Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229069-3229083--69324-3281619- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 fmumlitiu]. ItcBcr die Anstellung von Wanderlehrern für die kleinen und leistüjigssctzivachett Gemeinden referierte Herr Justizrat SJ.U aye i\ Er begründete seine Ausführungen damit, daß man v e r - l a n g c it m ü i f c, daß jede Gemeinde für ordentlichen Religionsunterricht sorgt, um die Jugend nicht ohne jüdisches Wissen, das sie für ihr Leben braucht, heranwachsen zu lassen und um die leidige Fahnenflucht zu verhindern. Prediger Kahn wünschte die Tätigkeit der Wanderlehrer auch aus Wanderschochtim ausgedehnt zu wissen. Herr Dr. W o r m s berichtete über die Schulinspektion und gab etit zum Teil recht erfreuliches Bild sowohl über den Stand der Schulen wie auch über die Tättgkeit der Lehrer, wobei er anerkannte, daß auch da, wo kein seminaristisch gebildeter Lehrer unterrichtet, häufig recht Gutes geleistet wird. Er dankte an dieser Stelle auch den Herren Wolsf-Tempelburg, Voß-Neustettin, Kahn-Köslin für die Bereitwilligkeit der Ausübung der Inspektion, bedauerte aber, gleichzeitig, daß es hier und da an Inspizienten gemangelt habe. Auch hier ntüsse der Verband daraus hinarbeiten, daß sämtliche Gemeinden ihre Schulen inspizieren lassen und der Inspektion selbst das nötige Interesse entgegenbringen. Der Gemeinde Stralsund wurde aus Antrag ihres Vertreters (Blach) die Summe von 100 Mark für den geplanten Umbau ihrer Synagoge vom Verband bewilligt. Ein Festmahl hielt sämtliche Teilnehmer noch einige Stunden in bester Stimmung beisammen. M. Hamburg, 2.1. März. Die Familie Marburg hat zum Andenken an >die verewigten Herren Sieg m u n d u n d M o r i tz W a r - bürg auf dem Friedhof in Langenfelde ein neues Grab und alle weiteren damit in Verbindung stehenden Bauten neu errichten lassen. Tie Einweihung der Halle fand in feierlicher Weise statt. Außer den Mitgliedern der Chewra Kadischa hatten sich die Herren Abgeordneter S. War b u r g , Map M. W a r b u r g und -weitere Angehörige der Familie eingefundeu. Die Weiherede hielt Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer, der im Namen der Familie Marburg die neuen Bauten dem Vorstand der Chewra Kadischa übergab. In warmen Worten gedachte der Redner der unvergeßlichen Verdienste der Brüder Siegmund und Moritz Marburg, die sie sich um die Hamburger Gemeinde und ihre Institutionell erworben haben. Sieguumd und Moritz Marburg waren es stets, die für die Zusammengehörigkeit in der Gemeinde und für die Anerkennung des religiösen Oberhauptes eintraten, und so möge denn auch diese Halle ein Symbol der Eintracht und der Einigkeit sein. So wie die Toten auf der Stätte des Friedens eins bilden, s o mögen auch d i c L eb end e n f t cf) nt ch t trenne n u ll d z e r - splittern, sondern ein Ganzes bilden. Hieraus sprach noch Herr Rabbiner Dr. Bamberger im Namen der Chewra Kadischa den Stiftern seinen Dank aus. — Unter Führung des Architekten S. Engel fand eine Besichtigung der neuen Gebäudegruppe statt. lieber die Gesamtwirknng der Alltage herrschte nur eine Stimme der Anerkennung. , Außer den neuen Baulichkeiten werden auf Kosten der Stifter mtf dem Friedhof auch, vollständig neue Gartenanlagen hergestellt. 8. Aus Ostfriesland, 21. März. Eiil Ereignis, das es verdient, in der jüdischen Presse verzeichnet zu werden, hat sich in Ostfricsland, der einstigen Stammburg des Antisemitismus, begeben. Jll den, Orte Kloster-Harsweg bei Emden wurde der jüdische Grundbesitzer, Hoflieferant Adolf Cohen mit 34 Stimmen von 35 zum Ortsvorsteher wicdergewähtt. Die Bewohner des Dorfes bereiteten ihrem Oberhaupt ans Dankbarkeit für die seither geleisteten Dienste große Ovationen. Der vorliegeilde Fall, der in unserer Monarchie jedenfalls einzig dastehen dürfte, beweist, daß allch ein Ort mit rein arischer Bevölkerung sich unter der Herrschaft eines Juden Wohlsühlen kann. <zsi> Bad Kiffingen, 20. März. Die Israelitische Kinde r h ei l st ä t t e in Bad Kiffingen, im Jahre 1905 gegründet, ist in der kurzen Zeit ihres Bestehens rasch in Schönheit erblüht. In reizender Lage, unweit des Users der Saale gelegen, durchflutet von Licht und Luft, auf das modernste eingerichtet, umgeben von einen, herrlichen Garten mit schattigen Spielplätzen, sind ihr Entstehen und ihr Unterhalt mir möglich geworden durch das Zusammenwirken vieler edler Menschen, die reine Nächsten- und Kinderliebe beseelt. — Im Jahre 1912 fanden 200 Kinder Aufnahme. Bis jetzt sind in der Israelitischen Kinderheilstätte inehr als 1130 arme nild kranke Kinder aus allen Teilen Deutschlands ausgenommen worden. — Die ärztliche Leitung versieht wie bisher im Nebenamte Herr Dr. P. Münz, Badearzt.in Bad Kissingen. — In der letzten, am 9. d. M. stnttgehabten Generalversammlung wurden zu dem bisherigen Vorstände neu hinzugewählt: Herr Leo B e r g m a N n nt Fürth, Herr Jakob Ullmann in Schweinfurt, Herr Bankdirektor Wolfs-thal in Aschaffenburg, Herr Abraham K o h n in Bamberg. Vorsitzender ist Herr Adolf S ch w a r z, Nürnberg. — Zum Ehrenmitglied wurde Herr Adolph S a l o m o n in Charlottenburg ernannt. 22 Hannover, 24. März. Herr Senator Leopold Fischer hat am gestrigen Sonntag seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert. Obwohl er sich alle Ehrungen verbeten hatte, hatte ihm doch eine Reihe großer jüdischer Organisationen, um die er sich erhebliche Verdienste erworben hat, herzliche Glückwünsche an diesem Tage übermittelt. Herr Senator Leopold Fischer wurde am 23. März 1853 (am Purim) zu Linden - Hannover geboren. Er entstammt einem altjüdischen Hause; sein Vater war der Sohn eines, in Göttingen domizilierten Lehrers, der vor Entstehung jüdischer Seminare Religionstehrer ausbildete; seine Mutter entstammt einer seit Jahrhunderten in Halberstadt existierenden altjüdischen Familie. Im kaufmännischen Berns in Frankfurt a. Ai. in den Jahren 1869—1871 tätig, übernahm er nach dem Tode seines Vaters 1877 die bekannte -Nohledersirma Louis A. Fischer und zog sich 1900 ins Privatleben zurück, um sich dann neben seiner Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender verschiedener Jndustriegesellschaften ganz in den Dienst der Gerneinnützigkeit zu stellen. Noch nicht 26 Jahre alt, wurde er als Nachfolger des bekannten Jsaäc Hirsch (Sohn von Samson Raphael Hirsch) Vorsteher der Lindener Gemeinde, die 1892 mit der Synagogengemeinde Hannover vereinigt wurde. Im Jahre 1894 wurde er in das Repräseutantenkollegium der Großgemeinde gewählt, im Jahre 1900 in den Vorstand und im Jahre 1902 zum ersten Vorsteher der Gemeinde. Herr Senator Fischer hat nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch in den großen Organisationen, in deren geschäftssührenden Ausschüssen er sich befindet, eine sehr rege Tätigkeit entfaltet, so unter anderem im „D. I. G. B.", „Verband der deutschen Juden", .„Hilfsverein der deutschen Juden", „Alliance Israelite Universelle", „Deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge", „Deutsche Rabbiner- Witwen- und Waisenkasse", „Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem". Er ist Vorsitzender des Provinzialverbandes hannoverscher Syuagogengemeinden und der Provinzialkasse Hnnnover-Braunschweig für jüdische Wanderarmensürsorge; sowohl in -seiner Gemeinde wie in seiner Provinz hat er eine besonders musterhafte organisatorische Tätigkeit entfaltet. Senator Fischer hat sich aber auch in den Ehrendienst von Staat und Kommune gestellt. Bereits vor fast fünfundzwanzig Jahren wurde er zum Stadtverordneten (Bürgervorsteher) gewählt, und seit sechzehn Jahren ist er Senator (Magistratsmitglied) seiner Vaterstadt. Er ist auch auf Lebenszeit gewählter Abgeordneter desValenberg-Grubenhagenschen Landtages, staatlicher Ausführungskommissnr für Steuern, Mitglied der Schuldeputation für Volksschulen und höhere Schulen und Mitglied aller bedeutenden Kommissionen. Ein besonderes Interesse hat er für Volkswohlbestrebungen und kommunale Jugendpflege, die er in seiner Vaterstadt begründete. Bereits vor sieben Jahren wurde ihm der Rote Adlervrden verliehen. * Gesterrrich-Angsrn. k. Wien, 20. März. Die Erben des im Dezember 1911 verstorbenen Kaiserlichen Rates Bernhard P o l l n ck Edler von P a r n a u haben aus dem Nachlasse einen Betrag von 100 000 Kronen an Zahlreiche Korporationen und Vereine zur Verteilung gebracht. Aus dem Nachlasse erhielten: die Armen der Stadt Wien 20 000 Kronen, die Armen der israelitischen Gemeinde in Wien 20 000 Krgnen. Ferner wurden mit namhaften Beträgen bedacht: der israelitische philanthropische Verein, der Verein zur unentgeltlichen Pflege Brnstleidender, „Frauenhort", das israelitische Waisenhaus und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder usw. Eine weitere Summe von 300 000 Kronen soll entsprechend den Intentionen des Verstorbenen für einen speziellen wohltätigen Zweck verwendet werden. — In der Gemeinderatssitzung vom 11. d. M. stellte Gemeinderat Dr. Hein folgenden Antrag: Am 13. d. M. jührt sich zum 65. Male der Tag, dem die Völker Oesterreichs die Herstellung verfassungsmäßiger Zustände zu verdanken haben. Es ist gewiß die Pflicht der Gemeindeverm