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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-21 · Heft 8 (21.2.1913) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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wuchsen. Außer dem Aufsatze von Baß'sind einzelne Gedichte des Dichters und interessante Studien über ihn in dem Bande mitgeteilt. — Sa l a m v n D e m b i tz e r : Wolken. Jargongedichte. Gesängen vom Leben. — Vun mein Mammes Tag. — Jüdische Toner. Antwerpen. S. Kahans Verlag. 1912. Manche der in der kleinen Sammlung gedruckten Gedichte sind schon in unserer Zeitung veröffentlicht worden. Zum Lobe des begabten Poeten ist nichts weiter zu sagen, als was ich schon mehrfach ausgesprochen habe. Leider muß aber auch der Tadel ausgesprochen werden; der Verfasser bewegt sich immer und immer wieder in denselben, von ihm schon häufig betretenen Gleisen. Um sich wirklich als Dichter befähigt zu erweisen, müßte er sich endlich aufraffen und an einem größeren epischen oder novellistischen Stoffe seine Kräfte üben. An solchen -kleinen Stimmungsbildchen hab«n wir nun genug, darin ist kein Fortschreiten zu bemerken, sondern nur eine ewige Wiederholung. L. G. , Gemeinde zu einer Einheit' Zusammengeschlossen sind. Diese unverbrüchliche Einheit kann weder durch Erklärungen liberaler Rabbiner noch durch Erklärungen orthodoxer odertraditiouell-gesetzestreiier Rabbiner erschüttert werden. . 2. Keiner Richtung im Judentum steht das Recht zu, einer anderen die Zugehörigkeit zur religiösen Gemeinschaft abzusprecheu oder ihr den Makel per Minderwertigkeit anzuheften. 3. Wir bedauern und mißbilligen, daß eine Anzahl von Rabbinern einer bestimmten Richtung für sich das Recht in Anspruch nimmt, religiöse Entscheidungen, Funktionen oder den Religionsunterricht der von den jüdischen Gemeinden gewählten Rabbiner als ungültig oder gefährlich zu erklären. 4. Wir tragen den verschiedenen, in der Gemeinde bestehenden religiösen Richtungen Rechnung, und werden jedem Vorgehen entgegentreten, das geeignet ist, die Autorität unserer Rabbiner zu beeinträchtigen. * * ii! Posen, den 14. Februar 1913. * ' ' * . — D i e Ernährung v o n Zuckerkranken. Nebst prak- - tischen Anweisungen für die Diabetesküch'e. Von Professor Dr. Albert Albu in Berlin. Carl Marhold Verlagsbuchhandlung, Halle a. S. 1912. Dieses Buch soll zunächst ein Leitfaden für den Arzt sein, an der Hand dessen er die Diabetesküche in zweckmäßiger Weise einrichten kann. Denn der Arzt, der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten vernunftgemäß behandeln will, bedarf auch' einer guten-Erfahrung in der Kochkunst, und für die Zuckerkrankheit erweist sich eine wissenschaftliche Diätetik fast noch notwendiger als für die Verdauungskrankheiten. Aber dieses Buch wird auch dem Laien und insbesondere dem zuckerkranken Laien von großem Nutzen sein. Er wird daraus vor allem ersehen, daß nicht die Herabdrückung des Zucker-Prozentsatzes das Ziel aller Wünsche sein darf, sondern daß die Beseitigung aller' wirklich gefährlichen Erscheinungen des Zuckerleidens und die allmähliche Erhöhung der Toleranz für die Kohlenhydrate (Mehl- und Zuckerstofse) in erster Linie stehen muß. Er wird ferner erkennen, warum der Arzt neben der Unterdrückung der Zuckerausscheidung den gesamten Ernährungszustand zu erhalten oder aufzubessern bestrebt ist, und wie sehr dieses zugleich ein Verfahren der Krankheitsheilung darstellt. Tröstlich wird vielen Diabetikern — und zu ihnen gehört ja eine große Zahl unserer Glaubensgenossen — die Versicherung des Verfassers sein, der bekanntlich ein bedeutender Arzt und Diätetiker ist, daß die Zuckerkrankheit im allgemeinen keine schwere Krankheit ist, ja daß sie sogar zu den leicht beeinflußbaren Erkrankungen gehört. Wegen der Häufigkeit und Wichtigkeit des Leidens wollen wir folgenden Satz hier ansühren: „Ein Kampf gegen die „Diabetesdisposition" bedeutet nichts anderes als die rationelle Stärkung des Nervensystems durch allgemeine Verbesserung der Körperpflege (Turnen und Sport, Lust- und Wasserbäder und dergleichen mehr), durch die Vermeidung der ununterbrochenen Hast und Aufregungen im geschäftlichen und beruflichen Leben und des schrankenlosen Strebens nach materiellen Gewinnen und Genüssen, durch eine vernünftigere körperliche und geistige Erziehung der Jugend, als sie bei dem modernen Großstadtinenschen leider vielfach üblich geworden ist, durch Zweckmäßige Regelung von Schlaf und Arbeit, Tätigkeit und Ruhepausen und dergleichen mehr." Das äußerst belehrende Buch, das gemeinverständlich und anregend geschrieben ist und durch seine genauen Hinweise aus die Ernährung des Zuckerkranken und die bis ins einzelne gehenden Anweisungen über die Art der Herstellung und Zubereitung der Speisen auch sehr Praktisch und wertvoll ist, verdient die wärmste Empfehlung und weiteste Verbreitung. Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l, Lissa i. P. Syrechsaal. Beschluß der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde zu Posen vom 28; Januar 1913. Die Repräsentantenverfammlung der jüdischen Gemeinde zu Posen hat in ihrer Sitzung vom 28. Januar 1913 folgenden Beschluß mit H) gegen 5 Stimmen gefaßt: 1. Innerhalb des deutschen Judentums bestehen die verschiedensten Anschauungen und Richtungen, die durch das Band der jüdischen In Engels „Deutsche Stilkunst" schreibt der Verfasser in dem Kapitel „Sprachschulmeistern": „In allerneuester Zeit haben wir dann die widerwärtige Spielart des groben Pedanten erlebt, der alles Sprachunheil Deutschlands von den Juden herleitet. Der Beweis ist ja so leicht zu führen: für „silberne Hochzeit" zu sagen „Silberhochzeit", darauf kann zum erstenmal nur ein Jude verfallen sein." (Wustmann.) Die frühesten Fundstellen für Silberhochzeit stehen bei Johann Heinrich Voß und Johann Wolsgang Goethe; das gut gebildete Wort kommt bei Börne und Heine überhaupt nicht vor. Worms. S. Rothschild. * Wenn alle deutschen Lande die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig festlich begehen werden, wird der Wiesbadener Synagogengesangverein gleichzeitig das Fest seines 50jährigen Bestehens feiern. Wenn ich als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender dieses Vereins auf die Entwickelung unseres Chors zurückblicke, so empfinde ich ein Gefühl der Befriedigung; besonders deshalb, weil wir auf die Ausgestaltung unseres hiesigen Gottesdienstes einen künstlerischästhetischen Einfluß ausgeübt und weil wir nur echte Synagogenmusik ausgeführt und alle profane — auch die „kirchliche" Choralmusik — ausgemerzt haben. Welch genußreiche Stunden bereitete uns schon das Studium unserer Klassiker, wie Sulzer, Naumburg, Lewandowski und Deutsch; mit' welch großem Interesse beobachteten wir, wie die Meister Birnbaum, Henle, Kirschner, Tennenbaum und andere es verstanden haben, den Synagogengesangstil mit moderner Musik zu verbinden. — Es schärft sich das Verständnis für Chasonus und das Urteil über Synagogengesänge, wenn man 50 Jahre aktiv im Synagogenchore mitwirkt. Unser Chor hat sich seit langem befleißigt, einer künstlerischen Höhe Zuzustreben, und diesem Bestreben verdanken wir es, daß eine ganze Anzahl von Tonkünstlern Shnagogengesänge für unseren Chorgeschaffen und sie unserem Vereine gewidmet haben. So sind wir 311 einer stattlichen Sammlung von Manuskripten gelangt, unter denen sich manche Perle des Synagogengesanges befindet. Es wäre Egoismus, wollten wir anderen Synagogen diese wertvollen Gesänge vorenthalten. Man muß es daher als eine nmsikälische Tat begrüßein daß unser geschätzter Oberkantor, Herr Nußbaum, in Gemeinschaft mit unserem tüchtigen Dirigenten, Herrn Musikdirektor Otto Wernicke. sich der Mühe unterziehen, Ironoris causa die „Wiesbadener Synagogengesänge" zu unserem Jubiläum herauszugeben. Die Ausgabe wird einen stattlichen Quartband füllen und außer Gesängen für die verschiedensten Gottesdienste des Jahres einen Zyklus von Predigtliedern von Professor Nicolai von Wilm enthalten, der für viele Synagogenchöre eine willkommene Gabe sein wird. Wir haben eine Subskription eröffnet; denjenigen Gemeinden und Kantoren, welche bis zum 1. Llpril subskribiert haben, sind Vorzugspreise bewilligt, außerdem werden sie in einem Anhang als Förderer des Unternehmens aufgeführt werden. Es liegt im Interesse der Herren Kantoren, ihre Gemeinden zur Anschaffung unseres Werkes zu veranlassen, denn das Aufführungsrecht unserer Gesänge steht gesetzlich nur denjenigen Gemeinden zu, die mindestens ein Exemplar käuflich erworben haben. Wiesbaden, den 6. Februar 1913. Benedict Straus. E

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