Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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¥fi\ GesterrrLch-Nnssrn. Prag, 28. Februar. Am 17. Februar fand hier die Generalversammlung des Böhmischen R a b b i n e r v e r b a n d e s statt, zu der sich eine stattliche Anzahl jüngerer Mitglieder aus der Provinz und die alten Träger wohlklingender Namen aus Prag eingefunden hatten. Der Präsident,'Herr Professor Dr^ Kurrein-Teplitz, be- ' grüßte «die Versammlung und brachte ein begeistertes Hoch 'auf den Kaiser aus, in das die Anwesenden mit Jubel einstimmten. Dann erstattete er den Tätigkeitsbericht, zu dessen Beginn er dem verstorbenen Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfeld einen tiefempfundenen Nachruf widmete, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Nachdem auch noch der Perblicheyen Kollegen Blitz.-Laün und K ö n i g s b e r g e r - Weinberge in, pietätvollen Worten gedacht ,uud Herrn Dr. Arnold Rosenbach er für dessen sachwissensch östliche freundliche Unterstützung der Dank der Generalversammlung votiert worden war, hielt Herr .Dr. Schwartz-Prag seinen'angekündigten Vortrag über die Leviratsehe und die Taufe, der insornmtiven Charakter und ein streng wissenschaftliches Gepräge hatte und zu anregender Diskussion führte. Auch der folgende Vortrag des Herrn Dr. Stern- Saaz erntete viel Dank und Anerkennung und hatte eine sehr lebhafte Aussprache der Herren über die Stellung des Rabbiners zur Taufseuche unserer Zeit zur Folge. Dann berichtete der Kassenwart über Einnahmen und Ausgaben im abgelaufenen Vereinsjahre, worauf dem. Vorstande die Entlastung erteilt wurde. Ein weitaüsgrekfender Antrag des Herrn Dr. Frankfurter in' Lobositz wurde einer ad hoc eingesetzten Kommission ad referendum überwiesen. Um den schlecht dotierten Rabbinern vom Lande die Teilnahme an den wissenschaftlichen Darbietungen der alljährlich in Prag stattfindenden Generalversammlung zu ermöglichen, ohne ihr ärmliches Budget ernstlich zu bedrohen, wurden die finanziellen Reformpläne des Herrn Dr. Schwartz - Prag mit Freuden begrüßt. Endlich wurde die Wahl des Vorstandes vorgenommen, aus der hervorgingen: K u r r e i n Teplitz, S t e r n - Saaz, Kis ch - Prag, S ch w a r tz - Prag, B i ach - Brüx, Thie b e rger - Budweis, G o - linski-Pilsen. K. Budapest, 28. Februar.. Unter überaus großer Teilnahme wurde am 21. d. M. der vor einigen Tagen aus seiner Besitzung Nagy- Suranh plötzlich verstorbene Senior der Familie Hatwany-Deutsch, Baron Alexander H a t w a n Y - D e u t s ch, zu Grabe getragen. Mit Baron Alexander Hatwany-Deutsch, der lebenslängliches Mitglied, des ungarischen Magnatenhauses war und sich in den höchsten Kreisen des . größten Ansehens erfreute, ^ist die hervorragendste und märkänteste . Persönlichkeit, über welche.die ungarische Industrie verfügte, aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, 1882 in Arad 'geboren, betrat'die kaufmännische. Laufbahn und war in Budapest, Berlin. Und Wien in großen. Bankhäusern tätig. - Einige Jahre später, gründete er die . größte Zuckerfabrik Ungarns in Nagy-Surany, außerdem errichtete : er Zuckerfabriken in Sarvar, Hatwany und Oröszka und. beschäftigte mehr als 4000 Arbeiter. Im Jahre 1902 wurde Baron. Hatwany- Deutsch vom Monarchen zum lebenslänglichen Magnatenhausmitgliede ernannt/ Der Verblichene war -trotz der. hervorragenden Stellung, .die er einnahm, ein treuer Sohnseines. Stammes .und ein eifriges , Mitglied der Budapester Gemeinde, deren Institutionen ertatkräftig förderte und unterstützte. Groß und zahlreich find die Wohltätigkeitsakte, die er ins Leben rief. Man kann von ihm buchstäblich' sagen, daß kein würdiger Armer - in - der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie sich vergebens um Hilfe und Unterstützung an das' Haus Hatwany-Deutsch gewendet hätte. Der Heimgang dieses edlen Mannes . bedeutet daher einen unersetzlichen Verlust, für Ungarns Metropole und insbesondere für das ungarische Judentum., An seinem Leichenbegängnisse nahmen Vertreter der Regierung und aller Behörden teil, und Graf Andor Zichh, Abgeordneter Roland v. Hegedüs und Prokurist Willheim hielten dem Verblichenen warme Nachrufe. Baron Hatwany hinterläßt zwei Söhne, von welchen der eine Schriftsteller, der andere Maler ist, und eine Tochter, die mit Dr. A. Hirsch vermählt ist. Ein formelles Testament hat der Verblichene nicht hinterlassen, er hat jedoch über seinen Nachlaß bereits zu Lebzeiten Verfügungen getroffen. Lußrand. z. Warschau, 28. Februar. Der Petersburger Professor Boduin de Courtenh hielt dieser Tage hier einen polnischen Vortrag über die gegenwärtigen polnisch-jüdischen Beziehungen. Der Redner verurteilte den Boykott und bezeichnete chn als eine von den polnischen Antisemiten ausgegangene Judenhetze. Die zum größten Teil aus Juden bestehende Zuhörerschaft bereitete dem Redner eine Ovation. — Vor einigen Tagen.: hat hier ein Pistolenduell zwischen dem polnischen Advokaten Subowitsch und dem jüdischen Arzt Prager stattgesunden, die beide aus dem Kongreß des Vereins für polnische Kultur hartaneinander geraten waren. Beide Duellanten'sind nach dem Zweikamps' unverletzt geblieben. — Zehn polnische Aerzte haben der jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaft „Linas Hazedek" in Warschau einen Brief gesandt, .demzufolge sie sich' kate- Sammelbuch für Zeituiigaausscliiiitte Praktisch! Klebstoff bereits auf den Seiten angebracht. Grossquart 50 8. eleg. in Halbl. geb. M. 2. Hutlis Verlag« Charlottenburg 4. EmserWasser Hallbewährt bei. 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