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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-21 · Heft 8 (21.2.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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gängenen Jahre wiederum durch eigene Bemühung oder Vermittlung ' S tellung, insgesamt 120 Mann; in die Familie kehrten' aus der " Anstalt 240 zurück, ins Ausland gingen -114.; '-Der Andrang von ' arbeitsfähigen Kolonisten, von denen 80 Prozent' im Alter ‘ von 16 bis 30 Jahren und der Rest bis zu 60 Jahren stättd, War in diesem Jahre kein so starker. Es kam ein großer Teil B e dürft i g e r, denen Erholung und Pflege sehr not taten und die deshalb ihr Pensum an Arbeit nicht erfüllen konnten. Daraus erklärt es sich wohl auch, daß das D e f i z i t im Jahre 1912 mit 7680.20 Mark größer ist als in irgendeinem vergangenen Jahre, so daß sich der aus der Bleichröderschen Schenkung und anderen Zuwendungen früherer Jahre zusammengebrachte Betriebsfonds in beängstigender Weise reduziert. Die Zahl sämtlicher seit Eröffnung der Anstalt beherbergten Schützlinge beträgt jetzt rund 6000. Erwähnt sei noch, daß die Anstalt im verflossenen Jahre drei schwere Verluste erlitten hat. Ende Juni starb der erste Vorsitzende Herr M o r i tz R osen o w. An seine Stelle ist Herr Louis Kreslawsky getreten. Wenige Monate später^ am 3. November, verschied Herr Siegmund Bergel, der erste Schriftführer, und am zweiten Tage des laufenden Jahres wurde Frau H e d w i g B e h r e n d t, die treue Gattin und beste Helferin des Inspektors, von einem frühen Tode ereilt. — Wohltätige Gaben sind der Anstalt auch im verflossenen Jahre überwiesen worden. Anläßlich . ihres 70. Geburtstages wandte Frau Amalie Äpt verw. Nosenstiel dem nach ihr benannten Fonds 400 Mark zu, so daß er jetzt 6000 Mark beträgt. Das Oscar Tietzsche Ehepaar spendete der Anstalt anläßlich seiner Silberhochzeit 5000 Mark. 500 Mark spendete Herr L. Kreslawsky als immerwährendes Mitglied, weitere 600 Mark flössen dem Institut aus der Emil und Gertrud Mosse-Stiftung, 100 Mark aus der Wolf-Stiftung in Dresden .zu und eine gleich hohe Zuwendung machte Herr Emil P i n c u s. Die Höhe des Defizits, das trotzdem nicht zu vermeiden war, zeigt, wie sehr diese so überaus segensreiche Arbeiterkolonie noch des fördernden Wohlwollens weiterer Kreise bedarf. y. Berlin, 18. Februar. Der F r a u e n v e r e i n d e r B e r - liner Logen U. O. B. B. hat am 3. d. M. im eigenen Hause Brunnenstraße Nr. 41 in Berlin ein M ü t t e r - u n d Kinderh eim eröffnet. Der Zweck dieses Heimes ist, jüdischen Müttern vor und nach der Entbindung mit ihren Kindern Ausnahme zu gewähren. Wie wir erfahren, wird die Großloge diesem Heime ein jüdisches Mutterhaus für jüdische Krankenschwestern demnächst angliedern, das vorzugsweise zur Aufnahme der von der Großloge für sie ausgebildeten Krankenschwestern zur Erholung und weiteren Ausbildung dienen soll. Von einer Eröffnungsfeier dieser neuesten sozial-jüdischen Institution ist deshalb abgesehen worden, weil der genannte Frauenverein am 9. des kommenden Monats eine festliche Feier anläßlich seines 2 5jährigen Bestehens veranstaltet. y. Berlin, 18. Februar. Wie wir erfahren, hat Herr Justizrat Fuchs, der frühere Vorsitzende der Deutschen Konferenzgemeinsch'aft der Alliance Jsraelite Universelle, sein Amt als Vorsitzender des Berliner Lokalkomitees niedergelegt. Die Wahl seines Nachfolgers erfolgt in einer demnächst von dem stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Weiße einzuberusenden Generalversammlung. — Ueber die Behandlung der Staatslosen, unter denen sich bekanntlich eine sehr große Anzahl hon Juden befindet, hat ein Regierungsvertreter dieser Tage in einer Sitzung der Reichs- und Staatsangehörigkeits-Kommission die Erklärung abgegeben, daß die Staatslosen, sofern keine erheblichen Bedenken entgegenstehen, in das Heer eingestellt werden sollen, wodurch' ihnen ermöglicht würde, nach abgelegter Dienstzeit die Staatszugehörigkeit zu erlangen. Tilfit, 13. Februar. Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand am letzten Sonntag nach einer vorangegangenen Trauerseier im Gotteshaus die Beisetzung unseres früheren Rabbiners Dr. E h r l i ch statt. Die im Lichterglanz erstrahlende und mit Lorbeerbäumen und Topfpflanzen geschmückte Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf den Emporen hatten die Damen.Platz genommen. Die Amtsbrüder von Königsberg, Memel-» und Insterburg waren herbeigeeilt-, die aus dem Lande wohnenden Gemeindemitglieder hatten die schwer passierbaren Wege nicht gescheut, um ihrem verehrten Seelsorger das letzte Geleit zu geben. Vor der Almemor ruhte der schwarz ausgeschlagene Sarg. Die Feier nahm mit einem Trauergesange des Oberkantors Lemke ihren Anfang. Hierauf hielt der Nachfolger des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Rösel, die Trauerrede,; in der er ausführte: Größer noch' als im Leben sind die Frommen in ihrem Sterben. Der Heimgegangene fand - in ernster, stiller Arbeit seine volle Befriedigung. 'Was er hinterließ, ist ein Dokument wahrer Größe. Selbstlosigkeit, grenzenlose Bescheidenheit zeichneten ihn aus. Sein eiserner Fleiß, seine große Begabung hälfen ihn über alle' Schwierigkeiten des Lebens hinweg, lieber seiner Wissenschaft aber prangte 'Pas Wort des Psalmisten: „Des Wissens' 'Anfang istdie Gottesfurcht". Sein Wissen.war Lebensweisheit, das Endziel seines Strebens, Frieden. Die Rede schloß mit wärmen Worten des Trostes an die Hinterbliebenen. Hierauf feierte Lehrer S ü ß k i n d den Verblichenen namens der Kultusbeamten, des Vorstandes der Kreissynagogengemeinde sowie der jüdischen Lehrer der Provinz. Der Redner gedachte des innigen Verhältnisses,, das Zwischen dem Rabbiner und den Lehrern und Beamten geherrscht, der vielen geistigen Anregungen,'die er gegeben. Sodann sang Kantor Lemke das deutsche Lied: „Da unten ist Friede", das eine tiefgehende Wirkung ausübte. Rabbiner Dr. Be ermann aus Insterburg gab seiner tiefen Trauer um den Daheimgegangenen in beredten Worten Ausdruck: Aufzuklären, und zu belehren war dem Verstorbenen Lebensaufgabe. Er glich dem Labung spendenden Schatten eines Baumes. Er war eben ein Mann der Treue und ein Hort des Friedens, eine gewaltige Leuchte der Wissenschaft. Herr Rabbiner Dr. V o g e l st e i n - Königsberg hob die unentwegte Gottesfurcht Adolf Ehrlichs und.den Zauber seiner Persönlichkeit hervor. Ueber Tod und Grab hinweg bleibt er seiner Gemeinde, seinen Amtsbrüdern ein lange, lange leuchtendes Vorbild. Herr Rabbiner Dr. S t ei n - Memel feierte den Verstorbenen als einen Held des Glaubens, aber auch der Wissenschaft. Er fühlte Gott im Pulsschlage nach jeder edlen Tat und hals und diente, wo er konnte. Der Redner schloß mit den Worten: „Heil dem Erdensohne, an dessen Wirken man sich nach Aeonen erinnern wird." Ein ergreifender Gesang beschloß die Feier in der Synagoge. Hierauf setzte sich der endlos lange Kondukt nach dem alten jüdischen Friedhof in Bewegung. Nach dem üblichen Hazurtomim und El-mole-rachamim-Gebet wurde der Sarg in die Tiefe gesenkt. „ 22 Bromberg, 16. Februar. Am 13. d. M. feierte hier die allgemein verehrte Frau Henriette Pinn in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag. Ihre Kinder und Enkel sowie eine' stattliche Anzahl ihrer Verwandten aus nah und fern hatten sich um die Jubilarin'geschart, um ihr zu diesem Ehrentage Liebe und Verehrung zu zollen. Auch aus Rakel hatten die jüdische Gemeinde und deren Wohltätigkeitsvereine Deputationen zur Beglückwünschung entsandt. Als Erster überbrachte Herr Rabbiner Dr. Perlitz die Wünsche der Gemeinde. Unter Zugrundelegung der Spr. Sal. 31, 29 bis 31 pries er die langjährige und vielseitige humanitäre Tätigkeit der Jubilarin und dankte in wehmütigen, schmerzlich bewegten Worten für alle Liebe und Freundlichkeit, welche Frau Pinn so viele Jahre hindurch auch seiner verstorbenen Gattin erwiesen, und schloß mit dem Priestersegen. Herr David Jtzig gratulierte namens des Gemeindevorstandes und des Repräsentantenkollegiums, und verlas und überreichte eine der Jubilarin von beiden Gemeindekörperschaften gestiftete Adresse. Im Austrage des jüdischen Frauenvereins, dem Frau Pinn seit 40 Jahren (hiervon 28 Jahre als Vorstandsmitglied) angehört, gab sodann Frau Ei sack der Anerkennung, dem Danke und den treuen Wünschen des Vereins in-herzlichen Worten Ausdruck und überreichte als Festgabe des Frau'envereins eine wohlgetrossene, vergrößert^ Photographie der Frau Dr. Perlitz, Auch die beibeit andern jüdischen Wohltätigkeitsvereine in Rakel, die seit Jahren in treuer, gemeinsamer Arbeit mit dem Frauenverein edles Wohltun an Armen und Kranken üben, statteten unter Ueberreichung einer prächtigen Palme und eines Blumenarrangements Glückwünsche ab: Herr Michel für den Krankenunterstützungsverein und Herr B a s ch w itz für den Verein Bne-briss. Frau Pinn dankte tief gerührt und in bewegten Worten für soviel — wie sie bescheiden meinte — unverdiente Anerkennung, Liebe und Verehrung, versprach aber, durch fernere eifrige Tätigkeit im Dienste.der Humanität sich diese freundliche Gesinnung und das ihr gespendete Lob zu verdienen. — An die Gratulationscour schloß sich ein gemütliches Beisammensein der Gratulanten mit der Jubilarin und ihren Angehörigen. 8. L. Hohensalza, 14. Februar. Die hiesige freiwillige Feuerwehr beging am 10. d. M. die Feier ihres 25jährigen Bestehens, verbunden mit dem Jubiläum unseres Glaubensgenossen, des Brandmeisters Herrn Sally Kahser, des einzigen jüdischen Brand-

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