Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Da bei der Beratung behauptet wurde, daß mit dem Schächten Tierquälerei verbunden sei,, wurde in der. Kammer angeregt, einmal dem Schächten beizuwohnen. Der Rat der Stadt Dresden teilte jedoch der Deputation mit, daß ihr nicht die Befugnis zustehe, unmittelbar mit der Behörde zu verhandeln, daß dies vielmehr durch das Ministerium des Innern zu geschehen habe und daß infolgedessen der Rat nicht in der Lage sei, die angekündigte Schlichtung in Gegenwart der Deputation stattfinden zu lassen. Die Deputation wohnte hierauf einem Schächtungsvorgange in Halle a. S. .bei. Dieser Vorgang wurde in dem Artikel der „Volksstimme" in einer höhnischen die Regierung beleidigenden Weise wiedergegeben. Für den Artikel war preßgeseßlich der genannte Redakteur verantwortlich. Der Beklagte wurde wegen Beleidigung nach § 185 RStGB. zu einem Monat Gefängnis verurteilt. 22 München, 28. Februar. Die israelitische K u l t u s - g e m e i n d e veröffentlichte soeben den Verwaltungsbericht für das Jahr 1912. Wie aus demselben ersichtlich ist, zählte die Gemeinde am Jahresschluß 2600 steuerpflichtige Gemeindemitglieder. Die Zunnd. Abgänge im Laufe des Jahres glichen sich aus, so daß eine Zunahme nicht zu verzeichnen ist. Die Ausgaben der Gemeinde beliefen sich aus 227 00O Mark, die eingegangenen Kultusbeiträge bezifferten 140 000 Mark. Religionsunterricht an den städtischen Volksschulen erhielten 802 Schüler und Schülerinnen gegen 840 im Vorjahre; an städtischen und staatlichen Mittelschulen wurde 368 Schülern und 251 Schülerinnen der Religionsunterricht erteilt. Für die Krankenpflege ist durch die israelitische Abteilung im Krankenhause München- Schwabing aufs beste gesorgt. Die Beaufsichtigung der rituellen Küche wird durch die berufenen Organe ausgeübt. Todesfälle waren 152, und zwar 138 Erwachsene und 14 Kinder (gegen 146 im Vor-' jahre). In 128 Stiftungen verwaltete die Gemeinde Ende des Jahres 1912 ein Vermögen im Werte von 2 387 000 Mark. Die Waifenstistung, die der Gemeinde unterstellt ist, weist ein Kapital von einer halben Million Mark auf, woraus 12 000 Mark Erziehungsbeiträge an 51 Kinder gewährt wurden. Die rituelle Speiseanstalt, die ihr Bestehen einer Stiftung verdankt, verabreichte 44 500 Mahlzeiten, außer diesen wurden 20 000 Mahlzeiten ä 46 Pfennig pro Mahlzeit verabfolgt. Als Neuerung, bemerkt der Bericht, wurde beschlossen, daß ab 1913 eine Konfirmationsseier eingeführt werden soll. Diese soll in einer Ansprache des Rabbiners an die Konfirmanden bestehen, hierauf soll der Konfirmand ein Glaubensbekenntnis oblegen und zum Schluß ein Buch als Geschenk erhalten. Essen, 2. März. In dem Berichte über die Richtlinien - Versammlung in Essen in der Nr. 4 Ihrer Zeitung vom 24. Januar d. I.,-. die mir erst jetzt zu ' Gesicht kamwird mitgeteilt, daß ~ nur Herr Zahnarzt Ehrmann, Werden, von gegnerischer Seite gesprochen hätte, während alle übrigen Redner, darunter auch ich, für die Richtlinien eingetreten seien, (Das hat.unser Berichterstatter gar nicht behauptet. D. Red.) Ich sehe mich zu der Erklärung genötigt, daß der Bericht eine Unrichtigkeit enthält, indem sowohl Herr Rabbiner Dr. Cohn als auch ich einen entschieden ablehnend e n Standpunkt vertraten. H e i n r i ch A n e r b a ch. (\/)' Frankfurt a. M., 28. Februar. Auf dem Münchener Frauenstimmrechtskongreß im Oktober v. I. war u. a. eine Resolution gegen das Schächten gefaßt worden. Dazu erläßt jetzt der Vorstand des Verbandes für Frauenstimmrecht in dem Verbandsvrgan eine Erklärung, worin er fein Bedauern über die Beunruhigung der jüdischen Verbandsmitglieder durch jenen Beschluß ausspricht und erklärst: 1. daß der Verbandsvorstand die Schächtsrage als eine außerhalb der Aufgaben unserer Organisation liegende Frage betrachtet; 2. daß wir in Verfolgung der in der Verbandssatzung den Frauen aller Religionen gewährleisteten Neutralität selbstverständlich auch aus religiösem Gebiete die Ueberzeugung aller Mitglieder achten und immer achten werden; 3. daß der Verband als solcher an der vorliegenden Resolution nicht den geringsten Anteil hat, da er der Ver-' anstaltung und den Vorbereitungen des Münchener 'Kongresses vollkommen sernstand; 4. daß auch die bei dem Kongreß anwesende Vertreterin des Verbandsvorstandes, Frau Tr. Rosa Kemps, außerstande war, überhaupt wahrzunehmen, daß in der betreffenden Resolution irgendwelche Kränkung für das religiöse Empfinden der jüdischen Mitglieder enthalten sein könnte, da — wie inzwischen auch von der Kongreßleitung bekannt gegeben wurde — die Resolution nicht in ihrem vollen Wortlaut verlesen worden ist, und der schriftliche Text, der unter den Kongreßteilnehmern verteilt wurde, in der Mehrzahl der Exemplare einen Schreibfehler enthielt („Schlachten" statt „Schächten"). J. W. Gebwerler i. E., 28. Februar. Sämtliche französische Zeitungen brachten letzte Woche die Nachricht, daß der Aviatiker Pierre Gouguenheim, Pilot bei Farman in Etampes, einen neuen Weltrekord aufgestellt hat, indem er mit 4 Passagieren auf einem Farmandoppeldecker zuerst 740 Meter und 2 Tage später sogar 1120 Meter hoch gestiegen sei. Es dürfte interessieren, daß der kühne Flieger aus Hagenau stammt. Er ist wohl in Paris geboren, aber sein Vater, Herr Albert Gouguenheim, der vor etwa 5 Jahren starb, war Mitglied einer hochangesehenen, altansässigen Familie der Hagenauer Kultusgemeinde. Er.war Hopfenhändler und wunderte nach dem deutsch-französischen Krieg von hier nach Frankreich aus. Diese Notiz den antisemitischen deutschen Zeitungen ins Stammbuch, da sie schon oft behauptet haben, daß noch kein Jude den Mut gehabt habe, sich als Flieger zu betätigen. Uebrigens ist Herr Gouguenheim nicht der einzige jüdische Aviatiker in Frankreich. (Der Stammvater der Familie Gouguenheim in Hagenau war der Rabbiner Jakob Jeqil Gouguenheim, der eine Tochter des Landrabbiners Samuel Sanvil Weil ans Rappoltsweiler zur Frau hatte. D. R.) * tlgaclelmilcd-Pflginendoües'-silacgsrine vollkommenstep ^5^3 Butten-Ersatz*. Alleinige-Fabrikanten. Sana-Gesellschaft m. t>. h. Cleve. y Professor Burmas-Schüler erteilt Biolimmterricht in und außer dem Haufe. E. O. 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