Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Methoden gewonnenen Ergebnissen seine Physiologischen Feststellungen weitgehend gestützt hat. Sein Lebenswerk, die Hirnlokalisation, stellt heute ein festes wissenschaftliches Gebäude dar, das auch für die menschliche Therapie und Pathologie unendlich bedeutungsvoll geworden ist. Ebenso sind seine hirnphysiologischen Untersuchungen naturgemäß für die experimentelle Psychologie, soweit sie auch physiologische Psychologie ist, von großer Bedeutung. Er knüpfte an Helmholtz an. Aber während Helmholtz sich lediglich auf Eigenschaften und Vorgänge an 'den Sinnesorganen und Sinnesnerven stützte, um zu. zeigen, wie Nervenerregungen Zusammenwirken müssen, damit bestimmte Wahrnehmungen . . und Vorstellungen Zustandekommen, suchte Munk in der' Großhirnrinde die zentralen Organe der verschiedenartigen Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen zu erkennen und die engeren Beziehungen dieser Organe und ihrer Teile zu den Sinneswerkzeugen festzulegen; er bemühte sich außerdem, durch das Studium der zentralen Organe und ihrer Teile sowie des Zusammenhangs, in dem diese miteinander stehen, die materielle Grundlage für das seelische Geschehen auszubauen. Im einzelnen: Ursprünglich hatte. Munk die Großhirnrinde dargestellt als ein Aggregat von Rindenabschnitten, die den' verschiedenen Sinnen zugeordnet sind. Es sollen demnach z. B. in der Sehsphäre nur - Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen des Gesichtssinnes Zustandekommen. Später ermittelte er, „daß in der Sehsphäre außer den Sehnervensasern auch Gefühlsnervenfasern ihr Ende finden und durch deren Vermittelung Gefühlsempfindungen entstehen, aus denen im Verein mit Gesichtsempfindungen Gesichtsvorstellungen hervorgehen." Damit ist er selbst von seiner früheren Unterscheidung zwischen Rindenzentren und Seelenzentren losgekvmmen, die allerdings psychologisch sehr bedenklich war. Ein gütiges Geschick hat dem Dahingeschiedenen Jahre und Kraft gegeben, sein Lebenswert zu vollenden. Um den Verlust des edlen Menschen trauern seine vielen Freunde und Verehrer, für die sein Tod allzufrüh erfolgte. (Aus der „Jll-ustrirten Zeitung".) Akilkrrinnkrungen an Spanien. Von Caspar Lazarus. . TI1- Straßen waren so belebt, daß man kaum durchkommen konnte. Die größten Geschäfte, der lebhafteste Verkehr, konzentrieren sich in der sehr engen Calle de las Sierpes, der Schlangenstraße. Vier bis fünf offene, elegant ausgestattete Barbierläden erinnern an den Barbier von Sevilla und Figaros Gesanötensaal^im Alkazar zu Sevilla. Hochzeit. Vor dem gut geleiteten Case Passage saß ich bis 2 Uhr nachts in deutscher Gesellschaft, darunter Vertreter der A. E. G., Siemens-Schuckert mit ihren Angehörigen; und der deutsche Braumeister veranlaßte mich, ein größeres als gewohntes Quantum dort gebrauten hellen Bieres, Pilsener genannt, zu vertilgen. Unter den zahlreichen Kirchen Sevillas nimmt die Kathedrale den ersten Rang ein; sie ist eine der größten und reichsten Kirchen der Welt und birgt ein Museum von Kunstschützen. Der maurische Turm, unter.dem Namen Giralda bekannt, ist ohne Stufen in bequemer Weise zu besteigen und bietet eine herrliche Aussicht. In Sevilla existiert, wie bereits erwähnt, seit einigen Jahren eine kleine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge und einem Rabbiner, der zugleich Mohel und Schochet ist. Vor etwa zwei Jahren war eine Barmizwaseier, der der Alkalde (Bürgermeister) und andere hohe Beamten beiwohnten. Das schönste Gebäude, das Sevilla nächst der Kathedrale aufweisen kann, ist der Alkazar, die besterhaltene Schöpfung der Araber in Spanien. Dieser Königsbesitz übt einen bezaubernden, fremdartigen Reiz aus. Das Charakteristischste in Sevilla sind die überaus schönen Patios. Ein Patio ist der Jnnenhof des Hauses, in den man von der Straße aus einen Einblick hat, mit von einem zierlichen Gitter umschlossenem Garten, mit Pflanzen, Blumen, Fontänen geschmückt. Abends werden sie mit bunten Lampen beleuchtet und machen den Eindruck eines orientalischen Hauses. - Der Patio de las Doncellas ist der reizendste des Alkazar. Die Räume sind zum Wohnen eingerichtet und zeigen teilweise moderne Ausstattung, da die Königsfamilie im Frühjahr einige Wochen daselbst verbringt. Unvergleichlich schön ist der Garten mit seinen mächtigen Palmen, mit den hohen Lorbeer- und Granatbäumen, die mit dunkelroten Blüten bedeckt sind. Am Eingang in die Stadt befindet sich die große Monvpvl- Tabakfabrik, in der angeblich Carmen tätig war und heute über .'>000 Arbeiterinnen beschäftigt sind; unter diesen gibt es hübsche und Pikante Zigeunerinnen, alle mit Nelken- oder Orangenblüten im tiefschwarzen Haar. Das eigentliche Volksleben Sevillas kann man am besten in den Vorstädten kennen lernen, besonders andalusische Tänze. Durch nichts spricht sich das rege Leben, die glühende Leidenschaftlichkeit des Spaniers stärker aus als durch diese Tänze. Sobald die Kastagnetten klappern, die Gitarre ertönt, verwandelt sich sein Ernst in strahlende Fröhlichkeit. Mein Weg führt mich dann nach Cordova. Bei einem Besuch, den ich einer aus Gießen stammenden Familie B l u -. menfeld abstattete, wurde mein Kilometerheft verlegt; als ich es wieder fand, war inzwischen der zweimal wöchentlich verkehrende Rapido fort, und ich mußte den gewöhnlichen Zug benutzen.