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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-14 · Heft 11 (14.3.1913) · p. Seite 125

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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.. — 125 ——- der Vermischung mit anderen Völkern von diesen stets.viel weniger angenommen, als gegeben hat. Wo auch immer die semitische Nasse sich ausbreitete, hat sie nach ihrem Bilde und ihrer Art die Völker, mit denen sie sich vereinigte, geformt, hat ihre Sprache, ihre Sitten und ihren Glauben ausgenötigt; und wenn sie sehr viele geistige Erzeugnisse anderer Rassen und Nationen annahm, so formte sie dieselben um, um sie ihrem Geiste anzupassen: Sie semitisierte sie. Wohin auch immer diese Rasse ihren Fuß setzte, selbst als unterworfenes Volk, — kein anderes Volk hat sie zu überwältigen oder aufzusaugen vermocht; im unblutigen Kampfe des Einflusses hat sie stets triumphiert; ihr ethnischer Typus und die erhabensten Erzeugnisse ihres Genies haben stets jedwede Oberherrschaft durch eine triumphierende Widerstandsfähigkeit, welche unser höchstes Erstaunen erweckt, überlebt. So sehen wir, wie die über die ganze Welt verbreitete israelitische. Rasse treue Anhänglichkeit an ihre Ueberlieferungen und eine ethnische Physiognomie bewahrt, die sie trotz tausend und abertausend Kreuzungen noch unmittelbar erkennen läßt." Diese Worte sind von einem Manne geschrieben/) der aus mehrfachen Gründen Gelegenheit gehabt hat und noch hat, sich mit der Vergangenheit und Gegenwart der Juden, eingehend zu befchäftigen. Fürst Leone Caetani, dessen Familie der Papst Bonifaz VIII (1294—130Z) sowie viele andere hohe Würdenträger der katholischen Kirche entsprossen sind, ist bei Ausarbeitung seiner „Annalen des Islams", eines grundlegenden Werkes von der Art, wie es sonst nur Akademien herauszugeben pflegen, naturgemäß auch auf die Behandlung des Verhältnisses der Araber zu den Israeliten geführt worden, kennt außerdem aber nicht minder die Verhältnisse der ältesten und zahlreichsten Judengemeinde Italiens, nämlich die seiner Vaterstadt Rom, aufs genaueste, weil die Lage seines väterlichen Palastes nahe am früheren Ghetto und der erleuchtete Sinn feiner Vorfahren bewirkte, daß sie das harte Geschick der Kinder Israels soweit zu mildern suchten, als es eben in päpstlicher Zeit, d. h. bis zum Jahre 1870, die damalige Negierung gestattete. Er selbst vertritt seit einigen Jahren im italienischen Parlament denjenigen Wahlkreis der Hauptstadt, in welchem sich die große neue Synagoge befindet und noch immer die meisten Juden wohnen, obwohl Las eigentliche Ghetto vor nunmehr .einem Vierteljahrhundert verschwunden ist. Und niemals wenden sich die Israeliten an den Deputierten Caetani vergebens, wenn es sich um den Schutz berechtigter Interessen handelt. Um nur ein Beispiel . aus jüngster Vergangenheit anzuführen, sei auf folgenden Fall hingewiesen: Er fetzte es im vergangenen Sommer beim zuständigen Ministerium durch, daß zwei jüdische Knaben, die, aus der Türkei vertrieben, bei ihrer Ankunft in Italien salesianischen Mönchen zur Erziehung übergeben waren, von diesen der jüdischen Gemeinde Veronas ausgeliefert werden mußten. Doppelt interessiert uns also, was dieser genaue Kenner der arabischen Sprache und Geschichte in seinem neuesten Werke, den „Orientalischen Studien", worin er die Ergebnisse seiner bisherigen Forschungen dem gebildeten Publikum zugänglich macht, über die Juden sagt, wenn es auch zum Teil mit den Ansichten anderer Gelehrten im Widerspruch stehen mag. Ihr Heimatland, sowie das der Amoriter und. Abessinier, wäre Westarabien. Unter allen Semiten ständen diese Westsemiten den Ursemiten am nächsten. Es wäre eben die .Urheimat aller Semiten nicht im Süden und Südwesten des Kaspischen Meeres oder in Babylonien, sondern in Arabien zu suchen. War doch dieses im 7. Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung nicht ein Wüstenland wie heute, sondern y Leone Caetani, Studi di itoria orientale, vol. I Aulano, Ulvico Hoepli, 1911. fruchtbar und . von Flüssen durchströmt! Alle seit dem Jahre 1879 von dem ebenfalls in Rom lebenden bedeutenden Orientalisten Jgnazio Guidi für den babylonischen Ursprung der Semiten geltend gemachten Gründe philologischer Natur werden von Caetani auf Arabien übertragen, welches in vorgeschichtlicher Zeit seiner physischen Gestaltung nach sowie in bezug auf Flora und Fauna von dem heutigen ganz verschieden war. Und im Zusammenhänge mit dieser' Hypothese findet er, im Gegensätze zu Delitzsch, das Eden der Bibel nicht am Euphrat und Tigris in der Gegend von Bagdad, sondern am Unterlauf des Euphrat, südlich von seiner Vereinigung mit drei aus Arabien kommenden Flüssen. Was die Identifizierung anderer Lokalitäten, die in der Bibel genannt werden, betrifft, so wäre Assur, nicht weit von der Grenze des ostjordanischen Palästinas, die Heimat der Assyver; Jareb, das Aribi der Keilschriften, die Heimat der Sabäer; und das Land Kusch eine Gegend Mittelarabiens, nicht Abessiniens. Der Sinai der Bibel wäre in Nordarabien und zwar im heutigen Midian zu suchen, die Erzählung von dem Aufenthalte der Juden in Aegypten könnte auf mißverständlicher Deutung des Namens Musran oder Musri für dieses Land anstatt für Midian beruhen, und die Erzählungen von Abraham, Isaak, Jakob sowie Joseph spielten nicht in Aegypten, sondern eben im nordarabischen Musran. Har wirklich eine arabische Königin Salomon besucht, so wäre ihre Heimat nicht, wie die Erzählung der Bibel lautet, Jemen, wo damals die Sabäer noch nicht eingewandert waren, gewesen, sondern die an das Land jenseit des Jordan grenzende Wüste. Alls diesem Irrtum der Bibel wäre ersichtlich, daß der Verfasser der Erzählung nach dem 7. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat. Was übrigens das Erscheinen der Juden im Lande Jemen betrifft, so wäre es falsch, dasselbe, wie gewöhnlich geschieht, erst mit der Zerstörung des Tempels durch Titus in Verbindung zu bringen. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach hatte der arabisch-sabäische Handel schon viel früher jüdische Kausleute, wie überhaupt in die großen Handelszentren, so auch dorthin gelockt, rrnd blühende jüdische Kolonien entstehen lassen. Bezüglich Palästinas schließt sich Caetani der Ansicht Halls an, wonach dieses Land vor den Semiten von der sogenannten Mittelmeer- oder libyschen Rasse, einer dunkelfarbigen Bevölkerung bewohnt gewesen wäre. Sie wäre durch die zunehmende Austrocknung ' Jnnerasrikas allmählich ' in das Küstenland Palästinas gedrängt worden, wie denn überhaupt die durch Austrocknung der Erdoberfläche im Laufe der Jahrtausende sich vollziehende Verschlechterung der klimatischen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen die Auswanderung der Völker aus dem Zentrum der Kontinente Asien und Afrika bewirkt hätte. Dies die Ursache des Herausdrängens der Juden aus dem Innern Arabiens durch die Aramäer. Erstere erscheinen zwischen 2000 und 1500 v. Chr. auf den Täfelchen von Tall-al-Amarna unter dem Namen Khabiru als kriegerische Nomaden, welche in das von Amoritern und Kanaanitern bewohnte palästinensische Land einzudringen suchen. Aehnlich den modernen Beduinen, waren die Juden jener Zeit als nomadisierende Barbaren von den seßhaften Völkerschaften gefürchtet. Die fortschreitende Austrocknung Palästinas durch Abnahme der Regenmenge, auch in historischer Zeit, wäre dann weiterhin die Ursache seiner Bevölkerungsabnahme und des Rückgangs des Ackerbaues gewesen. Dies zeige sich beim Vergleich der großen natürlichen Reichtümer des Gelobten Landes, von denen in den Büchern Moses die Rede ist, mit der Verödung des Landes, wie sie heutzutage vom Berge Nebo bis zu den Toren Jerusalems herrscht. War doch noch vor wenig mehr als einem Jahrhundert die Bevölkerung etwa zehnmal so zahlreich als heutzutage und fast ausschließlich' Ackerbau treibend! In dieser Art der'Beweis-

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