Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229069-3229079--69246-3281537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VST**: ÄH ■; - mittag zustnnmen. Herr Gerson Simon und nach ihm Justizräl - Cohn verweisen darauf, daß es ein Irrtum des Herrn Dr. Ginsberg sei, wenn er sagt, die Rabbiner-hatten sich in ihrer Mehrheit über - die . religionsgesetzliche.- Seite der Angelegenheit zustimmend geäußert, tatsächlich haben, sich vier Rabbiner, die Herren Dr. Weiße,- Dr. Esch elb ach er, Dr.' S t i er- und- Dr. R o.-s e.nz w e i-g, also genau die Hälfte, gegen die beantragte Aenderung ausgesprochen. Er bestreite nicht, daß jedes Mitglied der, Versammlung natürlich hier Wünsche Vorbringen und Anträgezu stellen befugt sei. Aber wenn'er es tut, soll er sich orientieren, ob dies auch den Wünschen seiner Wähler entspricht. Auch dürfe man-nicht vergessen, Paß man Vertreter der ganzen Gemeinde sei. - Wie man -eine-Kräftigung des Familienlebens' oder der Erziehung darin erblicken.-könne, wenn die Frauen statt auf der Empore unten getrennt von. ihrer Familie-sitzen,, verstehe er nicht/ Auf Antrag von - Justizrat- C o h n ist die Abstimmung einenamentliche. Für den- Antrag des- Ausschusses stimmen die Herren Louis S ach s, Professor -B l a s ch k e , Dr. Ginsb erg, Professor K a li s ch er, Emil Pineu s, S ch l o ch a u e r und'-H ah n. Dag egen die Herren-Dr. Ignatz C o-h n, Dr. H o l z, Willibald Loe w ent h a l, Dr. G u t t s man n, L.e w i ns k i, L ö w e n b e r g, Moritz Man heim er, Kommerzienrat Gerson S i m o n und ' S/W e i l e. - Der Antrag ist also m i,t:: 10 gegen 7 Stimmen gefallen: — Von der Vorlage, einen umfassenden Schülbericht erst zum April' 1914herauszugeben/ nimmt die- Versammlung Kenntnis, nachdem Herr Professor Blaschke einige Wünsche dazu geäußert hat. — Eine längere Debatte, an der sich die Herren Dr. ' Cohn, ’ Loewenthal, Lewinski und vom - Vorstandstifch. Herr Jüstizrat.- Breslauer beteiligen, knüpfte sich an die Vorlage betreffend Abänderung' des -Gemeindestatuts' hinsichtlich des- Versahreu s bei den Wahlen zUrRepräsentantenve r-s amml ung. In der gemischten Deputation istder ganze - Komplex von Fragen der Abänderung des Wahlrechts eingehend erörtert worden. Das P.rop or t-iönalwäh lr echt wurde mit d r ei g egen zwei Stimmen abgelehn t, aber der Vorsitzende der Kommission, derdagegen' stimmte, erklärte zugleich, daß diesfür ihn-keim Definitivum. fei, sondern erüeut geprüft werden solle/ wenn man in die schon - oben als unmittelbar - bevorstehend bezeichnet Generalrevision des. Gemeind'estatuts eintreten werde. Ebenso fanden auch die Frage der Verlegung der Wahll auf einen Sonntag sowie diejenige der .Vezirkswahl und der allgemeinen Wahl (auch der Nichtsteuer-- zahler, weil dies , gegen das Gesetz von 1847 verstoßen würde) keine Mehrheit. Dagegen sind zwei Aenderungen sofort angenommen worden,''einmalistVorsorge getroffen, .daß auch diejenigen Wähler, die ihren amtlichen Stimmzettelverloren oder verlegt habendennoch zur' Wahl zugelassen werden, indem Duplikate -auf Verlangen ausgestellt werden, die vom Gememdebureau noch am Tage der Wahl bis 12 Uhr mittags, aber auch vorher, erhältlich sind. Wer indessen das Duplikat erst am Tage der Mahl einfordert, ist .gehalten, -sein Wahlrecht in der Zeit von 4 Uhr bis 8-Uhr abends auszuüben und seine Stimme im Wahlbureau Oranienburger Straße 28/30 .abzugeben. Des -ferneren wurde beschlossen^ die Mahlzeit zu verlängern. Sie soll.vonvormittags. 10, Uhr. -bis-atzends 8 Uhr ausgedehnt, werden. Die-Vorlage fand einstimmige--Annahme, und. schon bei. den nächsten- Repräsentantenwählen Erden diese. Neuerungen voraus? sichtlich in Kraft treten. — Die.-Abänderung des Regulativs für das Verfahren bei der Revision der Kassen und des Depositoriums wurde angenommen. — Es folgte dann eine Reihe von Wahlen.- .Zur Vorberatung einer aus Anlaß - des, - 200jährigen, Bestehens, der Alten Synagoge zu veranstaltenden Feiersoll eine gemischte. Deputation, eingesetzt^ werden, m welche die Versammlung die Herren Geh.. Rat B l u m e n t h a l, , Kommerzienrat Gerson Simon, . Oscar Lö w enb e r g und Willibald Loewenthal. wählt. Zu Mitgliedern der. Verwaltungskommission werden die Herren .Adolf B a r u ch und Nathan S u ß m a n n /-zu Mitgliedern der Fürsorgekommission die Herren. Oberlehrer' Dr. ..Hermann,Cohn, Louis Jo n.a.s und Dr. Arnold C o h n , , zum .Mitglied der Armenkommi.ssion.unStelle, des Herrn Hugo Horrwitz Herr Adolf Jacob.ow.i.tz> zum Mitglied..der Durchreisendenkommission Herr Kaiserlicher Rat Jaques Wiltschek gewählt — Der provisorischen.Umgestaltung der Mädchenschule zu einer neunklassigen Mittelschule stimmt die Versammlung zu. .Bewilligt werden.: 500 Marl zur Anbringung von Schutzgittern aus . dem Friedhosin der Großen. Hamburger Straße und Erweiterung des Zugangs zum' Schulhof. Zur Veranstaltung von Hauptgottesdiensten an den hohen Festtagen werden .gemietet: der -- Festsaal/des-EtablisiementZ^/Deutscher Hof" in der Luckauer Straße, die Prachtsäle pes Westens und der Saal des Brüderv'ereins in der Kurfürstenstraß,es zur Abhaltung von Jugendgottesdiensten an den Festtagen der 'S aal des/Etablissements „Jndustriefestsäle" in der - Beuthstraße. und der Saab des „Schwarzen Adler" in Schöneberg. — Der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums -wer-' : den, wiederum 2500 Mark -Subvention, der Lehranstalt -für Wissenschaft des Judentums weiter, jährlich 12 000 Mark bewilligt. — Eine längere Debatte, an der.sich.die Herren Dr. Ginsberg^ Prof. Kalische.p und vom Vorstand Herr Sanitätsrat Dr. Feilchen-; f e l d ,unP^SystdÄuß''Hi'l i--e n.t h.a-l beteiligtes knüpfte sich an die Be- Befvifliguyg. 'erneS,'-'Beitrages.' für die"Zentralstelle für ' jüdische WsnderaVrneufürsör-ge. 7,' Die Kommission hatte die fernere Bewilligung eines Jahresbeitrages von 8000 Mark beantragt, der Vorstand aberauf Grund' einer' / gesprächsweisen Mitteilungd.es H'exxn.' 'Profeffor" Philippson/ den Betrag auf 3H00 Mark herabgesetzt. Die Versammlung gelängte zu dem Beschlüsse, unter Anerkennung der außerordentlich. segensreichen und erfolgreichen Tätigkeit der Zentralstelle wieder den bisherigen Beitrag' von - 5000 Mark zu bewilligen. — Dem Verband der deutschen Juden werden gleichfalls wiederum 7200 Mark bewilligt. — Zum Bau einer ■: Fürsorgeerziehungsanstalt für, schulentlassene jüdische Mädchen wird dem „D. I. G.-B." ein einmaliger Betrag von 25 000 Mark bewilligt, i Bekanntlich sind die Baulichkeiten der Anstalt in Plötzensee von der; Behörde beanstandet und die Notwendigkeit gegebeneinen eigenen Bau./ herzustellen. Hierauf wurde noch beschlossendaß am ■ 10b März, dem Tage der Hundertjahrfeier zur Erinnerung an die - Erhebung Preußens 1813, auch in den Synagogen, die vom Vorstände! zu bestimmen'sind, Festgottesdienste abgehalten werden sollen. In | denjenigen Synagogen,' in denen eine solche Festfeier nicht stattfindet, werden die Herren-Rabbiner schon am Sabbat vorher dieses freudigen Erinnerungstäges in 'ihrer Predigt gedenken. Damit schloß : die öffentliche Sitzung/ der noch eine geheime von längerer Dauer - folgte. - / //'. 2XD Berlin, 25. Februar. Bekanntlich stehen- 'die Religions- - schulen der jüdischen Gemeinde unter der'Direktion unserer Gemeinde-'- rabbiner. Nun ist vor nicht zu langer Zeit, wie seinerzeit berichtet, seitens der Gemeindekörperschasten der Beschluß; gefaßtwördett, die- Stelle eines S ch u l i n s P e k t o r s der Gemeinde-zu schaffen und diesen Posten mit einer hervorragenden Persönlichkeit, die aber noch erst zu finden ist, zu besetzen. Die Aufgabe dieses Schulinspektors soll es natürlich sein, sämtliche-Religionsschulen der jüdischen Gemeinde zu inspizieren. Es ist seinerzeit von Herrn Professor Türk in der Repräsentantensitzüng darauf hingewiesen worden, daß es außer- - ordentlichen Taktes des Schülinspektors bedürfen würde, um die; Schwierigkeiten der Stellung als Aussichtsbeamter von Religioitsschulen zu erfüllen, die unter Leitung von Gemeinderäbbinern stehen. - Wie wir . nun erfahren, haben diejenig.enGemeinde--! rabbiner Berlins, die an der Spitze von Religionsschulen ■ stehen, a u s n ah ms los eine E r k lä r u n g u nt er z ei ch n e t,! in der sie den Gemeindebehörden Mitteilen, daß sie ih re Aem ter als .Schulle i t e r sofort ni ed er l eg eit w e rd en, sobald das Schülinspektorat feine Funktion ausnimmt und ihre- Anstaltenseiner Kompetenz unterstellt werden.; A. F. Berlin, 25. Februar. Im Verein für jüdische Geschichte und! Literatur sprach am20. d. M. Herr Oberrabbiner Dr. M.'H offm-an n- Emden über das Thema „Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden - im Mittelalter." ' Der Redner streifte zunächst mit. kurzen Zügen die wirtschaftliche Lage der Juden in der Zeit seit ihrer Auswanderung in die. Diaspora bis zum Mittelalter.. In den ersten Jahrhunderten der laufenden Zeitrechnung haben die Juden eine für das Wirtsch.afts-). leben der Völker segensreiche Handelstätigkeit entfaltet. Sie waren es, ..die schon in früher Zeit den Handelsverkehr mit dem Orient anbahnten und Gegenstände des Luxus in die entferntesten Gegenden exportierten. Pach den Kreuzzügen wurden zwar die Völker diesbezüglich selbständiger, ' allein die Handelstätigkeit der Juden war noch lange nicht gebrochen/ Dies, geschah erst, als-durch, die inquisi-; torische Macht der Kirche im Mittelalter eine- Umwandlung in der : politischen Stellung der Juden sich. vollzog: Die Kirche, welche ihre Einkünfte vom-Boden bezog, erschwerte aus rein gewinnsüchtigen : Gründen und.materiellem .Interesse den Juden '.den Erwerb .von - Grund und. Boden.. So kam es,, daß später eine relativ geringe, Zahl . ' von Grundbesitzern einer großen Zahl von Kaufleuten und Geldhändlern gegenüberstand. Es fei aber für diese Epoche wesentlich zweierlei