Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WWMMWWWWWWNW V: : - ■■ ——— 1tz2 —^ >> 7 MW und. wurde - .von einem Kritiker als „entzückende Darstellung ö^teütalischen Lebens vor vierundzwanzig Jahrhunderten"-bezeichnet. Ich. habe diesen Roman nicht gelesen und, wie ich. gestehen muß, auch nicht die Romane von Ebers, in denen sich wohl auch manches über Juden in Aegypten finden dürste. : Viel interessanter ist aber ein anderer englischer Roman, von H. Rider Haggard und Andrew Lang „The worlds desire" (Aller Welt Begehr), der uns in die Zeit des Auszugs der Juden aus Aegypten zurückführt, den Zusammenstoß von Judentum mit ägyptischem und griechischem Heidentum schildert und in dem neben König und Königin von Aegypten, Moses und Aaron, Odysseus und die „schöne Helena" von Sparta die Hauptpersonen sind. Wäre der Roman vor zwei oder drei-Jahrhunderten erschienen, so hätte man ihm gewiß Anachronismus. vorgeworfen, denn damals glaubte Man noch ganz sicher zu wissen, daß Trojas Zerstörung zwölf Jahrhunderte vor Christi erfolgte, als die Hebräer schon seit drei Jahrhunderten in Palästina faßen und von den Richtern regiert wurden. Man hätte damals sagen können, Menelaus und Odysseus seien Zeitgenossen von Ji-stach gewesen und dessen Tochter fast gleichzeitig mit Jphigenia geopfert worden. Und die schöne Helena hat sogar, wie der byzantinische Lexikograph Suidas berichtet, eine Kammerfrau namens Astyanassa gehabt, die eine Pornographin war und in diesem Genre die Philaenis und die Elephantine zu Nachahmerinnen hatte. Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne..Ob die Kammerfrau Romane oder gar die Memoiren ihrer Herrin geschrieben hat, weiß ich nicht. Königin Helena war aber gar nicht so, svie sie die meisten Theaterbesucher aus Offenbachs Operette kennen^ sondern eine sehr geachtete und verehrte Dame. Jsokrates hat eine Lobrede auf sie versaßt, sie hatte ihre Tempel in Rhodos und in Lakomen und hat auch Wunder getan. Daß sie nach der Zerstörung Trojas in Aegypten lebte, wissen wir aus dem vierten Gesang der Odyssee und der Helena des Euripides. Doch trifft sie nach ersterem nicht mit Odysseus selbst, sondern mit dessen. Sohn Telemachos zusammen, den sie durch einen Heil- oder Zaubertrank von Kummer und Sorgen befreit. Wir sehen also, daß die beiden Engländer in ihrem Roman nicht bloß von ihnen Erfundenes geben. Sie schildern darin die'Vorgänge gewissermaßen vom ägyptischen Standpunkte aus gesehen. Aber die Juden, Apura (Hebräer) genannt, spielen darin mit ihrer Gottesfurcht und ihrem Freiheitsdrang .nicht' die schlechtere Rolle, eine recht häßliche dagegen die wenigen vorkommenden Phönizier (Sidonier) und die vornehmen Aegypter: der schwache, unfähige König Menephtha und seine Gemahlin^ die lüsterne, boshafte, grausame, mit Verleumdung, Betrug, Gift und allen bösen Zauberkünsten arbeitende Königin Meriamün. Ihnen stehen die jüdischen oder vielmehr hebräischen. Wahrsager und Wundertäter Moses und Aaron gegenüber. Die Argiver (Griechen) werden von dem nach der j Zerstörung von Troja herumreisenden Odysseus, der aber hier mehr tapfer und weniger listenreich als in dem homerischen Epos ist, und von der schönen Helena, die aber. Menelaus und Paris ganz vergessen zu haben scheint, repräsentiert: Sie ist überdies bald irdisches.Weib, bald Göttin, tut auch Wunder und wird von den Aegyptern für die Göttin Hathor gehalten. Alle Männer verlieben sich in sie — sie ist ja „aller Welt Begehr" — und sterben ihretwegen, nicht so einfach wie die Asra, sondern von unsichtbaren Schwertern im Dienste Helenas getötet. Denn sie liebt nur den einen, Odysseus, auf den sie wartet, sowie er, für den das Leben nur in Kämpfen, in Liebeslust und Liebesleid besteht, nur sie liebt. Wie er dann nach Aegypten kommt, mit Helena zusammen trifft, ihr, von den Zauberkünsten der Königin verlockt, untreu wird, im Dienste des ägyptischen Königs gegen seine eigenen Landsleute kämpft, wunderbare Heldentaten verrichtet und endlich im Kampfe fällt, mag .man im Roman Nachlesen. Ich habe nur den Anteil der Hebräer an diesen Vorgängen in Kürze wiederzuerzählen.; Wirchören zuerst von ihnen, als ihre, zwei Propheten,. Moses und Aaron, im Königspalaste erscheinen, da König und Königin mitihrem Gaste Odysseus beim' festlichen Mahle sitzen. Ihre Gesichter sind von der Sonne verbrannt, ihre Körper mager und schlank, die Nasen gebogen wie Adlerschnäbel, die Augen wie die des Löwen; der eine mit langem weißen Bart, der andere kahl geschoren wie die ägyptischen. Priester. Sie sind in Tierfellegekleidet, mit ledernen Riemen gegürtet, die Arme, nackt, halten Stäbe aus Zedernholz in den Händen. Voll Schrecken weichen die Wachen vor ihnen zurück und. sie dringen bis zum Sitze des Königs vor. „Pharao! Pharao! Pharao! Höre, das Wort Jehovas und lasse sein-Volk frei!" — „Ich will nicht," antwortet der König. Nun rufen sie noch einmal: „Pharao!' Pharao! Pharao! Wenn du sein Volk nicht frei lässest so werden alle Erstgeborenen in deinem Lande, vom Königssohn bis zum letzten Sklaven, vom Ochsen und vom Esel von der Hand Jehovas geschlagen werden!" Da rufen die andern am Gastmahl Teilnehmenden: „Oh, Pharao, laß das Volk abziehen, schweres Unheil ist schon ihretwegen über das Land Aegypten gekommen. Oh, König, gib das Volk frei!" Schon will Pharao nachgeben. Aber die böse Königin, in ihrer Eifersucht auf die schöne Helena-Hathor, bringt ihn davon ab.. „Nicht die Hebräer und ihr Gott haben unserem Lande Unglück gebracht, sondern die Zauberin Hathor, die sich in Tanis aufhält. Jage diese fort und alles Unglück wird mit ihr verschwinden. Die hebräischen Sklaven aber behalte, denn sie Haben für mich noch mehrere Städte zu erbauen." „Der Herr verstockte Pharaos Herz, daß er die Kinder Israel nicht freilassen wollte", heißt es in der Bibel; im Roman ist es, vielleicht besser motiviert,, die böse Königin, welche den Gatten hart macht. „Fort.mit euch", ruft er den beiden Propheten zu „und von morgen an muß euer Volk doppelte Arbeit leisten und wird blutig geschlagen werden".. Mit lauten Spinoza. Nach dem. Gemälde pon Hendrik van der Spijk, 1671.