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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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VH für jüdische Wohlfahrtspflege, C, Rosenstraße 2/4,, III, Montvgr Atittwoch, Freitag Z411— -61 Uhr, für .sonst unabkömmliche Berufstätige auch Sonntag 11—12 Uhr. y. 23erlitt, 4. März. Die Israelitische Fürsorgeerzieh u n g s a n st a l t für jüdische Mädchen, die vor nunmehr elf Jahren begründet und in die Räume des alten Mägdalenenstiftes zu Plötzensee gelegt war, ist vor die Notwendigkeit gestellt, die alten Räume, die an schweren baulichen Mängeln leiden, zu verlassen und sich nach einem neuen Heim umzusehen. Die Angelegenheit hat bereits seinerzeit die Oesfentlichkeit beschäftigt, und in einem Revisionsbericht der königlichen Regierung zu Potsdam ist darauf hingewiesen worden; daß die fernere Üeberweisung von Zöglingen davon abhängig gemacht wird, daß spätestens mit Ablauf des jetzigen Mietsverhältnisses, das heißt bis zum 1. April 1915, ein neues, den Ansprüchen der Hygiene und Feuersicherheit in jeder Beziehung entsprechendes Gebäude von der Anstalt bezogen wird. Der Deutsch- Israelitische Gemeindebund ist nun bereit, der Regierungsforderung nachzukommen und ein neues Haus, das für 40 Zöglinge Raum enthält, zu errichten. Wegen der unentgeltlichen Hergabe des Baugrundes schweben zurzeit Verhandlungen mit dem Berliner M a g i st r a t. Erfüllt sich die Hoffnung der unentgeltlichen Erlangung des Grund und Bodens, so werden immerhin die Kosten für den Neubau in Höhe von 120 000 bis 130 000 Mark noch auszubringen sein. Der Deutsch- Israelitische G e m e i n d e b u n d hat über seine Kräfte hinaus für diesen Zweck, wie wir erfahren, 25000 Mark zur Verfügung gestellt und sich nunmehr an die Großgemeinden mit der Bitte um Beiträge für diesen guten Zweck, der ja der gesamter: deutschen Judenheit zugute kommt, gewandt. Die erste Gemeinde, die Vieser Aufforderung gefolgt ist, ist die Berliner Gemeinde, sie hat denselben Betrag wie der Gemeindebund, nämlich 25 000 Mark für diesen Zweck bewilligt, und es steht zu hoffen, daß auch die anderen Großgemeinden zu Beiträgen bereit sein werden, um diese soziale jüdische Institution zu erhalten. A. L. Frankfurt a. O., 28. Februar. Die H u nid S r t j a h r s e i e r des Israelitischen F r ä u e n v e r e i n s rvurde am Freitag den 21. Februar durch einen Festgottesdienst in der Synagoge eingeleitet. In der Erinnerungsrede wies Rabbiner Dr. Salomonski vorauf hin, daß die große Zeit der Erhebung Preußens auch den Anstoß zur Gründung des Israelitischen Frauenvereins gegeben habe und daß es der Gemeinde eine besondere Freude sei, diese seltene Fei-er im Jahre der. Jubelfeiern begehen zu können. Er ermahnte den Verein, in seinen Werken der Liebe sortzufahren und den Rahmeii seines Schaffens noch zu erweitern. Der Redner gedachte dann rühmend der Frauen und Männer, die sich um den Frauenverein und damit auch um die. Gemeinde besonders verdient gemacht haben und schloß mit dem Wunsche, daß die Treue, die der Verein bisher der Gemeinde erwiesen, auch in Zukunft erhalten bleiben möge. Mit dem Kaisergebet schloß die gottesdienstliche Feier, die durch den Chor verschönt wurde. Am Sonnabendabend fand die Hundertjahrfeier ihre Fortsetzung und ihren Abschluß durch ein Wohltätigkeitsfest in: Kaisersaal. Nach Begrüßung der sehr zahlreichen Mitglieder und Gäste feierte der Gemeinderabbiner den hohen Schirmherr:: aller Wohltätigkeit, unseren Kaiser und.König und wandte sich dann der verdienten Vorsitzenden, Frau Helene Zielenziger zu, die. aus Anlaß ihres fünfundzwanzigjährigen Wirkens durch eine Dankadresse geehrt wurde. — Justizrat Jacobi sprach,don Dank der Gemeinde für die kostbaren Festspenden, einen Vorhang zur Bundeslade, Altar- und Kanzeldecke, aus und schloß mit herzlichen Wünschen für. die segensvolle Weiterarbeit des Vereins. Mn folgte eine glanzvoll verlaufene Soiree mit musikalischen und reizvollen Bühn-endarbietuugen. Besonderen Beifall, fand das graziös-liebenswürdige Lustspiel „Eine Doppelsitzung", von Dr. Salomonski, das eine Vereinssitzung im Jahre 1813 und 2013 vorsührte. Sehr gut gefiel auch ein Ballett „Biedermeiertanz". Die Ersrischungspause brachte den den: guten Zweck gewünschten Sturm aus das reichhaltige Büfett. Weitere Vorträge verschiedenster Art und der Tanz erhielten alle Teilnehmerin frohester Stiinmung und gebefreudiger Laune. Erst in vorgerückter Stunde trennte sich die große Festgesellschaft. Aus Anlaß des Jubelfestes sind dem Vorstande von vielen Seiten .und besonders von alten Freunden Beweise des Wohlwollens, ansehnliche Spenden und herzliche Glückwünsche zvgegnngen.. W. Aus der Provinz Posen, im Februar. Posen. Im Verein liberaler Juden sprach Herr Rabbiner Dr. F r enden thal aus Nürnberg über: „Die Richtlinien der liberalen Rabbiner und ihre Wirkung." Redner ging zunächst aus die Entstehung, den Inhalt und die Wirkung derselben ein.' Die Richtlinien sprechen das aus, was ' der religiöse Liberalismus im Judentum glaubt, festhält und festgehalten wissen will; sie bezeichnen einen gangbaren positiv-historischen Lebensweg und umfassen, . den: Zeitgeiste Rechnung tragend, alles das, was religiös wichtig und bedeutsam erscheint. Der dogmatische Zwang ist ausgeschaltet, weil solcher dem Wesen des prophetischen Judentums widerspricht. Die Richtlinien haben eine gewaltige Verbreitung gefunden und sind deshalb Gegenstand heftiger Debatten und Angriffe geworden. Sie sind aber nicht künstlich geschaffen, sondern ein notwendig aus der Zeit heraus entstandenes Kulturwerk. Die Rabbiner haben entsprechend dem positiven Zeitgeist in den: Programm einen positiven Charakter bekundet, wie ihn der Liberalismus noch nicht gehabt hat. Hinsichtlich der Gemeindeinstitutionen will der Liberalismus auch der orthodoxen Minderheit in der Gemeinde die Befriedigung ihres religiösen Bedürfnisses gewahrt wissen." — Die fortgesetzte Verbreitung der zu einen: Programm aufgestellten „Richtlinien" veranlaßt die Gegner hierorts in den nächsten Tagen eine große öffentliche Versammlung anzuberaumen, in der die Richtlinien und deren Wirkung aus Religion und Gemeinde beleuchtet werden sollen. — Der jüdische Mannergesangverein feierte in diesen Tagen das siebente Stiftungsfest. Eingeleitet wurde der Abend durch ein Konzert. Die vorgetragenen Männerchöre zeigten ein vorzügliches Stimmenmaterial und wurden unter Leitung des Dirigenten Musikdirektor Berggruen prächtig zu Gehör gebracht. Hedwig Berggruen-Kristeller sang eine Arie aus „Die Jüdin". Rechtsanwalt Behr hatte sich in liebenswürdiger Weise in den Dienst der Sache gestellt und trug seine Violinsoli vor. Oberkantor der Brüdergemeinde Lilienthal sang eine Komposition, er verfügt über einen umfangreichen, vorzüglich geschulten Bariton. — Der Israelitische Armen-Hilfsverein hielt seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorstand erstattete Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Danach betrugen die Beiträge der Vereinsmitglieder 5786.50 Mark, Inhalt der Sammelbüchsen 1066.52 Mark, Beihilfe der Synagogengemeinde 1600 Mark. Der Kassenbestand aus den: Jahre vorher war 596.37 Mark. Die laufenden Einnahmen sowie die Fonds ergäben die Summe von 20 984.50 Mark bzw. 18 900 Mark. Nach Abzug der Ausgaben war ein Bestand an barer Kasse von 1078,23 Mark zu verzeichnen. — Herr Stadtrat Arthur Kront h a l beging mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlaß wurden nnserm hochgeschätzten und beliebten Mitbürgerzahlreiche Ehrungen zuteil. Unter anderen erschien in der Wohnung des Jubilars eine Deputation der städtischen Körperschaften, bestehend aus Oberbürgermeister Dr. Wilns, Bürgermeister Künzer, mehreren Stadträten und Stadtverordneten, die dem jubilierenden Ehepaare ihre Glückwünsche darbrachten. — B u k. Die Mitgliederzahl der hiesigen Ortsgruppe des Flottenvereins ist bedeutend zurückgegangen, da vor einiger Zeit alle jüdischen Mitglieder, die sich durch Empfehlung eines antisemitischen. Buches als Bundesorgan „Die Flotte" verletzt fühlten, ausgetreten-sind. Ebenso hat Herr S p i e l d o ch, Lehrer an der hiesigen öffentlichen Volksschule, sein Amt als Vorstandsmitglied niedergelegt., — O st r o w o. Die jüdische Schulgemeinde wird im neuen Rechnungsjahr an Schulbeiträgen 30 Prozent der Einkommen-, Gewerbe- und Betriebssteuer und der halben Grund- und Gebäudesteuer erheben. Bei eineretwaigen Kommunalisierung der hiesigen Ortsschulen würden die jüdischen Steuerzahler unbedingt höhere Lasten zu tragen haben. <&> Schwerin (Mecklenburg), 28. Februar. Um das Andenken des verstorbenen langjährigen Landesrabbiners Dr. Feilchenseld zu ehren, wurde in der hiesigen Synagoge eine Marmortafel feierlich enthüllt. Die'Tafel trägt die Inschrift: Buch Daniel 12, Vers 3: Die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himnwls, und die welche Viele zur Gerechtigkeit führen, wie die Sterne immer und ewig. — Ihrem hochverehrten Landesrabbiner Dr. F. Feilchenseld die Gemeinde Schwerin 1913. (\/) Chemnitz, 28. Februar. Wegen B e l e i d i g u n g d e r sächsischen Regierung hatte sich vor der hiesigen Strafkammer der Redakteur der Chenmitzer „Volksstimme", Ernst Hermann S e y s a r t h , zu verantworten. An: 13. Dezember vergangenen Jahres hatte das genannte sozialdemokratische Organ einen Artikel gebracht, der die Ueberschrift trug: „Ein Schildbürgerstreich der sächsischen Regierung". Der Artikel beschäftigte sich mit den bekannten Verhandlungen der/Beschwerde und Petitionsdeputation der Zweiten Kammer über die Eingabe, betreffend das Schächtverbot.

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