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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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72 daß du die 20 000 Taler von mir genommen hast, und du sollst in Zukunst alles bekommen und noch mehr dazu!" Bei Tisch wurden Reden gehalten, zuerst aus Braut und Bräutigam, dann auf die' Eltern der Braut; aber als dann derjenige, dem es zukam, ausstand, um ein Hoch auf die Eltern des Bräutigams auszubringen, unterbrach Mortche ihn höflich und sagte: „Ein Hoch muß vorher noch ausgebracht werden. Mein Bruder Simon geht vor. Weshalb sollen wir leugnen, was jeder weiß? Das ist sein Werk. Meine Kindeskinder sollen seinen Namen segnen. Darauf wollen wir alle rufen: Hurra!" Als Simon sich von seiner Rührung zu erholen begann, fühlte er etwas Weiches um seinen Hals und etwas Warmes an seiner Wange. Es war die Braut. Mrechsasl. Mit der Bitte um Abdruck geht uns folgendes Schreiben zu: Dess au, den 31. Januar 1913. Herrn L e ß m a u u, Verleger des „Hamburger Israelitischeil Iamilienblattes", Hamburg. Sehr geehrter Herr Leßmaun! In den Nr. 4 und 5 der „Jüdischen Rundschau" finde ich heftige Angriffe gegen Sie und den Redakteur Ihrer Zeitung, Herrn Dr. Rosen-- bäum, wegen des iu Nr. 3 Ihrer Zeitung erschienenen Aufsatzes „Ausländer". Demgegenüber erscheint es mir Pflicht, als Deutscher und Jude Ihnen zu bezeugen, daß das Verhalten Ihrer Zeitung hinsichtlich des bezeichneten Aufsatzes durchaus deutschen und jüdischen Anschein ungm gerecht wird. Dabei verstehe ich unter „deutschen" An? schuuungen die natioualdeutschen Anschauungen, zu denen wir deutschen Juden uns mit Leib und Seele bekennen, und unter „jüdischen" Anschauungen die religiös jüdischen Anschauungen, die wir deutschen Juden mit allen Mitgliedern unserer religiösen Gemeinschaft gemeinsam haben. Die zionistischen Angriffe sind nur daraus verständlich, daß die Zionisten sich ein Nationaljudentum zusammenphantasieren, das von den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens außereiner Reihe verärgerter Akademiker und ihrer verhetzten Gefolgsleute eben nur als Phantasie betrachtet wird. Ihre Vereinzelung unter den deutschen Juden suchen die Zionisten durch doppelten und dreifachen Lärm der Oefsentlichkeit gegenüber zu verhüllen. Man könnte sie ihrer eigenen Unfruchtbarkeit überlassen, wenn nicht ihre natioualjüdischen Argumente drn Antisemiten brauchbarsten Stoff zu Angriffen gegen das deutsche Judentum lieferten, lind wenn sie nicht den ausländischen Juden in Deutschland, die lange vor Begründung des Zionismus unsere Väter und Vorväter in selbstverständlicher Anhänglichkeit an die Glaubensverwandten gehegt und gepflegt haben, einredeten, daß diese von ihrem Eintritt in Deutschland an und schon vor der Einbürgerung in deutsche Kultur Anspruch aus volle Gleichberechtigung unter den deutscher Juden hätten. Der allgemeine Standpunkt des Artikels „Ausländer" ist daher nicht nur der meine, sondern er wird auch in den weitesten Kreisen des deutschen Judentums als der richtige erkannt, sicherlich überall da, wo man in gleichmäßig innigem Festhalten an Deutschtum und Judentum die einzige Gelvahr für den Fortbestand des deutschen Judentums und zugleich für die Erlangung der lückenlosen Gleichberechtigung im deutschen Volke erblickt. Dem Verfasser des Artikels „Ausländer" gebührt für die mutige Aeußernng seiner Ansichten unser aller Dank. Ich habe gegen den Abdruck dieses Briefes in Ihrem geschätzten Blatte nichts einzuwenden. Mit vorzüglicher Hochachtung Rechtsanwalt Dr. Cohn. Schr geehrter Herr Redakteur! Iu Nr. 2 des lausenden Jahrgangs dieser Zeitung bespricht Herr Rvseubaum unter Hinweis auf meinen, in Nr. 45, 1912 erschienenen Aussatz einen in Rothenburg o. Tauber befindlichen Doppelgrabstein. Ich darf vielleicht darauf Hinweisen, daß ich bereits vor 21 Jahren in diesen Blättern über diesen Stein berichtet habe. („Ein Ausflug nach Rothenburg ob der Tauber" in „Allg. Z. d. I." 1891, Nr. 42). Er befindet sich an einem Eckhause am unteren östlichen Eingang der noch heute, so genannten Judengasse auf der rechten Seite, deren westliches Ende das „Judentanzhaus" bildet. Auch in den-trüben Zeiten des Mittelalters regte sich -die den Menschen angeborene' Lebenslust in den Herzen unserer Ahnen und so errichteten sie vielfach Ballokale oder Tanzhäuser, wie man zu sagen Pflegte. In seiner Schrift „Aus dem inneren Leben der Deutschen Juden im Mittelalter" erwähnt Berliner das Vorkommen solcher Vergnügungsstätten in den Ghetti von Frankfurt a. M., Augsburg und Eger. Daß dieses nicht die einzigen waren, beweist eben das noch heute gut erhaltene „Judentauzhaus" des Tauberstädtchens. Im übrigen wären noch die Angaben des Herrn Rosenbaum dahin zu berichtigen, daß der erwähnte Stein aus dem Jahre 1379 (nicht 1378) stammt und daß er das Grab eines Knaben Moses und seiner Schwester Rechlin (Diminutiv von Rachel!) bezeichnete, die innerhalb 8 Tagen (15. und 22. Elul) zur etvigen Ruhe nebeneinander gebettet worden waren. Nürnberg. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Karl Wert h e i m. -* Sehr geehrte Redaktion! Ihr geschätztes Blatt bringt in Nr. 5 einen Leitartikel „1813—1913" von Modestus, mit teils ungenügenden, teils fälschen Angaben über die jüdischen Freiwilligen während der Befreiungskriege. Wenn der Verfasser meine betreffenden, ans den Listen des Preußischen Kriegslninisteriums geschöpfteil Abhandlungen in den doch sattsam bekannten Zeitschriften: „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums", 1996, Heft 1 und 2, sowie „Im Deutschen Reich", Sommer 1903, gelesen hätte, so. würde er gesehen haben, daß nicht, wie er sagt, 125, sondern 407 jüdische Freiwillige der Jahre 1813/14 uns n a m ent - l i ch bekannt sind, daß feine ganz Phantastischen Angaben über jüdische Avancierte unrichtig silld, daß nicht weniger als 69 Inden das Eiserne Kreuz erhalten haben. Bgl. noch meine „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes" I. 83 ff. Hochachtungsvoll M. P h i l i P P s v n. * Hochgeehrter Herr Redakteur! Zn der Notiz des Herrn M. Schweitzer in Nr. 3 dieses Wochenblattes über die Zeitangabe der endlichen Erlösung erlaube ich mir folgendes zu bemerken: , Die Zeitbestimmung Malbims (dessen Kvinmentar ich uwmentan nicht zur Hand habe) und dessen Erklärung der fchwie-rigen Stelle im Buche Daniel VH, 25 beruht meines Erachtens nicht auf kabbalisti- - scheu Alldeutungen, sondern sie entspricht vielmehr einer Erklärung im Talmud (Sanhedrin 97 b). Daselbst heißt es: Folgender Vers ist unersorschlich und unergründlich lvie die Tiefen des Meeres ... Nicht lvie unsere Weisen, die sich aus Daniel berufen und meinen „eine Zeit, Zeiten, und die Hälfte der Zeit". Dazu bemerkt Naschi: pl? entspricht die Zeit, die Jisroel in Aegypten war 400 Jahre, ‘ph7lJ 800 Jahre (das doppelte pj» und py pa 200 Jahre (die Hälfte der Zeit 1400 Jahre . Und nicht lvie Rabbi Simlai, der folgende,Rechnung anfstellte: der Allsenthalt Israels in Aegypten betrug 400 Jahre, das babylonische Exil währte 70 Jahre, welche Zahlen mit 3 zu multiplizieren wären — 400X3 — 1200 Jahre, \U und 70X3 — 210 Jahre 1410 Jahre . ■ Man sieht aus diesem kleinen Beispiele, daß der bedeutende Exeget Mälbmn bei der Berechnung der genannten Zahlen und Erklärung der dunklen Stelle in Daniel sich mehr nach dem Talmud gerichtet , habe. Und auch der Nachsatz 12? Qd-findet sich ebenfalls im Talmud ' a. a. O., wenn auch mit anderen Worten. Interessant ist aber die Bemerkung des Talmud, der v o r s v l ch e n Wer e ch n it ngen w a r n t. Vielleicht wäre es auch für uns ratsamer, dem Talmud zu sölgen. ... Mit vorzüglicher Hochachtung . Ihr ergebener Zwittau (Mähr.) Dr. Felix Kanter.

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