Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-21 · Heft 12 (21.3.1913) · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 137 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229082--69294-3281588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

mm — i37 --i ' Kultur -des Geistes und -des Herzens. Die rein ethische, inner- - liche Auffassung der Frömmigkeit war im Judentum nicht neu. Sie hatte hier von jeher ihre Verkünder und auch ihre Praktischen Vertreter. Aber.als ein streng systematisches, das heißt als ein aus dtt konstitutiven Idee des Judentums methodisch ‘ hergelertetes Ganze einer Moralphilosophie wurde sie zuerst von Bachja dargestellt. Darauf beruht nicht nur das geschichtlich Epochemachende seines Werkes, sondern zum Teil auch die Wirkung, die es iahrhundertelang in der Judenheit ausübte. Die Systematik und die philosophische Methode Bachjas, seine zahlreichen begrifflichen Schematisierungen und Distinktionen find gewiß nicht gerade das, was einen modernen Leser der „Herzenspflichten" anzieht. Uns ergreifen in diesem Buche mehr neben dem Geist tiefer Religiosität und Lebensheiligung die hervorleuchtenden Eigenschaften seines Autors: die Züge einer animaeanckicka, der - unbestechliche Wahrheitssinn, der tiefe Ernst, die rückhaltlose Hingabe an die erkannte und erst nach langem Zögern von ihm ergriffene Aufgabe . . . Aber wir dürfen darum doch nicht den Wert und die Bedeutung der philosophischen Methode und Systematik dieses edlen Werkes - unterschätzen. Sie war nicht nur zeitgenössisch mehr oder weniger bedingt und sachlich notwendig, sondern auch für dessen Verbreitung und Erhaltung ein sehr wirksames Moment. Die jüdische Literatur des Mittelalters besitzt eine große Zahl von Moralwerken, die an Reinheit und Hoheit ihrer Lehren den „Herzenspflichten" Bachjas nicht nachstehen. Für Pen Zeitraum von 1050 bis 1490 zahlt Z u n z 30 Erklärung -es Faksimile. Letztes Blatt der txfvrder Handschrift mit dem Datum ihrer Vollendung oder der ihrer Vorlage (1191 n. Chr.).. Links unten und quer rechts die Namen von früheren Besitzern der Handschrift: Meborakh den Abraham bzw. Mänsur ben Muzaffar. Rechts nuten eine Umrechnung der dreifachen Aera des Datums und ein Hinweis auf David Gans .von dem berühmten Oxforder Orientalisten des 17. Jahrhunderts Edward Pocoek, dem Herausgeber der „Porta Mosis". solcher Werke auf?) Aber keines erreichte auch nur annähernd die Verbreitung des BachjascheN Werkes. Das ist gewiß kein Zufall. Die philosophische Methode, das feste Gefüge des Aufbaues, die innere systematische Einheit, durch die es sich vor ' jenen in Deutschland und Frankreich entstandenen, Schriften auszeichnet, haben gewiß nicht geringen Anteil an diefeln Erfolg .'.. Bis in das letzte Jahrhundert hinein gehörte es zu den angesehensten, gelesensten und verbreitetsten religiösethischen Schriften des Judentums. Zeugnis davon sind u. a. die zahlreichen Ausgaben und Neudrucke der Tibbonschen hebräischen Uebersetzung, die allein das Original vertrat, sowie die vielen aus ihr geflossenen Uebertragungen in europäische Sprachen. Ins Deutsche wurden sie im letzten Jahrhundert dreimal übersetzt: Noch vor vier bis fünf Jahrzehnten haben nicht nur Rabbiner und Prediger die „Herzenspflichten" Bachjas sehr oft zur Grundlage von volkstümlichen Lehrvorträgen gemacht, wenn sie nach alter Sitte vor dem täglichen Abendgebet, besonders in der „Omerzeit" (Zebra), einen religiösen Text erklärten, sondern auch gebildete Laien lasen fleißig Und regelmäßig ihren Bachjü, ihren „Choboth ha Lebabotli". Dieses geschieht nun in unserer Zeit nur noch sehr selten, weil der Geist dieses Buches, die Pflege des persönlichen religiös-ethische Seelsorge, uns als religiös es Etho % Lebens, , die persönliche fremd, geworden ist. Frömmigkeit -1) Zunz, Zur ^Geschichte und Literatur, Berlin 1845, < Gesammelte Schriften, Bd. I, Berlin 1875, S. 60 ff. 122 ff. und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.