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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-04-04 · Heft 14 (4.4.1913) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
Seite 163 (sequence 7)
Language
German
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Drvhworten und ihre Stäbe schwingend, verlassen Moses' und Aaron den Festsaal. Die Wachen wagen nicht sie aufzuhalten, denn sie wie das ganze Volk glauben, daß alle Plagen, die das Land bisher getroffen haben, das Werk der hebräischen Zauberer und ihres Gottes seien. Die Königin aber behauptet, die Frösche und das Ungeziefer, die das Land überschwemmten, die Finsternis und die Verwandlung des Wassers in Blut seien nur das Werk der Zauberin Hathor, die man unschädlich machen müsse. Inzwischen wird die Drohung der zwei Propheten erfüllt. Zwanzig Männer (Erstgeborene) stürzen tot zu Füßen des Königs. Und eine Frau dringt,ein, reicht weinendder Königin ein totes Kind. „Oh, König und Königin! Es ist euer Sohn, euer Erstgeborener, der oben plötzlich in meinen Armen gestorben ist", ruft sie. Unwillkürlich fällt uns . ein, daß auch jetzt in einem Reiche, wo Juden beinahe so arg wie in Aegypten geplagt werden, der einzige Sohn einer judenfeindlichen Herrscherin schwer krank daniederliegt. In Aegypten war das Volk zwar so abergläubisch wie jetzt das russische, aber doch vernünftiger. Es macht keinen Pogrom, fällt nicht mordend, raubend und schändend über die Hebräer her, sondern dringt voll Wut in den Königspalast ein, um König und Königin zu töten. Die meisten Soldaten schließen sich ihnen an. „Sieh", ruft das Volk, „unsere Kinder liegen tot auf den Straßen, wie als das Wasser des Flusses in Blut verwandelt wurde, weil du das Volk der Hebräer nicht freilassen willst." Vergebens sucht Odysseus in seiner undurchdringlichen Rüstung mit seinem Zauberbogen, von wenigen treugebliebenen Soldaten unterstützt, das Königspaar zu verteidigen, er tötet zwar viele, aber für einen Gefallenen dringen zehn andere in den Saal ein/ Alle seine Pfeile sind verschossen. Und endlich zielt einer vom Volke aus die Königin. Sie hält als Schild den Leichnam ihres eigenen Kindes vor, und dieser wird vom Pfeil durchbohrt. Der mutige vielerfahrene Odysseus, der nie solch grausige Tat gesehen, fühlt ein Grauen darüber. Was hilft es, daß er den Mörder des Königskindes tötet, seine Kraft erlahmt am Ende. Gegen den Gott der Hebräer richten griechische Tapferkeit und ägyptische Grausamkeit nichts aus. Da erscheinen am Eingang des Saals wieder die zwei hebräischen Propheten. Mit festen Schritten schreiten sie zwischen Toten und Sterbenden, umgestürzten, mit Wein und Blut besudelten Tischen, von niemandem gehindert, bis zum Könige. „Pharao! Pharao! Pharao! Alle Erstgeborenen Aegyptens sind von Gott erschlagen, wirst du jetzt unser Volk freigeben?" Und der ganz entmutigte König anwortet: „So zieht denn alle gleich fort und laßt euch nie mehr Wiedersehen." Dieser Kampf in der Königshalle, die Vernichtung der Macht des Judenverfolgers sind mit einer Kraft und Anschaulichkeit geschildert, die an die des letzten Kampfes der Nibelungen in König Etzels Palast erinnern. Und die Hebräer ziehen ,ab, nachdem sie von den Aegyptern noch Silbergerät.e, Juwelen und kostbaren Schmuck als Lohn für ihre mehrhundertjährige Arbeit „entlehnt" haben. Im Palaste Pharaos hört man die' festen Tritte der abziehenden Hunderttausende, das Blöken ihres 'mitgetriebenen Viehs sowie ihren zum Teil aus Bibelstellen bestehenden Marschgesang. Aber noch sind die Hebräer nicht frei und sicher. Königin Meriamun, von Odysseus unterstützt, bewegt den Pharao, zur Verfolgung und erneuerten Versklavung der Juden mit seinem ganzen Heere auszuziehen. Zur Beschützung der Königin und seiner Hauptstadt läßt er den mit schwerem Eid ihm verpflichteten Odysseus zurück. Hier schalten nun unsere Autoren die im 39. Kapitel der Genesis erzählte Episode von Joseph und der Frau Potiphars ein, mit dem Unterschiede/daß Odysseus, minder keusch als Joseph, den Verführungs- und Zauberkünsten der Königin erliegt. Wie er dann doch von ihr verleumdet, zu grausamem Tode verurteilt, dann wieder begnadigt wird, sowie seine weiteren Schicksale, bis er in einer Schlacht gegen feine griechischen Landsleute von der Hand seines eigenen Sohnes den Tod findet, wie es eine griechische Sage erzählt, das alles soll hier nicht geschildert werden, da es für den jüdischen Leser wenig Jntexesse hat. Nach der Gefangensetzung des Odysseus kommt der Pharao, König Menephtha, von der Verfolgung der Juden zurück, beschmutzt, mit zerzaustem . Haar, verwirrten Blicken. Er allein von seiner ganzen Armee, die tot im Schilfmeer liegt, das die Juden unversehrt durchschritten haben. Er schildert die Katastrophe ungefährso, wie sie in der Bibel erzählt wird. Den herrlichen Siegesgesang des Moses, beginnend mit dem Vers „Singen will ich dem Ewigen" . . teilen die beiden Engländer nicht mit, und unbekannt ist ihnen wohl die sich daran knüpfende schöne jüdische Mythe geblieben, wie die-Engel im Himmel in diesen Siegesgesang einstimmen wollten, Gott aber ihnen zurief: „Wie könnt ihr Triumphlieder singen, während meine Kinder, die Aegypter, ertrunken im Meere liegen!" Von dieser Mythe und von den Versen des Jesaia (XIX, 25) „Gesegnet fei mein Volk Mizrajim, meiner Hände Werk Aschur und mein Erbe Israel", hätten die nichtjüdischen Völker doch ein wenig Humanität gegen die Juden lernen und das ewige Gerede vom Gott der Liebe und seinem Gegenbild, dem jüdischen Rachegott, einmal verstummen lassen können. Der Milcht Arlpruns der Kolumbus. Von L u d w i g G ei g er. ^^isher war schon mannigfach, auch schon von jüdischen Forschern, besonders in einer Schrift von M. Kahserling auf die auffällige Tatsache hingewiefen worden, daß Kolumbus mit vielen jüdischen und neu christlichen Familien Spaniens und Portugals in fortdauernder Beziehung gestanden hatte, und daß reiche Israeliten ihn mit beträchtlichen Geldmitteln bei.der Ausrüstung seiner Reisen unterstützt haben. Auf diese beiden Momente gründete man die Spinoza. Nach dem Bild von Wallerant Vmllcmt, 1673.

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