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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-21 · Heft 8 (21.2.1913) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
Seite 95 (sequence 11)
Language
German
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Gedanken zu Segalls Buch über die deutschen Juden. (Segall, die beruflichen und sozialen Verhältnisse der Juden in Deutschland. Berlin1912, Verlag Schildberger). Von Privatdozent Dr. I. Hirsch, Köln. Sonderabdruck der K.-C.-Blätter. Die Rassenmerkmale der Juden. Eine Einführung in ihre Anthropologie von Dr. Maurice Fishberg. Mit 42 Tafeln in Kunstdruck. 1913. München, Verlag von Ernst Reinhardt. Preis 5 Mark, gebunden 6.50 Mark. Der Weg zum Weltfrieden im Jahre 1912. Pazifistische Chronik. Zusammengestellt von Alfred H'. Fried. Berlin, Wien, Leipzig. Verlag der Friedenswarte. . . Publication No. 4. The Economic Conditions of Judaea after the üestruction of the Second Temple by Adolph Büchler, Ph. D. London 1912. The Book of Delight and other papers by Israel Abrahams, M. A. Philadelphia. The jewish publication society of America. 1912. - Separatabdruck aus Band V der „Geschichte der Stadt Wien". Herausgegeben vom Altertumsvereine zu Wien.. „Geschichte der Juden . in Wien bis zum Jahre 1625" von Dr. Ignaz Schwarz. Mit 9 Textsiguren und 9 Tafeln. Wien 1913. Kommissionsverlag Gilhoser und Ranschburg. Separatabdruck aus Band V der „Geschichte der Stadt Wien". Herausgegeben bom Altertumsverein zu Wien. „Geschichte der Juden in Wien 1625—1740" von Dr. Max Grunwald. Mit 12 Textillustrationen und 9 Tafeln. Wien 1913. Kommissionsverlag Gilhoser und Ranschburg. Jsmael Friedmann von Carl Hauptmann. 1913. Ernst Rowohlt, Verlag in Leipzig. . ' Lttersrilche Mittettungm. — 11 m s L a n d d e r V ä t e r. Von Luise Algenstaedt. Preis 3.50 Mark. 1912. Verlag von Edwin Runge, Berlin. Luise Algenstaedt hat eine merkwürdige Spezialität: sie schreibt zionistische Geschichten mit christlicher Tendenz. Bisher waren dies meist kleine Novellen, die freilich offen genug diese Anschauung verfochten. Jetzt tritt sie mit einem größeren Roman auf den Plan. Der Roman ist nicht uninteressant; besonders interessant deswegen, weil die Verfasserin!, soviel ich' weiß, eine Christin, sich mit vielem Fleiß in das jüdische Leben zu versenken versteht, obgleich sie bei der Anwendung hebräisch-jüdischer Ausdrücke gar manche Fehler macht. Das Ganze gibt die Geschichte einer jüdischen Auswandererkolonie in Pa-, lastina und schildert mit großem Geschick, wie eine Gesellschaft von Kolonisten, die in Rußland ihres Lebens und Eigentums nicht mehr sicher waren, nach Palästina auswandert und dort mit Beständigkeit und Fleiß ein Stückchen Land urbar macht und eine ansehnliche Kolonie ins Leben ruft. Die verschiedenen Charaktere dieser Bewohner des ehrwürdigen Landes: ein Thoraschreiber, der zugleich Vorsteher und Seelsorger der Genossenschaft ist, seine blinde Frau, eine Anzahl tätiger Männer, darunter ein auf die Schönheit seiner Gattin ungemein eifersüchtiger, viele andere, die während der Woche fleißige Arbeiter sind und am Sabbat gelehrte Studien treiben, einer, der sein altes Händlerwesen nicht aufgeben will und schließlich, nachdem er durch die üblen Angewohnheiten, .die er von seiner Heimat mitgebracht, die Genossen geschädigt, nach Rußland Zurückkehrt, ein anderer, ein schlechter Bursche, der vor Diebstahl und Mord nicht zurückschreckt und schließlich der Blutrache der Araber, deren einen er getötet, zum Opfer fällt, alles dies wird höchst anschaulich und liebevoll geschildert. Man möchte das Ganze wegen solcher Partien und namentlich wegen der Innigkeit, mit der hier die Grundlegung eines jüdischen Staates, der durch kleine Ackerbaugemeinwesen vorbereitet wird, gepredigt ist, für einen echt jüdischen Roman halten und könnte das Ganze, ohne sonst irgendwie für Zionismus zu schwärmen, für eine, erfreuliche Dichtung halten, um so mehr, als diese einfachen Mensch'en <in ihrer eifrigen Tätigkeit, in ihrer Freudeden Plagen und Qualen ihrer früheren Leidenszoit entronnen zu sein, in ihrer Hoffnung auf einen Messias, der dazu bestimmt ist, ihnen die alte Herrlichkeit ihres Stammes wiederzugeben, den Leser rühren und ihm wirklich ans Herz greifen. Aber man erkennt bei aufmerksamem Lesen des Ganzen, daß diese Verklärung des Judentums und die utopistische Schilderung einer zionistischen Gemeinschaft nicht die Hauptsache sind, auf die die Verfasserin losgeht. Ihr eigentliches Ziel ist vielmehr die Verquickung dieses jüdischen Volkstümsgedankens mit dem Christentum. Die schon erwähnte blinde Frau des Thoraschreibers hat bei einem Besuche der Stadt Haifa Judenchristen, d. h. solche, die alle jüdischen Gebräuche beibehalten, aber an Christus glauben, gehört, und der eigentliche Held des Romans, ein Findling, Samuel, der von dem Thoraschreiber und dessen Gattin an Kindesstatt angenommen, worden ist, ist dazu berufen, das Ideal der Verfasserin zu erfüllen. Es schwebt ihr. etwa als Ziel vor, in diesem Jüngling den verheißenen Messias darzustellen, den Nachfolger Christider die christliche Religion als die Verklärung des Judentums hinstellt und seine ehemaligen Glaubensgenossen zu diesem Bekenntnis führen soll. Wohl gemerkt: sie sollen nicht etwa das Judentum abschwören, noch viel weniger gegen Juden auftreten, sondern sie sollen jüdisches Volkstum mit der Ueberzeugung verbinden, daß das wahre Htzil nur in Christus zu finden, daß die eigentliche Verheißung des Messias also bereits erfüllt sei. Man sieht aus diesen Andeutungen, daß man es in dem Roman mit seltsamen Gedankengängen zu tun hat. Gehörte die Verfasserin dem Judentum an, verriete sie in ihren Erfindungen und Deklamationen wirklich das Endziel zionistischen Strebens, so müßte man in ihren Darlegungen eine große Gefahr erblicken; da sie aber nur ihre Gedanken, man könnte fast sagen, ihre seltsamen Träumereien verrät, so wird man sich über ihre Anschaungen nicht sonderlich ausregen, denn daß diese nie und nimmer zur Wirklichkeit werden können, wird jeder Verständige einsehen. Fraulein Algenstaedt hat entschieden ein großes Talent, sie versteht packend zu erzählen, Plastisch zu schildern, aberes wäre ihr doch dringend anzuraten, ihre Begabung auf anderem Gebiete zu bewähren. Denn gläubigen Christen kann ihre Erzählung und das Ziel, aus das sie lossteuert, nur höchst unwillkommen sein; den Juden, die an ihrem Glauben wirklich sesthalten und selbst den Zionisten, die ein reines jüdisches Volkstum oder die Entwicklung eines wirklichen jüdischen Staats begehren, muß dieses Zukunftsbild widerwärtig erscheinen. nbxnv .nwvb 'n b^n Das Judentum und seine Zukunft. Von M. F. Kohl. Im Selbstverläge des Verfassers. Zu haben bei A. I. Hosfmann, Frankfurt a. M. 21 X> Seiten. Wenn ich nicht irre, schreibt Heine irgendwo über eine Schrift Hegels, daß sie anfänglich von zweien verstanden wurde: vom lieben Gott und vom Verfasser. Dreißig Jahre später habe sie nur der liebe Gott verstanden. Ich befürchte, daß der Verfasser obengenannter Schrift das Schicksal Hegels teilen wird, wenn er dasselbe Schicksal nicht jetzt schon teilt. Ich zitiere folgendes: „Eine Betrachtung des Gottesbuches für sich schließt jeden Zweifel über etwaige Einmischung fremdartiger Produktionen aus. Die menschliche Sprache ist eine Korrelation reell-ideeller Subjektivurteile relativer Natur. Die korrelative Qualität läßt durch die Art der kausalen Modi auf Zahl, Eigenart, etwaige Lebensweise usw. der Autoren schließen. Die gewollte Mivimsonderung des Schöpfungswortes erhält sich durchweg, und das Zelem und Demut des Menschen zeigt jeder Buchstabe" usw. In dieser Weise philosophiert der Verfasser über die Zukunft des Judentums. Leider kann ich ihn nicht widerlegen. - G. K. * v — R aab e - G edächt nis s ch r i s t. Herausgegeben von Professor Dr. Heinrich Goebel. Erstes Sonderheft der. „Lernen". Monatsschrift für Literatur und Kunst. Im Lenien-Verlüg zu Leipzig 1912. Ich schätze Wilhelm Raabe sehr hoch, aber ich glaube, es wird jetzt nach seinem Tode zu seiner Verherrlichung, etwas zu viel getan. Trotzdem empfehle ich dies eben erschienene, hübsch ausgestattete Buch um so mehr, als ein Abschnitt von Josef Baß „Die jüdischen Gestalten bei Raabe"' sich unter den verschiedenen Studien findet. Es werden hier die einzelnen Werke „Frühling", „Hungerpastor", „Hollunder Blüten", Höxter und Corvey" durchgenommen, die jüdischen Typen geschildert und an der Hand der Werke sowie einiger Briefe aus Raabes Freundeskreise gezeigt, daß er nicht zu den Antisemiten zählte, daß er die Juden vielmehr so darzustellen suchte, wie er sie ansah, gar manchmal einzelne Juden verklärte, und wenn er Ungünstiges über Juden -zu berichten hattedies aus den ungünstigen Bestimmungen zu erklären sich bemühte, unter denen sie empor»

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