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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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die Prozentnorm für die ausländischen jüdischell Studenten eingeführt sei, man dann dieses russische Systemauch aus die deutschen jüdischen Studenten übertragen könne. Aus der ursprünglich" beantragten Resolution wurden, um eine einhellige Kundgebung züHnöglichen, alle scharf provozierenden Stellen gestrichen: und dem Anträge der K. C. Körperschaft entsprechend die folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die.am 29. Januar in den Sophiensälen tagende jüdische Akademikerversammlung erkennt die Forderung des Physikums als berechtigt an) erhebt aber energischen Protest gegen Maßnahmen/ die wie die'Einführung der Prozentnorm im russischen Staate der jüdischen Jugend alle Bildungsmöglichkeiten abschneidet." ‘ A; F. Berlin, 29. Januar. I m Verein für j ü d i s ch e * G esch i ch t e und Literatur sprach am 23. Januar Herr Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw, Szegedin, über das Thema: „Die Juden und die Pflanzenwelt." Der Redner erklärte verschiedene in Bibel/ Talmud und auch in späteren Schriften erwähnte Pslanzenarten und zeigte, wie oft man durch Mangel der einschlägigen botanischen Kenntnisse die diesbezüglichen Stellen falsch übersetzte. Aus der Fülle der lehrreichen Beispiele, die der -Redner zitierte, wollen wir nur eines herausgreifen. Das in der Mischnah erwähnte „Borith-Karschinah" wurde früher -mit „die Seife aus Karschinäh" übersetzt. Dieser Ort Karschina war aber sonst nirgends erwähnt. Eine nähere Untersuchung ergab, daß Karschinah /eine Linsenart bedeute, aus der man Pottasche für die Herstellung von Seife gewann. Der Sinn dieser Worte sei demnach ein ganz anderer. Er legte im Lause seiner Ausführungen ferner dar, daß die Juden, da ihnen verschiedene Erwerbszweige im Mittelalter untersagt waren, aus-die Entdeckung neuer Erwerbszweige angewiesen waren'und aus diese Weise viel zur Einführung fremder Pflanzen in Europa beitrugen. Der Tabak habe seine Verbreitung in Europa nicht zum geringsten Teile den Juden zu verdanken. Der Redner, der ein sehr umfangreiches Wissen aus botanischem Gebiete besitzt, hat es verstanden, den spröden, wissenschaftlichen Stofs mit echt jüdischem Humor zu . würzen, so daß die zahlreiche Zuhörerschaft seinen Ausführungen mit reger Aufmerksamkeit folgte und ihm gern den verdienten Beifall, spendete. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In' Schrimm, Schroda, Grätz sprach Dr. Carl Pinn-Berlin über „Jüdische Geistesheroen", in Crone a. d. Brahe: „Was hat das Judentum für die Kultur geleistet?", in Rogasen über „Die Bedeutung des Judentums für die Wissenschaften"; in Rakel sprach Hosrat Dr. Adolf Kohut über „Herder, das Judentum und die Bibel"; in Labischin Herr 'Leo Renarzewski über „Antisemitismus und Judentum"; in Pankow bei Berlin Rabbiner Dr. Warschauer über „Das Wesen des Judentums"; in Bayreuth Rezitator Josef Ambrum über „Moderne jüdische Dichtungen"; in Mannheim Dr. Poritzky-Berlin über „Maxim Gorki und seine Beziehungen zum Judentum"; in Köln am Rhein Dr. N. Birnbaum-Berlin über „Das jüdische Problem in der deutschen Dichtung"; in Aachen Rabbiner Dr. M. E s ch e l b a ch e r - Freiburg über „Das Judentum unserer Tage"; in Oldenburg Rabbiner Dr. M a n n h e i m e r : „Der Talmud"; in Memel Dr. L. H i r s ch b e rg-Berlin: „Psalmenkompositionen klassischer Meister"; in Allenstein derselbe: „Die Bibel in der Musik", 2. Teil; in Memel Rabbiner Dr. B e e r m a u n - Insterburg über „Das Gleichnis in der jüdischen Literatur"; in Ostrowo Dr. Carl Pinn: „Der Jude als Romansigur"; in Magdeburg Dr. M. Spanier über „Jrrtümer, Entstellungen und Vorurteile aus dem Gebiete der jüdischen Religion, Geschichte und Literatur"; in Pforzheim Frau L aur a Sch n e i d e r- Straßburg über Nahida Nehmys Buch: „Das jüdische Weib"; in Lissa i. Pr.'Dr. Poritzky-Berlin: „Die Berliner Boheme";. Rabbiner Dr. Neuhaus - Ostrowo über „Judentlim. und Weltanschauung im Wandel der Zeiten". Berlin, 4. Februar. Der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt am 27. v. M. seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, die von dem ersten Vorsitzenden-Professor Philip p s o n geleitet wurde. Der von ihm erstattete Geschäftsbericht konstatierte zunächst eine erhebliche Steigerung der Mitgliederzähl, die gegenwärtig zirka 1200 beträgt. Ebenso erfreulich sei es, daß die Veranstaltungen des Vereins sich fortgesetzt eines sehr regen Zuspruches seitens der Mitglieder erfreuen. Dieser Umstand sei neben dem allgemeinen Interesse, für die Bestrebungen des Vereins als eine Folge des sorgfältig zusammengesetzten letzten Programms zu betrachten, das eine Reihe von glänzenden Namen zugkräftiger Redner und The- - mata aüswies. Der Verein, der jetzt in sein 21. Arbeitsjahr eintritt, dürfe mit froher Hoffnung in die Zukunft blicken.' Herr Benas' L ev y ergänzte den Bericht durch mannigfache'Mitteilungen.über die von ihm geleitete. Agitation, sowie über das Vereinsvermögen und die Herstellungskosten des Jahrbuches, 'die infolge der erhöhten Druck-und Papierpreise sich dementsprechend bedeutend vermehrt hätten. -Nach einer , sehr lebhaften Diskussion über die fernere Ausgestaltung derVereinstätigkeit erstattete Herr W. Loewenthal den Kassenbericht: Die Einnahmen betrugen 17 043.27 Mark, die Ausgabe 12 433.37 Mark^ der Bestand 4609.90 Mark. Auf Antrag der Revisionskommission erfolgte einstimmig die Entlastung für den Schatzmeister.. Zu einer längeren Debatte führte eine von Dr. R. Leszynski in der vorigen Generalversammlung eingebrachte Resolution, die die Wiedereinführung von Diskussionsabenden und Fortbildungskursen verlangte, und über welche nun abgestimmt werden sollte. Dazu kam es aber nicht, da der Antragsteller nach , einer Erklärung des Vorsitzenden, die in der Resolution gegebenen Anregungen, insbesondere bezüglich der Wiedereinführung von Fortbildungskursen in Erwägung zu ziehen, die Resolution auf allgemeinen Wunsch zurückzog. Bei den sodaNn vollzogenen Wahlen wurden in besonderen Wahlgängen Professor Philippson zum ersten, Dr. I. Elbogen zum zweiten Vorsitzenden, sowie der Gesamtvorstand und die Revisionskommission durch Zuruf wiedergewählt. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildeten die Feststellung des Haushalts für das Jahr 1912/13 mit 14 500 Mark und die Bewilligung verschiedener Subventionen. Nach einer ^kurzen Ansprache des Herrn Dr. I. Kaftan, in der er dem Vorstünde, insbesondere dem Vorsitzenden und dem Schatzmeister für ihre Mühewaltung den Dank des Vereins zum Ausdruck brachte, wurde die Generalversammlung von. dem Vorsitzenden mit den besten Wünschen für die Zukunst des Vereins geschlossen. . L2 Berlin, 4. Februar. J ü dischen Lehr ern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen aus dem Gebiete der'Religionswissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemein de eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschten Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die jährlich im März und September stattfindet, erstreckt sich auf folgende Gebiete: Methodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Neligionslehre, Religionsphikosophie und Einleitungswissenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten: Au den Schul- und Talmud- Thora- Vorstand der jüdischen Gemeinde, Berlin X. 24, Oranienburger -Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des Prüsungsreglements verabfolgt. 22 Berlin, 4. Februar. Im Anschluß an die diesjährige K a i s e r g e b u r t s t a g f e i e r in der Aula der Knabeiftchule der hiesigen Gemeinde, in der Herr Lehrer Rosenthal, der den Krieg 1870/71 als Freiwilliger mitgemücht hat, einen eindrucksvollen Vortrag über die Feldpoesie in diesem Kriege hielt, fand unter Leitung des Turnlehrers Herrn C o h n in der Turnhalle ein Schau- und Wetturnen statt. Schwierige Frei- und Geräteübungen sowie Eilboten-, Wett- und Hindernislauf zeigten die freudige Teilnahme und die gute turnerische Durchbildung der Schüler. Zum Schluß ' wurden an drei Barren Pyramiden gestellt. 22' Berlin, 4. Februar. Das jüdische Ge.nesungsheim zu Lehnitz ist auch in diesem Jahre wiederum.bereit, jüdischen Frauen und Mädchen, die der Erholung bedürfen, Ausnahme zu gewähren. Da das Heim schon Anfang März wieder eröffnet wird und im Sommer der Andrang stets ein-sehr großer ist, ist es. empfehlenswert, Gesuche um Ausnahme sofort, unter, Beifügung eines ärztlichen Attestes, an das Bureau des Vereins jüdisches Genesungsheim, Berlin C 2, Rosensträße 2/4, zu richten. "W. Posen, 31. Januar. Am 18. d. M. fand die Eröffnung des Betriebes der Unterkunstsstätte für jüdische arme Durchw a n«d e r e r statt. Zw diesem Akte hatten sich eingesunden/ ' Delegierte der beiden Körperschaften der israelitischen Gemeinde, die Vorstände der verschiedenen Wohltätigkeitsveveine und mehrere Gäste. . Der Vorsitzende Herr Ehrenwerth begrüßte die Erschienenen und führte in seiner Ansprache aus, auf welche Weise «dieses Heim entstanden ist. Die Anregung hierzu'ging vom Redner aus. Sodann -überbrachte Herr Bankier Goldsch'midt die Wünsche vom Verbände der Synagogengenreinden des Megierungsbezirks Posen,: und daran anschließend Herr Manasse Werner die des Vorstandes urrd der Itepräsentantenversanrmluug der Synagogengemeinde. Für die- Um terkunftSstätte sind fast alle inner-m Einrichtungen des Hauses von

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