Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DieöHdÄM'Ä>r7-Äakhan-mrd Adler hatten^.bei ih rer Anwesenheit inSerreseine Unterhaltung-mit dem : bulgarischen Generalgouverneur von Mazedonien,' Herrn Wulkow. .Der Gouverneur zeigte sich sehr entgegenkommend. Er sagte-ausreichenden Schutz der Juden für -das -ganze Gebiet, das ihm unterstellt ist, zu. Ferner'wollte er dafür sorgen, daß.die Märkte-möglichst nicht aus den Sabbat verlegt werden-, und,-daß die Juden ihre Geschäfte am Sonntag offen halten ’ dürfen. *• , ' . Von Serres wurden noch Erkundigungen angestellt nach den Juden in der Umgegend. Newrokop. Hier sind 70 . jüdische Familien, die nicht gelitten haben. Ebensowenig die zehn bis zwölf Familien in Z e l ah o r a.' Dagegen sollen in DjoümaBüla, wo etwa 60 jüdische Familien wohnen, Ausschreitungen "stättgMnden haben, über die aber nähere' Nachrichten noch nicht zu erhalten waren.' >- ' - ' -Ferner haben die Juden in D o i r a n (mit 3000 Einwohnern und etwa 20 jüdischen Familien) unter Plünderungen zu leiden gehabt. Auch die'Juden in D r a m a, 12 500 Einwohner,-darunter etwa 150 jüdische Familien mit 700 Seelen, haben unter dem Kriege, wenn auch nicht, durch größere Plünderungen, gelitten. Monastir. Die..Reise nach Monastir, die Dr. Kahn unternahm, führte wieder ins serbische Okkupationsgebiet. Monastir hat unter .66 000 bis 70 000 Einwohnern 6000 Juden, ist also die viertgrößte jüdische Stadt (nach Konstantinopel,, Saloniki, Adrianopel) aus... dem / Kriegsschauplatz. Monastir hat besonders schwer gelitten, weil zu verschiedenen Zeiten vor und' hinter 'Monastir schwere Kämpfe stattsanden; näch .Dlorina:^ zu mit den Griechen, nach Prilep zu mit den Serben. ' Auf der Fahrt nach Monastir sieht inan die zerschossenen, zer-! störten und noch 'menschenleeren Dörfer, in denen auch viele jüdische Magazine sich befanden. In'Monastir wurde ein Komitee gebildet, dem der dortige Direk- . tor der Alliance, der sich in .schweren Zeitenwes Kriegesuin die Gemeinde besonders,verdient gemacht hat, .angehört.. Das Komitee hat eine genaue Liste der Notleidenden züsammen- .,gestellt. . Mn. Minimum von 3500 Frank., äußer Mn'. von Wanderer S.eite .speziell gegebenen Summen ist erforderlich, ümMber pi^ erste schwere Zeit hinwegzukommen. Diese Summe würde. von uns'bewilligt.. Es ist ferner für Monastir ins Augezu. süssen,' ebenfalls eine kleine provisorische Leihkasse zu gründen von etwa 10 000 Frank, zu denen die Gemeinde 5000 Frank geben würde. In Monastir haben besonders viele Requisitionen durch die Türken stattgefunden, viele , leider ohne Quittung. Ferner-wurden am Tage nach dem. Einzug der Serben schwere Plünderungen verübt, bei denen zahlreiche Juden ganz erheblich zu Schaden gekommen sind. Bei unserer Anwesenheit war die Stadt ruhig und die öffentliche Sicherheit gut. In der näheren Umgegend von Monastir haben die Juden aus Monastir in den Dörfern Magazine gehabt^ die völlig verbrannt und ausgeraubt worden sind. Der so entstandene Schaden ist recht beträchtlich. Wir behalten uns Vor, im endgültigen Bericht auf alle Einzelheiten der Schädigungen und Geschehnisse in Monastir (wie auch in. den anderen Orten) näher.einzugehen. : Von Monastir nach dem griechischen Okkupationsgebiet (pach Albanien zu) liegt die Stadt Castoria. Sie zählt etwa.25,00Q.Einwohner, darunter 2000 Juden. Die Juden sind , alle größer kleinere Händler, wie die umliegenden - Flecken und Dörfer«', sei es, daß sie dort Warenlager unterhalten. oder? einfach hausieren« mit Waren versorgen. Beim Einzug der Griechen sind fast alle Juden Erbarmungslos^, geplündert, worden, vieles Warenmagazine! auch in den zerstörten Dörfern, wie in Belichte (10 Magazine), in . Nastitsche (5 Magazine), ferner in Eckchison, S orowitsch und Embona wurden ausgeraubt. Eine Verbindung mit Castoria, deren -Vertreter wir: sowohl in 'Monastir nls auch in Saloniki gesprochen haben, war nicht zu we-! werkstelligen. Die von Uns eingesetzten Komitees aber werden auch für diese völlig unzugänglichen Orte im Innern sorgen und uns die' zur Hilfsleistung.nötigen Informationen liefern. , .. . Aus dem Wege von Monastir nach Saloniki wurde auch die .Station W o d e n a mit' 15 000 Einwohnern und etwa zehn jüdischen Familien, die nicht gelitten haben, berührt, ferner die Gemeinde Em r.a s er i a besucht. . - .; :; - ..-; Die Stadt mit -15 000 Einwohnern und .800 Juden-.-liegt'sehn nahe bei Saloniki. .Dort leben merkwürdiger- undglücklicherweise die Juden mit den-Griechen- (das ist die große Mehrzahlder-Bevölkerung) in bester Harmonie. Die Gemeinde wird sich unserer Ansicht-nach sehr bald erholen, so daß ihr mit einer Unterstützung von-500 Francs, die wir bewilligen, wohl hinreichend geholfen ist. Nach, unserer Rückkehr nach Saloniki von Serres und Monastir wurde mit dem dortigen Komitee noch einmal die ganze Hilfsarbeit inr einzelnen auf Grund unserer eigenen Anschauungen und Erfahrungen, die'wir'inzwischen gesammelt hatten, durchgesprochen-und die Art der Durchführung festgelegt.- 'Namentlich wurdebestimmt, daß die von uns eingesetzten Komitees auch mit den schwer zugänglichen Gemeinden im Innern sich in Verbindung zu'setzen und für die etwa Geschädigten zu sorgen habem Wir reisten am Montag den 27. zu Schiff ab, um über Cavalla, Dedeagatsch nach Konstantinopel zu kommen. ' ' - Cavalla. Am Dienstag den 28. trafen wir in Cavalla ein. Eine Deputation der Gemeinde kam an Bord. Wir begaben uns mit ihr nach der Stadt. - - " Cavalla mit 30 000 Einwohnern, darunter 2500 Juden, ist'eine aufblühende Stadt mit lebhafter Tabakindustrie. Bekannt sind die entsetzlichen. Massakers, die nach dem Einzug der Bulgaren hier wie in Dedeagatsch gegen die Mohammedaner und besonders gegen die . Pomaken (mohammedanisierte Bulgaren, die hauptsächlich in den ' 'Dörfern wohnen) -stattfanden. Von Massakers blieben die Juden glücklicherweise verschont, doch wurden, von den bulgarischen Banden und. ihrem Chef Tschernobjew schwere. Erpressungen an den Juden . -verübt. Die sieben angesehensten Juden wurden von den Banditen unter, der Anschuldigung, sie hätten eine Landung der Oesterreicher in Cavalla veranlassen wollen, verhaftet, ins Innere geschleppt und erst nach' neun Tagen und nach' Zahlung eines Lösegeldes von - 215 60 0 Irank an Tschernobjew wieder freigelassen/ ' Zur Linderung der großen Not in Cavalla sandte der Khedive von Aegypten, dessen Eltern aus Cavalla stammen, 460 000 Kilogramm Mehl, wovon.für die armen Juden 25 000 Kilogramm gegeben wur- . -deü.' 'Die' -jüdische .^Gemeinde ' sorgte durch Sammlungen weiter für .die ' Arrnerm- Trotz der schweren Erpressungen und der großen Ausgaben , für die arme BevöMrung glauben wir doch,' daß Cavalla an und für sich allein imstande ist, sich zu helfen. Es befinden sich aber in Cavalla einige hundert Arbeiterfamilien aus Gallipoli und den Dardanellen. Um zu vermeiden, daß diese zurückgeschickt werden und'die Not in Gallipoli und den Dardanellen vermehren, zumal' -sie bei Beginn der Arbeit für die Tabakindustrie in etwa vier bis süns Wochen beschäftigt werden können, stellten wir einstweilen 1000 Frank zur Verfügung und versprachen, eventuell noch weitere 1000 Frank zu geben, wenn'es notwendig sein sollte .und unter der Voraussetzung, daß auch Cavalla selbst feine Pflicht tue. Ein entsprechendes Komitee wurde eingesetzt. Besonders erwähnen wollen wir. noch,'daß wir-von den Militäründ Zivilbehörden in Cavalla in der allersreündlichsten Weise ausgenommen worden sind. , Eine flüchtige Familie aus Cavalla (Frau Molko, Bruder und Kind), die nach Saloniki geflüchtet war und Furcht Hatte,-zurückzukehren, nahmen wir mit. Die Behörden sicherten uns den Schutz dieser Familie zu. Ohne Zweifel wird-das ein wertvolles - Präjudiz für andere flüchtige Familien sein, die nun getrost zurück- . kehren werden. Von Cavalla fuhren wir weiter, nach D e.d e a g a t s ch. Wir. er- . warteten an Bord eine Kommission der Gemeinde, die aber ausblieb, .. ' auch.' dizpsten'.wir.fÄstnich>t'.ckandevr Später erfuhren w;r, daß der Kommandant der Stadt der Kommission verboten hatte, an-Bord .zu gehen.' Wir wußten daher, ohne-die Verhältnisse in Dedeagatsch schon jetzt: untersuchen zu können, weitersahren^ 'Am 30. Januar frühmorgens kamen'wir in Konstantinopel an . . Ueber .die Lage in Konftantinopel und Umgegend-- werden -.wir. in einigen - Tagen Bericht erstatten. \:-\v - ■ - . . Wir -haben-- nachdem, -wir, sin ^Serbien und. Bulgarien uns theoretisch über alle einschlägigen Verhältnisse, Hab unterrichten lasten, den ganzen mazedonischen Kriegsschauplatz bis nach Albanien hinein besucht - und' an?Ort - und-? Stell.e .uns über die Lage und hie Not der jüdischen Bevölkerung pHMtjeM..-....Dqvuxch' sind manche.Anschauun?- gen unseres ersten Berichtes korrigiert worden. mr-