Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
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Favolla lächelte überleben. ' „Ihr könntet ihn ja nicht einmal tragen, gnädiger Herr, es ist ein Frauenring." „Die Brillanten sind die schönsten, die ich je gesehen habe." Gentillots Gesicht hatte sich lebhaft gefärbt. „Da ich die Frau nicht zu dem Ring besitze, so will ich mich allein an seinem Anblick erfreuen, will Tau zwischen meinen Fingern spüren, ohne daß ihn ihre Wärme zerrinnen macht." Gentillot sprang auf. „Was kostet der Ring, auf der Stelle sagt es mir." (Fortsetzung folgt.) Sulamith. nders wird, als andrer Völker, Fortan Judas Lachen sein — Jener alte Fluch Jesaia Droht in meinen Tag hinein. Und des Liebsten Hände lösen Sich Don meinem Haupt erschreckt: „Wie du lachst, als ob ein Weinen Heimlich sich darin versteckt. Kannst nicht jauchzen gleich den andern, . Sorglos mit der Mägdlein Schar? Wenn sie flicht zu Fest und Spielen Blüten sich ins junge Haar." Euer Blondhaar mögen zieren Blunck und Blätter, hold gepaart: Töchter uns von Judas Stamme Schmückt Geschmeide andrer Art. Tragen Perlen — Tränenketten, Die umschnürt der Mütter Herz; Eine Krone, die geweiht hat Unsres Volkes ewiger Schmerz. Soll sich nicht das Aug' uns feuchten, Wenn solch Haarschmuck klingt und klirrt? Wild im Tanze mit den andern: Nie doch gleiche Lust uns wird. Stolzer, heller Demanttropfen, Der der Königin Stirne deckt: Schilt nicht, Liebster, drum die Träne, Die mein Lachen scheu versteckt. Beug dich nieder! Küß die Träne Heimlich fort vom Herzen mein — ' Dann erlöst wird eine Seele Von dem Fluch Jesaia sein. Thekla Skorra. - Literarische Mitteilungen. — Iüdis ch e s i m Christentu m von Dr. LudwigVe n et i a n e r - U j p e st (Volksschriften über die jüdische Religion, heransgegeben von Dr. I. Ziegler-Karlsbad, 1. Jahrgang, 5. Heft, Frankfurt a. M. I. Kausfmann 1913). . Vorliegende Schrift behandelt die jüdischen Bestandteile in den Ideen und Lehren sowie im Kultus des Christentums. Das Büchlein erfüllt die wesentlichen Erfordernisse einer Volksschrift, indem es Dinge berührt, 'welche dem Jdeenkreise eines gebildetem Laien nahcliegen, und seine Darstellung in leichtfaßlicher Form gibt. Zweierlei sei allerdings bemerkt: Es ist zunächst unbegreiflich', warum der Verfasser den inneren Zusammenhang zwischen den großen jüdischen und christlichen Festen so wenig berührt. Der wichtige Gedanke, der vorangestellt hätte werden müssen, daß die christlichen Feste in ihrem Kerne einfach eine Uieb er trag ung der jüdischen Festideen auf das Leben Jesu darstellen,-ist völlig außer acht gelassen. Besonders hat der Verfasser auch unterlassen, die Zusammenhänge zwischen dem Laubhüttenfest und dem Weihefeste zu untersuchen und zu verwerten. Hätte er dies getan, so wäre seine Darstellung des Weihn a ch tssestes ganz anders ausgefallen. In den Kleinig-; fetten, soweit sie einzel n e Festgebräuche und gottesdienstliche Riten betreffen, ist ein gewiß erschöpfendes Material gegeben: Auf dem Gebiete der inneren Jdeenver bin düngen hat sich aber der Verfasser manche wertvolle Tatsache entgehen lassen. — Eins ist fernerhin noch ernstlich zu rügen! Bei seiner Absicht, alle christlichen Ideen aus jüdische zurückzuführen, hat der Verfasser sich arg vergriffen, als er den Versuch machte, auch die Feind es liebe aus jüdischen Anschauungen abzuleiten. Diese Lehre ist ganz gewiß rein christlich, und es kann nicht oft genug betont werden, daß das Judentum es als einen Vorzug erachtet, einen derartigen Glaubenssatz nicht zu besitzen. Goldmann-OpPeln. * . — Dahiel, der Konvertit.' Roman von Richard Boß. Neue Ausgabe mit einem Vorwort von Professor Dr. Fr. v. d. Lehen. Stuttgart und Berlin. Deutsche Verlagsanstalt 1912.- Ein älteres Buch von Richard Voß ist, obgleich der Autor sich noch des Lebens freut, von einem seiner Verehrer mit einer Vorrede neu ediert worden. Ein ungewöhnlicher Vorgang, aber für uns erfreulich, da er uns mit einem Werke bekannt macht, das gewiß vielen und so atrch mir bisher unbekannt geblieben ist. Ich nenne es erfeulich, obgleich Juden, und mit Recht, sich selten eines Konvertiten erfreuen. ' Wir haben an diesem Werke Behagen, da es ungemein kraftvoll in Erfindung und Sprache ist. Es führt uns in eine längst vergangene Epoche nach Nom und gibt uns von der Hauptstadt und von einzelnen Teilen Italiens eine so wundervolle,, farbenprächtige Schilderung, ' daß alle Verehrer des -Wunderlandes sich daran erfreuen müssen. Aber es zeigt, zugleich eitle so vertiefte psychologische Darstellung des Helden, eines Judenknaben, der Geistlicher, schließlich Fanatiker wird und als Missionär, als grausamer Verfolger der Juden auftritt. Hätte der Autor nur die letzte Seite ausgelassen, in der er erzählt, - daß der aus einem Judenknaben zunr Abt Erhobene sich schließlich mit einer Jüdin verbindet, die er immer geliebt hat, und als Räuber grausame Taten verrichtet. Dadurch verdirbt er sein ganzes Buch. Sonst aber ist die Darstellung ganz ausgezeichnet. Denn dieser fanatische Christ bleibt schließlich innerlich Jude, nicht durch Gläubigkeit,' sondern durch Tradition, durch die Erinnerung an seine Eltern, an seine Jugendgeliebte, an seinen Freund. Er kann die Jugenderinnertmg nicht los werden trotz aller Kasteiungen und Selbstpeinigung, trotz aller äußeren Eindrücke, die auf ihn eindringen, trotz feiner scheinbaren inneren Umwandlung. Es ist ungemein ergreifend, wie hier das jüdische Milieu in Rom, das behäbige Haus, in dem der Knabe ausgewachsen ist, die Ausgestoßenen der jüdischen Gemeinschaft, eine alte Zauberin und ihre bildschöne Tochter, ein armer Knabe, mit dem Dahiel innig befreundet ist und der schließlich siegreicher Konkurrent in seiner Liebe tvird, geschildert tverden. Aber das hauptsächlich Packende an detn Buche ist die Stärke und Kraft, mit der das Innenleben des Knabett, des Jünglings und des Mannes vorgeführt werden. Es läßt sich freilich nicht leugnen, daß trotz aller Bemühung des Autors eines dabei nicht recht glaubwürdig ist, nämlich die Hauptfrage: wie kommt der Knabe zur Attnahme des Christentums. Denn durch das ganze Buch hindurch geht der Nachweis, daß die vollzogene Taufe doch nur eine äußerliche bleibt, daß ein wirklich vollkommenes Dttrchdrungensein vom Christentum bei denr Jüngling fehlt, daß im Gegenteil die Pietät, die Anhänglichkeit an seine Vergangenheit eine so bleibende und starke ist, daß, da äußere Gewaltmittel an dem Kinde nicht versucht werden, sein Schritt unerklärlich bleibt. Trotzdem ist das Buch ungemein fesselnd und gerade aus den zuletzt angegebenen Gründen auch gewiß für unsere Leser von dem höchstett Interesse. L. G. ■* Die Jüdische Gemeinschaft. Reden und Aufsätze über zeitgenössische Fragen des jüdischen Volkes. Herausgegeben von Dr. Ahron Eliasberg: Der Rassenadel der Juden von Alexander Schueler. Jüdischer Verlag, Berlin. Ich denke mir, daß der Verfasser weih, was er unter Mneme und unter Dissoziationsprozesse innerhalb der Judenheit versteht. Ich meinerseits gestehe bescheidentlich, daß ich' mit der Erklärung, die er von diesen Worten gibt, nicht viel anzufangen weiß. Einzelne Behauptungen des Verfassers sind so unerhört übertrieben, daß man wirklich nicht ernst dabei bleiben kann. Ein Satz wie der Seite 40 abgedruckte: „Die um 1500 n. Chr. in Europa erwachten geistigen Bestrebungen sind zum allergrößten Teil durch die semitische Kulturarbeit in Spanien geweckt und befruchtet worden. Während das übrige Europa in der Nacht des Mittelalters ein Leben barbarischer