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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-28 · Heft 9 (28.2.1913) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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^-MecKmburgischer'-'Gehexmer'NnanDatrtvLrbeinahe zur selben Zeit, wie in- Preußen (sein Schreiben an Hardenberg vom 14: Februar 1811 und an Sack vom 13. d. M., ist bei' Freund, Emanzipation der Juden in Preußen, Bd. II,. S. 428/30 veröffentlicht), sich für die Juden beim Herzog, verwendete. Er richtet nach erteilter Audienz am 17. März 1811 eine'Bitte an den- Fürsten und erhält am folgenden Tage die Antwort. Dieser Briefwechsel soll hier zum erstenmal veröffentlicht werden. - Durchlauchtigster Herzog, Gnädigster Herzog und Herr! Ew, Herzogliche Durchlaucht haben mich so glücklich gemacht, mir eine kurze- Audienz gnädigst zu erteilen, Wobey ich die hohe Freude genoß, Höchstdieselben in erwünschtem Wohlfeyn zu sehen. Ich fühle mich gedrungen, Ew. Herzoglichen Durchlaucht für die Gnade nochmals meinen untertänigsten Dank abzustatten.. Wird es wohlein ebenso menschenfreundlicher als gerechter Fürst-, , den Deutschland zu seinen . edelsten Regenten zählt,, ungnädig ausnehmen, wenn ich es devotest wage, höchstdieselben unterthänigst zu bitten, den Plan, der jetzt im Werke seyn soll, den israelitischen Unterthanen in den Herzoglichen Landen das Bürgerrecht zu ertheilen, in Ausführung bringen zu lassen?. . Ew. Herzogliche Durchlaucht würden Sich durch eine solche menschenfreundliche Handlung ein Monument in Ihren Landen errichten, was. dereinst nicht bloß von Juden, sondern auch von anderen Glaubensgenossen, von allen guten Menschen, verehrt werden und. auf ewige Zeiten unzerstörbar dastehen würde. Der größte Teil der Fürsten Deutschlands hat bereits den Israeliten die Menschen- und Bürgerrechte wieder gegeben. Sie haben sich derselben aber auch würdig gezeigt, haben wiesen, daß die Religion den Menschen nicht an der Ausübung-bürgerlicher Tugenden, an der Erfüllung der Unterthänenpslichten und überhaupt an der Ausbildung seines Geistes und Herzens und der körperlichen Fähigkeiten hindert, sondern nur Drück und Erniedrigung. Wir sehen in Westphalen Gelehrte, Künstler, Handwerker, Krieger und Staatsmänner israelitischer 'Religion. Jeder beerfert sich, dem Staate ^96^60X6^6^6 nützlich zu werden, und die Erziehung der Kinder wird mit Sorgfalt auf den wichtigen Zweck gelenkt, ihm: Pflanzen zu' ziehen, die dereinst reichliche Früchte tragen werden. Wollten Ew. .Herzogliche Durchlaucht denn noch .einen Augenblick-säumen, auch. Ihren israelitischen. Unterthanen dieses Glück zu. Theil. werden zu lassen? Gewiß nicht. Sie werden die Ueberzeugung erhalten, daß sie einer solchen Gnade nicht unwerth. waren. Möchte ich. demnach so glücklich seyn, Ew. Herzogliche Durchlaucht dafstr den Tribut der höchsten Dankbarkeitdarbringen zu können, den ich schon mehreren Fürsten-, gezollt habe! Von der Ueberzeugung, daß meine Wünsche, bei Höchstdenselben, gnädiges Gehör finden, werden, habe ich die Ehre, die 'Versicherung meiner unbegrenzten Ehrerbietung zu erneuern,^womit ich ersterbe Ew. Herzogl. Durchlaucht, unterthänigster Diener Schwerin, den 17. März 181.1. . ' : . Jacgbson. 'Am-folgendckx^ Tage, erfolgt die. Antwort: An den Königl. Westphälischen Präsidenten Jacobson jetzt-in Schwerin. . Es ist uns angenehm, über die Bürgerrechtsertheilung an die jüdische Nation in Unserem Lande, dem Präsidenten Jacobson, dessen löbliche Bemühungen dieserhalb im Königreiche Westphalen bekannt sind, auf seine bey uns desfalls eingelegte Verwendung, schon vorläufig die. Zusicherung zu ertheilen: wie^wir allerdings gesonnen sind, das, Schicksal unserer israelitischen Unterthanen zu erleichtern, und zu: dem Ende bereits Befehl gegeben haben. Uns über die. Art und Weise, wie solches nach jetziger Lage der Dinge geschehen und denenselben Staatsbürgerliche Rechte beygelegt werden können, Vortrag zu wachen, da wir alsdann nach gehaltener verfassungsmäßiger Berathung mit Unseren Ständen Unsere weitere Resolution zur möglichsten Gleichstellung der Juden in Unserem Lande zu nehmen gedenken. Ludwigslust, den 18. März 1811. F. Franz. Ser Sohn des Miss. Von I u l i u s W e i l. L m Bette des alten Herrn v. Röxxxer stand der Arzt und beobachtete mit gespannter Aufmerksamkeit, wie der Kranke allmählich in einen sanften Schlaf verfiel und seine vor Schmerz durchfurchten Züge sich zu glätten begannen. Vorsichtig, hob er die auf der Bettdecke ausgespreizte magere Hand, fühlte den Puls und legte sie behutsam wieder zurück. Dann richtete er sich auf, und über sein ernstes Gesicht ging ein triumphierendes Lächeln. Mit einer schnellen Bewegung des . Kopfes winkte er die hinter ihm stehende Schwester zu sich heran, sprach flüsternd mit ihr und verließ geräuschlos das Zimmer. . . Rätselhaft war die Krankheit gewesen, die den rüstigen Herrn befallen hatte. An keinem Organ ließ sich die geringste Veränderung Nachweisen, und doch verzehrten sich die Kxäfte des Kranken in einem beständigen Fieber. Der alte Oberstabsarztsein ärztlicher Vertrauter, wußte sich so wenig Rat wie der von ihm zugezogene Professor. Vergebens suchten, sie nach der Ursache des Leidens, vergeblich blieben daher auch die angewandten Mittel. Mit dem Kranken ging es zu Ende, er rüstete sich zum Sterben und nahm Abschied von der Welt — von seiner Tochter Luise, die für ihn Welt und Glück bedeutete, und derentwegen chm das Sterben.schwer wurde. In diesem verzweifelten Augenblicke entschloß sich Luise Römer, gegen, den Willen ihres Vaters einen Arzt zuzuziehen, der in der ganzen Stadt fast als Wunderdoktor galt, und von dessen Kuren sie selbst aufihren Samariterwegenoft staunende Zeugin geworden war: den Doktor Deutz er. Der. Gerufene kam und übernahm die Behandlung, nachdem die bisherigen Aerzte in seinemErscheinen einen willkommenenVorwand zurückzutreten, gefunden: hatten. Tage vergingen, ehe eine Aenderung eintrat. Aber allmählich kam das Fieber zum Stehen, das. Dunkel der Ungewißheit lichtete sich. Lange schwankte die EnAcheidung, aber heute war der Feind geschlagen, und Doktor Deutzer schritt als Sieger voxxx Lager des Kranken. -Als er in das anstoßende Zimmer trat, kam eine junge Dame mit angstvoll forschenden Blicken aus ihn. zu: „Sie machen, ein frohes Gesicht, Herr Doktor," ries sie. „Es geht gut?" „Ja,, gnädiges-Fräulein," erwiderte er, „die Gefahr ist vorüber, Ihr Herr. Vater wird gesund werden." - „Gesund.! O mein. Gott!" Sie ergriff seine Hand, ihre schlanke Gestalt neigte sich herab, daß es schien, als wollte sie sie küssen.

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