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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-21 · Heft 12 (21.3.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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der Weise, vielfach von spontanem Beifall unterbrochen, in einstündigem Vortrage zu behandeln verstand. Der Redner erwähnte, wie die liberale Bewegung schon lange von bedeutenden Männern des Judentums, welche in. wissenschaftlicher wie in sozialer Hinsicht Hervorragendes geleistet haben, als ein Fortschreiten in geistiger und religiöser Hinsicht begrüßt und von den Sympathien der großen Mehrheit in der deutschen Judenheit getragen wurde. Die Mitte Oktober bei der zweiten Delegiertenversammlung in Posen veröffentlichten „Richtlinien" hätten einen Sturm der Entrüstung bei den Orthodoxen in Wort und Schrift entfesselt, obwohl die „Richtlinien" nichts enthielten, was nicht jeder gute Jude getrost unterschreiben könne. Aber vielfach hat man versucht, die Richtlinien staats- und gemeindepolitisch ausznbeuten, so auch hier in Nürnberg. Man erklärt, die liberalen Rabiner seien, nachdem sie die Richtlinien unterzeichnet haben, nicht mehr befähigt und berechtigt, ihr Amt auszuüben. Auch der hiesige orthodoxe Verein hat sich aus den gleichen Standpunkt gestellt und hat daraufhin, entgegen dem mit der Hauptgemeinde abgeschlossenen Vertrage, für seinen Vereinsrabbiner die Gestattung derjenigen Funktionen verlangt, die bisher dem Hauptrabbiner der Gemeinde Vorbehalten waren. Die Gemeindeverwaltung ist jedoch einstimmig für die volle Aufrechterhaltung der ihrem Rabbiner zukommenden Rechte und Pflichten eingetreten. Von seiten der bayerischen Orthodoxie wurde ein Entwurf zur Abänderung des Judengesetzes vom Jahre 1813 an die königliche Staatsregierung eingereicht; in diesem Entwürfe wurde aber lediglich nur aus die Interessen der gesetzestreuen Juden, die bekanntlich nur ein Zehntel der jüdischen Bevölkerung darstellen, nicht aber aus die Bedürfnisse der überwiegenden liberalen Majorität Rücksicht genommen. Der Referent schloß seine hochinteressanten Ausführungen mit deu schönen Worten: „Möchte doch ein gütiges Geschick eine Zeit herbeiführen> in der die Menschen sich nicht bekämpfen und bekriegen o b ihres Glaubens, in der sie vielmehr einander achten und ehren, weil sie glauben." Herr Justizrat Dr. Held, der erste Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde,' führte in glänzender Rede aus, daß die „Richtlinien", welche für die Beschlüsse der Gemeindeverwaltung nicht in Betracht gezogen werden NEPOMUK-BOCK DER AI7SSTOSS HAT BEGONNEN Ueberall zu haben in Flaschen, Kannen und Siphons BÖHMISCHES BRAUHAUS NO 18. Teleph.: Amt Königstadt 3088,4088/90 P"TET lu m mm m—m # #; U # 4X&1& J. A. HENCKELS Zwillingswerk Messerwaren bester Qualität. Alle meine Fabrikate tragen mein Zwillingszeichen; wenn sie bei Wiederverk&ufern nicut zu haben sind, bitte sich zu wenden an di« N1Älo«: Berlin W. 66, Leipziger Strasse 118. Filialen in Köln a.Bh. - Dreaden-A. - Frankfurt a. M. 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Derselbe verstand es in meisterhafter und von versöhnlichem Geiste getragener Rede, alle Angriffe der Gegnerschaft glänzend zu widerlegen und begründete die Notwendigkeit eines liberalen Programmes. Seinen Ausführungen lauschte das Publikum trotz der vorgerückten Stunde in gespanntester Aufmerksamkeit, und am Schlüsse durchhällte stürmischer, langanhaltender Beifall den Saat. Die Versammlung hat einen glänzenden Beweis geliefert für die große Sympathie, deren sich Dr. F r e u d e n t a l hier erfreut, und für die Anerkennung und Wertschätzung seines Wirkens innerhalb der Gemeinde. Die Veranstaltung . bewies aber ferner, daß erfreulicherweise hier in Nürnberg großes und lebhaftes Interesse für die Angelegenheiten des Judentums und insbesondere für die Sache des fortschrittlichen Liberalismus vorhanden ist. Gesterreich-Nngarn. 2XD Prag, 17. März. Ein neues Ritualmvrdmärchen hält die Gemüter in Böhmen in Aufregung und hat hitzige Erörterungen in der Presse verursacht. Seit dem 7. d. M. ist eine Dienstmagd namens Marie Pavlik verschwunden, die bei dem jüdischen Kaufmann W e i ß b e r g e r in K o l l i n in Stellung war. In ihrem Koffer wurden Briefe des katholischen Religionslehrers an der Kolliner Volksschule und Führers der dortigen Christlichsozialen, Kaplans Dr. Hrachovsky gefunden. Es verlautet, daß sich das Mädchen wegen der Folgen eines Liebesverhältnisses mit dem Kaplan in die Elbe gestürzt habe. Die' Leiche konnte aber noch nicht gefunden werden. Sofort nach dem Verschwinden der Pavlik wurde von antisemitischer Seite das Gerücht verbreitet, das Mädchen sei angesichts des bevorsteheuden Osterfestes von den Juden ermordet Zahn-Crem e Mundwasser *W3. Ia Stopfgänfe welche von einem unter Aufsicht des Rabbinats stehenden, strenggläubigen Schächter geschlachtet werden, empfiehlt billigst die Geflügelmästerei-Genofienschast ju punitz, e. G. m. b. h. Landeshuter Leinen- und GebiJd- Weberei F. V. 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