Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
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generalen ernannt worden, 14 zu Obersten, 21. zu Oberstleutnants, 68 zu Majors, 107 zu Hauptleuten und Rittmeistern, 36 zu Militärärzten, 26 zu Jntendanturoffizieren. Flotte: Unter den eigentlichen Seeoffizieren sind die Juden zwar selten, allein es finden sich manche in Werststellungen und sonstigen Verwaltungsämtern der Marine, insbesondere in den Pulverfabriken. Richterstand: Aus den verschiedenen Stufen werden hier 110 gezählt. Staatsrat: Auffällig ist bei dieser Körperschaft, die neben ihren Obliegenheiten als beratendes Organ der Zentralverwaltung die oberste Verwaltungsgerichtsbarkeit wahrnimmt, daß bei einem Bestand von 120 höheren Beamten nicht weniger als 20 Juden sind. Präfekturen: Es läßt sich über die Zahl der jüdischen Präfekten und Unterpräsekten nichts Genaues feststellen, dagegen sind von den Oberbeamten, die den Preußischen Negierungsräten usw. entsprechen, nach den Angaben der jüdischen Blätter 25 ihres Glaubens. Ministerien: In den persönlichen Einfluß gewährenden Stellen in der näheren Umgebung der Minister, wie als Vorsteher der Privatkanzlei usw., werden 50 Juden erwähnt. Unterricht: Unter den Professoren der Universitäten und höheren Lehranstalten, deren Ernennung der Regierung zusteht, befinden sich 202 Juden., Zwei Juden bekleiden die hohe Stellung eines Generalinspektors des öffentlichen Unterrichts, vier sind Inspektoren für die sämtlichen Elementarschulen je eines Departements. Bergwerksverwaltung und Vermessungswesen: Unter den vom Staate ernannten Oberingenieuren befinden sich über 30 Juden. Auch in der Zentralverwaltung der Polizei bekleiden Juden wichtige Aemter. Es wird u. a. daraus hingewiesen, daß während des letzten Jahrzehnts die Zahl der Juden, die in die Ehrenstellung eines Rates für den auswärtigen Handel eingerückt sind, außerordentlich zahlreich ist. Außer zehn Gelehrten der Rasse, denen sich die Pforten des Instituts geöffnet haben, sitzen sechs Juden in der Kammer und vier-im Senat. Während der letzten 60 Jahre sind sechs Juden Minister gewesen, nämlich Cromieux 1848 uüd . 1870, Goudchaux 1848, unter dem zweiten Kaiserreich Achille Fould, die beiden letztgenannten als Finanzminister, unter der dritten Republik Millaud (öffentliche Arbeiten) Raynal (öffentliche Arbeiten, später Inneres) und Klotz, der als Finanzminister dem gegenwärtigen Kabinett angehört. Es wird auch noch auf die ganz bedeutende Zahl der Juden in der Presse hingewiesen, und als besonders kennzeichnend hervorgehoben, daß die sämtlichen Geldgeber für die freidenkerische und sozialistische Humcrnitb des Rhetors Jaurös Juden sind. Johann horniger? Von Theodor Landsberg, m 25. Januar dieses Jahres ist der Architekt Johann Hoeniger, Baumeister der jüdischen Gemeinde Berlin, gestorben. Mit ihm ist ein Mann dahingeschieden, der für die Gemeindeverwaltung von großer Bedeutung war. Hoeniger, geboren 1851, hat seine erste Ausbildung aus der bekannten Baugewerkschule in Holzminden genossen; daraus war er in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts als junger Architekt bei Bauten des Reiches mit bedeutenden Künstlern gemeinsam tätig. Größere Studienreisen und ein längerer Aufenthalt in Italien vertieften und vervollständigten seine architektonische Ausbildung. So war er wohl vorbereitet, als er im Jahre 1881 den Posten des Gemeindevaumeisters übernahm. Damals bestand die Aufgabe des Gemeindebaumeisters hauptsächlich in der Unterhaltung der Gemeindebauten, deren Zahl, besonders verglichen mit der Gegenwart, noch nicht sehr groß war. Die Stellung war. dementsprechend nur gering besoldet, so daß sie nur neben anderer Tätigkeit in Frage kommen konnte. Hoeniger mußte deshalb eine eigene Architekturfirma gründen, die sich als die Firma Hoeniger und Sedlmeyer eines sehr guten Rufes erfreute, besonders für den Bau von Geschäftshäusern. Seine erste bedeutende Arbeit für die Gemeinde war die Erneuerung der ehrwürdigen, alten Synagoge in der Heidereutergasse, die *) Das Bild des Verstorbenen wird in einer der nächsten Nummern nachgeliesert. , Die Red. er piit Erfolg und künstlerischem Geschmack durchführte. Eine große Zahl von Neubauten für die Verwaltung, den Unterricht und den Gottesdienst schloß sich an. Es mögen genannt sein: die Knabenschule in der Großen Hamburger Straße, die Mädchenschule in der Kaiserstraße, der Umbau der Synagoge in der Kaiserstraße, der Bau des Hospitals neben der Neuen Synagoge, die dritte Alterversorgung in der Exerzierstraße, das Verwaltungsgebäude in der Rosenstraße, die Erweiterung des Verwaltungsgebäudes in der Oranienburger Straße, die zweite Halle auf dem Friedhof Weißensee. Bei den Synagogen in der Lindenstraße und der Lützowstraße, die von anderen Architekten ausgeführt wurden, wirkte Hoeniger als Aufsichtsbeamter mit, die Synagoge in der Rhkestraße baute er nach eigenem Entwurf und erzielte bei diesem Bauwerk eine vortreffliche Raumwirkung. Den Bau der Fasanenstraßensynagoge führte er nach dem im öffentlichen Wettbewerb preisgekrönten Entwurf des Architekten E. Hessel mit diesem gemeinsam aus. Während seiner Krankheit arbeitete er mit Eifer und Erfolg an dem Entwurf und dem Bau der Synagoge in der Levetzowstraße, einem Bauwerk, das hervorragend zu werden verspricht. Diesem Bau widmete der verstorbene Meister seine ganze Liebe. Er hatte den Herzenswunsch, dieses Gotteshaus noch sertigzustellen: wußte er doch, daß er schwer erkrankt war. Leider wurde ihm dieser Wunsch nicht gewährt. Der unerbittliche Tod hat ihm den Griffel aus der Hand genommen; mitten im eifrigen Schaffen ist er, in den Sielen, gestorben. Noch am letzten Tage seines Lebens arbeitete er an der Levetzowstraßensynagoge. Johann Hoeniger war ein tüchtiger Künstler; wie v. Großheim aus dem Zimmergewerbe hervorgegangen war, so wgr Hoeniger gelernter Maurer. In unermüdlicher Arbeit, fleißig von früh bis spät, hat er sich zu dem leistungsfähigen Architekten herangebildet. Seine künstlerische Entwicklung stand noch unter dem direkten Einfluß der Schinkelschen Schule, der großen Baumeister Stüler, Strack, Hitzig, Knoblauch. Aber er wußte sich auch das Gute der neueren Richtung zu eigen zu machen, die besonders durch den Namen Messel gekennzeichnet ist. Als Beamter war Hoeniger für die Gemeindeverwaltung und die Kommissionen von hervorragendem Wert. Er besaß große geschäftliche Erfahrung, Gewandtheit in der Behandlung Mwrerrger Fragen, entgegenkommendes, freundliches Wesen, eine seltene Bescheidenheit. Die schwere Lebensarbeit wurde ihm durch ein glückliches Familienleben erleichtert,' das er an der Seite einer liebenden und verständnisvollen Gattin, seiner Cousine, fand. Mit der - Gattin trauern zwei Heranwachsende Kinder um das dahingeschiedene Familienhaupt. Die Gemeinde Berlin verliert an dem Verstorbenen einen treuen, tüchtigen Beamten; sie wird sein, Andenken hoch in Ehren halten. * ■ ' höchste Leit! Von Bernhard Breslauer. er zufolge freiwillig übernommener Pflichten genötigt ist, zu beobachten, wie unsere Glaubensgenossen in Deutschland ihre eigenen Angelegenheiten in der Oeffentlichkeit behandeln, der wird von der Art dieser öffentlichen Betätigung, wie sie sich in den letzten Jahren herausgebildet hat, mit schmerzlichem Unbehagen erfüllt werden. Daß es in öffentlichen Versammlungen nicht immer ruhig zugehen kann, daß namentlich bei Verhandlungen über reli- I giöse und politische Dinge die Geister aufeinanderplatzen, ist! selbstverständlich.