Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-21 · Heft 12 (21.3.1913) · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229082--69301-3281595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

W? HM K K ' .._. . J44 -1— ’ .'■• fe — M a x i o netten der Liebe,, Roman von Georg Katz^ C. Ä. Schwetschke und Sohn, Berlin 57. ' .' Warum mir dieser Roman zugeschickt worden, ist mir nicht recht klar. Der Verfasser, der mich schon um eine Besprechung gemahnt hat, ist vermutlich ein deutscher Schriftsteller jüdischen Glaubens, aber, wenn er meint, ebenso wie seine Genossen, daß ich imstande bin, alle belletristischen Werke, die von Juden herrühren, zu besprechen/, so irrt er sich. Wenn ich bei diesem Werke eine Ausnahme mache, so geschieht es, weil ich den Verfasser für talentvoll halte. Sein Roman ist gut geschrieben, spannend -und folgerichtig erzählt. Es sind Liebesverhältnisse des Herrn Kurt Dorner, Mediziners und Schriftstellers, der ziemlich skrupellos Mädchenblüten knickt; nicht etwa nur leichte Dirnen, sondern hervorragend schöne, künstlerisch beanlagte Frauen. Schließlich geht er zu Grunde, da er, als Zeuge in einem Ehescheidungsprozeß -vorgeladen, die Harmlosigkeit seiner Beziehungen zu einer in Scheidung liegenden Frau beschwört, während das Dienstmädchen die Intimität dieser selben Beziehungen erhärtet. Die Frau selbst tötet sich, er gesteht seinen Meineid, erleidet die ihm zudiktierte Zuchthausstrafe, rafft sich aber wieder aus, da eines der Mädchen, das ihn wirklich liebt, und dem er bisher fern gestanden hat, ihn zu sich nimmt. Dieser Schluß ist zwar im höchsten Grade unwahrscheinlich, denn es ist doch schwerlich anzunehmen, daß die seine junge Dame die Absicht habe, mit Bewilligung ihrer vornehmen Eltern sich mit einem Manne zu verbinden, der im Zuchthaus gesessen; aber sonst ist der ganze Roman, so wenig erfreulich er. manchem erscheinen mag, ein gut gezeichnetes Bild wirklichen Lebens. Jüdisch freilich ist in diesem Werke absolut nichts. Helden und Heldinnen sind sämtlich Christen, höchstens kommen in einer Gesellschaft einige Karrikaturen von Juden oder getauften Juden vor und der Hauptheld wird in seiner feudalen Studentenkorporation von einem adligen Genossen verdächtigt, die Hand zur Aufnahme von Nichtariern zu bieten. Vielleicht beschert uns der Verfasser mit seiner glücklichen Erfindungsgabe und angenehmen Darstellungsweise einmal ein erfreulicheres Bild, und zwar ein solches, das sich aus jüdische Verhältnisse bezieht. L. G. — Fünfzig Jahr e Erinn ernngen aus Amt und Lebe u. Skizzen von Bernhard I a c o b s o h n. Im Selbstverläge des Verfassers. Druck von O. Wolfs. Berlin-Friedenau 1912. Es ist ein schlichtes Buch, in dem ein Alter von seinem einfachen Leben berichtet. Es ist dem Andenken von A. Horwitz gewidmet, handelt aber keineswegs ausschließlich über ihn, sondern gibt eine Chronik der Ereignisse des letzten halben Jahrhunderts, meist aus dem jüdischen Leben, denen der -Verfasser meist -als Zuschauer oder Zuhörer beiwohnte. Am interessantesten sind die Jugenderlebnisse des Autors und die Schilderungen über Horwitz und seine Mitarbeiter. Aber auch die eigenen Erlebnisse des Berichterstatters als Lehrer in Mürkisch-Friedland, Magdeburg, Dortmund, Leipzig enthalten manches Lesenswerte, wenn es sich auch schließlich um kleine Kreise und nicht allzu merkwürdige Ereignisse handelt. Von allgemeinerem Interesse sind die Abschnitte „Ein jüdisches Begräbnis auf einem christlichen Friedhof" und „Eine jüdische Ehescheidung im Zuchthaus". Der Verfasser plaudert behaglich, ohne Selbstüberhebung, und weiß das, was er erlebt hat, auch anderen mundgerecht zu machen.. L. G. Die j ü d i s ch e n Kolonien Pal ü st i n a s. Von Iesaias Preß. Mit einer Karte? Leipzig, I. C. Hinrichssche Buchhandlung. 1912. . Das Heft gibt eine Uebersicht der 38 Kolonien, von denen die älteste aus dem Jahre 1870, die jüngste aus dem Jahre 1900 stammt. Die Seelenzahl der Kolonien ist sehr verschieden, sie wechselt von acht bis einigen hunderte Bei einzelnen wird nur angegeben: „Arbeiter" ohne bestimmte Anzahl. Eine wirklich volkreiche ist die 1879 gegründete Kolonie Petäch Tikweh, die 2050 Seelen zählt und ein sehr großes Gebiet umfaßt; andere Kolonien, die das Areal der genannten, wenn auch nicht vollkommen erreichen, so doch ihr nahekommen, sind lange nicht so bevölkert. Der Verfasser preist das Kolonialwerk sehr; aus seiner Darstellung möge nur ein einziger Satz hervorgehvben werden, um die Ansicht des Verfassers deutlich werden zu lassen; er lautet: „Wirft man einen Rückblick aus die jüdische Kolonisationstütigkeit in Palästina während der letzten drei Jahrzehnte, so muß man rückhaltlos anerkennen, daß sie sowohl in kultureller wie in wirtschaftlicher Beziehung von höchster Bedeutung für das Land und dessen Bewohner geworden ist. In den verschiedenen Teilen des Landes, von Dan bis. Beerseba/haben sich Juden, wenn auch nicht in allzugroßer Anzahl, so' doch alle mit dem Wen Willen niedergelassen, sich selber und dem .Ländezum Segen'/zu Hereicheln Pioniere des-Fortschritts, brachten sie persönliche Intelligenz und zum Teil auch gute moderne Bildung mit, und, unterstützt durch' reiche Mittel, verwandelten sie wüste Sandstrecken in blühende Gärten, öde Ebenen in wogende Getreidefelder'und steinige Hügel in fruchttragende Weingärten." ' ' L. G. HMchsaal. Die „Breslauer Zeitung" frischt aus vergilbten Blättern die Erinnerung an die freiwilligen Liebesgaben, die im Völkerfrühling 1813 aus dem Altar des Vaterlandes dargebracht wurden, auf. Die Opserwilligkeit der Juden bekunden die Berichte: I. Von der jüdischen Gemeinde zu Zülz 86 Taler. II. Die Gesellschaft der FreundeJ, deren Mitglieder größtenteils alttestamentarischen Glaubens sind, hat in ihrer Mitte zum Behuf der Bewaffnung freiwilliger Vaterlandsverteidiger eine Summe von 863 Talern 21 Groschen gesammelt und abgegeben. . Breslau, März 1913. . Regina Neißer. . Kroll ach, 12. März 1913. R i ch t l i ni ell st r e i t in einer K l e i n g e m ei n de. Die hiesige Gemeinde, aus zirka 16 Familien bestehend, untersteht' dem bayrischen Distriktsrabbiner Dr. Goitein-Burgkundstadt, der auch die bekannte orthodoxe Gegenerklärung unterzeichnet hat. In der gestrigen Generalversammlung wurde nun einstimmig beschlossen, dem Distriksrabbinate Burgkundstadt folgende Entschließung zu übermitteln:' a) Innerhalb des deutschen Judentums bestehen die verschiedensten Anschauungen und Richtungen, die durch das Band der jüdischen Gemeinde zu einer Einheit geschlossen sind, einer unverbrüchlichen Einheit, die dllrch k ei n er l e i . Erklärungen erschüttert werden darf. d) Keine Richtung im Judentum sollte einer anderen die Zugehörigkeit zur religiösen Gemeinschaft absprechen. e) Die bayrischen Rabbiner sollten sich um so mehr bemühen, den bestehenden Zwiespalt im Judentum zu beseitigen, als im bayerischen Landtag die Revision des Judenedikts bevorsteht. Der Z e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schreibt uns: Es wird uns mitgeteilt, daß der Deutsche Schillerbund zur Veranstaltung regelmäßiger nationaler Festspiele'für die deutsche Jugend am Weimarischen Hostheater in den letzten Tagen an sämtliche höheren Schulen Zirkulare versendet, in welchen er zur Beteiligung einer sogenannten Bücherlotterie ausfordert, deren Einnahme den Grundstock des Vermögens für den „Schillerbund" bilden soll. Vater der Idee ist der bekannte antisemitische Literaturprofessor Adolf Bartels, der, wie aus dem Bücherverzeichnis hervorgeht, auf diese Weise den Versuch macht, seine und ander« antisemitische Schriften in die deutsche Jugend zu verpflanzen. Es ist nämlich in dem Verzeichnis eine ganze Anzahl antisemitischer Schriften gefährlichsten Inhalts aufgesührt, so Einhart: „Deutsche Geschichte", Bartels: „Deutsche Literaturgeschichte", „Einführung in die Weltliteratur", Böckel: „Die deutsche Volkssage". Diese Bücher sollen in 100 respektive 500 Exemplaren verlost werden. Charakteristisch ist die Weglassung von Heine in der Klassikerbibliothek. Es wäre dringend angebracht,, daß.Schüler und Schülerinnen über den Charakter der Lotterie aufgeklärt und veranlaßt werden, sich nicht, daran zu beteiligen. Lriekkaltm der LeLsktiml. Der Artikel „Die. Verhältnisse der kurhessischen Juden" in Nr. 10 dieses Jahrganges scheint aus falschen Voraussetzungen zu beruhen. Wir behalten uns vor, in einer der nächsten Nummern auf dieses Thema zürückzukommen. *) in Breslau.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.