Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 28. Februar 1913 77. Jahrgang Nr. 9 KetlÄge zur „AlMmeluen Lettuirg drß JuhontumK". ksrrrlMndrnHrn und Drutschlaud. - y. Berlin, -23. Februar. Dieheutige Sitzung der R epräsent.wndenv.ar s am m l.wn:g: dehnte sich bis zur vierten Nachmittagsstunde-aus. Rach.Verlesung und Genehmigung, des Protokolls der letzten Sitzung teilte -der Vorsitzende Herr . Louis Sachs zunächstmft,.daß sichdie Ausschüsse konstituierthätteu,und zwarwurden-gewählt: Ausschuß! Vorsitzender MoritzM crnh ei m e r , stellvertretender Vorsitzender Gerson Simon, Schriftführer?Dr. Ginsberg (stellvertretender S. We;i l e). Ausschuß II: Willibald L ö w-e ntch;ab (Vorsitzender), Aron- H i r s ch (Stellvertreter), Lew inscki (Schriftführer), Siegfried S a.chs (Stellvertreters Ausschuß III: Geheimrat. B l um ent h a l (Vorsitzender), Dr. M i n d e n - (Stellvertreter),- Professor B l a s äyl e (Schriftführer)- Dr. Ignatz C-o h n (Stellvertreter). — Die -Versammlung beschließt-sodann die Annahme verschiedener Zuwendungen. — Eine von Herrn Lewinski bereits einmalE. .Jahre 1909 beantragte Abänderung-der-Steuerveranlagung warvon einer gemischten- Deputation beratenworden. Der Vorstand, der -ersucht, wurde, das-Erforderliche zu-veranlassen, hatte indessen die- Ausführung. Ar nicht dringlich erachtet mit der Begründung, daß.hierzu eine Statutenänderung ^erforderlich-sei--und daß eine solche -in -absehbarer Zeit aus anderen Anlässen -bevorstehe: Herr Lewinski hat nun beantragt diese. Veränderungen jetzt vorzunehmen, um die bei -der Besteuerung der Gemeindemitglieder zugunsten der hohen -Einkommen vorhandenen Ungleichheitenzu beseitigen. Inder Begründung des Antrages betont Herr Lewinski, -daß es-strittig sein könne, ob dieseAenderung. zu-. gleich eine Statutenänderung involviere. Die Befürchtung, daß die. kleine Erhöhung der Steuern für die großen Einkommen durch eine prozentuale Veranlagung nach dem Einkommen jemand. zum Austritte veranlassen könnte, teile-er nicht. In Spandau würden 90 Prozent, in Potsdam 45 Prozent Zuschlag zur Staatssteuer erhobenohne daß dies einen Einfluß aus die Austritte ausübe^ in einzelnen Gemeinden würden sogar bis 460 Prozenterhoben, ohne daß. sich eine solche Folge. zeige. Berlin habe,, abgesehen von Frankfurt a. M., wo Ausnahmeverhältnisse-bestehen, von.allen jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland die niedrigsten- Steuern. Im Namen des Gemeindevorstandes erklärt Herr -Kommerzienrat Ei s.n er, -daß der Vorstand gar nicht daran denke, die. Angelegenheit, deren Bedeutung und Dringlichkeit er durchaus anerkenne,, auf die lange Bank zu schieben. Man werde die Aenderung sofort-nach. Erledigung-der Etatsberatung in Angriff nehmen, im Anschluß. an. eine Generalrevision des .Gemeindestatuts. Man möge sich - mit dieser Erklärung , genügen lassen.. -Nach längerer - Debatte, , an der . sich die Herren Syndikus L.i l i e n t h a l, Dr. Cohn, Emil Pü nb-u s und-Louis. S a ch 8'.beteiligten, wird die Angelegenheit-dem Ausschuß III überwiesen. — Um die Etatsberatung' nicht zu verzögern und möglichst bis zum 31. März zu beenden, beantragt der Vorstand schon jetzt vor Eingang der Etatsvorlage die Wahl eines Etatsausschusses vorzunehmen. Die Vorlage des Etats hat sich etwas verzögert und -kann erst demnächst, erfolgen.. Herr Louis Sachs verweist darauf, daß der'städtische Haushalts.etat sich längst in den Händen der Stadtverordneten-befinde. Er -bittet den Vorstand, sich mög- . lichst. daran ein Beispiel zu nehmen. Die Wahl des Etatsausschusses wird daraufvorgenommen. und in denselben .werden gewählt die . Harren Louis Sachs- Professor Blas chke,. Justizrat Coh n, L e w i n s k i, Oscar L ö w e n b e-rg- Willibald L oew e n t h a l, Emil. P i n k u.s, Kommerzienrat ^Gerson S-i m o n> S. W e i l e. — Eine sehr lange Debatte verursacht die Vorlage zur Kenntnisnahme des Berichtes der -gemischten Deputation über. die Frage der T r e n n u n g der Geschlechter.in den Ge-meindesyn.agw.gen. . Die gemischte Deputation zur. Beratung dieser Frage hatte beantragt: 1. die Aufhebung der bisherigen Trennung in -der Weise durchzuführen, daß die-eine. Seite im Schiffe, und auf. der Galerie den Frauen, die andere den Männern, eingeräumt werde,, und 2. diese Einrichtung bereits in der Synagoge in der Levetzowstraße; zu treffen.' D er. Gemei.ndepo.rstand aber, hat diese Anträge ab^elehnt. Er begründete seinen ablehnenden Standpunkt, damit, ..daß nach seiner Ansicht' gottesdienstliche Reformen nur dann eine Berechtigung haben, wenn dadurch- -dem Wünsche -weiter Kreise Rechnung getragen wird, die-Vorschläge-des Antrages dhr gemischten. De^- putation aber nur von wenigen-^wenn auch hervorragenden. Gemeindemitgliedern ausgegangen seien. Es komme dazu, daß auch bei Annahme der Vorschläge nur ein Stückwerk geschaffen' werden-würde, das' niemanden befriedigen könnte; es-würden -nach wie vor die Familien nicht beisammen sitzen, und damit würde der hauptsächlichste Vorteil in Wegfall kommen. Der Referent -des. Ausschusses W, dem die Vorlage zur Beratung -uberwiesen worden war, ' teilt mit,, daß -der Ausschuß beantrage,-die Vorlage-nicht nur-zur Kenntnis zu nehmen, sondern den Vorstand -zu ersuchen, in eine erneute Erwägung-darüber, zu treten und dem Kommissionsb'eschluß -dann wenigstens für-die Synagoge Levetzowstraße doch - zuzuftimmen. Justizrat Dr. C o h u glaubt, der Vorstand werde sich-diesem letzteren Antrag wohl nicht anschließen, es sei nicht anzunehmen, daß er in 14 Tagen seine .Ansicht wechseln würde. Der Bau der Synagoge Levetzowstraße sei so weit vorgeschritten, daßdie -erforderlicheBauliche Veränderung kaum noch zu ermöglichen sein würde. Es sei richtig, wie der Referent.hervorgehoben habe, daß die Gutachten der Rabbiner religionsgesetzliche. Bedenken als nicht vorliegend erachten, aber es handele sich hier doch um die Beseitigung von -Ginrichtungen, die aus einer jahrhundertelangen Tradition-beruhen, und solche uralten Einrichtungen sollte man nicht aufheb'en. — Prof: Bla schk eweint, es-'wäre salsch, wenn man sich immer nur vom Sturme oder-Strome tragen^ lassen sollte bei Anträgen auf Neuerungen, die man als; ersprießlich oder notwendig erachte. Dazu sei man nicht gewählt. Gr gebe zu, es wärewünschenswert, daß das Zusammensitzen der Familien ermöglicht werde. Allein da dies zurzeit unmöglich sei, müsse man > das Erreichbare: und Mögliche nehmen. Jn Frankfurta. M. wie in Bonn habe man mit gutem . Gelingen diese Reform bereits durchgesührt..' Er plädiert für Annahme des Antrages des Ausschusses. Herr Manheim e r bittet': ohne dringende Notwendigkeit nichtvon einemtausendjährigenBranche abzugehen, sondern alles beim alten-zu lassen. Justizrat Li lienthal vom Vorstandstische betont, daß der Vorstand sich die Sache auch bezüglich der Synogoge Levetzowstraße sehr eingehend überlegt . habe. Es sei nicht besonders wahrscheinlich, daß der Vorstand eine andere Entschließung fassen werde. Die Resolution werde wohl ckeiiwn Erfolg haben. Reformen von-oben-her einzüsühren, ohne daß'sie einen Halt in der Gemeinde habech-chälte der Vorstand für unrichtig. Alle Anträge, von' welcher Richtung sie kdmmen mögen, werde der Vorstand prüfen und ihnen, wetm sie auf dem Boden des Judentums stehen und der Gemeinde' zum Wohld gereichen, auch Nachkommen: Der Vorstand trage allen Richtungen Rechnung, und er werde sich - Reformen nicht entgegenstellen, wenn das Verlangen in der Gemeinde wurzelt. Äer Vorstmw's/kge, das, was hier vorliegt: ist -kein Schritt zum.gewünschten ZieU^es ist gar nichts. Deswegen Aufregung in der Gemeinde hervorzMüfen, will der Vorstand nicht. -Herr Kommerzienrat G e'rs o n S i-mom meint, der Ausschuß habe nichts vorgeführt, wäs den Vorstand' veranlassen könnte, seine Meinung zu ändern. Der Vau der Synagoge'Levetzowstraße sei so vorgeschritten, daß. die Aegderüngen gar nicht dorgenoMmen-werden könnten. Herr Oskar L ö'w e n b e r g erblicktem Anträge des Ausschusses einquasi Mißtrauensvotum gegen den Vorstand,'als ob er oberflächlich geprüft habe und nun eines besseren überzeirgt'werden könnte: Es-liege kein einziger Grund vpr, dep Antrag anzünehmen. - Erst - durch seine' Annahme würde man. einen Sturm heraufbeschwör^n. Professor B l a s ch k e wiederholt, daß es die Pflicht der Versammlung sei; nicht zu. warten, bis ein Sturm nach dieser oder jener Seite treibt: Aenderungen beim Bau der Synagoge-Levetzowstraße seien bei dem Stünde unserer' Technit durchaus möglich: der Vorstand' habe in seinen Motiven auch die Unmöglichkeiteiner Aenddrung nicht angeführt. Herr Dr.. G'i ns >b e r g bemerkt: Die. Gegner sind „päpstlicher als die Rabbiner", die in ihrer Mehrheit keine religionsgefetzlfche Bedenken gegen diese Neuerung äußerten. Für ihn sei die Hauptsache, düß die Neuerung im Interesse der Erziehung und-dtzs Familienlebens liege, dom FamilidnstandPüNkt aus werde er dem Ausf-chüß-