Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-14 · Heft 7 (14.2.1913) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229077--69209-3281498
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bnjj Henriette Arendt die Bilder der jüdischen Kinder als Postkarte hat vervielfältigen lassen, die sie zur Erlangung von Geldmitteln in jüdischen Kreisen verbreitete. Wir haben uns nun bemüht, authentisches Material über die jüdischen Fälle zu erhalten, doch ist uns dies bisher nicht geglückt. Wir möchten nur bemerken, daß gerade die Angaben über die jüdischen Kinder mit größter Vorsicht aufzunehmen sind, da Henriette Arendt selber getaufte Jüdin ist. W. Posen, 7. Februar. In der ersten Sitzung in diesem Jahre wurden die am 7. v. M. gewählten Repräsentanten in ihr Amt eingeführt und verpflichtet. Bei der Bildung des Bureaus ergab sich folgendes Resultat: Herr Geheimer Kommerzienrat Herz, Vorsitzender, Herr Kaufmann Manasse Werner, stellvertretender Vorsitzender, Herr Justizrat Mau he im er, Schriftführer, HerrKausrnanu Friedenthal, stellvertretender Schriftführer. Die Repräsentanten wählten sodann in den Vorstand der Synagogengemeinde die Herren Kaufmann Israel Friedländer, Stadtrat E lk e l e s, Geheimen Justizrat S a l o m o n, Ingenieur K u c z y n s k i und Kaufmann Samuel P eis er. — Zn Handelsrichtern sind ernannt die Herren Generalagent Max Czapski und zum stellvertretenden Handelsrichter - Bankdirektor Ignatz Goldschmidt. — Herr Nathan I a c o b i, Beamter der Synagogengemeinde, ist nach längerem Leiden aus dein Leben geschieden. Der Heimgegangene galt alle Zeit als ein Vorbild strengster und gewissenhaftester Pflichterfüllung und zeichnete sich durch liebenswürdiges und zuvorkommendes Wesen aus. Am Leichenbegängnis nahmen auch der größte Teil der Gemeinde sowie die Mitglieder der Bne Brith-Logen teil. — Der des Mordes an dem Kaufmannslehrling Musial mitverdächtige Kellner Kutzuer, der sich lange Zeit verborgen hielt, ist jetzt nach Posen gebracht worden und soll seine Gegenüberstellung mit den ebenfalls verdächtigen Szasranskischen Eheleuten zu einer Aufklärung in dem sattsam bekannten, den Juden fälschlich zugeschobenen Ritualmord dienen. A. N. Chemnitz, 7. Februar. Mein in der vorigen Nummer zum Abdruck gelangter Bericht über die Jahresversammlung der Konferenz israelitischer Lehrer im Königreich S a ch s e n ist leider durch ein Versehen der Druckerei zum Schluß mitten im Satze abgebrochen worden. Ich bitte Sie daher, den Schluß des Berichtes in der nächsten Nummer nachtragen zu wollen: Herr L i eb e r m e n s ch - Plauen wies in seinem Referate über die jüdischen Jugendvereine Deutschlands zunächst aus deren geschichtliche Entwickelung hin und sprach dann an der Hand zahlreicher Beispiele über deren kulturelle und religiöse Wirksamkeit. Eine Debatte folgte nur auf den ersten Vortrag über die Behandlung der biblischen Wunder im Religionsunterricht. An ihr beteiligte sich mit besonders eingehendem Interesse der Gemeinderabbiuer Herr Dr. Hugo Fuchs, der als Gast der Tagung beiwohnte und sich sowohl durch seine freundlichen Begrüßungsworte als auch durch seine lebhafte Beteiligung an den Arbeiten der Konferenz die Sympathie aller Konferenzteilnehmer erwarb. — Regensburg, 7. Februar. Die hier erscheinende „Deutsche Israelitische Zeitung" teilt folgenden Vorfall mit: In Regensburg starb ein Katholik, von dessen Tod auch jüdische Blätter Notiz nehmen sollten, namentlich dort, wo die Sitte des frühen Begrabe ns, ehe der Tod zweifellos sicher ist, noch besteht. Der „Negensb. Anz." berichtet: „Zum zweiten Male im Leichenwagen auf den Friedhof geführt wurde gestern der 70jährige vormalige Fabrikarbeiter Max Weinhändler von hier. Als Bursche von 19 Jahren wäre er — infolge von Starrkrampf als tot betrachtet — beinahe beerdigt worden. Im letzten Augenblicke noch, als er im Sarge eben ins Grab gesenkt werden sollte, konnte er sich als lebend bemerkbar machen." Er hat also, nachdem er zum ersten Male „tot" war, noch 51 Jahre gelebt. Sollte man nicht erst dann begraben, wenn der Verwesungsbeginn kenntlich ist? — Dülmen, 7. Februar. Die hiesige jüdische Schule wird nur von vier Kindern besucht. Für die Unterhaltung der Schule zahlten bisher der Staat 900 Mark und die Stadt 1400 Mark Zuschuß. Einer Anregung der Regierung folgend, hatte der Magistrat beschlossen, die Schule eingehen zu lassen. Die Synagogengemeinde hat sich nun bereit erklärt, die Hälfte des bisherigen städtischen Zuschusses, also 700 Mark, jährlich zu zahlen. Die Stadtverordneten beschlossen nun, vorläufig noch 700 Mark zu zahlen; falls aber die Schülerzahl nicht zunimmt, soll in der Folge nur der Zuschuß gewährt -werden, den die Stadt für jedes Kind der Volksschule zu zahlen hat. Halberstadt, 9. Februar. Am 6. d. M. ist hier Herr Ätadtrat Gabriel Hirsch infolge eines Herzschlages Plötzlich verschieden. Der Entschlafene war Mitinhaber der weltbekannten Firma Aron H i r s ch u. S v h n, die jetzt zum zweiten Male innerhalb kurzer Frist den Tod eines ihrer Senioren beklagt. Um den Heimgang dieses mit den herrlichsten Eigenschaften des Geistes und Herzens begnadet gewesenen Mannes trauern weite Kreise der Halberstädter Bevölkerung, insbesondere aber unsere Glaubensgenossen, zu deren vornehmsten Vertretern er zählte und gleich dem ihm im Tode vorangegangenen Kommerzienrat Benjamin Hirsch für das Gedeihen der Geineinde segensreich wirkte und an allen Bestrebungen zur Hebung des Judentums den regsten Anteil nahm. F. Göttingen, 10. Februar. Dank den eifrigen Bemühungen des ersten Vorstehers der hiesigen Gemeinde, Herrn Her m. I a c o b, haben die Gemeindebehörden sowie die Gemeindeversammlung einstimmig beschlossen, sämtlichen Gemeindebeamten Pensions- und Reliktenversorgung nach dem preußischen Beamtengesetz zu gewähren. Göttingen ist die erste hannoversche Gemeinde, die ihren sämtlichen Beamten diese Versorgung im Alter und der Hinterbliebenen gewährt. F. Z. Frankfurt a. M., 7. Februar. Das R o t h s ch i l d s ch e G e s ch ä s ts h a u s iu der Fahrgasse, Ecke Börnestraße, ist von Frau Baronin .E d m o n d de Roth s ch ild in Paris der F r a n k s u r t e r israelitischen Gemeinde zum Geschenk gemacht worden. Das einfache Gebäude wurde vor etwa hundert Jahren durch die Brüder Rothschild errichtxt und war bis vor wenigen Jahren, bis zum Uebergang des Geschäfts an die Diskvntogesellschast, der Sitz des Frankfurter Hauses Rothschild. Gegenwärtig befindet sich in dem Gebäude die Haushaltungsschule für jüdische Mädchen. Die Stifterin hat an ihr Geschenk die Bedingung geknüpft, daß das Haus auch ferner Gemeinde- und jüdisch-sozialen Zwecken dienen soll. Es sei daran erinnert, daß vor mehr als vierzig Jahren ein Attentat auf das Gebäude verübt wurde. Am Morgen des 19. April 1871, kurze Zeit, nachdem die Bureaus geöffnet waren, erschien ein Herr im Kontor des ersten Stockes und präsentierte an der Kasse einen Brief, in dem vier Millionen Mark gefordert wurden, widrigenfalls werde das Haus bis 10 Uhr abends in die Lust gesprengt sein. Als der Fremde noch im Bureau weilte, erfolgte plötzlich eiue furchtbare Detonation. Die Türen sprangen aus, und 125 Fenster wurden zertrümmert; einige Angestellte erlitten durch herumfliegende Glasscherben Verletzungen. Auf dem Vorplatz fand man noch eine zweite, mit Nitroglyzeringefüllte Bombe, die nicht zur Explosion gekommen war. Der Täter wurde sofort festgenommeu; es war der Deutsch- Lothringer Karl Müller. Er kam vor die Geschworenen, wurde aber am 18. August 1871 als unzurechnungsfähig erklärt und freigesprochen. — Die israelitische Gemeinde beabsichtigt, in das erinnerungsreiche Haus zunächst ihre Verwaltung zu legen, die sich seither in einem Haus der Hochstraße befand. Mannheim, 7. Februar. In einer Klagesache gegen einen Taglühner aus Heidelberg wurde hier vor dem Schöffengericht der jüdische Kaufmann W ü r t h als Zeuge ausgerufen. Als er den Hut zur Ablegung des Eides abnehmen sollte, verweigerte er dies, da er strenggläubiger Israelit sei. Der Vorsitzende ermahnte ihn nochmals, sich keine Strafe zuzuziehen und den Hut abzunehmen. Würth aber blieb dabei. Der Zeuge wurde nicht vereidigt, aber er Nmrde zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt. Er hätte sich nach der Strafbegründung wohl ein Gebetkäppchen mitbringen können, das wäre wie früher auch jetzt nicht beanstandet worden. — Weingarten (Baden), 7. Februar. Nachdem unser Lehrer und Kantor Herr Ehrlich vor einigen Wochen in den Bürgerausschuß gewählt wurde, hat ihn das Amtsgericht Durlach für zwe, Sitzungstage im lausenden Jahre zum Schössen bestimmt. Es ist gewiß eine erfreuliche Tatsache, wenn einem jüdischen Lehrer auch seitens der politischen Gemeinde so viel Achtung und Vertrauen enlgegengebracht wird, daß ihm solche Ehrenämter übertragen werden. * Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 6. Februar. Die wilden, unkontrollierbaren Kriegsg c r ü ch t e, welche zur Zeit der vcrschärstesten Krise die Bevölkerung in Galizien in Angst versetzten, schlugen namentlich den wirtschaftlich schwachen jüdischen Existenzen in Ostgalizien schwere Wunden. Die jüdischen Landbewohner flüchteten in die Städte, wodurch die ohnehin große Not der ansässigen Bevölkerung erhöht wurde. Die wilde Landflucht der jüdischen Dorfbevölkerung hatte ihre wichtigste Ursache in der Gärung unter den russophilen Elementen der ruthenischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.