Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229069-3229078--69219-3281509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
bestand 1865 iba§: Abiturientenexamen mit Auszeichnung. Wie hoch Michael Sachs die. Begabung und das redliche Vorwärtsstreben des jungen Kurländers schätzte, geht daraus hervor, daß er ihm die Erziehung und den Unterricht seines so. früh verstorbenen ältesten Sohnes Theodor Elchanan anvertraute?) Die geringen Mittel, die er als Lehrer im Sachsschen Hause sich erworben hatte, sowie ein von der russischen Regierung ihm für die Dauer von drei Jahren gewährtes Stipendium von 300 Rubeln jährlich gaben ihm die Möglichkeit, die Berliner Universität zu besuchen und sich sorgenlos dem Dtudium der Philosophie und orientalischen Sprachen zu widmen. Auf Grund seiner Dissertation „De iudicio ab Aristotele de republiea Platoniea", die 1872 erweitert in Berlin als Buch erschien, erhielt er im August 1868 von der philosophischen Fakultät in Halle den Doktortitel und kurze Zejt darauf von einigen hervorragenden talmudischen Kapazitäten das Rabbinerdiplom. Nachdem er sodann über ein Jahr in Berlin als Neligionslehrer gewirkt hatte, wurde er 1870 als Rabbiner nach Neidenburg und von dort zwei Jahre später in gleicher Eigenschaft nach Riga berufen. Allein seine Wahl wurde durch die Quertreibereien der dortigen Orthodoxie von der Regierung nicht bestätigt, die ihn aber, mm den Frieden in der Gemeinde nicht zu gefährden und zugleich dem von ihr geschätzten und wiederholt unterstützten Gelehrten eine gesicherte Existenz zu bieten, zum Leiter der jüdischen Volksschule ernannte, welches Amt er bis 1895 zum Segen der Rigaer jüdischen Gemeinde bekleidete. Die Zeit seines Rigaer Aufenthaltes war auch die fruchtbarste seiner 'literarischen Tätigkeit. Schon in Berlin hatte er durch seine zahlreichen Aussätze in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", in der „Zeitschrift" von Abraham Geiger, im Hakarmel, wie auch insbesondere durch seinen hebräischen'Briefwechsel mit Samuel David Luzzatto im „Hamagid" die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt, die es mit Genugtuung begrüßten, daß er in glänzend .geschriebenen Abhandlungen die Gegner von Michael Sachs, insbesondere den Uebersetzer des Traktat Berachoth, Dr. Pinner, mit der witzigen Bemerkung nimm ad absurdum führte. Erwähnt sei auch feine noch jetzt lesenswerte Schrift „Vaterland und Landesvater". Die Krone seines Berliner - Schaffens jedoch bildete die von ihm nach dem Hinscheiden von Michael Sachs bewirkte Veröffentlichung dessen mit eigenen Anmerkungen versehenen Kommentars zum Machsor unter dem Titel "1*0, wo er in der Einleitung mit. ergreifenden Worten des treuen Lehrers und Freundes gedenkt und - ihm Liebe und Treue über das Grab hinaus gelobt. In Riga erreichte EhrM)s literarische Wirksamkeit den 'Höhepunkt. Hier war es besonders die hebräische Literatur, an deren Förderung und wissenschaftlicher Ausgestaltung er den regsten Anteil nahm. Seine/Essays. im Hamagid, Hamelitz, Ben Chanania, Knesseth Israel tragen das Gepräge des unverfälschten Hebräismus und zeugen von der wissenschaftlichen Gründlichkeit ihres Urhebers. Da er während seines Aufenthaltes in Neidenburg sich naturalisieren ließ, mußte er im Dezember 1894 als Ausländer sein Geburtsland verlassen und kam so in seine zweite Heimat zurück, um die letzten Jahre seines Lebens als Rabbiner in Tilsit abzuschließen. Auch hier fand er neben seiner beruflichen Tätigkeit noch Zeit und Muße fürfein literarisches Schaffen. Allein in den letztem Jahren wurde er von schweren körperlichen Gebrechen heimgefucht, die er zwar mit beispielloser Geduld ertragen hat, die aber nach und nach seine unerschöpflich scheinende Arbeitskraft untergruben und seinem, segen- und wirkungsreichen Leben zum Leidwesen der Hinterbliebenen und zum Schmerze aller, die ihn gleich Mir -kannten und verehrten, ein jähes Ende bereiteten. Januach baschalom! Albert K a tz. Rabbiner Dr. Adolf Ehrlich, geb. 20. September 1837, gest. 5. Februar 1913. a) Im Morgengebet zum zweiten Rosch haschana-Tage bei der Jozer-Stelle weist Sachs mit fchmerzbewegten Worten auf den frühen Tod seines erstgeborenen Sohnes Elchanan hin. flj berlsndesgkrichtsrst Dr.,Alkred Lohen, gestorben am 16. Ianuar 1913. ekXr. Alfred Cohen wurde am 9. August 1853 zu München geboren als Sohn des Kaufmanns Ludwig Cohen und seiner Gattin Klara, geborene Pflaum. Seine Vorliebe zur Jurisprudenz zeigte sich schon auf dem er stets der beste Schüler war. verbrachte er in München und (Referendar) war. er in seinen Staatskonkürs Gymnasium, in dem Seine. Studienjahre Leipzig. Als Rechtspraktikant München tätig. Nachdem er (Assessorexamen) 1879 mit außergewöhnlich guter Note bestand und 1878 den Doktorgrad erworben hatte, war er einige Zeit bei dem bekannten Justizrat Dr. Aub tätig, der damals eine der ersten Kanzleien Münchens hatte und der Cohen zum Afsocie nehmen wollte. Da Cohen aber durchaus Richter werden wollte, lehnte er das Anerbieten ab. Er bekam 1881 seine erste Anstellung als dritter landgerichtlicher Staatsanwalt in Landshut und war von 1883 an bis zu seinem Tode als Richter tätig. , Zuerst am Amtsgericht München I, seit 1893 als Landgerichtsrat daselbst, seit 1901 als Oberlandesgerichtsrat. In letzterer Stellung war Cohen einmal Präsident des Schwurgerichts und hatte zweimal die Korrektur einer Arbeit der Staatskonkurrenz vorzunehmen. Seit 1911 war Cohen auch