Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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77. Jahrgang Nr. II Berlin, 14. März 1913 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Zudentumß". lksrrelpondkn?m und Kachrichten. Drutschlauti. 22 Berlin, 11. März. Die Wohltätigkeitszentrale d e r B e r l i n e r Kauf m a n n s ch a f t (Geschäftsstelle: Flottwellstraße 4) hielt in diesen Tagen die diesjährige Mitg lieber vers a m m l u n g unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn Heinrich Grün selb, ab. Der Geschäftsbericht über das Jahr 1912, den die Geschäftsführerin erstattete, gibt wieder von einer umfangreichen Tätigkeit der Geschäftsstelle Kenntnis. Es sind zirka 2000 Gesuche, die mit der Bitte um Beihilfen von Vereinen, Anstalten usw. an die der Wohltätigkeitszentrale angeschlossenen Firmen gerichtet waren, bearbeitet worden, von denen nahezu die Hälfte durch die Firmen berücksichtigt worden ist. Beachtenswert ist noch, daß nach der Statistik der Anteil der Gesuche um Tombola- und B a s a r g e g e n st ä n d e, die satzungsgemäß abgelehnt werden, 2 5 Prozent betrug, während er im Vorjahr 33)4 Prozent sämtlicher Gesuche ausmachte, ein Beweis dafür, daß es dem Einfluß der Wohltätigkeitszentrale schon in dieser kurzen Zeit ihres Bestehens gelungen ist, die Inanspruchnahme der Kaufmannschaft zur Ermöglichung von Festen und Basaren herabzumindern. Die Wohltätigkeitszentrale .hat aber nicht n u r übe r die Wünsche der Wohltätigkeitsvereine mit den Firmen verhandelt, sondern auch den Vereinen s elLst Vorschläge für Reformen bei der M i t t e l b e s ch af s u n g unterbreitet. Das Interesse der Mitglieder wurde für die B e st r e b n n g e n der Wohls ä h r t s p f Le g c ferner zu erwecken gesucht durch eine Anzahl von R undschreibe w, in denen unter anderem vor Institutionen gewarnt wurde, die insbesondere die Kaufmannschaft anszunutzen versuchen und dadurch anderen wertvollen Organisationen die Mittel entziehen, in anderen Fällen aus wichtige Sammlungen aufmerksam gemacht wurde usw. Der A u f k l ä r u n g weiterer Kreise über die Ziele und Absichten der Wohltätigkeitszenträle diente der stark besuchte Vortragsabend im November 1912, an dem Dr. R. v. E r d b e r g, - I u st i z r a t B. Breslauer und Dr. F. K ö t h n e r in Firma I. F. S chwarzlose S ö h n e über „Wohltätigkeit und kaufmännische Grundsätze" sprachen. Lebhaftes Interesse erweckten in der Versannnlüng die von Herrn Oscar Heimann in Firma R. M. Maaßen G. in. b. H. vorgetragenen „Gedanken eines Detailleurs über di e W oh ltät igk eitsz en tr ale". Er wies daraus hin, wie die in Berlin in reichem Maße geübte Wohltätigkeit doch durch Mangel an System in ihrer Wirkung eingeschränkt werde. Es sei vielfach ein Wohltätigkeit s s p o r t. entstanden, unter dem insbesondere die Detaillisten stark zu leiden hätten, da die Wohltätigkeit der anderen vielfach auf ihre Kosten gehe. Das Beklage n swerteste an dieser Methode sei, daß die Spenden der Kaufmannschaft.nur zu einem geringen Teile den Bedürftigen wirklich und u n - g e s ch m ä l e r t zugute ko m m e n. In der Diskussion, an der sich unter anderen die Herren Dr. I a in e s S i m o n, Kommerzienrat Siegmund Pincns, Dr. Pollak vom „Eharitasverbaud", Dr. Albert Lev y, Vorsitzender der „Zentrale für private Fürsorge", und Generalsekretär Dr. Leon Zeitlin beteiligten, wurde n a ch d r ü ck l i ch st betont, daß die Auffassung, die Wohltätigkeitszentrale wolle die Kaufmannschaft von Spenden sür wohltätige Z w e ck e e n t l a ft e n, entschieden z u r ü ck z u w e i s e n s e i, gleichviel, ob sie von Wohltätigkeitsvereinen oder etwa von einer einzelnen Firma ausgehe. Die Wohltätigkeitszentrale wünsche eine bessere Verteilung und habe eh er die Tendenz, die Anstrengungen der K au fMannschaft zu er höh en, was sie unter anderem zum Beispiel durch die ausführlichen Berichte über die Gesuche zu erreichen sucht. — Für den weiteren Ausbau der Arbeit wurden mancherlei Anregungen gegeben, und vor allem wurde die Wohltätigkeitszentrale beauftragt, ihre, Vereinheitlichung und Resormversuche, zumal bei den Weihnachtsbescherungen, fortzusetzen. y. Berlin, 11. März. Im Marmorsaale des Zoologischen Gartens fand am letzten Sonntag die f ü n fu n dzw an zi gj ä h r i g e Jubelfeier d e s F r a u e n v e r ei ns der Berliner Logen U. O. B. B. statt. Es mochten reichlich 2000 Personen an dieser Feier teilgenommen haben. Eine ganze Reihe auswärtiger Logensrauenvereine und sonstiger Frauenvereinigungen hatten Delegierte entsandt. Nach dem Vortrage eines Chorgesanges und Solovortrags der Frau W e i n b a u m hielt Rabbiner Dr. Eschelbacher eine gedankenreiche und eindrucksvolle Weiherede, worauf Herr Geyeimrat Dr. Nt a - r e tz k y die Anwesenden namens der Großloge herzlichst begrüßte. Sodann gab die Vorsitzende Frau Nt i n n a Schwarz ein hochinteressantes Bild der Entwickelung und der umfangreichen Tätigkeit des Vereins, die sich auf fast alle Gebiete der Humanitären Frauenarbeit erstreckt. Der aus kleinen Anfängen allmählich emporgewachsene Verein hat in den 25 Jahren seiner überaus segensreichen Tätigkeit insgesamt 79626 Mark verausgabt. Seine Mitgliederzayl beläuft sich heute auf zirka 2800. Eine seiner letzten sozialen Taten ist die Gründung des Mütterheims in der Brunnenstraße 41, das am 1. Februar dieses Jahres seine Pforten geöffnet hat. Um die Mittel für den erforderlichen Ausbau auszubringen, hat der Verein vierprozentige Obligationen ä 200 Mark ausgegeben, und es stellt der Erkenntnis der sozialen Bedeutung des neuen Heimes seitens unserer Glaubensgenossen und Glaubensgenossinnen das denkbar beste Zeugnis aus, daß bereits heute aus diesem Wege 70 000 Mark gezeichnet sind. Dann hielt Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher eine Ansprache, in der sie den beiden Vorstandsdamen Frau Schwarz und Frau Neuseld den Dank für ihre aufopfernde Tätigkeit zum Ausdruck brachte. Zugleich überreichte sie der ersten Vorsitzenden, Frau Schwarz, einen größeren Betrag zur freien Verfügung für .Wohlfahrtszwecke. Die zweite Vorsitzende soll in der Weise geehrt werden, daß das Mütterheim nach ihrem Namen benannt wird. Die beiden Damen dankten für diese Ehrung, worauf Herr Kommerzienrat M a x i m i l i a n S t e i n in feinsinniger Rede die großen Verdienste des Frauenvereins der Berliner Logen und deren Mitarbeit mit der Loge rühmte und zugleich den Dank der Großloge dem Verein übermittelte. Namens der drei Berliner Logen brachte Herr Joseph Hirsch die besten Glückwünsche und Grüße. Dann folgte die Beglückwünschung seitens des Herrn Emil Cohn namens des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes". . Herr Alfons Levh gratulierte namens des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr Louis I o n a s für den Arbeitsnachweis, Frau Jordan für den Israelitischen Frauenunterstützungsverein, für den Verein Gwul Tauw Frau Becker, für den Luisenstädtischen Frauenverein Frau Bergm a n n, für den Verein Nächstenliebe Frau G r a e tz e r , für den Frauenverein der Lessingloge Frau G l a ß - Breslau, für den Logenverein Amicitin-Posen Frau L ei ch t e n t r i t t, für den Jüdischnationalen Frauenverein Frau Hillel, für den Frauenverein der Zionloge in Hannover Frau Direktor Silberberg, für den Frauenverein der Germanialoge in Halle a. S. Frau Dr. Oppenheime r. Ferner gratulierten der Verein Frauenwohl, der Frauenverein Mathilde Karo und andere. Am Abend fand dann ein Festessen im neuen Logenhaus in der Kleiststraße statt, das einen ungemein glänzenden Verlaus nahm, wobei es an einer ganzen Reihe ernster und launiger Toaste nicht fehlte. 22 Berlin, 11. März. Der Verei n f ür Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Berlin II, Monbijouplatz 10, hielt am 26. v. M. unter zahlreicher Beteiligung seine 18. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Ginsberg, verbreitete sich in seinem Jahresrückblick über die Zwecke und Ziele des Vereins, die in dem unentgeltlichen Nachweis von Arbeit und Verdienst an bedürftige und arbeitslose Glaubensgenossen gipfeln. „Unter den 370.1 Bewerbern, die im Berichtsjahre durch Vermittlung des Vereins zu einer Stellung, gekommen sind, befinden sich 236 Petenten, denen, ihren Anschauungen entsprechend, eine Position mit Sabbatheiligung verschafft werden konnte. Diese Zahl charakterisiert deutlich/ wieviel Kleinarbeit und Initiative nötig gewesen ist, um individuellen Wünschen gerecht zu