Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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77. Jahrgang Nr. H (HpMptN^pliNfp B„«M. Ap,N « Veilagr zur „Allgemeinen Teilung drS Judentums". Sorrrlpondenren und Nachrichten. Deutschland. y. Berlin, 1. April. Jn.-der Sitzuyg am vergangenen Sonnabend abend erledigte die R ev r äs e n t a nt e'n v e r s am m l u n g neben.einigen neuen Vorlagen in der Hauptsache die in der vorigen Sitzung vertagten Beratungsgegenstände. Die Versammlung wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Direktor Dr. Minden geleitet. Nach Verlesung des Protokolls der vorigen Versammlung wurden die schon mehrmals vertagte Vorlage betreffend die Einsetzung von Bezirkskommissionen sowie der Antrag L e w i n s k i betreffend die Abänderung der Steuerveranlagung nach Prozenten der Staatssteuer abermals vertagt. — Von den Mitgliedern der Versammlung, den Herren Gerson Simon, Aron Hirsch, Moritz Manheimer und Dr. Holz, ist der Antrag gestellt, den Gemeindevorstand zu ersuchen, dem Andenken des verstorbenen Königlichen Musikdirektors Lewandowski ein Zeichen der Erinnerung zu widmen. Die Versammlung beschloß, den Vorstand zu ersuchen, geeignete Vorschläge zu machen. — Der Gemeindevorstand unterbreitete sodann der Versammlung einen Bericht über bisher noch nicht erledigte Resolutionen und Jnititativanträge aus dem Jahre 1912 zur Kenntnisnahme. Dem Versammlungsbeschluß vom Juni 1911: die Satzungen der Baukommission einer gemischten Deputation zur Vorberatung zu überweisen und dieser Deputation das Kooptationsrecht zu gewähren, ist der Vorstand beigetreten. Die^ Beratungen der Deputation sind zurzeit noch nicht abgeschlossen. Im Januar vorigen Jahres wurde beschlossen, der Vorstand möge sich das Vorkaufsrecht auf das Straßenland der geplanten Zumptstraße neben dem Krankenhausgrundstück an der Exerzierstraße beim Magistrat der Stadt Berlin sichern. Der Vorstand teilt nunmehr mit, daß er wegen des Ankaufs des betreffenden Terrains mit der städtischen Grundeigentumsdeputation in Verhandlungen stehe. Entsprechend einem Beschlüsse der Versammlung vom 30. Januar vorigen Jahres: in gemischter Deputation über den Antrag auf Einführung geordneter Gemeindeseelsorge zu beraten, die Herten Gemeinderabbiner zur Aeußerung über dm Antrag zu veranlassen und die eingehenden Gutachten der gemischten Deputation als Material zu überweisen, hat die Deputation Beratungen gepflogen, die aber noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Auch die Beratungen der gemischten Deputation über den Antrag vom 30. März 1912, betreffend die Einrichtung einer Krankenkasse für sämtliche Beamte der jüdischen Gemeinde, die bis 2000 Mark »Gehalt beziehen, sind noch nicht abgeschlossen. Dem Beschluß der Versammlung, das Nebengebäude der Synagoge Levetzowstraße zweistöckig aufzusühren, ist der Vorstand beigetreten, ebenso einer kleinen Aenderung des Vertrages zwischen der Gemeinde und dem Krankenhausyorstand nach dem Beschlüsse vom 2. Juni 1912. Bezüglich des Ersuchens der Versammlung, sestzustellen, wer für den im Mittelschiff der Synagoge Rykestraße entstandenen Schaden verantwortlich gemacht werden kann, teilt der Vorstand mit, daß er erst demnächst darüber berichtm könne, da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. — Ueber den Rechnungsabschluß der Gemeindehauptverwältung für das verflossene Jahr. 1911/1912 referierte Herr Lewinski in eingehender Weise. Eine kleine Anzahl von Etatsüberschreitungen im Gesamtbeträge von 101192.77 Mark wird nachträglich bewilligt und die beantragte Entlastung erteilt. Dem sehr eingehenden Referat des Herrn Lewinski über die finanziellen Ergebnisse des vorigen Etatsjahres entnehmen wir die folgenden allgemein interessierenden Daten. Danach erforderten im genannten Rechnungsjahre: 1. Gottesdienstliche Veranstaltungen einen Zuschuß von insgesamt 692 578 Mark, 2. Quellbad und Beschneidungen einen Zuschuß von 5940 Mark, 3. Koschersleischverwaltung einen Zuschuß von 19 280 Mark, 4. Knaben- und Mädchenschule einen Zuschuß von 181 992 Mark, 5. Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen inklusive Präparandenanstalt 44 288.Mark, 6. Religionsunterricht 166 267 Mark, 7. Krankenhaus, Armenkommission, Waisenhäuser und Altersversorgungsanstalt 540 368 Mark, 8. Grundstücksverwaltung einen Zuschuß von 5123O Mark, 9. Gehälter und Pensionen 349 746 Mark, 10.Bauverwaltung 74 550 Mark, 11. Beiträge an Wohltätigkeitsaustalteu 58 53O M., 12. Dispositionsfonds 11302 Mark, 13. Unvorgesehene Ausgaben 68 516 Mark, 14. Friedhofszuschuß für Beerdigungen 19 990 Mark. Ueb erschösse hatte Trauungswesen 4944 Mark. Ueberschuß der Friedhofsgärtnereien 160 432 Mark. Die 'Steuereingänge beliefen sich im genannten Jahre aus 2 725 673 Mark. Die Quittungsbestände betragen 256 949 Mark. Die Schuldenzinsen beliefen sich abzüglich der Zinseinnahmen auf 310 727 Mark. Die Schuldentilgung erforderte 102 900 Mark. — Von den Einnahmen überwiesen wurden dem 3. Amortisationsfonds 50 000 Mark und dem Reservefonds 110 000 Mark. Das Gesamtvermögen einschließlich liegender Gründe belief sich auf 17 085 819 Mark, die Gesamtschulden erreichtendie Höhe von 10619 456 Mark. Der Gesamtetat stellte sich wie so-lgt: Einnahmen 4 893 875 Mark, Ausgaben 4 820 795 Mark, so daß der Ueberschuß 73 080 Mark beträgt. Die Zahl der Zensiten betrug 45 100. Von den Ges-amtsteuerein-gängen fanden Verwendung etwa 22 Prozent für Gottesdienste, etwa 22 Prozent für Wohlfahrtszwecke, etwa 13 Prozent für Gehälter und Pensionen, 11 Prozent Kr Schuldenzinsen, 18 Prozent für Unterrichtszwecke, 5 Prozent erforderten die Grundstücksverwaltung und Baukommission und 12 Prozent für Diverse (Bureaübedüvfnisse usw.) Die Versammlung genehmigte alsdann, daß für die Zeit der Abwesenheit des Rendanten des Krankenhauses, Herrn Witkowski, solange ein neuer Rendant noch nicht gewählt und eingeführt ist, Herr Verwaltungsdirektor Zuckermann den Rendanten vertritt. — Zur Anschaffung von 100 Exenrplaren des Michael Sachsschen Gebet Luches werden 330 Mark, zur Anschaffung einer Thorarolle 490 Mark, für die Belegung der zweiten Empore in der Neuen Synagoge mit Linoleum 855 Mark, für die innere Einrichtung der neuen Warte- und Blumenhalle aus dem Friedhof Weißensee Beträge von je 6055 und 6100 Mark bebewilligt. — Zur Veranstaltung von Haupt- und Jugendgottesdienst an den hohen Festen werden die Wilmersdorser Festsäle in der Johann- Georg-Straße und die beiden Säle des „Moabiter Gesellschaftshauses", Wiclesstraße 24, der Saal des Schillertheaterrestaurants zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst gemietet. — Dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund wird statt des bisherigen Beitrages in Höhe von 12 000 Mark aus dessen Antrag ein Beitrag von 15 000 Mark jährlich Pro 1913/15 bewilligt. Herr Professor Kalischer nimmt dabei Anlaß, dem Vorstand und Ausschuß den Dank des Gemeindebundes auszusprechen. — Der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen werden zu den Kosten ihrer Fortbildungskurse 500 Mark, der David Herzogschen Freitischstistung ein Zuschuß von 800 Mark bewilligt. — Der Annahme des Vermächtnisses des Rentiers Jfaac, genannt Isidor Bambus, in Höhe von 4000 Mark wird zugestimmt. — Die Vorlage betreffend Wahl eines Mitgliedes in den Talmud-Thora-Vorstand wird in die geheime Sitzung verwiesen. — Zum Mitglied des Krankenhausvorstandes als Rendant wird Herr Emil Benjamin gewählt. — Da sich die Notwendigkeit herausgestellt hat, eine Anzahl Plätze in der Synagoge Fasanenstraße im Preise herabzusetzen, werden die Tarife dieser Plätze ermäßigt, derart, daß dadurch ein Mieteausfall von insgesamt 2360 Mark entsteht. Die Versammlung stimmt der entsprechenden Vorlage zu. Herr Emil P i n c u s bittet bei der Gelegenheit den Vorstand, Bauten von solchem Umfange nicht mehr vorzunehmen, er rühmt demgegenüber die Synagoge Rykestraße, wo man aus allen Plätzen gut sehen und hören könne. — Zu den Kosten des Religionsunterrichts an der Wagnerschen ehemals Klinkhardtschen höheren Mädchenschule werden 480 Mark und für den Religionsunterricht an der Vogelerschen Mädchenschule 400 Mark bewilligt, desgleichen für Dachdeckerarbeiten an der Synagoge Levetzowstraße 2839 Mark. — Der dringlichen Vorlage, eine Präparandie zur gesanglichen Ausbildung von Chorknaben einzurichten, und zwar versuchsweise zunächst auf zwei Semester, stimmt die Versammlung zu und bewilligt dafür 500 Mark. Der Herr Referent Professor Türk hat zwar schwere pädagogische Bedenken, weil er darin eine Ueberlastung der Knaben erblickt, er verspricht sich auch keinen großen Erfolg davon, dennoch empfiehlt er die versuchsweise Einrichtung der