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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-21 · Heft 8 (21.2.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Meisters im Osten, der, mit unermüdlichem Meiste, seltener Pflichttreue und großem Mute diesen schwierigen Posten bekleidet. Kahser, der jetzt. 56 Jahre alt, ist-stets--der. Devise eines Feuerwehrmanns: „Gott zur Ehr, dem nächsten, zur Wehr" treu geblieben, hat von frühester Jugend an das regste Interesse und die tatkräftigste Arbeit für den Feuerwehrverein an den Tag gelegt. Am Abend fand im Stadtparksaal unter großer Beteiligung die Jubiläumsfeier der Wehr statt. Der Vorsitzende derselben, Herr Landtagsabgeordneter und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Levh, hielt die Festrede und schilderte in begeisterten Worten die großen Verdienste, welche sich Herr Kahser während seiner 25jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit um den Verein erworben. Als Zeichen dankbarer Anerkennung überreichte der Redner dem Jubilar ein prächtiges Bild, denselben als Feuerwehrmann und Brandmeister darstellend. Zu Ehren des Jubilars fand an demselben Tage ein offizielles Festessen statt, an welchem die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden sowie viele auswärtige Kameraden mit dem Provinzialfeuerlöschdirektor teilnahmen. W. Posen, 14. Februar. Am Sonnabend den 8. Februar ist hier Herr Rabbiner I. M. Caro im 80. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene war in unserer Provinz und weiter hinaus wegen seiner Gelehrsamkeit geachtet und geschätzt. Eine große Zahl von Schülern, die meist in Ehren und Würden im bürgerlichen Leben dastehen, beklagt den Heimgang ihres Lehrers, der ihnen allezeit Vorbild und Beispiel gewesen, die an ihm hangen und liebevoll zu ihm aufschauten, weil er sie auf dem Wege der Frömmigkeit und Religiosität geführt hat. Seit drei Jahrzehnten hat derselbe in der Synagoge der wohltätigen Freunde als Führer und Seelsorger ehrenamtlich gewirkt. Während eines Zeitraumes von 28 Jahren hat er die religiösen Veranstaltungen des^Friedensvereins durch eindrucksvolle Predigten gehoben' und stets ein reges Interesse für die Bestrebungen des Vereins an den Tag gelegt. Die persönliche Liebenswürdigkeit des Heimgegangenen gewann ihm die Herzen aller, die den Vorzug' hatten, ihm näher treten zu können. Am Tage der Beerdigung zeigte sich eine ernstheilige Stimmung unter seinen Gemeindemitgliedern. Das Gotteshaus, in welches die Leiche gebracht wurde, war gedrängt voll. Der Vorstand war vollzählig erschienen, ferner wohnten der Trauerandacht Vertreter aller Vereine innerhalb der Shnagogengemeinde bei. Herr Rabbiner Blum legte in seiner Rede den Psalm 92 zugrunde, und führte in vorzüglicher Weise aus, wie der Entschlafene als Rabbiner es verstand, durch Liebe und Sanftmut seine Gemeinde auf dem Pfade der Gerechtigkeit zu erhalten. Vom Kantor Wartenberg wurde eigens zu der Feier ein Psalm in Musik gesetzt und stimmungsvoll vorgetragen. Nach beendeter Trauerandacht bewegte sich der unzählbare Leichenzug nach dem Friedhofe, wo die sterbliche Hülle in der Reihe der Ehrengräber bestattet wurde. Die ungewöhnliche Beteiligung an dem Leichenbegängnis zeugte für die große Verehrung der Persönlichkeit, der sie galt. — Cosel, 14. Februar. Am 7. d. M. wurde nach schwerer Krankheit der emer. Prediger, Religionslehrer und Kantor Arnold Krolik, Inhaber des Kronenorderis, im Alter von 79 Jahren aus seinem arbeitsreichen Leben abgerufen. Mit seiner- Familie beklagen alle Mitglieder unserer Gemeinde schmerzerfüllt den Heimgang des unvergeßlichen Mannes, der säst sechs Jahrzehnte hindurch in unvergleichlicher Pflichttreue sein Wissen und Wirken in den Dienst der religiösen Erziehung der Heranwachsenden Jugend ge-' stellt hat.' Er war, wie ihm die Gemeindebehörden Nachrufen, ein Mann von vornehmem Charakter, idealer Lebensauffassung und tiefer Frömmigkeit, der Nicht nur durch sein Lehramt, sondern auch durch wahrhaft vorbildliche Lebensführung im Dienste echter Religiosität gewirkt und sich dadurch um die ihm anvertraute Gemeinde unver-' gängliche Verdienste erworben hat. Alle diejenigen, die Ge- - legenheit fanden, die vortrefflichen Eigenschaften und die schlichte Anspruchslosigkeit des allezeit hilfsbereiten Mannes näher kennen und würdigen zu lernen, werden die Erinnerung an den Entschlafenen mit unauslöschlicher Verehrung in dankbarem Herzen bewahren. L/D Stralsunds 14. Februar. Die hiesige, nur kleine Gemeinde steht plötzlich vor sehr großen Aufgaben, die sie zu leisten nicht imstande ist. Unsere beiden alten Gemeindehäuschen sind baufällig und müssen durch einen Neubau ersetzt werden; unsere Synagoge, die 126 Jahre alt ist, droht einzustürzen und mußte seit einiger Zeit durch uns geschlossen werden. Während wir nun das Beymtenhäus durch Aufnahme von Hypotheken zu bauen gedenken, wird uns der Um- oder Neubau der Synagoge wegen zu hoher Kosten direkt unmöglich, um so mehr, als wir erst im verflossenen Jahr durch den Erweiterungsbau des Friedhofes zirka 2000 Mark'verausgaben mußten. Der Umbauder Synagoge ist auf 12 000 bis 15 000 Mark veranschlagt. Die jüdische Bevölkerung in Vorpommern ist niemals groß gewesen, unsere Gemeinde ist wie alle anderen Gemeinden durch Wegzug und Aussterben wohlhabender Familien an Seelenzahl zurückgegangen: die Lasten sind bei uns ziemlich groß und müssen hauptsächlich von einigen bessersituierten Mitgliedern getragen werden. Ausgaben aber, wie sie uns jetzt bevorstehen, können wir nicht leisten. Wir wenden uns deshalb an-alle edeldenkenden Glaubensgenossen mit der herzlichen Bitte, uns durch liebenswürdige Beiträge in den Stand zu setzen, unserer Gemeinde wieder ein Gotteshaus errichten und unsere Institutionen erhalten zu können. Wer schnell gibt, gibt doppelt! Vorstand der Synagogengemeinde: Felix Blach. Philippsborn. LZ Elberfeld, 17. Februar. (Unlautere Agitation gegen das Schächten.) Am 4. d. M. ließ im- Viehhof der Elberfeld benachbarten Stadt Lennep der Schlachthosdirektor Klein in Gegen- .wart des Sanitätsrats Dr. Ramdohr aus Leipzig (beide Herren sind durch ihre Agitation gegen das Schächten bekannt) Probeschlachtungen nach Art des rituellen Schächtens vornehmen. Die benachbarten Sachverständigen, so zum Beispiel die Schlachthofdirektoren von Köln, Elberfeld und anderen Städten, hatten hierzu Einladungen erhalten. Ein. jüdischer Viehhändler aus Lennep, der bei den Vorgängen aus dem Schlachthose zugegen sein wollte, wurde hinausgewiesen. Es sollte festgestellt werden, daß die Tiere nach der Schlachtung sich noch erheben und etwas gehen können. Es wurde aber nicht, etwa ein geübter Schächter mit der Schlachtung betraut, sondern ein christlicher Metzger, ebenso wenig wurde ein einwand f r e i e s Messer, wie es für das Schächten notwendig ist, in Anwendung gebracht. Endlich wurden den Tieren sofort nach erfolgtem Halsschnitt die Fesseln von den Füßen gelöst. . Die unausbleibliche Folge war dann auch, daß zwei von den geschlachteten Tieren sich erhoben und ein wenig gingen, um dann zusammenzubrechen. Die Vorgänge wurden auf einem Film feftgehalten. Daß der Hergang sich so, wie hier geschildert, zugetragen hat, kann einwandfrei nachgewiesen werden. Der auf so unzulässige Weise hergestellte Film soll offenbar'zur angeblichen Aufklärung des Publikums verwendet werden, während er nur zu dessen Irreführung.dienen kann. Dieses Verfahren soll hiermit gekennzeichnet werden.- 8. T. Heidelberg, 14. Februar. Nicht oft vereinigt eine Feier für einen Dozenten , eine so große Zahl von Schülern, Freunden und Verehren als die Feier, die am letzten Samstag und Sonntag zu Ehren von Professor Viktor Golds ch m i d t s 25jährigem Dozentenjubiläum und 60. Geburtstag veranstaltet wurde. In aller Verschwiegenheit waren zu dieser Gelegenheit die Vorbereitungen getroffen worden. Freunde und Schüler, nicht nur einheimische, auch von auswärts, sogar Vertreter überseeischer' Nationen, hatten die Gelegenheit wahrgenommen, zu diesen Tagen nach Heidelberg zu kommen, um ihrem verehrten Lehrer und Freund ihre Anhänglichkeit zu beweisen. Als Vertreter der kanadischen Universität Kingston, deren Ehrendoktor der Gelehrte ist, war Professor Dr. Nicol erschienen. Es ist schwer, die Stimmung zu schildern, die im Hause G o l d s ch m i d t am Samstag vormittag herrschte, wo die Festgäste ankamen, um dem Jubilar ihre Glückwünsche auszusprechen. Das unerwartete Wiedersehen, die sichtbaren Beweise aufrichtiger Sympathie und Verehrung — die Schüler und Freunde ließen eine künstlerisch ausgeführte Photo-- graphienkassette überreichen, verschiedene naturwissenschaftliche Gesellschaften ernannten Viktor Goldschmidt zum Ehrenmitglied, ein hoher hessischer Orden wurde ihm zuteil, und viele andere wertvolle Geschenke wurden überbracht — löste eine so überwältigende Stimmung aus, daß jedem der daran Beteiligten diese Vorfeier eine wertvolle Erinnerung bleiben wird. Herr Otto Petters überbrachte die Glückwünsche des Heidelberger Vereins bildender Künstler und Kunstfreunde, deren zweiter Vorsitzender der Jubilar ist. Um 6 Uhr am Abend kamen die Festgäste in dem mit Flieder und Nelken reichgeschmückten Saal des Hotels „Prinz Karl" zu dem offiziellen Festessen zusammen. Auch bei dieser Feier kam die ungewöhnliche Verehrung und Hochschätzung, die Professor Goldschmidt bei all seinen Schülern und Freunden genießt, in verschiedenen Reden zum Ausdruck. Herr Geheimrat R. B r a u n s - Bonn würdigte iil einer längeren Ansprache die wissenschaftliche Bedeutung, die Viktor Goldschmidt zukommt. In klarer, allgemein verständlicher Weise skizzierte er die großen wissenschaftlichen Arbeiten, die Professor Goldschmidt geleistet, die neuartigen und geistreichen Methoden, die .er in '

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