kinder und Erwachsene, deren Ernährungszustand einer raschen und kräftigen Aufbesserung bedarf, namentlich während und nach zehrenden Krankheiten; auch mit Kakao gemischt als Prof. Dr. Soxhlet’s Nährzucker-Kakao. 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