Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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d i e NN nera logi sche Wisseuschaft eingeführt hat, und zeigte so, wie heule schon, noch vor Abschluß seines umfangreichsten Werkes, des 20 bau- - dlgen Kristallatlas mit 25 000 Figuren, Goldschmidts Werk, ein in sich geschlossenes logisches Gebäude ist, eine gewaltige Tat, die nur ein Mann von Geist und der Energie Goldschmidts Hervorbringen könnte. In einer Reihe von Ansprachen wurde Goldschmidts sympathische und verehrungswürdige Persönlichkeit gestiert. Verschiedene Schüler, Deutsche und Ausländer, würdigten den Pädagogen Goldschmidt, der nun seit 25 Jahren mit jugeüdsrischer Begeisterung und großer Liebe zu seiner Wissenschaft Studierende der verschiedensten Nationen unterrichtet hat. Nicht unerwähnt darf.bleiben, daß bei dieser Gelegenheit auch Frau Professor Goldschmidt'gefeiert wurde, da die Eingeweihten wohl wissen, daß auch ihr als treue Mitarbeiterin in dem Lebenswerk ihres Gatten große Ehre und Anerkennung gebührt. Am zweiten Festtag, am Sonntag morgen, versammelten sich die Festgäste in den beit meisten so wohlbekannten Arbeitsräumen des mineralogischen Instituts von Professor Goldschmidt in der Akademiestraße 1 zu einem gemütlichen, zwanglosen Beisammensein. Den Abschluß dieser harmonischen Feier bildete das Diner im „Europäischen Hof" am Sonntag abend, zu dem die Familie Goldschmidts die Festgäste eingeladen hatte. SS Mannheim, 14. Februar. Die israelitische Krankemmterstützungskasse „Bi kur Cholim" hat ihren Rechenschaftsbericht für das Jahr 1912 statutengemäß dem hiesigen Synagvgeurat zur Prüfung vorgelegt. Die Kasse ist auch wieder im letzten Jahre von. hilsesuchenden Kranken und gebrechlichen Armen stark in Anspruch genommen worden. Es wurden verausgabt für Barunterstützungen 3958 Mark, Medikamente 646.72 Mark, medizinische Hilfsmittel 229.45 Mark, Bäder 176.35 Mark; diverse Ausgaben 190 Mark; zusammen 5200.52 Mark. Erfreulicherweise findet die Kasse immer mehr Anerkennung und Unterstützung für ihre ^humanitären segensreichen Bestrebungen, und ist dringend zu wünschen, daß die Zahl ihrer Freunde, die ihre edlen Zwecke fördern, immer größer werde. # Gesterntch-Angarn. k. Wien, 14. Februar. In dem vor einigen Tagen ausgegebenen Amtsblatt der Stadt Wien ist folgender Bericht enthalten: Aus den Antrag des Gemeinderates Neustadtl, eine Gasse in der Nähe des zu errichtenden städtischen Museums nach dem verstorbenen Hosschauspieler Adolf Ritter v. Sonnenthal zu benennen, kann derzeit nicht eingegangen werden, weil gemäß Stadtratsbeschluß die Benennung der Gassen nächst dem projektierten städtischen Museum erst erfolgt, wenn der Platz des künftigen Stadtmuseums entschieden sein wird. Jedoch wird die Direktion der städtischen Sammlungen beauftragt, diesen Antrag behufs seinerzeitiger definitiver Erledigung in Evidenz zu halten. Es ist somit begründete Aussicht vorhanden, daß binnen kurzem eine Gasse in Wien nach dem unsterblichen Künstler Sonnenthal benannt werden wird. — In P r a g macht folgende Affäre sehr viel von sich reden. In der dortigen Josesstüdter Volksschule, einer interkonfessionellen Anstalt mit jüdischer Schülermajorität und jüdischem Direktor, hat der katholische Katechet zu Weihnachten ein Büchlein an die christlichen Schüler verteilt, das ausschließlich von Ritualmord handelt. Gleich die erste Geschichte dieses Büchleins schildert in den grellsten Farben, wie die Juden einen Christen durch Geld bestochen haben, sein Kind ihnen anzuvertrauen, wie sie dann dieses Kind in den Wald führen, anbinden. und wie der grausame Rabbiner dann das Kind tötet, zerstückt und ihm das Blut nbzapft. In jüdischen Kreisen Prags herrscht über diese unverantwortliche Tat eines Jugenderziehers und Priesters die größte Empörung. Tie „Union" hat gegen den Katecheten und dessen sonderbare Art des Religionsunterrichtes eine Beschwerde im Unterrichtsministerium eingebracht. — Im übrigen beginnt das Märchen vom Ritualmord. in Böhmen wieder aufzuleben. Vor kurzer Zeit ereignete sich in Netschetin in Westböhmeu folgender Fall: Das fünfjährige Mädchen des Kutschers Hahla ging Sonntags in die Kirche, ohne nach Hanse zurückzukehren. Flugs verbreitete sich im Orte das Gerücht von einem Ritualmorde, es fanden sich Leute, die sogar gesehen haben wollen, daß das Mädchen in das Haus des jüdischen Kaufmanns S. Bergmann gegangen sei, es aber nicht mehr verlassen habe. Nach fünf Tagen, als die Gemüter bereits sehr erregt waren, kehrte das Mädchen zurück. Es hatte sich während dieser Zeit bei seiner verheirateten Schwester in Kripau aufgehalten, der es ohne Wissen der: Eltern einen Besuch abgestattet hatte. Sv werden Nitualmorde fabriziert. — Am 7. d. ist in Lemberg der bekannte Rabbiner Dr. Joses Kodak in hohem Greisenälter gestorben. Der Verblichene zeichnete sich durch seine hervorragende Gelehrsamkeit ans rabbinisch-talmüdischem Gebiete aus. Ausführlicher Bericht' folgt. . * ÄuMnd. 2.. St. Petersburg, 13. Februar. Das erste Departement des russischen Senates hat kürzlich über eine interessante Klage entschieden, die die jüdischen Weinhändler in der Krim gegen den Finanzminister angestrengt haben. Vor einiger Zeit hat nämlich der Finanzminister im Wege einer Zirkularbestimmung angeordnet, daß Juden den Weinhandel nur dort betreiben dürfen, wo Inden ständiges Wohnrecht be-. sitzen. Außerhalb dieses Gebietes dürfen Juden nur in eigenen Häusern Weinhandel treiben. Die Krimer jüdischen Weinhändler klagten nun den Finanzminister im Senat an, daß seine Verordnung gegen die bestehenden Gesetze verstoßen, daß der Minister mit dieser Verordnung eigentlich ein neues Gesetz, eine neue Begrenzung der Rechte der Juden statuiere, wozu er gesetzlich ohne Ermächtigung seitens der Duma nicht berechtigt ist. Man hat der Entscheidung des Senates, die für die Juden von großer prinzipieller Bedeutung ist, mit Spannung entgegengesehen. Der Senat hat nun nach eingehender Beratung und nach Anhörung -des Ministers die Verordnung Kokowzews tatsächlich seinem. Inhalte und seiner Form nach für ungesetzlich erklärt. Die Senatsentscheidung hat großes Aufsehen hervorgerufen. — Vor einigen Tagen starb in Petersburg der öffentliche Notar Dworschetzki, der seit fünfzig Jahren getauft war, so daß in seinem Bekanntenkreise fast niemand wußte, daß er jemals Jude gewesen. Um so überraschender war die Wirkung seines letztwilligen Wunsches, nach jüdischem Ritus und ans dem jüdischem Friedhofe begraben zu werden. Merkwürdigerweise hat der heilige Shnod die Bewilligung hierzu erteilt, und so wurde Dworschetzki aus dem jüdischen Friedhose in Petersburg bestattet, und zwar auf einer eigenen Abteilung, welche die Petersburger jüdische Gemeinde mit Rücksicht aus die Häufigkeit ähnlicher Fälle den Stammesgenossen, die formell den christlichen Glauben annehmen, aber-, wie aus ihren Testamenten ersichtlich, im Innern Juden geblieben sind, eingerüumt hat. — Bekanntlich gibt es im Chersoner Gouvernement ausgedehnte jüdische Bauernkolonien. In diesen Kolonien, in denen sämtliche Juden sich ausschließlich mit Ackerbau beschäftigen, wurden jetzt mit Hilfe der „Jca" Versuche ausgedehnter Traubenknlturen gemacht, und diese Experimente sind in solchem Maße gelungen, daß einzelne Kolonien jetzt hauptsächlich der Traubenkultnr zugesührt und allmählich in größere Traübenkurplätze verwandelt . werden sollen. Mit -Rücksicht darauf, daß den Juden die Benutzung ähnlicher Kurplätze in Rußland immer mehr erschwert wird, hat diese Aktion der Jen nicht nur vom Standpunkte der Kolonie, sondern auch von dem erwähnten Gesichtspunkte ans besondere Bedeutung, vorausgesetzt, daß die russische Negierung nicht irgendeinen Vorwand finden wird, den kranken Juden selbst den Besuch dieser von Juden geschaffenen Kurplätze zu verbieten. * Amerika. z. New Nork, 3. Februar. Vor kurzem fand in Philadelphia eine Versammlung des geschästssührenden Ausschusses des „American Jewish Committee" statt. In Anwesenheit des den Vorsitz führenden Herrn Louis Marsch all, der Herren Cyrus Adler, J..L. Magnes, Jacob H. Schiss, Cyrus L. Sulzberger, Mayer S u l z b e r g e r und anderer wurden zunächst die noch schwebenden Einwanderungsvorlagen erörtert und der Beschluß gefaßt, diesen weiterhin Widerstand zu leisten und nötigenfalls bei dem Präsidenten Taft Einspruch zu erheben, falls eins der in den Vorlagen vorgeschlagenen Gesetze angenommen werden sollte. Im Anschluß daran erfolgte ein Bericht über die bedrängte Lage der Juden in der Türkei und den Balkanstaaten und über die gemeinsam mit den europäischen Organisationen unternommenen Schritte, den bedrängten Glaubensgenossen Hilfe und Unterstützung zu gewähren. Auf den vom „Committee" an die amerikanische Oessentlichkeit erlassenen Ausruf sind über 18 000 Dollar eingegangen, die zusammen mit den aus dem russischen „Massakerfonds" angewiesenen 5000 Dollar durch den „Hilssverein der Deutschen Juden" in Berlin abgeschickt worden sind. Wie der Vorsitzende ferner mitteilteist vom höchsten Gerichtshöfe des Staates New Dork der Auftrag ergangen, daß der 190 000 Dollar betragende Ueberschuß des vom