Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Vrtlsge zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". 77. Jahrgang Nr. 10 Berlin, 7. März 1913 Sorrelpondenren und Kschrichtrn. Deutschland. ^Berlin, 4. März. Am vergangenen Sonntag fand hier die d dritte Mitgliederversammlung der deutschen Zentra >l sie l le f ü r j ü d i s ch e W >a n d e r a r m e n f ü r s o r g e unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Max Ginsberg in Stellvertretung^ des verhinderten Vorsitzenden Herrn Professor Philippson statt. Nach den einleitellden Begrüßungsworten erstattete der Generalsekretär Dr. Neumann j ein ergänzendes Referat zu dem gedruckt vorliege-nden Bericht, das .'j mit großem Beifall ausgenommen wurde. Ebenso nahm die sehr gut, auch aus Süddeutschland, Hessen, Bayern usiw. besuchte Versauunlung den Bericht des Schatzmeisters entgegen und erteilte die Decharge, nachdem bezüglich einiger Formalien Herr Senator Fischer-Hannover einige Wünsche vorgebracht hatte. Die Wahl des Vorstandes hatte das folgende Resultat: Erster Vorsitzender Pros. Philippson, stellvertretende Vorsitzende die Herren Dr. Max Ginsberg und Dr. B. Kahn, Schatzmeister Herr Julian M e i s >e l, .Schriftführer die Herren Dr. Abraham Hirsch- Halberstadt und Dr. Wilh. Neumann. Zu Revisoren wurden die Herren Öscar Tietz, Direktor L e s z y n s k h und Mandelbaum gewühlt. Eine sehr lange Debatte rief sodann ein Antrag hervor, der die möglichste Durchführung der Bestimmung des § 4 Absatz 1 der Satzung verlangte. Nach dieser Bestimmung des ■§ 4 sollen die Mitglieder sich verpflichten, eiu Fünftel ihres Etats für Wänderunterstützung an die Zentrale abzuführen. Während der Uebergangszeit war durch einen besonderen Beschluß seinerzeit der Leitung der . Zentrale eine gewisse Latitude gelassen, von der strikten Durchführung der Bestimmung des § 4 Ausnahmen Zugelassen. Schließlich wurde die folgende Resolution angenonnnen: >,Der Vorstand wird ermächtigt, dem Anträge leistungsschwacher Mitgliederkassen auf Ermäßigung bezw. Nachlaß des Beitrages nach eingehender Erwägung zu entsprechen, und ist verpflichtet, der Mitgliederversammlung Bericht zu erstatten. Ferner wurde folgender Antrag Fisch er-K ah n- Meisel als Instruktion für den Vorstand angenommen: „Vom ' 1. Januar 1913 ab sollen die für die erste Zeit festgesetzten Uebergangsbestimmungen, daß der Vorstand der einen oder anderen Kasse die Zahlung des vollen Fünftels erlassen kann, grundsätzlich außer Kraft gesetzt werden. In Zukunft muß streng daran festgehalten werden, daß jede Provinzialkasse, die sich auf Grund der Bestimmungen/der deutschen Zentralstelle organisiert resp. reorganisiert hat, das durch das Statut festgesetzte Fünstel unbedingt abführt.. Die Kassen, welche finanziell hierzu nicht stark genug sind oder die ein Defizit -Haben, müssen die Deckung dieses Defizits bei der deutschen Zentralstelle nachsuchen. Von den diesbezüglichen Anträgen sind die Provinzialkassen in den zu erstattenden Monatsberichten zu unterrichten, um ihnen Gelegenheit zu geben, zu diesen Anträgen Stellung zu nehmen. Die Genehmigung, daß eine Provinzialkaffe weniger als ein Fünstel zählt, und die Bewilligung eines Zuschusses an eine Kasse, die ein Defizit hat, wird vom Vorstand im Rahmen des Etats ausgesprochen, doch ist -der Vorstand verpflichtet, der. nächsten Generalversammlung eine ausführliche Begründung seiner Bewilligungen zu geben und die Genehmigung der-Generalversammlung für weitere Bewilligungen einzuholen." Sodann hielt Herr Senator Fis che r^Hannover ein sehr eingehendes Referat über Propaganda der Provinzialkassen (und Herr Chaim-Köln ein ebenso instruktives Referat über die Propaganda im Westen über die Grenze hinaus. Zum Schluß gelangten folgende Anträge zur Annahme: „1. Die Provinziakkasse Kassel beantragt, daß die deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmensürsorge eine Propaganda in den einzelnen Genreinden des Bezirkes der Provinzialkaffe Kassel zum Anschluß resp. Verbleiben bei - der Kasseler Provinzialkaffe durch! «einen Reifebeamten demnächst veranlassen wird. 2. Die Provinzialkaffe Kassel beantragt, daß von seiten der deutschen Zentralstelle aus Frankfurt a. M. mehr als bisher eingewirkt wird, sich unserer Organisation anzuschließen, mindestens aber in Zukunft die Wanderarmen von Frankfurt nach Kassel direkt zu senden." Erwähnt sei auch, daß von allen Seiten erneut in Erinnerung gebracht wurde, daß Wanderarme unter ' keinen Umständen so befördert werden sollen, daß sie etwa an den späten Vorabenden des Sabbats und der Festtage am Bestimmungsort anlangen. Es soll unter allen Umständen Vorsorge getroffen werden, daß Sabbat und Festtage nicht entweiht werden. ^2 Berlin, 4. März. Der""Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" hielt am 22. v. M. in seinen Leseräumen, Oranienburger Straße 58, bie 19: Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Max Ginsberg erösfnete die Sitzung und. richtete an die zahlreich erschienenen Mitglieder folgende beachtenswerte Ansprache: „Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek vertritt von jeher die Ueberzeugung, daß es ohne ein g e s i ch e r t e 8. W i s s e n nie eine g es i ch e r t e G e s i n n u n g geben kann. In dieser Gewißheit hat sie seit Beginn ihres Bestehens ihre unverrückbare Aufgabe zu erfüllen gesucht, und da wir jetzt von den Erfolgen unseres 18. Arbeitsjahres berichten,- können wir mit freudiger Genugtuung seststellen: Das Ziel war hoch und die Wege waren gut. Wir schufen breite, jedem bequeme Zugänge zum jüdischen Buch, zur Fülle der Tatsachen, die Lehre und Geschichte umfassen. Diese Literaturschätze werden in unserer Bibliothek andauernd vermehrt. Auch im Berichtsjahre haben unsere Bücherbestände, insbesondere dank den hochherzigen Zuwendungen der Herren Geheimrat Professor Ludwig Geiger und Oscar Ti etz, eine wertvolle Bereicherung um etwa 560 auf 8500 Bände erhalten, von denen im verflossenen Jahre ungefähr 50 Prozent ausgeliehen wurden. Einen bedeutenden Zuwachs hat unsere Büchersammlung in jüngster Zeit durch die Dr.-Gustav-K a r p e l e s - Bibliothek erfahren, für deren Ueberweisung wir der Witwe unseres unvergeßlichen Mitarbeiters den, wärmsten Dank zollen. Auch unsere Zeitschristenabteilung ist im Berichtsjahre erheblich vergrößert worden, so daß jetzt in den Leseräumen 98 jüdische Blätter in den verschiedensten Sprachen ständig ausliegen, die auch in reichem Maße benutzt wurden. Ich erwähne nur, daß im letzten Jahre eine Besuchsziffer von 31035 Personen sestgestellt werden konnte, ein überzeugender Beweis für das außerordentliche Bedürfnis, dem unser Werk entspricht. Mögen diesem Werke im begonnenen Jahre, neue Mithelfer erstehen und in weitere Kreise unserer Gemeinschaft die Erkenntnis dringen, daß jüdisches Wissen das jüdische Gewissen stark macht!" Nach diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen erstattete der Schatzmeister Herr Benas Levy den Kassenbericht, der in Einnahmen und Ausgaben mit 8000 Mark abschließt. Durch Vergleiche mit früheren Rech'nungsabschlüffen zeigte er, wie sich das Institut aus bescheidensten Anfängen zu seiner gegenwärtigen Bedeutung fortentwickelt hat. Herr Benas Levy dankte insbesondere der hochherzigen Gönnerin des Vereins, Frau Franziska Ginsberg, die für die Adolf-Ginsberg-Stistung wie alljährlich auch in diesem Jahre einen namhaften Betrag gestiftet hat, sowie dem Ehepaar Oscar Ti etz für seine materielle Hilfe. Auf Antrag der Revisionskommission erfolgte dann einstimmig die Entlastung für den um die Zwecke des Vereins hochverdienten Schatzmeister. Nach einer anregenden Debatte über den ferneren Ausbau des Instituts, an der sich die Herren Dr. Ginsberg, Dr. Zloeisti, Professor Mi ttw o ch', Professor Sch ä f e r, Rabbiner Dr. Stier, Heinrich-F r ä nkel, Gustav Sp iew ko wski, Benas Levy und Frl. Wormann beteiligten, erfolgten per Akklamation die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder sowie die Neuwahl des Herrn Georg Ti etz in den Verwaltungsausschuß. Berlin, 4. März. Ein letzthin im „Berliner Tageblatt" veröffentlichtes Jnseratdes Rabb in e r s G r ü n f e l d, in welchen! Privatpersonen um Unterstützung einer jüdischen Familie gebeten wurden, könnte zu irriger. Auffassung über die Berliner jüdischen Unterstützungseinrichtungen Anlaß geben. Selbstverständlich wäre in diesem Falle der-gegebene Weg gewesen, sich an die Städtische Armendirektion oder an die jüdische organisierte Wohltätigkeit zu. wenden, die bei Notstand stets in der Lage ist, einzugreifen. lieber' die für jüdische Hilfsbedürftige in Betracht kommenden Wohlfahrtseinrichtungen erteilt unentgeltlich Auskunft die Auskünftstelle des Verbandes